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Japan

Nationalparks · Hokkaido

Nationalpark Daisetsuzan

大雪山国立公園だいせつざんこくりつこうえんDaisetsuzan Kokuritsu Kōen

Spielplatz der Götter auf dem Dach Hokkaidos

Daisetsuzan ist eine weite Gebirgswildnis im Zentrum Hokkaidos, ein vulkanisches Hochland unter dem Asahi-dake, mit 2.291 m höchster Gipfel der Insel. Seit 1934 Nationalpark und bis 2024 der größte Japans, bietet er die ausgedehntesten Alpenwiesen des Landes, Schneefelder bis in den Sommer und Braunbärenland ohne Straßen.

Höhe: 2.291 mFläche: 2.267,64 km²Nationalpark · 1934Besonderes Naturdenkmal · 1971

Überblick

Daisetsuzan nimmt das gebirgige Herz Hokkaidos ein, zwischen Asahikawa im Westen und der Tokachi-Ebene im Südosten. Es handelt sich nicht um einen einzelnen Berg, sondern um mehrere Vulkangebirge: das Daisetsu-Massiv um Asahi-dake und Kuro-dake, die Tokachi-Kette mit dem aktiven Tokachi-dake im Südwesten, das Ishikari-Gebirge im Osten und dazwischen den abgelegenen Tomuraushi-yama. Mit 2.267 km² war er bis zur Ausweisung des Hidaka-Nationalparks 2024 der größte Nationalpark des Landes.

Das Hochland ist ein welliges Plateau in 1.700 bis 2.200 m Höhe oberhalb der Waldgrenze, auf dem Schneefelder den Sommer überdauern und im Juli einige der größten Alpenblumenwiesen Japans blühen. Darunter bedecken dichte Tannen- und Fichtenwälder die Täler, die von den Schluchten Sōunkyō und Tenninkyō zerschnitten werden. Thermalquellen in Asahi-dake, Sōunkyō, Tenninkyō und Shirogane dienen als Stützpunkte.

Die Ainu nannten das Plateau Kamui Mintara, Spielplatz der Götter. 1971 wurde das gesamte Kerngebiet zum Besonderen Naturdenkmal erklärt – Ausdruck seiner Bedeutung als eine der größten unberührten Gebirgswildnisse Japans.

Landschaft und Entstehung

Das Daisetsu-Massiv ist eine Gruppe von Schichtvulkanen und Lavadomen um eine zentrale, etwa 2 km weite Caldera, die Ohachi-daira. Der jüngste Kegel, der Asahi-dake, dampft noch aus den Fumarolen des Jigokudani-Kraters an seiner Westflanke. Im Südwesten reihen sich die Vulkane der Tokachi-Kette, deren Tokachi-dake zu den aktivsten Hokkaidos zählt: Sein Ausbruch von 1926 löste einen Schlammstrom aus, der in den Tälern 144 Menschen tötete. Das Ishikari-Gebirge im Osten ist älteres, nicht vulkanisches Bergland.

Große Ausbrüche vor etwa 30.000 Jahren überdeckten die Region mit verschweißtem Tuff, in den Ishikari und Chūbetsu seither Schluchten mit säulig geklüfteten Wänden geschnitten haben: Die Wände von Sōunkyō ragen bis zu 150 m auf, Tenninkyō zeigt ähnliche Säulen. Auf dem Gipfelplateau erzeugt Frostwechsel Strukturböden, und nahe den Gipfeln gibt es kleine Permafrostinseln, eine Seltenheit in Japan.

Höhepunkte

  • Asahi-dake

    旭岳Asahi-dake

    Höchster Berg Hokkaidos (2.291 m), ein Vulkan mit aktiven Fumarolen, erreichbar ab der Bergstation Sugatami der Seilbahn.

  • Sōunkyō-Schlucht

    層雲峡Sōunkyō

    Schlucht mit säulig geklüfteten Felswänden am Oberlauf des Ishikari, mit den Wasserfällen Ginga und Ryūsei und einem Thermalort.

  • Kuro-dake

    黒岳Kuro-dake

    1.984 m hoher Gipfel über Sōunkyō, per Seilbahn und Sessellift erreichbar; Zugang zum zentralen Plateau.

  • Tokachi-dake

    十勝岳Tokachi-dake

    Aktiver Vulkan (2.077 m) im Süden der Tokachi-Kette, Aufstieg ab Bōgakudai oberhalb von Shirogane Onsen.

  • Tomuraushi-yama

    トムラウシ山Tomuraushi-yama

    Abgelegener, 2.141 m hoher Gipfel mit Felsgärten und Tümpeln, nur über lange Zustiege oder mehrtägige Überschreitungen erreichbar.

  • Shikaribetsu-See

    然別湖Shikaribetsu-ko

    Höchstgelegener natürlicher See Hokkaidos, auf etwa 800 m in den südlichen Wäldern, mit einem endemischen Saibling.

