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Japan

Hokkaido · Präfektur (dō) · JP-01

Hokkaido

北海道ほっかいどうHokkaidō

Japans Norden: Vulkane, Treibeis und das Erbe der Ainu

Hokkaido ist die nördlichste und mit Abstand größte Präfektur Japans – eine Insel aus Vulkanen, Kraterseen und weiten Agrarflächen, die rund ein Fünftel der Landesfläche einnimmt. Die Heimat der indigenen Ainu wurde erst ab 1869 planmäßig von Japanern besiedelt und ist heute die wichtigste Agrar- und Milchregion des Landes.

Überblick

Hokkaido ist die zweitgrößte der vier japanischen Hauptinseln und bildet mit den vorgelagerten Inseln die flächenmäßig bei Weitem größte Präfektur des Landes. Als einzige trägt sie die Bezeichnung dō („Kreis“, „Landstraße“) statt ken – ein Überbleibsel der Kolonialverwaltung nach der Meiji-Restauration. Sitz der Präfekturregierung ist Sapporo, die fünftgrößte Stadt Japans; das Gebiet gliedert sich in vierzehn Unterpräfekturen.

Den größten Teil ihrer Geschichte lag die Insel außerhalb des japanischen Staates. Sie war Ainu Mosir, das Land der Ainu, deren Kultur aus Jagd, Fischfang und Fernhandel sich etwa ab dem 13. Jahrhundert herausbildete. Japanische Präsenz blieb bis 1869 auf das Fürstentum Matsumae an der Südspitze beschränkt. Dann benannte die neue Regierung die Insel um, gründete die Erschließungsbehörde Kaitakushi und trieb Besiedlung, Landwirtschaft und Bergbau voran – teils nach dem Vorbild der amerikanischen Frontier.

Heute liefert Hokkaido einen großen Teil der japanischen Milch, des Weizens, der Kartoffeln, der Zuckerrüben, der Jakobsmuscheln und des Seetangs Konbu. Besucher kommen wegen des Pulverschnees, der weiten Sommerlandschaften und einer Tierwelt, die es sonst nirgends in Japan gibt. Sieben Nationalparks liegen vollständig auf Hokkaido, die Halbinsel Shiretoko ist UNESCO-Weltnaturerbe.

Name und Herkunft

Vor 1869 hieß die Insel auf Japanisch Ezo oder Ezochi, eine Bezeichnung für das Land der Ainu. Den Namen Hokkaidō schlug der Forschungsreisende Matsuura Takeshirō vor; in seiner Schreibung 北加伊道 soll die Silbe kai an eine Selbstbezeichnung der Ainu anklingen. Die Regierung übernahm die Zeichen 北海道, „Kreis am nördlichen Meer“, in Anlehnung an die alten Verwaltungskreise wie den Tōkaidō.

Gleichzeitig wurde die Insel in elf Provinzen eingeteilt (Oshima, Shiribeshi, Iburi, Ishikari, Teshio, Kitami, Hidaka, Tokachi, Kushiro, Nemuro und Chishima), die nie Fürstentümer waren. Nach Auflösung der Kaitakushi 1882 bestanden kurzzeitig die drei Präfekturen Hakodate, Sapporo und Nemuro, die 1886 im Hokkaidō-chō zusammengefasst wurden. Mit dem Gesetz über die kommunale Selbstverwaltung wurde Hokkaido 1947 eine vollwertige Präfektur. Die Nördlichen Territorien (Etorofu, Kunashiri, Shikotan und die Habomai-Inseln) beansprucht Japan als Teil der Unterpräfektur Nemuro; sie stehen seit 1945 unter russischer Verwaltung.

Städte

Geografie

Die Tsugaru-Straße trennt Hokkaido von Honshu, die La-Pérouse-Straße (Sōya-Straße) von Sachalin; im Westen liegt das Japanische Meer, im Nordosten das Ochotskische Meer, im Süden der Pazifik. Ein Gebirgszug bildet das Rückgrat der Insel: in der Mitte das vulkanische Daisetsuzan-Massiv mit dem Asahi-dake (2.291 m), dem höchsten Berg Hokkaidos, südlich davon das Hidaka-Gebirge, das am Kap Erimo ins Meer abfällt.

Zwischen den Bergen erstrecken sich die größten Ebenen Japans. In der Ishikari-Ebene am gleichnamigen Fluss lebt mit Sapporo der Großteil der Bevölkerung; die Tokachi-Ebene im Südosten ist das Zentrum von Ackerbau und Milchwirtschaft; das Kushiro-Moor im Osten ist das größte Feuchtgebiet des Landes. Der Vulkanismus hat eine Kette von Kraterseen hinterlassen – Kussharo, Mashū, Akan, Shikotsu und Tōya – sowie aktive Vulkane wie Usu, Tarumae und Tokachi-dake. Zu den vorgelagerten Inseln zählen Rishiri, Rebun und Okushiri.

Klima

Hokkaido hat ein kühles, feuchtes Kontinentalklima mit langen, schneereichen Wintern und milden Sommern; die frühsommerliche Regenzeit (tsuyu) des übrigen Japan erreicht die Insel kaum. Die Seite zum Japanischen Meer mit Sapporo und Otaru erhält durch den nordwestlichen Wintermonsun große Schneemengen, die Pazifik- und Ochotsk-Seite ist trockener, sonniger und kälter. Von Ende Januar bis März treibt Eis aus der Amur-Mündung an die Ochotsk-Küste bei Abashiri und Shiretoko – das südlichste Meereis der Nordhalbkugel. Die Binnenbecken sind die kältesten Orte Japans: In Asahikawa wurden 1902 −41,0 °C gemessen.

Landschaft

  • Daisetsuzan

    大雪山Taisetsu-zan

    Vulkanmassiv im Zentrum der Insel, oft „Dach Hokkaidos“ genannt; höchster Gipfel ist der Asahi-dake mit 2.291 m. Kern des Daisetsuzan-Nationalparks, eines der größten Japans.

  • Ishikari

    石狩川Ishikari-gawa

    Mit 268 km der drittlängste Fluss Japans; er fließt vom Daisetsuzan über Asahikawa durch die Ishikari-Ebene ins Japanische Meer. Seine Mäander wurden im 20. Jahrhundert begradigt, um Ackerland zu gewinnen.

  • Tokachi-Ebene

    十勝平野Tokachi heiya

    Weite Ebene um Obihiro zwischen Hidaka-Gebirge und Pazifik – ein Flickenteppich aus Weizen, Kartoffeln, Bohnen, Zuckerrüben und Weideland.

  • Kushiro-Moor

    釧路湿原Kushiro shitsugen

    Größtes Feuchtgebiet Japans und 1980 das erste Ramsar-Gebiet des Landes; Rückzugsraum des Mandschurenkranichs (tanchō).

  • Halbinsel Shiretoko

    知床半島Shiretoko hantō

    Abgelegene Halbinsel am Ochotskischen Meer, auf der Treibeis, Lachse, Braunbären und Riesenseeadler Meer und Wald verbinden; Weltnaturerbe seit 2005.

  • Kraterseen im Osten

    屈斜路湖・摩周湖Kussharo-ko, Mashū-ko

    Der Kussharo ist der größte Kratersee Japans, der benachbarte Mashū bekannt für sein klares Wasser und häufigen Nebel. Beide liegen im Nationalpark Akan-Mashū.

  • Yōtei

    羊蹄山Yōtei-zan

    Ebenmäßiger Schichtvulkan (1.898 m) bei Niseko, wegen seiner Form „Ezo-Fuji“ genannt.

  • Shikotsu- und Tōya-See

    支笏湖・洞爺湖Shikotsu-ko, Tōya-ko

    Zwei große Calderaseen südwestlich von Sapporo; der Shikotsu ist der zweittiefste See Japans, der Tōya umschließt eine Inselgruppe neben dem aktiven Vulkan Usu.

Natur in dieser Präfektur

NationalparksNationalpark Akan-MashuAkan-Mashū Kokuritsu KōenVulkane, Wald und Kraterseen im Land der Ainu1499 mBergeAsahi-dakeAsahi-dakeDas Dach Hokkaidos, ein dampfender Vulkan über Asahidake Onsen.2291 mNationalparksNationalpark DaisetsuzanDaisetsuzan Kokuritsu KōenSpielplatz der Götter auf dem Dach Hokkaidos2291 mNationalparksNationalpark Hidaka-sanmyaku-Erimo-TokachiHidaka-sanmyaku-Erimo-Tokachi Kokuritsu KōenDas Rückgrat Hokkaidos – von Eiszeitkaren bis zum Pazifikkap2052 mNationalparksNationalpark Kushiro-shitsugenKushiro-shitsugen Kokuritsu KōenJapans großes Moor und Heimat des MandschurenkranichsSeenAkan-SeeAkan-koDer See der Marimo zwischen zwei Vulkanen420 mSeenKussharo-SeeKussharo-koJapans größter Calderasee, von heißen Quellen gewärmt121 mSeenMashu-SeeMashū-koEin abgeschlossener Calderasee von großer Klarheit, oft im Nebel351 mSeenShikotsu-SeeShikotsu-koEin tiefer, klarer Calderasee, der nie zufriert248 mSeenToya-SeeTōya-koEin runder Calderasee neben einem lebendigen Vulkan84 mBergeRishiriRishiri-zanRishiri-Fuji: ein Vulkan, der direkt aus dem nördlichen Meer aufsteigt.1721 mBergeYōteiYōtei-zanEzo-Fuji: Hokkaidos ebenmäßiger Vulkan über den Pulverschneehängen von Niseko.1898 mInselnRebunRebun-tōAlpenblumen auf Meereshöhe am Nordrand Japans490 mNationalparksNationalpark Rishiri-Rebun-SarobetsuRishiri-Rebun-Sarobetsu Kokuritsu KōenAlpenflora auf Meereshöhe am Nordrand Japans1721 mNationalparksNationalpark Shikotsu-ToyaShikotsu-Tōya Kokuritsu KōenVulkane in jeder Form, eine Stunde von Sapporo1898 mNationalparksNationalpark ShiretokoShiretoko Kokuritsu KōenWo das Land endet und das Treibeis beginnt1661 m

Welterbe in dieser Präfektur

Geschichte

Hokkaido ist seit der Altsteinzeit besiedelt. Die Jōmon-Kultur blühte hier ebenso wie im nördlichen Honshu; mehrere ihrer Siedlungs- und Kultstätten gehören zu einer Welterbestätte. Den Reisanbau der Yayoi-Zeit gab es nicht – stattdessen folgten die Zoku-Jōmon-, Satsumon- und Ochotsk-Kultur, aus denen um das 13. Jahrhundert die Ainu-Kultur hervorging, mit Handelsverbindungen nach Honshu, Sachalin und ins Amur-Gebiet.

Ab dem 15. Jahrhundert ließen sich japanische Händler auf der Oshima-Halbinsel im Süden nieder. 1604 erhielt der Matsumae-Klan von Tokugawa Ieyasu das Monopol auf den Handel mit den Ainu. Der zunehmend ungleiche Tausch führte zu bewaffnetem Widerstand, am bedeutendsten im Aufstand des Shakushain 1669. Die russische Expansion im späten 18. Jahrhundert veranlasste das Shogunat, Ezochi zeitweise direkt zu verwalten; 1859 öffnete Hakodate dem Außenhandel.

Nach der Kapitulation der letzten Shogunatstruppen in der Festung Goryōkaku 1869 benannte die Meiji-Regierung die Insel um und begann die Kolonisierung. Wehrbauern (tondenhei), Siedler aus ganz Japan und ausländische Berater wie William S. Clark bauten Straßen, Bahnen, Kohlebergwerke und Höfe auf; den Ainu wurden Land- und Fischereirechte genommen, eine Assimilationspolitik wurde durchgesetzt. Nach 1945 wurde Hokkaido Präfektur, richtete 1972 Olympische Winterspiele aus und ist seit 1988 durch den Seikan-Tunnel mit Honshu verbunden. Ein Gesetz von 2019 erkennt die Ainu als indigenes Volk Japans an.

  1. 1457

    Aufstand des Koshamain: Ainu erheben sich gegen japanische Handelsposten auf der Oshima-Halbinsel.

  2. 1604

    Tokugawa Ieyasu verleiht dem Matsumae-Klan das Monopol auf den Handel mit den Ainu.

  3. 1669

    Der Aufstand des Shakushain, die größte Erhebung der Ainu gegen Matsumae, wird niedergeschlagen.

  4. 1859

    Hakodate wird als einer der ersten Vertragshäfen Japans für den Außenhandel geöffnet.

  5. 1869

    Fall der Republik Ezo in Goryōkaku; Ezochi wird in Hokkaidō umbenannt, die Erschließungsbehörde Kaitakushi gegründet.

