Zum Inhalt springen
Japan

UNESCO · Kulturerbe · 1998

Historische Monumente des alten Nara

古都奈良の文化財ことならのぶんかざいKoto Nara no Bunkazai

Erste dauerhafte Hauptstadt und Wiege der klassischen Kultur Japans

Die Historischen Monumente des alten Nara sind acht Stätten in der Stadt Nara – fünf buddhistische Tempel, der Kasuga-Schrein, sein heiliger Urwald und das ausgegrabene Gelände des Heijo-Palasts. Sie bezeugen die Hauptstadt der Jahre 710 bis 784, in denen Buddhismus, Staat und Kultur Japans ihre klassische Form fanden; eingetragen wurden sie 1998.

Eingetragen 1998Kriterien: ii, iii, iv, viNara

Überblick

710 zog der Kaiserhof nach Heijo-kyo, einer neuen, schachbrettartig nach chinesischem Vorbild angelegten Hauptstadt am Nordrand des Nara-Beckens. Während der folgenden Jahrzehnte, der Nara-Zeit, war sie das politische und religiöse Zentrum eines Staates nach dem Muster des Tang-Reichs; die hier gegründeten oder hierher verlegten Tempel prägten den japanischen Buddhismus über Jahrhunderte. Als der Hof 784 fortzog, wurde der Palast wieder zu Ackerland, doch Tempel und Schrein an den östlichen Hügeln blieben, und um sie herum wuchs die Stadt Nara.

Das Welterbe vereint acht Stätten. Am Ostrand der Stadt, im und um den heutigen Nara-Park, liegen der Todai-ji mit dem Großen Buddha, der Kofuku-ji als Klostertempel der Fujiwara, der Kasuga-Schrein mit dem Urwald des Kasugayama sowie der Gango-ji im alten Kaufmannsviertel Naramachi. Weiter westlich im Gebiet der alten Hauptstadt stehen Yakushi-ji und Toshodai-ji, nordwestlich das weite Ausgrabungsgelände des Heijo-Palasts.

Viele Bauten stammen noch aus dem 8. Jahrhundert, etwa die Ostpagode des Yakushi-ji, die Haupthalle des Toshodai-ji und das Tegaimon-Tor des Todai-ji; andere wie die Halle des Großen Buddha entstanden nach Kriegen und Bränden neu. Zwischen den Denkmälern ziehen die zahmen Sikahirsche umher, die als Boten der Gottheit von Kasuga gelten.

Warum Welterbe

Die UNESCO begründet die Eintragung mit vier Kriterien. Die Bauten zeigen den kulturellen Austausch zwischen China, Korea und Japan, der Architektur und Kunst des Landes formte (Kriterium ii), und die Blüte der japanischen Kultur in Naras Hauptstadtzeit (Kriterium iii).

Die Anlage des Heijo-Palasts und die Tempel jener Zeit veranschaulichen Architektur und Planung einer ostasiatischen Hauptstadt des 8. Jahrhunderts (Kriterium iv). Buddhistische Tempel und der Shinto-Schrein von Kasuga mit seinem seit über tausend Jahren als heilig geschonten Wald zeugen von der Beständigkeit religiösen Glaubens und vom langen Nebeneinander von Shinto und Buddhismus (Kriterium vi).

Bestandteile

  • Todai-ji

    東大寺Tōdai-ji

    Haupttempel des von Kaiser Shomu begründeten Netzes der Provinztempel. Der bronzene Große Buddha wurde 752 geweiht; die heutige Halle von 1709 zählt zu den größten Holzbauten der Welt. Zum Bestandteil gehört das Schatzhaus Shosoin mit dem Besitz Shomus.

  • Kofuku-ji

    興福寺Kōfuku-ji

    Klostertempel der Fujiwara, 710 nach Nara verlegt. Die fünfstöckige Pagode von 1426 prägt das Stadtbild; zur Sammlung gehört die berühmte Trockenlackfigur des Ashura.

  • Kasuga-Schrein

    春日大社Kasuga Taisha

    768 als Schutzschrein der Fujiwara gegründet, mit zinnoberroten Hallen und rund 3.000 Stein- und Bronzelaternen. Mitte Dezember findet das Kasuga-Wakamiya-On-matsuri statt.

  • Urwald des Kasugayama

    春日山原始林Kasugayama Genshirin

    Laubwald am heiligen Berg hinter dem Schrein, in dem Jagd und Holzeinschlag seit 841 verboten sind – ein seltener naturnaher Wald am Rand einer Stadt.

  • Gango-ji

    元興寺Gangō-ji

    Nachfolger des Asuka-dera, des ersten großen Tempels Japans, 718 nach Nara verlegt. Einige Dachziegel der Gokurakubo-Halle wurden noch im späten 6. Jahrhundert gebrannt.