  • Seenrunde am Kōgen Onsen

    高原温泉沼めぐりKōgen Onsen numa-meguri

    Rundweg zu alpinen Tümpeln oberhalb von Daisetsu Kōgen Onsen, berühmt für Herbstfarben und Braunbären.

Natur

Ökologie

Die alpine Stufe des Daisetsuzan ist die ausgedehnteste Japans und ähnelt eher der arktischen Tundra als den Hochlagen Honshus. Viele ihrer Pflanzen kommen auch in Sibirien, auf Sachalin und in Alaska vor, einige sind endemisch. Schneetälchen, Kriechkieferngebüsch und windgefegte Schuttflächen bilden ein Mosaik, das dem Muster der Schneeschmelze folgt.

Zur Tierwelt gehören Eiszeitrelikte: der Nördliche Pfeifhase in Blockfeldern und Alpenfalter wie Daisetsu-Takane-Hikage und Asahi-Hyōmon, die es sonst nirgends in Japan gibt. Braunbären durchstreifen den gesamten Park bis auf die Hochflächen, Sikahirsche dringen zunehmend in höhere Lagen vor.

Flora

  • Alpenblumenwiesen

    Chinguruma (Silberwurz-Verwandte), Ezo-Primel und viele andere Arten überziehen im Juli Schneetälchen und Hänge.

  • Hosoba-no-urupusō

    ホソバウルップソウHosoba-no-urupusō

    Blau blühende Alpenpflanze, in Japan nur im Daisetsu-Gebirge.

  • Kumoi-Enzian

    クモイリンドウKumoi-rindō

    Endemischer Enzian des Hochplateaus, Blüte im Spätsommer.

  • Subarktischer Nadelwald

    Sachalin-Tanne und Yezo-Fichte bedecken die Täler, an der Waldgrenze Ermans Birke.

Fauna

  • Nördlicher Pfeifhase

    エゾナキウサギEzo-naki-usagi

    Kleiner Verwandter der Hasen in Blockfeldern, ein lebendes Relikt der letzten Eiszeit.

  • Daisetsu-Takane-Hikage

    ダイセツタカネヒカゲDaisetsu-takane-hikage

    Alpiner Augenfalter, in Japan nur im Hochgebirge Zentral-Hokkaidos; geschützte Art.

  • Asahi-Perlmutterfalter

    アサヒヒョウモンAsahi-hyōmon

    Kleiner Perlmutterfalter, auf das Daisetsu-Plateau beschränkt.

  • Braunbär

    ヒグマhiguma

    Im ganzen Park verbreitet; im Sommer oft auf dem Gipfelplateau bei der Suche nach Pflanzen und Insekten zu sehen.

  • Tannenhäher

    ホシガラスhoshigarasu

    Vogel der Kriechkieferzone, der Kiefernsamen versteckt und so zur Ausbreitung der Kiefern beiträgt.

Kultur

Für die Ainu der Ishikari- und Tokachi-Becken war das Massiv Nutapukaushipe, „der Berg über der Flussbiegung“, und das Hochplateau Wohnort der kamuy. Die japanische Erschließung kam spät: Vermessungsexpeditionen überquerten das Gebirge Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, und der Schriftsteller Ōmachi Keigetsu machte Daisetsuzan mit seinen Berichten über eine Reise im Jahr 1921 bekannt – auf ihn geht auch der Name Sōunkyō zurück.

Die Berge prägen Zentral-Hokkaido: Die Thermalorte wuchsen als Stützpunkte für Bergsteiger, der aus dem Park fließende Ishikari bewässert die Reisfelder des Kamikawa-Beckens, und die Hügellandschaften von Biei und Furano am Fuß der Tokachi-Kette wurden durch Fotografie und Fernsehen landesweit berühmt.

  • Besucherzentrum Asahi-dake

    旭岳ビジターセンターAsahi-dake Bijitā Sentā

    In Asahi-dake Onsen, mit Informationen zu Wegen, Wetter und Bären.

  • Besucherzentrum Sōunkyō

    層雲峡ビジターセンターSōunkyō Bijitā Sentā

    Ausstellungen zu Geologie und Tierwelt des nördlichen Parks im Thermalort Sōunkyō.

  • Blauer Teich von Shirogane

    白金青い池Shirogane Aoi-ike

    Durch eine Schutzsperre unterhalb des Tokachi-dake entstandener blauer Teich, knapp außerhalb des Parks bei Biei.

Geschichte

  1. vor ca. 30.000 Jahren

    Ein großer Ausbruch hinterlässt den verschweißten Tuff, in den später die Sōunkyō-Schlucht eingeschnitten wird.

  2. 1921

    Ōmachi Keigetsu bereist das Massiv; seine Berichte machen Daisetsuzan landesweit bekannt.

  3. 1926

    Ein Ausbruch des Tokachi-dake schmilzt Schnee und löst einen Schlammstrom aus, der 144 Menschen tötet.

  4. 1934

    Ausweisung als Nationalpark am 4. Dezember.

  5. 1971

    Das Kerngebiet des Massivs wird Besonderes Naturdenkmal.

  6. 1988–89

    Ausbruchsserie am Hauptkrater des Tokachi-dake.

  7. 2009

    Acht Wanderer sterben am Tomuraushi-yama in einem Sommersturm an Unterkühlung; die Regeln für geführte Touren werden verschärft.

  8. 2024

    Der neue Nationalpark Hidaka-sanmyaku-Erimo-Tokachi löst Daisetsuzan als größten Nationalpark Japans ab.

Im Lauf der Jahreszeiten

Frühling

Bis in den Juni liegt tiefer Schnee; am Asahi-dake und Kuro-dake wird bis in den Mai Ski gefahren.

Sommer

Der kurze Bergsommer im Juli und August bringt Blumenwiesen und die Saison der Überschreitungen; Schneefelder bleiben auf dem Plateau liegen.

Herbst

Japans erste Herbstfarben leuchten ab Ende August auf dem Plateau und erreichen Anfang Oktober Sōunkyō; der erste Schnee fällt oft Ende September.

Winter

Lang und streng mit tiefem Pulverschnee; der Asahi-dake ist Ziel für Tourenskifahrer, in Sōunkyō findet ein Eisskulpturenfest statt.

Routen und Wege

  • Asahi-dake ab Sugatami

    Von der Bergstation vorbei am Sugatami-Teich und den Fumarolen zum Gipfel; etwa 4 bis 5 Stunden hin und zurück.

  • Überschreitung Kuro-dake – Asahi-dake

    Ganztägige Querung des Zentralplateaus am Rand der Ohachi-daira-Caldera zwischen Sōunkyō und Asahi-dake Onsen.

  • Große Daisetsu-Überschreitung

    Mehrtägige Route vom Asahi-dake über den Tomuraushi zum Tokachi-dake, eine der großen Wildnistouren Japans mit nur einfachen Hütten.

  • Seenrunde am Kōgen Onsen

    Rundweg zu alpinen Tümpeln ab Daisetsu Kōgen Onsen, nur im Sommer und Herbst geöffnet, mit Einweisung wegen der Bären.

  • Tokachi-dake ab Bōgakudai

    Aufstieg über kahle Vulkanhänge vom Parkplatz Bōgakudai oberhalb von Shirogane Onsen; abhängig von der Vulkanwarnstufe.

Praktische Hinweise

  • Hauptzugänge sind Flughafen und Bahnhof Asahikawa; Busse fahren nach Asahi-dake Onsen und Sōunkyō. Der Süden wird von Obihiro und Furano aus erreicht.
  • Auf dem Plateau kann es im ganzen Sommer winterlich werden; warme, wasserdichte Kleidung mitnehmen und bei Sturm umkehren.
  • Braunbären sind auch oberhalb der Waldgrenze häufig; Spray mitführen, auf den Wegen bleiben und die Sperrungen der Besucherzentren beachten.
  • Der Tokachi-dake ist ein überwachter aktiver Vulkan; vor dem Aufstieg die Warnstufe der Japanischen Wetterbehörde prüfen.
  • Hütten auf den Überschreitungen sind einfach und nicht oder nur saisonal bewirtschaftet; Zelten nur auf ausgewiesenen Plätzen, alle Abfälle – auf manchen Routen auch Toilettenabfälle – mitnehmen.

Häufige Fragen

Heißt es Daisetsuzan oder Taisetsuzan?

Beide Lesungen von 大雪山 sind gebräuchlich. Das Umweltministerium nennt den Park Daisetsuzan, vor Ort und in älterer Literatur ist Taisetsuzan verbreitet.

Wann beginnt die Laubfärbung?

Früher als überall sonst in Japan: Auf den Hochflächen um Asahi-dake und Kuro-dake ab Ende August oder Anfang September. Der erste Schnee fällt oft schon Ende September.

Wie gelangt man bequem ins Hochgebirge?

Mit der Asahi-dake-Seilbahn ab Asahi-dake Onsen oder mit Seilbahn und Sessellift auf den Kuro-dake ab Sōunkyō. Von beiden Bergstationen führen Wege auf das Gipfelplateau.

Wie gefährlich ist das Gebirge?

Das Hochplateau ist ungeschützt; auch im Sommer drohen Kälteregen, Sturm und Nebel, und Unterkühlung hat tödliche Unglücke verursacht. Hütten sind rar und einfach, Braunbären häufig.

Was bedeutet „Kamui Mintara“?

So nannten die Ainu das Hochplateau – meist übersetzt als „Spielplatz der Götter“, wo sich nach ihrem Glauben Bären und andere kamuy versammelten.

Quellen

  1. 1.大雪山国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
  2. 2.国立公園の概要 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
  3. 3.Daisetsuzan National Park (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment, Japan
  4. 4.日本活火山総覧:十勝岳 (öffnet in neuem Tab) — 気象庁

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