Region
Kansai
近畿地方きんきちほうKinki-chihōAlte Kaiserstädte, Händlermetropolen und die heiligen Berge von Kii
Kansai, amtlich Kinki-Region, ist der westliche Mittelteil von Honshu, in dem Japans Hauptstädte über den größten Teil der vormodernen Geschichte lagen; heute bildet der Raum um Osaka, Kyoto und Kobe den zweitgrößten Ballungsraum des Landes.
Überblick
Kansai ist der gebräuchliche Name jener Region, die in der amtlichen Geografie Kinki (近畿) heißt – wörtlich „das Gebiet nahe der Hauptstadt“. Beide Bezeichnungen stammen aus der Kaiserzeit: Kinki greift die chinesische Vorstellung der königlichen Hausdomäne auf, Kansai („westlich der Sperre“) meinte ursprünglich das Land westlich der drei alten Sperren Suzuka, Fuwa und Arachi, die die Zugänge zur Hauptstadt sicherten, später in loser Verwendung alles westlich des Kontrollpostens Hakone. Gezählt werden sieben Präfekturen: Kyoto, Osaka, Hyogo, Nara, Shiga, Wakayama und Mie, wobei Mie oft auch dem Tōkai-Raum um Nagoya zugeschlagen wird.
Über mehr als tausend Jahre war dies das politische und kulturelle Zentrum Japans. Im Nara-Becken entstand der Yamato-Hof, 710 wurde mit Heijō-kyō (Nara) die erste dauerhafte Hauptstadt angelegt, und Heian-kyō (Kyoto) war von 794 bis 1869 Sitz des Kaisers. Nirgends sonst in Japan ballen sich Nationalschätze so dicht – von den ältesten erhaltenen Holzbauten der Welt im Hōryū-ji bis zu den Zen-Gärten Kyotos.
Zugleich ist Kansai ein wirtschaftliches Schwergewicht. Osaka, in der Edo-Zeit die „Küche der Nation“, und die Hafenstadt Kobe bilden mit Kyoto den Ballungsraum Keihanshin, nach Groß-Tokio den zweitgrößten Japans. Die Region pflegt ein ausgeprägtes Eigenbewusstsein – in Mundart, Humor und Küche und in der traditionsreichen Rivalität mit Tokio und der Kantō-Region.
Teilregionen
- 京阪神Keihanshin
Der Ballungsraum Kyoto–Osaka–Kobe, der zweitgrößte Japans.
- 阪神Hanshin
Der Küstenstreifen zwischen Osaka und Kobe mit Nishinomiya, Amagasaki und Ashiya.
- 奈良盆地Nara bonchi
Die alte Provinz Yamato, Kernland des frühen japanischen Staates.
- 近江Ōmi
Das Becken des Biwa-Sees, heute Präfektur Shiga – Durchgangsland zwischen Kyoto und Ostjapan.
- 紀伊半島Kii-hantō
Der gebirgige Süden von Wakayama, Nara und Mie mit Kōya-san, Yoshino und Kumano.
- 丹後・但馬Tango, Tajima
Die Japanmeer-Seite Kyotos und Hyogos mit Amanohashidate und der San’in-Kaigan-Küste.
- 伊賀・伊勢志摩Iga, Ise-Shima
Die historischen Provinzen der Präfektur Mie, Bindeglied zum Tōkai-Raum um Nagoya.
Präfekturen
Geografie
Kansai liegt an der schmalsten Stelle Honshus zwischen Japanischem Meer im Norden und Pazifik im Süden. Im Zentrum liegt der Biwa-See, Japans größter See; sein einziger natürlicher Abfluss wird als Seta-, Uji- und schließlich Yodo-Fluss zur Bucht von Osaka geführt. Die Becken von Kyoto und Nara sowie die Osaka-Ebene bilden das historische Kernland, eingefasst von niedrigen Bergzügen wie Hira, Hiei, Ikoma und Kongō.
Im Süden steigt die Kii-Halbinsel zu den steilen, bewaldeten Kii-Bergen an; die Ōmine-Kette erreicht am Hakkyō-ga-take rund 1.915 Meter, den höchsten Punkt der Region. Die Küste reicht von den Riasbuchten Shimas und der Kumano-nada bis zum Kap Shionomisaki, dem südlichsten Punkt Honshus. Den Nordwesten prägen die Tango-Halbinsel, die San’in-Küste Hyogos und das Bergland von Tajima und Tanba; die Insel Awaji riegelt die Bucht von Osaka zur Seto-Inlandsee hin ab.
Klima
Die Becken und Ebenen Zentral-Kansais haben Inlandsee-Klima: heiße, schwüle Sommer, eher trockene Winter und mäßige Niederschläge. Kyoto und Nara sind wegen ihrer Kessellage für drückende Sommer und kalte Wintermorgen bekannt. Die dem Japanischen Meer zugewandte Seite – der Norden Kyotos, Hyogos und Shigas – erhält mit dem Nordwestmonsun viel Schnee.
Die pazifische Kii-Halbinsel zählt zu den regenreichsten Gegenden Japans; das Hochplateau Ōdaigahara an der Grenze zwischen Nara und Mie verzeichnet außergewöhnlich hohe Jahresniederschläge, und an der Südküste gedeihen Zitrusfrüchte und subtropische Vegetation. Im Spätsommer und Herbst treffen regelmäßig Taifune auf die Kii-Halbinsel.
Geschichte
Große schlüssellochförmige Hügelgräber (Kofun) bei Sakai und Habikino zeugen vom Aufstieg der Yamato-Könige zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert. Im 6. Jahrhundert kam der Buddhismus ins Land; Prinz Shōtoku gründete Shitennō-ji und Hōryū-ji. Nach mehreren Palaststandorten brachte die Nara-Zeit (710–794) die großen Tempel Tōdai-ji und Kōfuku-ji hervor, der Umzug nach Heian-kyō 794 leitete vier Jahrhunderte höfischer Kultur ein.
Auch als die politische Macht nach Kamakura und später Edo wanderte, blieb Kyoto Kaiserstadt und Kansai ein Brennpunkt: Die Ashikaga-Shōgune regierten von Kyoto aus, Toyotomi Hideyoshi errichtete die Burg Osaka, die Einigungskriege wurden hier entschieden. In der Edo-Zeit wurde Osaka zum Handelsplatz für Reis und Waren des ganzen Landes, 1868 öffnete Kobe dem Außenhandel. Industrialisierung, private Eisenbahnen und Nachkriegswachstum ließen den Raum zu einem einzigen Ballungsgebiet verschmelzen. Das Große Hanshin-Erdbeben vom 17. Januar 1995 verwüstete Kobe und veränderte Japans Katastrophenschutz grundlegend.
Kultur
Viele japanische Künste haben hier ihren Ursprung. Nō und Kyōgen entwickelten sich unter der Förderung der Ashikaga in Kyoto, Bunraku-Puppentheater und Kabuki blühten in Osaka, und die Teezeremonie erhielt ihre Form durch Sen no Rikyū, einen Kaufmann aus Sakai. Kyotos Handwerkstraditionen – Nishijin-Weberei, Kyō-Yūzen-Färberei, Kiyomizu-Keramik – und das Viertel Gion mit seinen Geiko und Maiko sind bis heute lebendig.
Die religiöse Landschaft reicht von den Großschreinen von Ise über den esoterisch-buddhistischen Berg Kōya-san und die Kumano-Pilgerwege bis zum Tendai-Hauptsitz auf dem Hiei. Kansai-ben, die regionale Mundartfamilie, ist durch das Manzai-Komödienduo landesweit bekannt und ein Stück Identität; Osakas Direktheit und Witz werden gern Kyotos vornehmer Zurückhaltung gegenübergestellt.
Essen
Okonomiyaki
お好み焼きokonomiyakiHerzhafter Pfannkuchen aus Teig und Weißkohl mit Schweinefleisch oder Meeresfrüchten; nach Osaka-Art wird alles vor dem Braten vermengt.
Takoyaki
たこ焼きtakoyakiTeigbällchen mit Oktopus aus gusseisernen Formen – das Straßenessen schlechthin in Osaka.
Kyō-ryōri
京料理kyō-ryōriKyotoer Küche mit Kaiseki, Shōjin-ryōri (buddhistisch-vegetarisch), Yudōfu und Obanzai-Hausmannskost auf Kombu-Dashi-Basis.
Kitsune-Udon
きつねうどんkitsune udonUdon in heller Kombu-Brühe mit süß gekochtem frittiertem Tofu – ein Gericht, das Osaka für sich beansprucht, typisch für die helle Kansai-Brühe.
Kobe-Rind
神戸ビーフKōbe bīfuStark marmoriertes Markenrindfleisch von Tajima-Rindern aus der Präfektur Hyogo.
Kakinoha-zushi
柿の葉寿司kakinoha-zushiGepresstes Makrelen- oder Lachs-Sushi in Kakiblättern, Spezialität der Berggegenden Naras und Wakayamas.
Funazushi
鮒寿司funazushiFermentierte Karausche aus dem Biwa-See, eine urtümliche Form des Narezushi aus Shiga.
Nationalparks
Welterbe
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kansai und Kinki?
Gemeint ist im Wesentlichen dasselbe Gebiet. Kinki ist die amtliche Bezeichnung in Statistik und Schulgeografie, Kansai der Alltagsname, den Unternehmen, Medien und Bewohner verwenden.
Welche Präfekturen gehören zu Kansai?
Kyoto, Osaka, Hyogo, Nara, Shiga und Wakayama, nach amtlicher Kinki-Definition zusätzlich Mie. Mie wird oft auch zum Tōkai-Raum gerechnet; in weiter gefassten Wirtschaftsdefinitionen kommen gelegentlich Fukui oder Tokushima hinzu.
Welcher Flughafen ist das Tor nach Kansai?
Der Kansai International Airport (KIX) auf einer künstlichen Insel in der Bucht von Osaka wickelt die meisten internationalen Flüge ab. Itami (Osaka International Airport) und der Flughafen Kobe dienen vor allem dem Inlandsverkehr.
Wie weit liegen Kyoto, Osaka und Nara auseinander?
Zwischen Kyoto und Osaka braucht der Tōkaidō-Shinkansen etwa 15 Minuten, JR- und Privatbahnen eine halbe bis drei viertel Stunde. Nara ist von beiden Städten in rund 45 Minuten mit dem Zug erreichbar.
Lohnt sich Kansai als Standort für eine Japanreise?
Ja, die kurzen Wege machen die Region zu einer günstigen Basis: Von Osaka oder Kyoto aus lassen sich Nara, Kobe, Himeji, der Biwa-See und sogar Ise oder Kōya-san als Tagesausflüge erreichen.
Was ist Kansai-ben?
So heißt die Mundartfamilie der Region, erkennbar etwa an „ookini“ (danke), „akan“ (geht nicht) und der Kopula „ya“ statt „da“. Kyoto, Osaka und Kobe haben jeweils eine eigene Färbung.
Weiterlesen
- WelterbeHistorische Monumente des alten Kyoto (Städte Kyoto, Uji und Otsu)
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- WelterbeBuddhistische Denkmäler in der Horyu-ji-Region
- WelterbeBurg Himeji
- WelterbeHeilige Stätten und Pilgerwege im Kii-Gebirge
- WelterbeKofun-Gruppe Mozu-Furuichi: Hügelgräber des alten Japan
- SeenBiwa-See
- NationalparksNationalpark Yoshino-Kumano
- NationalparksNationalpark Ise-Shima
Quellen
- 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
- 2.全国都道府県市区町村別面積調 (öffnet in neuem Tab) — Geospatial Information Authority of Japan
- 3.Kansai Region (öffnet in neuem Tab) — Japan National Tourism Organization
- 4.Historic Monuments of Ancient Kyoto (Kyoto, Uji and Otsu Cities) (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre