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Japan

Region

Kyushu und Okinawa

九州・沖縄きゅうしゅう・おきなわKyūshū-Okinawa

Japans vulkanischer Südwesten und der Ryukyu-Inselbogen

Kyushu und Okinawa bilden die südwestliche Region Japans: die Hauptinsel Kyushu mit sieben Präfekturen und die Nansei-Inselkette, die fast bis Taiwan reicht und in der die Präfektur Okinawa das Erbe des Ryukyu-Königreichs bewahrt. Es ist der dem asiatischen Festland nächstgelegene und der vulkanreichste Teil Japans.

Überblick

Die Region vereint zwei Welten. Kyushu, die drittgrößte der vier japanischen Hauptinseln, gliedert sich in sieben Präfekturen – Fukuoka, Saga, Nagasaki, Kumamoto, Ōita, Miyazaki und Kagoshima – und ist ein Land der Calderen, heißen Quellen und alten Hafenstädte. Südlich davon ziehen sich die Nansei-Inseln über mehr als tausend Kilometer durch das Ostchinesische Meer: von den Ōsumi- und Amami-Inseln, die zu Kagoshima gehören, bis zu den Inseln der Präfektur Okinawa, die bis 1879 das Königreich Ryukyu bildeten.

Der Norden Kyushus liegt Korea und China am nächsten und ist seit der Ankunft des Reisanbaus Japans Tor zum Festland. Nagasaki war zwei Jahrhunderte lang der einzige Hafen, in dem niederländische und chinesische Händler zugelassen waren; Christentum, westliche Wissenschaft und Industrie fassten hier früher Fuß als im übrigen Land. Aus Satsuma im Süden kamen viele Anführer der Meiji-Restauration.

Okinawa dagegen entwickelte sich als eigenständiges Seefahrerkönigreich mit eigener Sprache, Religion und Hofkultur, bevor es in Japan eingegliedert wurde; es erlebte 1945 die Schlacht um Okinawa und danach 27 Jahre US-Verwaltung. Zusammen bietet die Region einige der abwechslungsreichsten Landschaften Japans – von der Aso-Caldera und dem rauchenden Sakurajima bis zu den uralten Zedernwäldern Yakushimas und den Korallenriffen der Kerama- und Yaeyama-Inseln.

Teilregionen

  • Nordkyushu

    北部九州Hokubu Kyūshū

    Fukuoka, Saga, Nagasaki und Ōita: das historische Tor zum Festland mit den größten Städten und Industriegebieten der Region.

  • Südkyushu

    南九州Minami Kyūshū

    Kumamoto, Miyazaki und Kagoshima: vulkanisches Hochland, Pazifikküste und das Gebiet der früheren Domäne Satsuma.

  • Inseln Nagasakis

    Tsushima, Iki und die Gotō-Inseln im Ostchinesischen Meer, einst Trittsteine nach Korea und Zufluchtsorte verborgener Christen.

  • Satsunan-Inseln

    薩南諸島Satsunan Shotō

    Die Inseln der Präfektur Kagoshima südlich von Kyushu: die Ōsumi-Gruppe mit Yakushima und Tanegashima, die Tokara-Kette und die Amami-Inseln.

  • Ryukyu-Inseln

    琉球諸島Ryūkyū Shotō

    Die Inseln der Präfektur Okinawa: Okinawa Hontō mit der Kerama-Gruppe, die Miyako- und Yaeyama-Inseln sowie die abgelegenen Daitō-Inseln.

Präfekturen

Geografie

Kyushu ist im Kern gebirgig: Das Kyushu-Gebirge zieht sich von Nordosten nach Südwesten quer über die Insel und trennt die Ebenen von Fukuoka und Saga vom Süden. Eine Vulkankette durchquert die Insel von Nord nach Süd – Kujū und Aso, dessen Caldera zu den größten der Welt zählt, der Unzen auf der Halbinsel Shimabara, Kirishima und die Aira-Caldera mit dem Sakurajima in der Bucht von Kagoshima. Heiße Quellen gibt es überall; die Präfektur Ōita hat mehr Quellen und die größte Thermalwassermenge aller Präfekturen. Im Westen ist die Küste stark gegliedert – mit dem Ariake-Meer, den Amakusa-Inseln und den Archipelen Nagasakis –, an der Pazifikseite Miyazakis dagegen glatter.

Die Nansei-Inseln bilden einen Bogen zwischen Ostchinesischem Meer und Philippinensee. Im Norden liegen die Granitinsel Yakushima, deren Miyanoura-dake (1.936 m) der höchste Gipfel der Region ist, und die bewaldete Vulkankette der Tokara-Inseln. Weiter südlich folgen Amami-Ōshima und Tokunoshima, dann Okinawa Hontō sowie die Miyako- und Yaeyama-Gruppe mit ihren Korallenriffen; Yonaguni, die westlichste bewohnte Insel Japans, liegt nur rund 110 km von Taiwan entfernt.

Klima

Nord- und Mittelkyushu haben ein feucht-subtropisches Klima mit heißen, nassen Sommern, einer ausgeprägten Regenzeit im Juni und Juli und milden Wintern; in den Bergen fällt Schnee. Südkyushu ist wärmer und gehört zu den regenreichsten Gegenden Japans, die Berge Yakushimas erhalten außergewöhnlich viel Niederschlag. Die Region liegt auf der Hauptzugbahn der Taifune, die am häufigsten im August und September auftreten. Okinawa und die Amami-Inseln sind subtropisch, frostfrei und feucht; die Regenzeit beginnt und endet etwa einen Monat früher als auf den Hauptinseln, und das Meer ist einen Großteil des Jahres warm genug zum Baden.

Geschichte

Nassreisanbau und Metallverarbeitung erreichten Japan im ersten Jahrtausend v. Chr. über Nordkyushu, wo auch die in chinesischen Chroniken beschriebenen frühen Staaten lagen. Ab dem späten 7. Jahrhundert regierte die Behörde Dazaifu Kyushu und lenkte die Außenbeziehungen; Hakata wurde zum führenden internationalen Hafen und wehrte 1274 und 1281 die Mongoleninvasionen ab. 1543 landeten portugiesische Händler mit Feuerwaffen auf Tanegashima, 1549 Franz Xaver in Kagoshima. Das Christentum verbreitete sich in Kyushu stark, bis es unterdrückt wurde – es folgten der Shimabara-Aufstand 1637/38 und das lange Überleben verborgener Christengemeinden. In der Zeit der Abschließung war Dejima in Nagasaki Japans Fenster nach Europa.

Im 19. Jahrhundert waren die Domänen Satsuma und Saga Vorreiter westlicher Technik; Männer aus Satsuma führten die Meiji-Restauration an, bevor der Satsuma-Aufstand 1877 den Widerstand der Samurai beendete. Kohlebergbau, das Stahlwerk Yawata und der Schiffbau in Nagasaki machten Kyushu zum industriellen Kernland. Am 9. August 1945 zerstörte eine Atombombe Nagasaki.

Das im 15. Jahrhundert geeinte Königreich Ryukyu blühte als Handelsstaat mit Tributbeziehungen zu China. 1609 fiel Satsuma dort ein, 1879 annektierte Japan das Königreich als Präfektur Okinawa. Die Schlacht um Okinawa von April bis Juni 1945 kostete einen großen Teil der Zivilbevölkerung das Leben. Bis zur Rückgabe an Japan am 15. Mai 1972 stand Okinawa unter US-Verwaltung; ein großer Teil der US-Militäreinrichtungen in Japan ist bis heute dort konzentriert, was ein anhaltendes politisches Thema ist.

Kultur

Die Kultur Kyushus ist vom langen Kontakt mit Asien und Europa geprägt: Töpfertraditionen, die koreanische Töpfer in Arita, Karatsu und Satsuma begründeten; die chinesisch beeinflussten Feste und Speisen Nagasakis; Kirchen und Dörfer der verborgenen Christen; die großen Festwagenfeste von Hakata und Karatsu. Auch die Mythologie hat Gewicht – Takachiho in Miyazaki gilt als Ort des Götterabstiegs und des Ursprungs der Kaiserlinie. Die Region ist zudem das Kernland des Shōchū, gebrannt aus Süßkartoffeln, Gerste oder Reis.

Okinawas Kultur ist eigenständig: die von der UNESCO als gefährdet eingestuften Ryukyu-Sprachen, die dreisaitige Sanshin und der klassische Hoftanz, der Eisa-Trommeltanz zum Bon-Fest, Bingata-Färberei und Tsuboya-Keramik, eine Religion um Ahnen und heilige Haine (utaki), deren Riten Priesterinnen leiten, und das Karate, das auf Okinawa entstand, bevor es sich über Japan in die Welt verbreitete.

Essen

  • Tonkotsu-Ramen

    豚骨ラーメンtonkotsu rāmen

    Ramen in Schweineknochenbrühe, entstanden in Kurume und durch Hakata berühmt geworden, mit eigenen Varianten in Kumamoto und Kagoshima.

  • Nagasaki-Champon

    長崎ちゃんぽんNagasaki chanpon

    Nudeln mit Meeresfrüchten, Schweinefleisch und Gemüse in kräftiger Brühe, erfunden von einem chinesischen Wirt im Nagasaki der Meiji-Zeit.

  • Shōchū

    焼酎shōchū

    Branntwein aus Süßkartoffeln in Kagoshima und Miyazaki, aus Gerste in Ōita und auf Iki, aus Reis im Kuma-Bezirk Kumamotos und aus braunem Zucker auf Amami.

  • Kurobuta

    黒豚kurobuta

    Schwarzes Berkshire-Schwein aus Kagoshima, als Shabu-Shabu oder Tonkatsu.

  • Chicken Nanban

    チキン南蛮chikin nanban

    Frittiertes Huhn, in süßsaure Essigsoße getaucht und mit Remoulade serviert – aus Miyazaki.

  • Karashi Renkon

    辛子蓮根karashi renkon

    Mit Senf-Miso gefüllte, frittierte Lotoswurzel, eine Spezialität aus Kumamoto.

  • Toriten

    とり天toriten

    Hähnchen-Tempura mit Essig-Sojasoße und Senf, ein Alltagsgericht in Ōita.

  • Okinawanische Küche

    沖縄料理Okinawa ryōri

    Gōyā Chanpurū (Pfanne mit Bittermelone), Okinawa-Soba, geschmorter Schweinebauch Rafute und Awamori, der Reisbrand der Inseln.

Nationalparks

Welterbe

Häufige Fragen

Gehört Okinawa zu Kyushu?

Geografisch nicht: Okinawa ist eine eigene Inselkette mehrere hundert Kilometer südlich von Kyushu. In Statistik, Verwaltung und Reiseführern wird die Präfektur Okinawa aber meist mit den sieben Kyushu-Präfekturen zur Region Kyushu-Okinawa zusammengefasst.

Wie reist man von Kyushu nach Okinawa?

Meist mit dem Flugzeug: Von Fukuoka und Kagoshima gibt es häufige Flüge nach Naha. Eine Fährlinie ab Kagoshima läuft über die Amami-Inseln nach Naha und braucht etwa einen Tag.

Wie bewegt man sich am besten durch Kyushu?

Die Kyushu-Shinkansen verbindet Fukuoka (Hakata), Kumamoto und Kagoshima, die Nishi-Kyushu-Shinkansen fährt nach Nagasaki; Expresszüge erreichen Ōita, Beppu und Miyazaki. Für Aso, Takachiho und ländliche Gegenden ist ein Mietwagen praktisch.

Sind die Vulkane Kyushus gefährlich?

Sakurajima, Aso und andere Vulkane werden von der Japanischen Wetterbehörde ständig überwacht; steigt die Warnstufe, wird der Zugang zu den Kratern gesperrt. Vor einem Besuch sollte man die aktuelle Warnstufe prüfen.

Wann ist die beste Reisezeit?

Für Kyushu sind Frühling und Herbst am angenehmsten. Okinawa ist ganzjährig mild; Badesaison ist etwa von April bis Oktober, die Taifunsaison erreicht im August und September ihren Höhepunkt.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 人口等基本集計 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局
  2. 2.九州地方 (öffnet in neuem Tab) — 国土地理院
  3. 3.Kyushu (öffnet in neuem Tab) — Japan National Tourism Organization
  4. 4.Okinawa (öffnet in neuem Tab) — Japan National Tourism Organization
  5. 5.Gusuku Sites and Related Properties of the Kingdom of Ryukyu (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre

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