Region
Hokkaido
北海道地方ほっかいどうちほうHokkaidō chihōEine Insel, eine Präfektur: Japans kühler, weiter Norden
Die Region Hokkaido ist die nördlichste Großregion Japans und die einzige, die aus nur einer Präfektur besteht: der Insel Hokkaido mit Rishiri, Rebun, Okushiri und kleineren Inseln. Kühl, dünn besiedelt und vulkanisch, ist sie die Heimat der Ainu und das wichtigste Agrar- und Milchgebiet Japans.
Überblick
Hokkaido ist Region und Präfektur zugleich – als einzige der acht traditionellen Großregionen Japans besteht sie aus nur einer Verwaltungseinheit. Auf rund einem Fünftel der Landesfläche lebt nur ein kleiner Teil der Bevölkerung; statt der durchgehenden Siedlungsbänder Honshus prägen Wald, Gebirge und großflächige Landwirtschaft das Bild.
Besonders machen die Region ihre späte Eingliederung in den japanischen Staat und ihre nördliche Natur. Bis ins 19. Jahrhundert war sie Ainu Mosir, das Land der Ainu; die planmäßige japanische Besiedlung begann erst 1869. Ihre Tierwelt – Braunbär, Mandschurenkranich, Riesenfischuhu, Riesenseeadler – gehört zur Nordseite der Blakiston-Linie, der tiergeografischen Grenze entlang der Tsugaru-Straße. Besucher kommen wegen des Pulverschnees im Winter, der Blumenfelder und der kühlen Luft im Sommer und der sieben Nationalparks.
Teilregionen
- 道南Dōnan
Die südliche Oshima-Halbinsel um Hakodate und Matsumae, das älteste japanische Siedlungsgebiet.
- 道央Dōō
Der mittlere Westen mit Sapporo, Otaru, der Ishikari-Ebene, Niseko sowie Shikotsu- und Tōya-See.
- 道北Dōhoku
Der Norden um Asahikawa und Wakkanai, mit Furano, Daisetsuzan und den Inseln Rishiri und Rebun.
- 道東Dōtō
Der Osten – Ochotsk-Küste, Kushiro, Nemuro und Tokachi – mit Shiretoko, den Akan-Seen und dem Kushiro-Moor.
Präfekturen
Geografie
Hokkaido liegt zwischen Japanischem Meer, Ochotskischem Meer und Pazifik; die Tsugaru-Straße trennt die Insel von Honshu, die La-Pérouse-Straße von Sachalin. Kap Sōya bei Wakkanai ist der nördlichste Punkt des von Japan verwalteten Gebiets. Die Insel hat grob die Form einer Raute: Im Südwesten reicht die Oshima-Halbinsel Richtung Honshu, im Osten weisen die Halbinseln Shiretoko und Nemuro zu den Kurilen.
Ein Vulkanbogen durchzieht die Insel: Daisetsuzan und Tokachi-Kette in der Mitte, die Vulkane von Akan und Shiretoko im Osten, Shikotsu, Tōya und Yōtei im Südwesten – jeweils mit Calderaseen. Das Hidaka-Gebirge im Süden entstand dagegen durch Plattenkollision. Die Niederungen nehmen große Ebenen ein – Ishikari, Tokachi, Kushiro, Nayoro – sowie die Moore von Kushiro und Sarobetsu.
Klima
Die Region hat das kälteste Klima Japans: feucht-kontinental mit langen, schneereichen Wintern und kurzen, milden Sommern, weitgehend ohne die Regenzeit im Juni und Juli. An der Küste des Japanischen Meeres fällt durch den Wintermonsun viel Schnee; der Osten ist trockener und kälter, mit Treibeis an der Ochotsk-Küste von Ende Januar bis März und sommerlichem Seenebel an der Pazifikküste bei Kushiro und Nemuro. Binnenbecken wie Asahikawa und Furano weisen die größten Temperaturunterschiede Japans auf.
Geschichte
Jahrtausendelang lebten hier Jäger und Sammler der Jōmon-Kultur, gefolgt von Zoku-Jōmon-, Satsumon- und Ochotsk-Kultur und etwa ab dem 13. Jahrhundert den Ainu. Japanische Händler setzten sich ab dem 15. Jahrhundert im Süden fest; ab 1604 kontrollierte der Matsumae-Klan unter dem Tokugawa-Shogunat den Handel mit den Ainu.