  • Yakushi-ji

    薬師寺Yakushi-ji

    Aus Fujiwara-kyo verlegter Tempel; seine Ostpagode von etwa 730 mit drei durch Zwischendächer verdoppelten Geschossen ist der einzige Originalbau des Hauptbezirks und wurde 2009 bis 2020 umfassend restauriert.

  • Toshodai-ji

    唐招提寺Tōshōdai-ji

    759 vom chinesischen Mönch Ganjin (Jianzhen) gegründet, der Japan erst nach fünf gescheiterten Überfahrten erreichte. Die Haupthalle aus dem späten 8. Jahrhundert ist der schönste erhaltene Bau der Nara-Zeit.

  • Gelände des Heijo-Palasts

    平城宮跡Heijō-kyū-seki

    Ausgrabungsstätte des etwa einen Quadratkilometer großen Kaiserpalasts mit rekonstruiertem Suzaku-Tor und Audienzhalle; eingetragen sind die archäologischen Reste, nicht die Nachbauten.

Geschichte

  1. 710

    Verlegung der Hauptstadt nach Heijo-kyo; der Kofuku-ji entsteht dort.

  2. 741

    Kaiser Shomu ordnet die Gründung von Provinztempeln an, an deren Spitze der Todai-ji steht.

  3. 752

    Augenöffnungszeremonie des Großen Buddha im Todai-ji.

  4. 759

    Ganjin gründet den Toshodai-ji.

  5. 768

    Gründung des Kasuga-Schreins.

  6. 784

    Der Hof zieht nach Nagaoka-kyo und zehn Jahre später nach Heian-kyo (Kyoto).

  7. 1180

    Truppen der Taira brennen Todai-ji und Kofuku-ji nieder; unter dem Kamakura-Shogunat werden beide wieder aufgebaut.

  8. 1709

    Vollendung der heutigen Halle des Großen Buddha.

  9. 1998

    Aufnahme in die Welterbeliste.

Besuch

  • Todai-ji, Kofuku-ji, Kasuga-Schrein und Gango-ji liegen fußläufig vom Bahnhof Kintetsu-Nara; Yakushi-ji und Toshodai-ji, rund 1 km voneinander entfernt in Nishinokyo, erreicht man mit der Kintetsu-Bahn, das Palastgelände liegt zwischen beiden Bereichen.
  • Durch den Urwald des Kasugayama führen eine alte Bergstraße und Wanderwege; der Wald selbst steht unter strengem Schutz.
  • Die Hirsche im Nara-Park sind wild lebende, als Naturdenkmal geschützte Tiere. Sie können beißen oder stoßen, besonders in der herbstlichen Brunft und beim Füttern.
  • Das Bußritual Shuni-e (Omizutori) in der Nigatsu-do-Halle des Todai-ji findet vom 1. bis 14. März statt; nachts werden große Fackeln über die Galerie getragen.

Häufige Fragen

Welche Stätten gehören zum Welterbe in Nara?

Todai-ji, Kofuku-ji, Kasuga-Schrein, der Urwald des Kasugayama, Gango-ji, Yakushi-ji, Toshodai-ji und das Gelände des Heijo-Palasts. Der Horyu-ji in derselben Präfektur ist ein eigenes Welterbe.

Wie groß ist der Große Buddha von Nara?

Der sitzende Bronze-Vairocana des Todai-ji misst etwa 15 m. Große Teile der heutigen Figur stammen aus Neugüssen nach den Bränden von 1180 und 1567.

Warum leben in Nara so viele Hirsche?

Der Legende nach kam die Gottheit des Kasuga-Schreins auf einem weißen Hirsch nach Nara; seither werden die Tiere als heilige Boten geschützt.

Ist der Heijo-Palast original erhalten?

Nein. Die Palastbauten verschwanden nach 784. Suzaku-Tor und Audienzhalle sind moderne Rekonstruktionen auf Grundlage der Ausgrabungen; Welterbe ist das archäologische Gelände.

Lässt sich Nara als Tagesausflug von Kyoto besuchen?

Ja, mit Kintetsu- oder JR-Zügen in rund 45 Minuten. Für Nara-Park, Todai-ji und Kasuga-Schrein reicht ein Tag; Yakushi-ji, Toshodai-ji und das Palastgelände brauchen zusätzlich mindestens einen halben Tag.

Quellen

  1. 1.Historic Monuments of Ancient Nara (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  2. 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  3. 3.華厳宗大本山 東大寺 (öffnet in neuem Tab) — 東大寺
  4. 4.奈良市 (öffnet in neuem Tab) — 奈良市

Redaktion · Veröffentlicht: