Zum Inhalt springen
Japan

Hokkaido · Hauptstadt · Regierungsdesignierte Großstadt

Sapporo

札幌市さっぽろしSapporo-shi

Die geplante Hauptstadt Hokkaidos am Rand der Ishikari-Ebene

Sapporo ist die Hauptstadt Hokkaidos und die größte Stadt Nordjapans – eine in den 1870er-Jahren am Reißbrett geplante Verwaltungsstadt für die Erschließung der Insel. Bekannt ist sie für die Olympischen Winterspiele 1972, das Schneefest im Februar, Miso-Ramen und Bier.

Überblick

Sapporo liegt am Südwestrand der Ishikari-Ebene, dort wo der Toyohira aus den Bergen um Jōzankei tritt und einen breiten Schwemmfächer bildet. Vor 1869 gab es hier nur Siedlungsgebiete der Ainu und einige wenige japanische Höfe. Dann bestimmte das Kaitakushi, die Erschließungsbehörde für Hokkaido, den Ort zum Verwaltungssitz und ließ ihn nach amerikanischem Vorbild im Schachbrettmuster anlegen. Das Raster prägt die Innenstadt bis heute: Der Ōdōri-Park zieht sich als langer Grünstreifen von Ost nach West, und Adressen geben an, wie viele Blöcke nördlich, südlich, östlich oder westlich davon ein Haus liegt.

Aus der Pionierstadt wurde das politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Zentrum der Insel – Sitz der Präfekturverwaltung, der Universität Hokkaido und Knotenpunkt aller wichtigen Bahn- und Straßenverbindungen. Aus der Meiji-Zeit, als amerikanische Berater die Erschließung mitgestalteten, stammen der Uhrturm, das rote Backsteingebäude der früheren Regierung und die mit William S. Clark verbundene Landwirtschaftsschule. 1972 richtete Sapporo die ersten Olympischen Winterspiele Asiens aus und erhielt im selben Jahr den Status einer Großstadt mit Sonderrechten.

Die Winter sind ausgesprochen schneereich; kaum eine andere Millionenstadt der Welt erhält so viel Schnee. Das Schneefest im Februar hat daraus ein international bekanntes Ereignis gemacht. Die Küche lebt von Landwirtschaft und Fischerei der Insel: Miso-Ramen, gegrilltes Hammelfleisch, Suppencurry und Meeresfrüchte, dazu das Bier, das seit den 1870er-Jahren hier gebraut wird und den Namen der Stadt trägt.

Sehenswürdigkeiten

  • Ōdōri-Park

    大通公園Ōdōri Kōen

    Rund 1,5 km langer Grünzug mit Rasenflächen, Beeten und Brunnen, der das Straßenraster in Nord und Süd teilt; Hauptschauplatz des Schneefests und der sommerlichen Biergärten, im Osten abgeschlossen vom Fernsehturm.

  • Uhrturm

    札幌市時計台Sapporo-shi Tokeidai

    Hölzerne Exerzierhalle der Landwirtschaftsschule von 1878, 1881 mit einer in den USA gefertigten Uhr ausgestattet; Wichtiges Kulturgut und Wahrzeichen der Stadt.

  • Ehemaliges Regierungsgebäude von Hokkaido

    北海道庁旧本庁舎Hokkaidō-chō Kyū-honchōsha

    Neobarocker Backsteinbau von 1888, im Volksmund Akarenga („roter Ziegel“) genannt; Wichtiges Kulturgut.

  • Hokkaido-Schrein

    北海道神宮Hokkaidō Jingū

    1869 für die Gottheiten der Landerschließung gegründet; liegt im Maruyama-Park, der Anfang Mai zur Kirschblüte viele Besucher anzieht.

  • Moiwa

    藻岩山Moiwa-yama

    531 m hoher Hausberg mit geschütztem Urwald (Naturdenkmal); eine Seilbahn führt zum Aussichtspunkt über Stadt und Ishikari-Ebene.

  • Moerenuma-Park

    モエレ沼公園Moerenuma Kōen

    Ehemalige Mülldeponie, von Isamu Noguchi als begehbare Landschaftsskulptur gestaltet – mit künstlichem Hügel, Glaspyramide und geometrischen Spielfeldern.

  • Universität Hokkaido

    北海道大学Hokkaidō Daigaku

    Nachfolgerin der Landwirtschaftsschule; der weitläufige Campus nördlich des Hauptbahnhofs ist für seine Pappel- und Ginkgoalleen bekannt.

  • Historisches Dorf Hokkaido

    北海道開拓の村Hokkaidō Kaitaku no Mura

    Freilichtmuseum im Nopporo-Waldpark mit versetzten und rekonstruierten Bauten der Siedlerzeit – von der Heringsfischerunterkunft bis zum Kaufmannsladen.

