Nationalparks · Hokkaido
Nationalpark Kushiro-shitsugen
釧路湿原国立公園くしろしつげんこくりつこうえんKushiro-shitsugen Kokuritsu KōenJapans großes Moor und Heimat des Mandschurenkranichs
Der Nationalpark Kushiro-shitsugen schützt das größte Feuchtgebiet Japans, ein weites Moor aus Schilf, Seggen und Erlen in der Ebene des Kushiro-Flusses nördlich der Stadt Kushiro im Osten Hokkaidos. Seit 1980 erstes Ramsar-Gebiet Japans und seit 1987 Nationalpark, ist es das Kerngebiet des Mandschurenkranichs.
Überblick
Das Kushiro-Moor erstreckt sich über die Unterlaufebene des Kushiro-Flusses unmittelbar nördlich der Hafenstadt Kushiro. Es ist das größte Feuchtgebiet Japans: eine flache, fast baumlose Weite aus Schilfröhricht, Seggenwiesen und Erlengehölzen, durchzogen von träge schlingernden Flüssen und gesprenkelt mit kleinen Seen. Der 1987 ausgewiesene Nationalpark umfasst das Moor und die umgebenden Hügel.
Das Moor ist die Hochburg des Mandschurenkranichs, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan fast verschwunden war und hier in einem kleinen Restbestand überlebte. Schutz, Winterfütterung und Lebensraumpflege ließen den Bestand wieder wachsen; der Kranich ist heute ein Symbol Hokkaidos.
Weil das Moor unmittelbar an eine größere Stadt und an Agrarland grenzt, gilt sein Schutz als Modell für den Feuchtgebietsschutz in Japan. Begradigte Flussläufe, Entwässerung und Sedimenteintrag ließen es im 20. Jahrhundert schrumpfen; seit Anfang der 2000er-Jahre werden Flussabschnitte wieder in ihre Mäander zurückverlegt und nasse Flächen wiederhergestellt.
Landschaft und Entstehung
Während der warmzeitlichen Jōmon-Transgression vor rund 6.000 Jahren war die Kushiro-Ebene eine flache Meeresbucht. Mit sinkendem Meeresspiegel schloss eine Nehrung die Bucht ab; aus der Lagune wurde durch Flusssedimente und Torf allmählich das heutige Moor, dessen Schichten diesen Ablauf noch zeigen. Niedrige, gerundete Hügel aus älteren Terrassenablagerungen umgeben die Ebene und tragen die Aussichtspunkte.
Der Kushiro-Fluss entspringt im Kussharo-See und durchzieht das Moor in weiten Schleifen, gespeist von Kuchoro, Setsuri und weiteren Flüssen. Im Osten liegen die Seen Tōro-ko, Shirarutoro-ko und Takkobu-numa als Reste der alten Lagune. Die Moortypen reichen vom flussgespeisten Schilf- und Seggenried bis zum allein vom Regen gespeisten Torfmoos-Hochmoor im Gebiet Akanuma.
Höhepunkte
Aussichtspunkt Hosooka
細岡展望台Hosooka TenbōdaiBlick von den östlichen Hügeln über die Schleifen des Kushiro-Flusses bis zu den Akan-Vulkanen; bekannt für Sonnenuntergänge.
Kushiro City Wetland Observatory
釧路市湿原展望台Kushiro-shi Shitsugen TenbōdaiAussichtsgebäude mit Steg-Rundweg am Westrand des Moores, nahe der Stadt Kushiro.
Holzsteg Onnenai
温根内木道Onnenai mokudōEbener Steg durch Schilfried und Erlenwald ab dem Besucherzentrum Onnenai – der beste Weg ins Moor hinein.
Tōro-See
塔路湖Tōro-koGrößter See im Moor, nahe dem Bahnhof Tōro; Ausgangspunkt für Kanufahrten auf dem Kushiro-Fluss.
Kushiro-Fluss
釧路川Kushiro-gawaDer durch das Moor mäandernde Fluss, eine der bekanntesten Kanustrecken Japans.
Aussichtspunkt Kottaro
コッタロ湿原展望台Kottaro Shitsugen TenbōdaiAbgelegener Hügelaussichtspunkt über den unberührten Nordwesten des Moores, Teil der Kernschutzzone.
Ökologie
Im Moor wachsen über 600 Pflanzenarten, dazu kommt eine reiche Feuchtgebietsfauna mit vielen nördlichen Arten an ihrer Südgrenze. Schilf und Seggen beherrschen die Niedermoore, die Japanische Erle bildet lichte Gehölze an Flüssen und auf trockenerem Grund, und im regengespeisten Zentrum wachsen Torfmoose, Moosbeere und Sumpfporst.
Neben dem Kranich ist das Moor für Relikte aus kälteren Zeiten bekannt: den Sibirischen Winkelzahnmolch, der in Japan fast nur hier vorkommt, den Sachalin-Huchen, Japans größten Süßwasserfisch, und die Moosjungfer Leucorrhinia intermedia ijimai. Der wachsende Bestand an Sikahirschen setzt der Vegetation zunehmend zu.
Flora
Schilf- und Seggenried
ヨシ・スゲyoshi, sugeDie vorherrschende Pflanzendecke, im Juni grün, im Herbst goldbraun.
Japanische Erle
ハンノキhannokiDer einzige häufige Baum im Moor; seine Ausbreitung gilt als Zeichen der Austrocknung.
Kushiro-Himmelsleiter
クシロハナシノブKushiro-hanashinobuSeltene, blau blühende Feuchtgebietspflanze, benannt nach der Region Kushiro.
Sumpfporst und Torfmoos
イソツツジ・ミズゴケiso-tsutsuji, mizugokeHochmoorvegetation im Gebiet Akanuma, allein vom Regen gespeist.
Fauna
Mandschurenkranich
タンチョウtanchōBesonderes Naturdenkmal; das Moor ist sein wichtigstes Brutgebiet in Japan, der Standvogelbestand hat sich von wenigen Dutzend Tieren erholt.
Sibirischer Winkelzahnmolch
キタサンショウウオkita-sanshōuoEin kälteangepasster Molch, der Frost übersteht; in Japan fast nur im Kushiro-Moor.
Sachalin-Huchen
イトウitōJapans größter Süßwasserfisch, ein gefährdeter Lachsfisch langsamer nördlicher Flüsse.
Ezo-Moosjungfer
エゾカオジロトンボEzo-kaojiro-tonboEine Libelle nördlicher Hochmoore, die in den Moorschlenken lebt.
Seeadler
オジロワシojirowashiBrütet und überwintert an Moor und Flüssen.
Kultur
Muschelhaufen und Grubenhaussiedlungen auf den Hügeln um das Moor, darunter der Muschelhaufen Higashi-Kushiro, zeigen, dass in der Jōmon-Zeit Menschen an den Ufern der einstigen Bucht lebten. Die Ainu nutzten die Flüsse später als Wege ins Landesinnere und zum Lachsfang; viele Namen wie Kushiro, Tōro und Kottaro stammen aus ihrer Sprache.
In der Neuzeit galt das Moor lange als Ödland, das trockengelegt werden sollte. Die Neubewertung als Naturschatz begann mit dem Schutz des Kranichs und mündete in die Ramsar-Ausweisung 1980, den Nationalpark 1987 und die Ramsar-Konferenz in Kushiro 1993.
Besucherzentrum Onnenai
温根内ビジターセンターOnnenai Bijitā SentāAm Beginn des Onnenai-Stegs, mit Ausstellungen zur Ökologie des Moores.
Kranich-Naturpark Kushiro
釧路市丹頂鶴自然公園Kushiro-shi Tanchōzuru Shizen KōenZucht- und Schutzeinrichtung am Stadtrand von Kushiro, in der ganzjährig Kraniche zu sehen sind.
Ausflugszüge durch das Moor
Saisonale Bummelzüge auf der JR-Senmō-Linie am Ostrand des Moores.
Geschichte
vor ca. 6.000 Jahren
Auf dem Höhepunkt der Jōmon-Transgression ist die Kushiro-Ebene eine flache Meeresbucht.
vor ca. 3.000 Jahren
Aus der Bucht ist eine verlandende Lagune geworden – das Moor entsteht.
1924
Eine kleine Gruppe Mandschurenkraniche wird im Moor wiederentdeckt, nachdem die Art in Japan als ausgestorben galt.
1952
Der Mandschurenkranich wird Besonderes Naturdenkmal.
1980
Das Moor wird als erstes japanisches Feuchtgebiet in die Ramsar-Liste aufgenommen.
1987
Ausweisung des Nationalparks am 31. Juli.
1993
Kushiro richtet die fünfte Vertragsstaatenkonferenz der Ramsar-Konvention aus.
2000er
Renaturierungsprojekte beginnen, darunter die Rückverlegung begradigter Flussabschnitte in ihre Mäander.
Im Lauf der Jahreszeiten
Frühling
Im April schmilzt der Schnee; in den Erlenwäldern blüht der Scheinkalla, Kraniche brüten verborgen im Schilf.
Sommer
Das Moor ergrünt; morgens zieht oft Nebel vom Pazifik herein. Hauptsaison für Kanutouren und Ausflugszüge.
Herbst
Im September und Oktober färbt sich das Schilf goldbraun, klare Tage bieten Sicht bis zu den Akan-Vulkanen.
Winter
Kalt und trocken mit wenig Schnee. Die Kraniche sammeln sich an Futterplätzen, und an den kältesten Morgen steigt Dampfnebel von den eisfreien Flüssen auf.
Routen und Wege
Steg Onnenai
Rundweg von etwa 3 km durch Ried und Erlenwald, weitgehend eben.
Rundweg am Kushiro City Wetland Observatory
Steg-Rundweg von etwa 2,5 km zu einem weiteren Aussichtspunkt.
Wege bei Hosooka und Tōro
Kurze Pfade von den Bahnhöfen Kushiro-shitsugen und Tōro zu Aussichtspunkten über dem Fluss.
Kanu auf dem Kushiro-Fluss
Geführt oder auf eigene Faust vom Tōro-See oder weiter flussauf mitten durch das Moor.
Praktische Hinweise
- Zugang über den Flughafen und Bahnhof Kushiro; die JR-Bahnhöfe Kushiro-shitsugen und Tōro an der Senmō-Linie liegen direkt am Ostrand.
- Der größte Teil des Moores ist nicht betretbar; auf Stegen und Wegen bleiben, das schützt auch den Torf.
- Kranichen, besonders brütenden Paaren im Frühjahr und Sommer, nicht nähern – lieber mit Teleobjektiv beobachten.
- Im Sommer sind Mücken und Zecken häufig; in den Wäldern lange Kleidung tragen.
Häufige Fragen
Wo sieht man Mandschurenkraniche?
Im Sommer brüten sie verborgen im Moor und sind kaum zu sehen. Im Winter versammeln sie sich an Futterplätzen rund um das Moor, etwa im Dorf Tsurui und am Akan International Crane Center, wo sie im Schnee tanzen.
Wie erlebt man das Moor am besten?
Von den Aussichtspunkten Hosooka und Kushiro City Wetland Observatory, auf den Holzstegen von Onnenai, mit dem Kanu auf dem Kushiro-Fluss oder aus den saisonalen Ausflugszügen der JR-Senmō-Linie.
Warum ist das Moor international bedeutend?
1980 wurde es als erstes japanisches Feuchtgebiet in die Ramsar-Liste aufgenommen, 1993 fand in Kushiro die fünfte Vertragsstaatenkonferenz der Ramsar-Konvention statt.
Wie ist das Moor entstanden?
Vor etwa 6.000 Jahren drang das Meer in einer Warmzeit weit ins Land vor. Beim Rückzug wurde die Bucht zur Lagune und verlandete allmählich mit Sediment und Torf.
Darf man das Moor betreten?
Nur auf den ausgewiesenen Stegen und Wegen. Der größte Teil ist streng geschützt, schon um den empfindlichen Torfboden zu schonen.
Weiterlesen
Quellen
- 1.釧路湿原国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
- 2.国立公園の概要 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
- 3.Kushiro-shitsugen National Park (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment, Japan
- 4.Ramsar Sites Information Service (öffnet in neuem Tab) — Ramsar Convention Secretariat