1869, nach dem Ende des Boshin-Krieges in Hakodate, benannte die Meiji-Regierung Ezochi in Hokkaidō um und begann über die Erschließungsbehörde Kaitakushi mit der systematischen Kolonisierung – mit Wehrbauern, Siedlern aus ganz Japan und ausländischen Beratern. Kohle, Hering, Holz und Landwirtschaft trugen die Wirtschaft der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach 1945 verlor die Region Sachalin und die Kurilen, nahm viele Rückkehrer auf und wurde eine gewöhnliche Präfektur; die Olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo und der Seikan-Tunnel 1988 banden sie enger an das übrige Japan.
Kultur
Zwei Schichten prägen die Kultur der Region. Das Erbe der Ainu lebt in Ortsnamen, Handwerk, Tanz und Ritual fort, mit Zentren in Upopoy (Shiraoi), Nibutani (Biratori) und dem Akan Ainu Kotan. Die kaum zwei Jahrhunderte alte Siedlerkultur zeigt sich in schachbrettartig angelegten Städten, einem dem Standardjapanischen nahen Dialekt, westlichen Bauten der Meiji-Zeit in Hakodate, Otaru und Sapporo sowie einer ausgeprägten Tradition von Wintersport und Schnee- und Eisfesten.
Essen
Meeresfrüchte
海鮮kaisenHaarkrabbe, Königskrabbe, Seeigel, Lachsrogen, Jakobsmuscheln und Tintenfisch aus kalten Gewässern, frisch auf den Morgenmärkten.
Jingisukan
ジンギスカンjingisukanHammelfleisch vom gewölbten Grill – das gesellige Leibgericht der Region.
- ラーメンrāmen
Drei klassische Stile: Miso in Sapporo, Sojasauce in Asahikawa, klare Salzbrühe in Hakodate.
Konbu
昆布konbuSeetang aus Rishiri, Rausu und Hidaka, Grundlage der Dashi-Brühe in ganz Japan.
Milchprodukte
乳製品nyūseihinMilch, Butter, Käse und Softeis aus Tokachi und anderen Milchregionen.
Yūbari-Melone
夕張メロンYūbari meronOrangefleischige Zuckermelone aus der früheren Bergbaustadt Yūbari, eine geschützte Regionalmarke.
Nationalparks
Welterbe
Häufige Fragen
Sind Region und Präfektur Hokkaido identisch?
Ja. Hokkaido ist die einzige Großregion Japans, die aus einer einzigen Präfektur besteht; sie umfasst die Hauptinsel und die vorgelagerten Inseln.
Wann ist die beste Reisezeit für Hokkaido?
Der Winter (Dezember bis März) für Schnee, Skifahren und Treibeis; Juli und August für Blumenfelder, Wanderungen und kühles Wetter abseits der Hitze Honshus; Ende September und Oktober für die Herbstfärbung in den Bergen.
Wie viele Nationalparks gibt es auf Hokkaido?
Sieben: Rishiri-Rebun-Sarobetsu, Shiretoko, Akan-Mashū, Kushiro-Shitsugen, Daisetsuzan, Shikotsu-Tōya und Hidaka-Sanmyaku-Erimo-Tokachi.
Braucht man auf Hokkaido ein Auto?
Sapporo, Otaru, Hakodate und Asahikawa sind gut per Bahn erreichbar. In ländlichen Gebieten wie Shiretoko, an den Akan-Seen oder in Furano ist der öffentliche Verkehr dünn, weshalb viele Reisende einen Mietwagen nehmen.
Warum unterscheidet sich die Tierwelt Hokkaidos vom übrigen Japan?
Die Tsugaru-Straße markiert die Blakiston-Linie, eine tiergeografische Grenze. Nördlich davon leben mit sibirischen und sachalinischen Formen verwandte Arten wie Braunbär, Zobel und Riesenfischuhu.
Weiterlesen
Quellen
- 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
- 2.全国都道府県市区町村別面積調 (öffnet in neuem Tab) — Geospatial Information Authority of Japan
- 3.北海道庁 (öffnet in neuem Tab) — Hokkaido Government
- 4.国立公園 (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment
- 5.Hokkaido (öffnet in neuem Tab) — Japan National Tourism Organization