UNESCO · Kulturerbe · 1993
Buddhistische Denkmäler in der Horyu-ji-Region
法隆寺地域の仏教建造物ほうりゅうじちいきのぶっきょうけんぞうぶつHōryū-ji Chiiki no Bukkyō KenzōbutsuDie ältesten hölzernen Tempelbauten der Welt
Die Buddhistischen Denkmäler in der Horyu-ji-Region umfassen 48 Bauten der Tempel Horyu-ji und Hokki-ji in Ikaruga (Präfektur Nara); mehrere stammen aus dem späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert und zählen zu den ältesten erhaltenen Holzbauten der Welt. 1993 wurden sie gemeinsam mit der Burg Himeji als erste Kulturerbestätten Japans in die Welterbeliste aufgenommen.
Überblick
Der Horyu-ji liegt in der Kleinstadt Ikaruga am Rand des Yamato-Beckens, rund 12 km südwestlich von Nara. Nach der Überlieferung des Tempels gründeten ihn Prinz Shotoku und Kaiserin Suiko im Jahr 607 – nur wenige Jahrzehnte, nachdem der Buddhismus über die Koreanische Halbinsel nach Japan gelangt war. Zur Welterbestätte gehören 47 Gebäude des Horyu-ji sowie die dreistöckige Pagode des benachbarten Hokki-ji.
Kern der Anlage ist der Westbezirk (Sai-in): Haupthalle (Kondo) und fünfstöckige Pagode stehen hier nebeneinander in einem überdachten Wandelgang, den man durch das Mittlere Tor betritt. Die Bauten entstanden zwischen dem späten 7. und dem frühen 8. Jahrhundert. Ihre leicht gebauchten Säulen und wolkenförmigen Konsolen bewahren eine Bauweise der Asuka-Zeit, deren chinesische und koreanische Vorbilder dort längst verschwunden sind.
Der Ostbezirk (To-in) wurde im 8. Jahrhundert auf dem Gelände von Shotokus Ikaruga-Palast angelegt; die achteckige Traumhalle (Yumedono) ist seinem Andenken gewidmet. Hallen, Tore und Mönchsquartiere aus Heian- bis Edo-Zeit machen den Ort zu einem Lehrbuch der japanischen Sakralarchitektur über mehr als tausend Jahre.
Warum Welterbe
Die UNESCO stützt die Eintragung auf vier Kriterien. Die Bauten gelten in Entwurf und Schmuck als Meisterwerke der Holzarchitektur (Kriterium i). Sie dokumentieren, wie mit dem Buddhismus chinesische Bau- und Planungsideen nach Japan kamen und dort den eigenen Bedingungen angepasst wurden (Kriterium ii). Zusammen zeigen sie die Entwicklung der buddhistischen Architektur Japans seit der Asuka-Zeit, mit datierten Beispielen nahezu jeder Epoche (Kriterium iv).
Hinzu kommt die Verbindung mit der Einführung des Buddhismus und mit Prinz Shotoku, der als dessen erster großer Förderer verehrt wird (Kriterium vi). Die Tempel bewahren zudem einige der frühesten buddhistischen Skulpturen Japans; diese beweglichen Schätze sind allerdings eigens als Nationalschätze geschützt und nicht Teil des Welterbe-Eintrags.
Bestandteile
Haupthalle (Kondo)
金堂KondōZweigeschossige Halle des Westbezirks aus dem späten 7. Jahrhundert mit der bronzenen Shaka-Triade des Bildhauers Tori Busshi (623). Ihre Wandmalereien fielen 1949 größtenteils einem Brand zum Opfer.
Fünfstöckige Pagode
五重塔Gojū-no-tōRund 32 m hoch und eine der ältesten Holzpagoden überhaupt. Tonfiguren von 711 im Erdgeschoss zeigen unter anderem den Eingang Buddhas ins Nirwana.
Mittleres Tor und Wandelgang
中門・回廊Chūmon, KairōDas Tor mit seiner ungewöhnlichen Mittelsäule und der umlaufende Gang rahmen die asymmetrische Anordnung, bei der Halle und Pagode nebeneinanderstehen.
Traumhalle (Yumedono)
夢殿YumedonoAchteckbau des Ostbezirks aus dem 8. Jahrhundert. Er birgt die jahrhundertelang verborgene Guze-Kannon, die nur an festgelegten Tagen im Frühjahr und Herbst gezeigt wird.
Große Lehrhalle
大講堂DaikōdōNach einem Brand 990 neu errichtet; sie schließt den Wandelgang nach Norden ab und steht für die Tempelarchitektur der Heian-Zeit.
Dreistöckige Pagode des Hokki-ji
法起寺三重塔Hōki-ji Sanjū-no-tōUm 706 vollendet, rund 1,5 km nordöstlich des Horyu-ji gelegen – die älteste erhaltene dreistöckige Pagode Japans und das einzige Element außerhalb des Horyu-ji.
Geschichte
607
Gründungsjahr laut Tempelüberlieferung und Inschrift am Nimbus der Yakushi-Statue im Kondo.
670
Laut Nihon Shoki brennt der Tempel nieder; der heutige Westbezirk entsteht in den folgenden Jahrzehnten neu.
um 706
Fertigstellung der dreistöckigen Pagode des Hokki-ji.
739
Anlage des Ostbezirks mit dem Yumedono auf dem Gelände des Ikaruga-Palasts.
1878
Der Tempel übergibt über 300 Kunstschätze dem Kaiserhaus; heute sind sie in der Galerie der Horyu-ji-Schätze des Nationalmuseums Tokio zu sehen.
1934–1985
Die große Showa-Restaurierung zerlegt und repariert die Gebäude nacheinander.
1949
Ein Brand beschädigt den Kondo und seine Wandmalereien – Anstoß für das Kulturgüterschutzgesetz von 1950.
1993
Eintragung in die Welterbeliste im Dezember, zusammen mit Himeji-jo, Yakushima und Shirakami-Sanchi als erste Stätten Japans.
Besuch
- Anreise mit der JR Yamatoji-Linie (zwischen Nara und Osaka) bis zum Bahnhof Horyuji, von dort mit dem Bus oder in rund 20 Minuten zu Fuß; der Hokki-ji liegt einen Spaziergang weiter nordöstlich zwischen Feldern.
- Viele der bedeutendsten Statuen sind im Schatzhaus (Daihozoin) auf dem Tempelgelände ausgestellt.
- In den Hallen ist Fotografieren in der Regel untersagt; die Bauten sind Kultstätten der Shotoku-Schule.
- Ein Besuch lässt sich gut mit Nara verbinden: Horyu-ji und die Denkmäler des alten Nara erzählen gemeinsam die Frühgeschichte der buddhistischen Architektur Japans.
Häufige Fragen
Ist der Horyu-ji wirklich das älteste Holzgebäude der Welt?
Kondo und fünfstöckige Pagode aus dem späten 7. bis frühen 8. Jahrhundert gelten als die ältesten erhaltenen Holzbauten überhaupt. Jahrringdatierungen zeigen, dass einzelne Hölzer der Pagode sogar schon um 594 geschlagen wurden.
Wer war Prinz Shotoku?
Prinz Shotoku (574–622) war Regent unter Kaiserin Suiko und gilt als Förderer des Buddhismus und eines zentralisierten Staates, etwa mit der Verfassung in 17 Artikeln. Der Horyu-ji ist eng mit seiner Verehrung verbunden.
Welche Gebäude gehören zum Welterbe?
47 Bauwerke des Horyu-ji, darunter Kondo, Pagode und Yumedono, sowie die dreistöckige Pagode des Hokki-ji.
Wie weit ist der Horyu-ji von Nara entfernt?
Rund 12 km südwestlich des Zentrums von Nara. Mit der JR Yamatoji-Linie dauert die Fahrt zum Bahnhof Horyuji etwa 10 bis 15 Minuten, von Osaka-Tennoji knapp eine halbe Stunde.
Was hat der Brand von 1949 bewirkt?
Der Verlust der Kondo-Wandmalereien am 26. Januar 1949 führte zum japanischen Kulturgüterschutzgesetz; der Tag wird landesweit als Tag der Brandverhütung für Kulturgüter begangen.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Buddhist Monuments in the Horyu-ji Area (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
- 3.聖徳宗総本山 法隆寺 (öffnet in neuem Tab) — 法隆寺