  6. 1876

    Unter William S. Clark öffnet die Landwirtschaftsschule Sapporo, Vorläuferin der Universität Hokkaido.

  7. 1886

    Das Hokkaidō-chō vereint die Verwaltung der Insel.

  8. 1972

    Sapporo richtet die ersten Olympischen Winterspiele in Asien aus.

  9. 1988

    Der Seikan-Tunnel unter der Tsugaru-Straße verbindet Hokkaido per Bahn mit Honshu.

  10. 2005

    Die Halbinsel Shiretoko wird UNESCO-Weltnaturerbe.

  11. 2016

    Der Hokkaido-Shinkansen nimmt zwischen Shin-Aomori und Shin-Hakodate-Hokuto den Betrieb auf.

  12. 2019–2020

    Ein Gesetz erkennt die Ainu als indigenes Volk an; in Shiraoi eröffnet das Nationale Ainu-Museum Upopoy.

Kultur

Die Kultur Hokkaidos hat zwei Wurzeln. Die Überlieferungen der Ainu – mündliche Epen (yukar), Stickerei, Holzschnitzerei, Tanz und ein Weltbild, in dem Tiere, Pflanzen und Gegenstände von kamuy (Geistwesen) beseelt sind – leben fort und werden in Einrichtungen wie Upopoy in Shiraoi und in Gemeinschaften wie Nibutani (Biratori) und Akan neu belebt. Ainu-Ortsnamen prägen fast die gesamte Landkarte: Sapporo, Otaru, Shiretoko und Noboribetsu gehen auf Ainu-Wörter zurück.

Die Siedlerkultur ist jünger und einheitlicher als die des alten Japan. Viele Städte wurden im Schachbrettmuster angelegt, viele Familien stammen aus Tohoku, Hokuriku und anderen Regionen. Der Winter prägt das öffentliche Leben – von Schneefesten und Skisport bis zu einer eigenen Variante des Gedichtkartenspiels Hyakunin Isshu mit Holzkarten. Der Hokkaido-Dialekt (Hokkaidō-ben) steht dem Standardjapanischen nahe, an den Küsten mit Tohoku-Einschlag.

Feste

  • Schneefest Sapporo

    さっぽろ雪まつりSapporo Yuki Matsuri

    Seit 1950 jährlich Anfang Februar rund eine Woche lang; große Schnee- und Eisskulpturen im Ōdōri-Park und im Viertel Susukino.

  • YOSAKOI-Sōran-Fest

    YOSAKOIソーラン祭りYosakoi Sōran Matsuri

    Tanzfest in Sapporo Anfang Juni, seit 1992; verbindet den Yosakoi-Tanz aus Kōchi mit dem Heringsfischerlied Sōran-bushi.

  • Schneelichterweg Otaru

    小樽雪あかりの路Otaru Yuki Akari no Michi

    Jeden Februar säumen zehn Tage lang Kerzen in Schneelaternen den Otaru-Kanal und die alte Bahntrasse.

  • Winterfest Asahikawa

    旭川冬まつりAsahikawa Fuyu Matsuri

    Winterfest Anfang Februar, bekannt für sehr große Schneeskulpturen am Ufer des Ishikari.

  • Marimo-Fest

    まりも祭りMarimo Matsuri

    Ainu-Fest im Oktober am Akan-See zu Ehren der seltenen kugelförmigen Grünalgen (marimo), mit Zeremonien und Tänzen im Akan Ainu Kotan.

  • Hafenfest Hakodate

    函館港まつりHakodate Minato Matsuri

    Sommerfest Anfang August mit Feuerwerk über dem Hafen und Tausenden Tänzern im Umzug.

Traditionelles Handwerk

  • Nibutani-Ita

    二風谷イタNibutani ita

    Geschnitzte Holztabletts aus der Ainu-Gemeinschaft Nibutani (Biratori) mit Schuppen- und Wirbelmustern; seit 2013 offiziell anerkanntes traditionelles Handwerk.

  • Nibutani-Attus

    二風谷アットゥシNibutani attushi

    Gewebe aus dem Innenbast der Ulme (ohyō), aus dem Ainu-Gewänder gefertigt werden; 2013 gemeinsam mit den Ita-Tabletts als traditionelles Handwerk anerkannt.

  • Otaru-Glas

    小樽ガラスOtaru garasu

    Begann mit Petroleumlampen und Glasschwimmern für die Heringsflotten und entwickelte sich in den alten Lagerhäusern des Hafens zum Kunsthandwerk.

  • Möbel aus Asahikawa

    旭川家具Asahikawa kagu

    Massivholzmöbel aus heimischer Eiche und Esche; Asahikawa ist eines der großen Zentren des japanischen Möbelbaus.

  • Geschnitzte Bären

    木彫り熊kibori-guma

    Holzfiguren von Braunbären, entstanden in den 1920er-Jahren in Yakumo und bei Ainu-Schnitzern in Asahikawa – ein klassisches Andenken aus Hokkaido.

Traditionen

  • Traditioneller Tanz der Ainu

    アイヌ古式舞踊Ainu koshiki buyō

    Ritual- und Alltagstänze bei Zeremonien; 2009 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

  • Yukar

    ユーカラyūkara

    Mündlich überlieferte Heldenepen der Ainu; die erste schriftliche Sammlung von kamuy yukar veröffentlichte Chiri Yukie 1923.

  • Mukkuri

    ムックリmukkuri

    Maultrommel der Ainu aus Bambus; durch Ziehen an einer Schnur entstehen Klänge, die Wind, Regen und Tierstimmen nachahmen.

  • Sōran-bushi

    ソーラン節Sōran-bushi

    Arbeitslied der Heringsfischer an der Küste des Japanischen Meeres, heute eines der bekanntesten Volkslieder Japans.

  • Shimo-no-ku-Karuta

    下の句かるたshimo-no-ku karuta

    Hokkaido-Variante des Gedichtkartenspiels Hyakunin Isshu, gespielt mit Holzkarten, auf denen nur die zweite Hälfte jedes Gedichts steht.

Küche

Die Küche Hokkaidos beruht auf Meeresfrüchten aus kaltem Wasser sowie auf Milch, Weizen und Gemüse aus der Zeit der Erschließung. Krabben, Seeigel, Lachsrogen, Jakobsmuscheln und Seetang (konbu, vor allem aus Rishiri, Rausu und Hidaka) gehören zum Alltag; Butter, Käse und Milch aus Tokachi versorgen ganz Japan. Manche Gerichte verdanken sich der Siedlerzeit, etwa gegrilltes Hammelfleisch, und jede größere Stadt pflegt ihren eigenen Ramen-Stil.

  • Jingisukan

    ジンギスカンjingisukan

    Hammel- oder Lammfleisch mit Gemüse auf einer gewölbten Eisenpfanne gegrillt – ein Erbe der Schafzucht, die im frühen 20. Jahrhundert für die Wollproduktion gefördert wurde.

  • Miso-Ramen

    味噌ラーメンmiso rāmen

    Kräftige Nudelsuppe auf Miso-Basis, eng mit Sapporo verbunden; Asahikawa steht für Sojasaucen-Ramen, Hakodate für klare Salzbrühe.

  • Suppencurry

    スープカレーsūpu karē

    Dünne, würzige Currybrühe mit großen Stücken Huhn und Gemüse, die sich seit den 1990er-Jahren von Sapporo aus verbreitet hat.

  • Kaisendon

    海鮮丼kaisendon

    Reisschale mit rohen Meeresfrüchten wie Seeigel, Lachsrogen und Krabbe – typisch für die Morgenmärkte von Hakodate, Otaru und Kushiro.

  • Ishikari-Nabe

    石狩鍋Ishikari-nabe

    Eintopf aus Lachs, Kohl, Tofu und Gemüse in Misobrühe, benannt nach den Lachsfischereien an der Ishikari-Mündung.

  • Chanchan-yaki

    ちゃんちゃん焼きchanchan-yaki

    Fischergericht: Lachs, auf der heißen Platte mit Gemüse, Miso und Butter gegart.

  • Butadon

    豚丼butadon

    Gegrilltes Schweinefleisch in süßer Sojaglasur auf Reis, das Leibgericht von Obihiro in der Tokachi-Ebene.

  • Zangi

    ザンギzangi

    Frittiertes Hähnchen nach Hokkaido-Art, vor dem Ausbacken mariniert und oft mit Dip serviert; Kushiro beansprucht die Erfindung.

Heiße Quellen

  • Noboribetsu Onsen

    登別温泉Noboribetsu Onsen

    Bekanntester Kurort Hokkaidos, gespeist aus dem dampfenden Vulkantal Jigokudani („Höllental“) mit mehreren Quellarten.

  • Jōzankei Onsen

    定山渓温泉Jōzankei Onsen

    Thermalort in einer Schlucht auf dem Stadtgebiet von Sapporo, benannt nach dem Mönch Jōzan, der ihn in den 1860er-Jahren erschloss.

  • Tōyako Onsen

    洞爺湖温泉Tōyako Onsen

    Ort am Südufer des Tōya-Sees, nahe dem aktiven Vulkan Usu und den Kratern seines Ausbruchs von 2000.

  • Yunokawa Onsen

    湯の川温泉Yunokawa Onsen

    Thermalbad am Meer am Stadtrand von Hakodate, nahe dem Flughafen und mit der Straßenbahn erreichbar.

  • Sōunkyō Onsen

    層雲峡温泉Sōunkyō Onsen

    Thermalort in einer Basaltsäulenschlucht an der Nordostflanke des Daisetsuzan, Ausgangspunkt der Seilbahn zum Kurodake.

  • Akanko Onsen

    阿寒湖温泉Akanko Onsen

    Kurort am Akan-See mit dem Akan Ainu Kotan, der größten Ainu-Siedlung Hokkaidos.

  • Kawayu Onsen

    川湯温泉Kawayu Onsen

    Stark saure Quellen unter den Schwefelfumarolen des Iō-zan (Atosanupuri), zwischen Kussharo- und Mashū-See.

Wirtschaft

Gemessen am Produktionswert ist Hokkaido die größte Agrarpräfektur Japans; die Betriebe sind um ein Vielfaches größer als im Landesdurchschnitt. Bei Milch, Weizen, Kartoffeln, Zuckerrüben, Sojabohnen und Azukibohnen steht die Insel landesweit an der Spitze. Fischerei – Jakobsmuscheln, Lachs, Seetang, Pollack und Krabben – und Lebensmittelverarbeitung hängen eng damit zusammen. Die Industrie konzentriert sich um den Hafen Tomakomai (Papier, Autoteile, Raffinerie); der Kohlebergbau, einst Lebensgrundlage von Städten wie Yūbari, ist Geschichte. Der Tourismus – vom Skifahren in Niseko bis zu Sommerreisen nach Furano und in die Nationalparks – ist ein großer Arbeitgeber. Die Bevölkerung schrumpft und ballt sich zunehmend in Sapporo.

Wichtige Branchen

  • Milchwirtschaft und Molkereiprodukte
  • Ackerbau: Weizen, Kartoffeln, Zuckerrüben, Bohnen
  • Fischerei: Jakobsmuscheln, Lachs, Seetang, Krabben
  • Lebensmittel- und Getränkeindustrie, darunter Brauereien
  • Papier und Zellstoff, Autozulieferer (Tomakomai)
  • Tourismus: Wintersport, Nationalparks, Thermalbäder
  • Forstwirtschaft und Holzverarbeitung

Bekannte Persönlichkeiten

  • Matsuura Takeshirō (1818–1888)

    松浦武四郎

    Forschungsreisender, der Ezochi sechsmal mit Ainu-Führern bereiste, Ainu-Ortsnamen aufzeichnete und den Namen Hokkaidō vorschlug.

  • William S. Clark (1826–1886)

    Amerikanischer Pädagoge, Gründer der Landwirtschaftsschule Sapporo (1876); sein Abschiedswort „Boys, be ambitious“ ist bis heute ein Leitspruch Hokkaidos.

  • Chiri Yukie (1903–1922)

    知里幸恵

    Ainu-Autorin aus Noboribetsu; ihre zweisprachige Sammlung von kamuy yukar, das Ainu Shin'yōshū, erschien kurz nach ihrem frühen Tod.

  • Kobayashi Takiji (1903–1933)

    小林多喜二

    In Otaru aufgewachsener Vertreter der proletarischen Literatur, Autor von „Kanikōsen“ (Das Krabbenfangschiff); er starb in Polizeigewahrsam.

  • Miura Ayako (1922–1999)

    三浦綾子

    Schriftstellerin aus Asahikawa, deren Roman „Hyōten“ (Gefrierpunkt) sie zu einer der meistgelesenen Autorinnen der Nachkriegszeit machte.

  • Kayano Shigeru (1926–2006)

    萱野茂

    Ainu-Forscher aus Nibutani und erstes Ainu-Mitglied des japanischen Parlaments; sein Wirken trug zum Ainu-Kulturförderungsgesetz von 1997 bei.

Anreise

  • Wichtigstes Tor ist der Flughafen Neu-Chitose bei Sapporo mit dichtem Inlandsverkehr aus Tokio, Osaka und anderen Städten sowie internationalen Verbindungen; Eilzüge erreichen Sapporo in etwa 40 Minuten.
  • Regionalflughäfen bedienen Hakodate, Asahikawa, Kushiro, Obihiro, Memanbetsu (für Abashiri), Nakashibetsu und Wakkanai sowie die Inseln Rishiri und Okushiri.
  • Der Hokkaido-Shinkansen fährt von Tokio über den Tohoku-Shinkansen und durch den 53,85 km langen Seikan-Tunnel in rund vier Stunden nach Shin-Hakodate-Hokuto; Expresszüge fahren weiter nach Sapporo.
  • Autofähren verbinden Hakodate mit Aomori und Ōma, Tomakomai mit Hachinohe, Sendai, Nagoya und Ōarai sowie Otaru mit Niigata und Maizuru.
  • Die Entfernungen auf der Insel sind groß: Von Sapporo nach Kushiro oder Abashiri sind Expresszüge vier bis fünf Stunden unterwegs; viele Reisende kombinieren Bahn, Inlandsflüge und Mietwagen.

Nachbarpräfekturen

Historische Provinzen

  • 渡島国Oshima no kuni
  • 後志国Shiribeshi no kuni
  • 胆振国Iburi no kuni
  • 石狩国Ishikari no kuni
  • 天塩国Teshio no kuni
  • 北見国Kitami no kuni
  • 日高国Hidaka no kuni
  • 十勝国Tokachi no kuni
  • 釧路国Kushiro no kuni
  • 根室国Nemuro no kuni
  • 千島国Chishima no kuni

Präfektursymbole

Blume
ハマナスhamanasu
Baum
エゾマツezomatsu
Vogel
タンチョウtanchō

Häufige Fragen

Warum heißt Hokkaido „dō“ und nicht „ken“?

Dō („Kreis“) ist ein historischer Begriff aus der Kolonialverwaltung der Meiji-Zeit. Rechtlich ist Hokkaido eine Präfektur wie alle anderen; nur die Bezeichnung weicht ab.

Wie kommt man von Tokio nach Hokkaido?

Meist per Flug nach Neu-Chitose, rund anderthalb Stunden ab Tokio. Mit dem Shinkansen dauert die Fahrt bis Shin-Hakodate-Hokuto etwa vier Stunden, von dort geht es mit Expresszügen weiter nach Sapporo.

Wer sind die Ainu?

Die Ainu sind das indigene Volk Hokkaidos, Süd-Sachalins und der Kurilen mit eigener Sprache und Kultur. Japan erkannte sie 2019 als indigenes Volk an; Upopoy in Shiraoi ist das nationale Zentrum für Ainu-Kultur.

Wie kalt wird es im Winter?

In Sapporo liegen die Tageswerte im Januar meist um oder unter dem Gefrierpunkt, in den Binnenbecken um Asahikawa und im Osten sind Nächte unter −20 °C nicht selten. Die Seite zum Japanischen Meer ist sehr schneereich.

Wann lässt sich Treibeis beobachten?

Das Treibeis erreicht die Ochotsk-Küste bei Abashiri und Shiretoko in der Regel von Ende Januar bis März, am dichtesten meist im Februar.

Was sind die Nördlichen Territorien?

Die Inseln Etorofu, Kunashiri, Shikotan und die Habomai-Gruppe vor Ost-Hokkaido, seit 1945 unter russischer Verwaltung und von Japan beansprucht. Die japanische Statistik rechnet sie zur Fläche Hokkaidos.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
  2. 2.全国都道府県市区町村別面積調 (öffnet in neuem Tab) — Geospatial Information Authority of Japan
  3. 3.北海道庁 (öffnet in neuem Tab) — Hokkaido Government
  4. 4.Upopoy National Ainu Museum and Park (öffnet in neuem Tab) — Foundation for Ainu Culture
  5. 5.Shiretoko (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre

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