UNESCO · Kulturerbe · 2000
Gusuku-Stätten und zugehörige Denkmäler des Königreichs Ryukyu
琉球王国のグスク及び関連遺産群りゅうきゅうおうこくのぐすくおよびかんれんいさんぐんRyūkyū Ōkoku no Gusuku oyobi Kanren Isan-gunBurgen, Gräber und heilige Haine eines untergegangenen Inselreichs
Die Gusuku-Stätten und zugehörigen Denkmäler des Königreichs Ryukyu sind neun Orte auf der Insel Okinawa – fünf Burgruinen, ein Königsmausoleum, ein königlicher Garten und zwei heilige Stätten. Sie bezeugen das unabhängige Königreich, das vom 15. bis zum 19. Jahrhundert über die Ryukyu-Inseln herrschte; eingetragen wurden sie 2000.
Überblick
Etwa ab dem 12. Jahrhundert errichteten lokale Herrscher auf Okinawa Gusuku – Festungen mit geschwungenen Mauern aus Korallenkalk, die zugleich Kultorte waren. Im 14. Jahrhundert standen sich drei Reiche gegenüber: Hokuzan im Norden, Chuzan in der Mitte und Nanzan im Süden. 1429 vereinte Sho Hashi von Chuzan sie zum Königreich Ryukyu mit der Hauptstadt Shuri.
Das Reich wurde durch den Handel wohlhabend. Es entrichtete Tribut an das Ming- und später das Qing-Reich und vermittelte Waren zwischen China, Japan, Korea und Südostasien; aus all diesen Einflüssen entstand eine eigenständige Hofkultur. 1609 fiel das Lehen Satsuma aus Südkyushu ein und brachte das Königreich unter seine Kontrolle, während die Tributbeziehungen zu China fortbestanden. 1879 löste die Meiji-Regierung das Königreich auf und gliederte es als Präfektur Okinawa ein.
Die neun Stätten decken diese ganze Geschichte ab: die Burgen rivalisierender Fürsten in Nakijin, Zakimi, Katsuren und Nakagusuku, der Königssitz Shuri mit Grabmal, Garten und Tor der Sho-Dynastie sowie Sefa-utaki, das höchste Heiligtum des Reiches. Die Schlacht um Okinawa 1945 zerstörte Shuri und beschädigte viele weitere Orte; eingetragen sind die historischen Überreste, nicht die modernen Rekonstruktionen auf einigen von ihnen.
Warum Welterbe
Die UNESCO begründet die Eintragung mit drei Kriterien. Über Jahrhunderte waren die Ryukyu-Inseln ein Zentrum des wirtschaftlichen und kulturellen Austauschs zwischen Südostasien, China, Korea und Japan, wovon die Denkmäler lebendig zeugen (Kriterium ii).
Die Kultur des Königreichs entwickelte sich in diesem besonderen politischen und wirtschaftlichen Umfeld zu etwas Einzigartigem, das sich in Burgen, Gräbern und Garten spiegelt (Kriterium iii). Die heiligen Stätten, Utaki, sind ein herausragendes Beispiel für eine indigene Natur- und Ahnenverehrung, die sich neben den etablierten Religionen bis in die Gegenwart erhalten hat (Kriterium vi).
Bestandteile
Burgstätte Shuri
首里城跡Shuri-jō-atoKönigspalast und Regierungssitz in Naha vom 15. Jahrhundert bis 1879. 1945 zerstört; die 1992 rekonstruierte Haupthalle brannte am 31. Oktober 2019 ab, danach begann der Wiederaufbau. Welterbe sind die Überreste im Boden.
Burgstätte Nakijin
今帰仁城跡Nakijin-jō-atoSitz der Könige von Hokuzan auf der Motobu-Halbinsel mit rund 1,5 km geschwungenen Kalksteinmauern; bekannt für die früh im Januar und Februar blühenden Kirschbäume.
Burgstätten Nakagusuku und Katsuren
中城城跡・勝連城跡Nakagusuku-jō-ato, Katsuren-jō-atoNakagusuku mit seinem fein gefügten Mauerwerk gehörte dem Feldherrn Gosamaru, Katsuren seinem Rivalen Amawari, dessen Niederlage 1458 die Königsmacht festigte. Zakimi, ebenfalls von Gosamaru erbaut, ist die fünfte Burgstätte.
Tamaudun
玉陵TamaudunMausoleum der Zweiten Sho-Dynastie in Shuri, 1501 nach dem Vorbild eines Palasts mit Steinmauern und in den Fels gehauenen Kammern angelegt.
Steintor Sonohyan-utaki
園比屋武御嶽石門Sonohyan-utaki IshimonSteintor von 1519 bei der Burg Shuri, an dem der König vor Reisen aus der Hauptstadt betete – ein Kultort, kein Durchgang.
Shikinaen
識名園Shikinaen1799 vollendeter Garten der königlichen Villa: ein Wandelgarten um einen Teich, der japanische Gartenkunst mit chinesischen Elementen wie Bogenbrücke und Sechseckpavillon verbindet; hier wurden chinesische Gesandte empfangen.
Sefa-utaki
斎場御嶽Sēfa-utakiHöchstes Heiligtum des Königreichs in Nanjo im Süden der Insel: ein heiliger Hain zwischen Kalkfelsen mit Blick auf die Insel Kudaka, in dem die Oberpriesterin (Kikoe-okimi) eingesetzt wurde.
Geschichte
12. Jh.
Auf Okinawa entstehen die ersten Gusuku.
14. Jh.
Die drei Reiche Hokuzan, Chuzan und Nanzan rivalisieren; Chuzan nimmt 1372 Tributbeziehungen zum Ming-Reich auf.
1429
Sho Hashi vereint Okinawa zum Königreich Ryukyu mit der Hauptstadt Shuri.
1470
Beginn der Zweiten Sho-Dynastie, deren Könige später in Tamaudun bestattet werden.
1609
Invasion durch Satsuma; das Königreich bleibt formal unabhängig, steht aber unter dessen Kontrolle.
1879
Japan löst das Königreich auf und errichtet die Präfektur Okinawa.
1945
Die Schlacht um Okinawa zerstört Shuri, unter dessen Burg die japanische Armee ihr Hauptquartier hatte.
1972
Nach 27 Jahren US-Verwaltung kehrt Okinawa unter japanische Verwaltung zurück.
2000
Aufnahme in die Welterbeliste.
2019
Ein Brand zerstört die rekonstruierte Haupthalle und weitere Gebäude der Burg Shuri.
Besuch
- Burg Shuri, Tamaudun, das Tor Sonohyan-utaki und Shikinaen liegen in Naha und sind mit der Einschienenbahn Yui Rail bis Shuri oder per Bus erreichbar; für die übrigen Stätten braucht man Auto oder Überlandbus.
- Nakijin auf der Motobu-Halbinsel im Norden liegt anderthalb bis zwei Autostunden von Naha entfernt, Katsuren und Nakagusuku in der Inselmitte.
- Sefa-utaki ist bis heute ein Gebetsort: Teile des Hains sind an bestimmten Tagen für Rituale gesperrt, die Wege sollen nicht verlassen und die Steine nicht berührt werden.
- Über den Wiederaufbau der Burg Shuri und die zugänglichen Bereiche informiert der Shurijo-Castle-Park.
Häufige Fragen
Was ist eine Gusuku?
Eine Festung der Ryukyu-Inseln mit geschwungenen Mauern aus Korallenkalk. Viele umschlossen heilige Haine und waren damit Burg und Kultstätte zugleich.
Ist die Burg Shuri nach dem Brand 2019 noch Welterbe?
Ja. Eingetragen sind die archäologischen Überreste der Burg, nicht die Nachbauten. Der Brand vernichtete Rekonstruktionen aus dem Jahr 1992; die Stätte selbst bleibt auf der Liste.
Gehörte Ryukyu zu Japan?
Das Königreich Ryukyu war ein eigener Staat, der China Tribut zahlte und ab 1609 vom japanischen Lehen Satsuma kontrolliert wurde. 1879 gliederte Japan es als Präfektur Okinawa ein.
Was ist ein Utaki?
Ein heiliger Ort der indigenen Religion der Ryukyu-Inseln, meist ein Hain oder eine Felsformation, an dem Gottheiten und Ahnen verehrt werden – in der Regel ohne Gebäude.
Lassen sich alle neun Stätten an einem Tag besuchen?
Nur mit Mietwagen und frühem Start. Die vier Orte in Naha lassen sich leicht verbinden; Nakijin im Norden, die Burgen der Inselmitte und Sefa-utaki im Süden verteilt man besser auf zwei Tage.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Gusuku Sites and Related Properties of the Kingdom of Ryukyu (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
- 3.首里城公園 (öffnet in neuem Tab) — 沖縄美ら島財団
- 4.沖縄県 (öffnet in neuem Tab) — 沖縄県