Stadtviertel

  • Susukino

    すすきのSusukino

    Größtes Vergnügungsviertel nördlich von Tokio, mit Tausenden Bars und Lokalen und der Ramen-Gasse Ganso Ramen Yokochō.

  • Ōdōri und Tanukikōji

    狸小路Tanuki-kōji

    Das Geschäftszentrum um den Ōdōri-Park mit der überdachten Einkaufsstraße Tanukikōji, einer der ältesten Hokkaidos.

  • Bahnhofsviertel

    Nördlicher Knotenpunkt mit Kaufhäusern, JR Tower und unterirdischen Passagen bis Ōdōri und Susukino.

  • Maruyama

    円山Maruyama

    Wohnviertel am Fuß der westlichen Hügel mit Hokkaido-Schrein, Maruyama-Zoo und Cafés.

  • Jōzankei

    定山渓Jōzankei

    Thermalbadeort in der Schlucht des Toyohira im Bezirk Minami, etwa eine Stunde südlich des Zentrums, bekannt für seine Herbstfärbung.

Geschichte

Sapporo ist eine Gründung der Meiji-Zeit. 1871 verlegte das Kaitakushi seinen Hauptsitz von Tokio hierher und errichtete Amtsgebäude, Staatsbetriebe und eine landwirtschaftliche Hochschule, um Hokkaido nach westlichem Muster zu entwickeln. Siedler und Tondenhei – Wehrbauern, die zugleich Land urbar machten und die Nordgrenze sicherten – rodeten die Ebene. Nach Auflösung des Kaitakushi wurde Sapporo 1886 Sitz der neuen Hokkaido-Regierung.

Im 20. Jahrhundert überholte Sapporo die Hafenstädte Hakodate und Otaru als größte Stadt der Insel. Die Winterspiele 1972 brachten U-Bahn, unterirdische Einkaufsstraßen und Stadtautobahnen; seither zieht die Stadt Menschen aus ganz Hokkaido an.

  1. 1869

    Gründung des Kaitakushi; Sapporo wird als Sitz der Behörde bestimmt, Shima Yoshitake entwirft den Stadtgrundriss.

  2. 1871

    Das Kaitakushi verlegt seinen Hauptsitz von Tokio nach Sapporo.

  3. 1876

    Eröffnung der Landwirtschaftsschule Sapporo unter William S. Clark; die staatliche Brauerei nimmt die Bierproduktion auf.

  4. 1878

    Bau des Uhrturms als Exerzierhalle der Schule.

  5. 1888

    Fertigstellung des roten Backsteinbaus der Hokkaido-Regierung.

  6. 1922

    Sapporo erhält Stadtrecht.

  7. 1950

    Schüler bauen sechs Schneefiguren im Ōdōri-Park – der Beginn des Schneefests.

  8. 1971

    Die erste U-Bahn-Linie (Namboku) nimmt den Betrieb auf, mit gummibereiften Zügen.

  9. 1972

    XI. Olympische Winterspiele; Sapporo wird Großstadt mit Sonderstatus.

  10. 2005

    Fertigstellung des von Isamu Noguchi entworfenen Moerenuma-Parks.

Kultur

Die Kultur Sapporos spiegelt die kurze Geschichte einer geplanten Pionierhauptstadt: westlich geprägte Meiji-Bauten, eine große Universität und ein Stadtleben, das sich nach den Jahreszeiten richtet. Wintersport gehört zum Alltag; Skipisten liegen innerhalb der Stadtgrenzen, und die Olympiaschanzen Ōkurayama und Miyanomori sind weiterhin in Betrieb. Für klassische Musik stehen die Konzerthalle Kitara und das 1990 von Leonard Bernstein gegründete Pacific Music Festival. Das Erbe der Ainu im Ishikari-Gebiet vermittelt das Kulturzentrum Sapporo Pirka Kotan im Bezirk Minami.

Feste

  • Sapporo-Schneefest

    さっぽろ雪まつりSapporo Yuki Matsuri

    Etwa eine Woche Anfang Februar: große Schneeskulpturen im Ōdōri-Park, Eisskulpturen in Susukino.

  • YOSAKOI-Sōran-Fest

    YOSAKOIソーラン祭りYosakoi Sōran Matsuri

    Seit 1992 Anfang Juni; Tanzgruppen verbinden den Yosakoi-Tanz aus Kōchi mit dem Sōran-bushi, einem Lied der Heringsfischer.

  • Fest des Hokkaido-Schreins

    北海道神宮例祭Hokkaidō Jingū Reisai

    Jährliches Schreinfest vom 14. bis 16. Juni, auch Sapporo Matsuri genannt, mit Prozession tragbarer Schreine durch die Innenstadt.

  • Sapporo-Sommerfest

    Von Ende Juli bis Mitte August füllen Biergärten den Ōdōri-Park; Susukino veranstaltet eigene Sommerfeste.

Essen

  • Sapporo-Miso-Ramen

    味噌ラーメンmiso rāmen

    Kräftige Brühe auf Miso-Basis mit dicken, gewellten Nudeln, oft mit gebratenem Gemüse, Butter oder Mais; in den 1950er- und 1960er-Jahren in Sapporo populär geworden.

  • Jingisukan

    ジンギスカンJingisukan

    Hammel- oder Lammfleisch, mit Gemüse auf einer gewölbten Eisenplatte gegrillt – benannt nach Dschingis Khan, verbreitet seit der Förderung der Schafzucht im frühen 20. Jahrhundert.

  • Suppencurry

    スープカレーsūpu karē

    Dünnflüssiges, scharfes Curry mit großen Stücken Hähnchen und Gemüse; eine Erfindung aus Sapporo, die sich ab den 1990er-Jahren verbreitete.

  • Kaisendon

    海鮮丼kaisendon

    Reisschüssel mit Seeigel, Lachsrogen und Krabbe, typisch für den Nijō-Markt und den Außenmarkt des Großmarkts.

  • Sapporo-Bier

    In der Brauerei des Kaitakushi wird seit 1876 Bier gebraut; die alten Backsteinbauten beherbergen das Sapporo-Biermuseum.

Unterwegs vor Ort

  • Der Flughafen New Chitose in Chitose südöstlich der Stadt ist Hokkaidos wichtigstes Luftdrehkreuz; JR-Schnellzüge erreichen den Bahnhof Sapporo in etwa 40 Minuten. Der Flughafen Okadama im Norden der Stadt dient dem Regionalverkehr.
  • Die städtische U-Bahn besteht aus drei gummibereiften Linien – Namboku, Tōzai und Tōhō –, die sich in Ōdōri kreuzen; eine Straßenbahn-Ringlinie erschließt Susukino und die Viertel am Moiwa.
  • Limited-Express-Züge der JR Hokkaido verbinden Sapporo mit Asahikawa, Hakodate, Kushiro, Obihiro und Abashiri; nach Otaru fahren Nahverkehrszüge in 30 bis 45 Minuten.
  • Der Hokkaido-Shinkansen soll von Shin-Hakodate-Hokuto bis Sapporo verlängert werden; den Stand der Arbeiten veröffentlicht JR Hokkaido.
  • Ein ausgedehntes unterirdisches Wegenetz verbindet Hauptbahnhof, Ōdōri und Susukino – im Winter ein geschützter Fußweg.

Ausflüge

  • Otaru

    Hafenstadt mit Kanal, Speicherhäusern, Glasbläsereien und alten Bankgebäuden; 30 bis 45 Minuten mit dem Zug.

  • Nationalpark Shikotsu-Tōya

    Der tiefe Calderasee Shikotsu liegt etwa eine Stunde südlich; zum Park gehören auch Noboribetsu und der Tōya-See.

  • Shikotsu-See

    Klarer Calderasee, umgeben von Vulkanen wie dem Tarumae mit seinem Lavadom.

  • Yōtei und Niseko

    Der kegelförmige „Ezo-Fuji“ und die Skigebiete von Niseko, rund zwei Autostunden westlich.

  • Asahikawa

    Zweitgrößte Stadt Hokkaidos und Tor zum Daisetsuzan, etwa 85 Minuten mit dem Limited Express.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Woher stammt der Name Sapporo?

Aus dem Ainu. Meist wird er als sat poro pet („trockener, großer Fluss“) oder sari poro pet („Fluss mit großem Schilfmoor“) gedeutet; beide Lesarten beziehen sich auf den Schwemmfächer des Toyohira.

Wann findet das Schneefest statt?

Das Sapporo Yuki Matsuri dauert etwa eine Woche Anfang Februar. Die großen Schneeskulpturen stehen im Ōdōri-Park, Eisskulpturen in Susukino.

Wie kommt man vom Flughafen New Chitose in die Stadt?

Schnellzüge der JR fahren in rund 40 Minuten zum Bahnhof Sapporo; Flughafenbusse bedienen das Zentrum und große Hotels.

Warum sind Sapporos Adressen so systematisch?

Die Stadt wurde ab 1869 im Raster angelegt. Der Ōdōri-Park trennt Nord und Süd, der Sōsei-Kanal Ost und West – Adressen wie „Kita 3-jō Nishi 4-chōme“ funktionieren daher wie Koordinaten.

Hat Sapporo etwas mit den Olympischen Spielen zu tun?

Ja. 1972 fanden hier die ersten Olympischen Winterspiele Asiens statt. Die Sprungschanzen Ōkurayama und Miyanomori werden bis heute genutzt, die U-Bahn entstand im Vorfeld der Spiele.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
  2. 2.札幌市公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 札幌市
  3. 3.北海道庁 (öffnet in neuem Tab) — 北海道
  4. 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO

Redaktion · Veröffentlicht: