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Japan

UNESCO · Kulturerbe · 1994

Historische Monumente des alten Kyoto (Städte Kyoto, Uji und Otsu)

古都京都の文化財(京都市、宇治市、大津市)こときょうとのぶんかざい(きょうとし、うじし、おおつし)Koto Kyōto no Bunkazai (Kyōto-shi, Uji-shi, Ōtsu-shi)

Tausend Jahre Baukunst und Gärten der Kaiserstadt

Die Historischen Monumente des alten Kyoto umfassen 17 Stätten – 13 buddhistische Tempel, drei Shinto-Schreine und die Burg Nijo – in den Städten Kyoto, Uji und Otsu. Gemeinsam zeichnen sie Architektur und Gartenkunst der japanischen Kaiserstadt vom 8. bis zum 19. Jahrhundert nach; eingetragen wurden sie 1994.

Eingetragen 1994Kriterien: ii, ivKyotoShiga

Überblick

Kyoto entstand 794 als Heian-kyo, eine nach chinesischem Vorbild schachbrettartig angelegte Hauptstadt, und blieb bis 1869 Sitz des Kaisers. In diesen elf Jahrhunderten entwickelten sich hier Sakralbau, Palastarchitektur und Gartenkunst, die von Kyoto aus ganz Japan prägten. Das Welterbe umfasst jedoch nicht die Stadt als Ganzes, sondern 17 einzelne Stätten, die jede große Epoche von der Heian- bis zur Edo-Zeit vertreten.

Zu den ältesten Institutionen zählen die Kamo-Schreine, die älter sind als die Hauptstadt selbst, und der To-ji, einer der beiden Staatstempel am Südtor der Stadt. Der Enryaku-ji auf dem Hiei ist Haupttempel der Tendai-Schule. Die Reine-Land-Frömmigkeit des Hofadels verkörpert die Phönixhalle des Byodo-in in Uji, die Zen-Kultur der Kriegerelite stehen Tenryu-ji, Saiho-ji, Ryoan-ji sowie Goldener und Silberner Pavillon, die Macht der Tokugawa-Shogune die Burg Nijo.

Im Onin-Krieg (1467–1477) und bei späteren Bränden gingen die meisten Holzbauten der Stadt verloren; viele heutige Hallen sind Wiederaufbauten des 16. und 17. Jahrhunderts auf weit älteren Grundmauern. Nur wenige Bauten reichen in die Heian-Zeit zurück, darunter die Pagode des Daigo-ji (951), die Phönixhalle (1053) und das Hauptheiligtum des Ujigami-Schreins.

Warum Welterbe

Die UNESCO begründet die Eintragung mit zwei Kriterien. Als wichtigstes Kulturzentrum Japans über mehr als tausend Jahre prägte Kyoto sakrale und weltliche Architektur sowie die Gartenkunst im ganzen Land; seine Zen- und Reine-Land-Gärten beeinflussten die Landschaftsgestaltung weltweit (Kriterium ii).

Die 17 Bestandteile bilden eine ungewöhnlich lückenlose Abfolge japanischer Architektur und Gartenkunst vom späten 8. bis ins 19. Jahrhundert – mit herausragenden Beispielen für Schreinheiligtum, Tempelanlage, Zen-Trockengarten, Wandelgarten, Palast im Shoin-Stil und Burg (Kriterium iv).

Bestandteile

  • Kamigamo- und Shimogamo-Schrein

    賀茂別雷神社・賀茂御祖神社Kamo-wakeikazuchi-jinja, Kamo-mioya-jinja

    Stammschreine des Kamo-Klans, älter als die Hauptstadt; die Haupthallen wurden 1863 im Nagare-zukuri-Stil erneuert. Am 15. Mai zieht die Prozession des Aoi Matsuri hierher; zum Shimogamo gehört der Urwald Tadasu-no-mori.

  • To-ji

    教王護国寺(東寺)Kyōō-gokoku-ji (Tō-ji)

    796 am Haupttor der Stadt gegründet und 823 Kukai als Zentrum des Shingon-Buddhismus übergeben. Die fünfstöckige Pagode von 1644 ist mit rund 55 m die höchste Holzpagode Japans.

  • Kiyomizu-dera

    清水寺Kiyomizu-dera

    Tempel am Hang des Higashiyama, der Überlieferung nach 778 gegründet. Die 1633 neu errichtete Haupthalle ragt mit ihrer Bühne auf einem nagellosen Gerüst aus Holzpfeilern über den Abhang.

  • Enryaku-ji

    延暦寺Enryaku-ji

    788 von Saicho auf dem Hiei gegründet, auf der zu Otsu (Shiga) gehörenden Seite des Bergs. Haupttempel der Tendai-Schule und Lehrstätte der Gründer von Reinem Land, Zen und Nichiren-Buddhismus; 1571 von Oda Nobunaga niedergebrannt.

  • Byodo-in

    平等院Byōdō-in

    1052 in einen Tempel umgewandelte Villa der Fujiwara in Uji. Die Phönixhalle (1053), die sich im Teich spiegelt, stellt das Paradies des Reinen Landes dar und ziert die 10-Yen-Münze.

  • Rokuon-ji (Goldener Pavillon)

    鹿苑寺(金閣寺)Rokuon-ji (Kinkaku-ji)

    Alterssitz des Shoguns Ashikaga Yoshimitsu ab 1397. Der blattvergoldete Pavillon brannte 1950 nach Brandstiftung nieder und wurde 1955 neu errichtet; der Teichgarten ist original.

  • Ryoan-ji

    龍安寺Ryōan-ji

    Zen-Tempel, dessen Trockengarten aus fünfzehn Steinen in geharktem weißem Kies – vermutlich im späten 15. Jahrhundert angelegt – der bekannteste Karesansui (Steingarten) Japans ist.

  • Burg Nijo

    元離宮二条城Moto-rikyū Nijō-jō

    Ab 1603 Residenz der Tokugawa-Shogune in Kyoto. Im Ninomaru-Palast mit seinen bemalten Schiebetüren und „Nachtigallenböden“ wurde 1867 die Rückgabe der Regierungsgewalt an den Kaiser verkündet.

Geschichte

  1. 794

    Kaiser Kanmu verlegt die Hauptstadt nach Heian-kyo.

  2. 788–796

    Gründung des Enryaku-ji auf dem Hiei und des To-ji am Südtor der neuen Stadt.

  3. 1053

    Vollendung der Phönixhalle des Byodo-in in Uji.

  4. 1397

    Ashikaga Yoshimitsu beginnt mit seiner Kitayama-Villa, dem späteren Kinkaku-ji.

  5. 1467–1477

    Der Onin-Krieg zerstört große Teile der Stadt.

  6. 1603

    Tokugawa Ieyasu errichtet die Burg Nijo als Residenz in der Hauptstadt.

  7. 1869

    Der Kaiser zieht nach Tokio; Kyoto verliert den Hauptstadtstatus.

  8. 1994

    Aufnahme in die Welterbeliste im Jahr des 1200-jährigen Stadtjubiläums.

Besuch

  • Die Stätten verteilen sich über das Kyoto-Becken und darüber hinaus: Byodo-in und Ujigami-Schrein liegen in Uji, rund 20 Bahnminuten südlich; zum Enryaku-ji führen Standseil- und Seilbahn oder eine Straße über den Hiei.
  • Der Moostempel Saiho-ji ist nur nach vorheriger schriftlicher Anmeldung zugänglich; die übrigen Stätten sind öffentlich, einzelne Hallen und Gärten jedoch nicht.
  • Kirschblüte im Frühjahr und Herbstlaub im November sind die besucherstärksten Zeiten; am frühen Morgen ist es am Kiyomizu-dera und am Goldenen Pavillon ruhiger.
  • Alle Stätten sind Kultorte oder geschützte Denkmäler: Die Regeln zum Fotografieren sind unterschiedlich, in Tempelhallen werden die Schuhe ausgezogen.

Häufige Fragen

Welche Stätten gehören zum Welterbe in Kyoto?

Siebzehn: Kamigamo- und Shimogamo-Schrein, To-ji, Kiyomizu-dera, Enryaku-ji, Daigo-ji, Ninna-ji, Byodo-in, Ujigami-Schrein, Kozan-ji, Saiho-ji, Tenryu-ji, Kinkaku-ji, Ginkaku-ji, Ryoan-ji, Nishi Hongan-ji und die Burg Nijo.

Ist ganz Kyoto Weltkulturerbe?

Nein. Eingetragen sind nur die 17 Stätten mit ihren Schutzzonen. Bekannte Orte wie der Fushimi-Inari-Schrein, der Sanjusangen-do oder das Viertel Gion gehören nicht dazu.

Ist der Goldene Pavillon noch original?

Nein. Ein Mönch setzte den Pavillon 1950 in Brand; 1955 wurde er originalgetreu wieder aufgebaut. Garten und Anlage sind historisch, weshalb die Stätte Teil des Welterbes bleibt.

Warum gehören Uji und Otsu zum „alten Kyoto“?

Byodo-in und Ujigami-Schrein in Uji waren eng mit dem Heian-Adel verbunden. Der Enryaku-ji liegt zwar auf der Otsu zugewandten Seite des Hiei, wurde aber zum Schutz der Hauptstadt vor dem Nordosten gegründet.

Was ist das älteste Gebäude des Welterbes?

Die 951 vollendete fünfstöckige Pagode des Daigo-ji ist der älteste erhaltene Bau im Stadtgebiet Kyotos; das Hauptheiligtum des Ujigami-Schreins in Uji gilt als ältestes erhaltenes Schreingebäude Japans.

Quellen

  1. 1.Historic Monuments of Ancient Kyoto (Kyoto, Uji and Otsu Cities) (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  2. 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  3. 3.京都市情報館 (öffnet in neuem Tab) — 京都市

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