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Japan

Nationalparks · Nagasaki

Nationalpark Saikai

西海国立公園さいかいこくりつこうえんSaikai Kokuritsu Kōen

Inseln am westlichen Rand – und die Kirchen des verborgenen Glaubens

Der Nationalpark Saikai umfasst die Inselwelt vor dem Nordwesten Kyushus, von den dicht gedrängten Inselchen von Kujūkushima bei Sasebo bis nach Hirado und zu den Gotō-Inseln. Er wurde 1955 ausgewiesen und schützt eine Meereslandschaft aus Inseln und Klippen samt Dörfern, in denen Christen ihren Glauben im Verborgenen bewahrten.

Fläche: 246,46 km²Nationalpark · 1955UNESCO-Welterbe · 2018

Überblick

Saikai, „das westliche Meer“, ist Japans Nationalpark der Inseln. Er erstreckt sich über Küsten und Inseln im Norden und Westen der Präfektur Nagasaki: das Labyrinth von Kujūkushima vor Sasebo, die Inseln Hirado und Ikitsuki und den Gotō-Archipel rund 100 km westlich von Nagasaki mit Ojika und Nozaki. Kaum ein anderer Park besteht so vollständig aus Inseln, Meeresstraßen und Landspitzen.

Ausgewiesen wurde der Park am 16. März 1955. Seine Landschaft reicht von geschützten, kiefernbestandenen Inselchen bis zu den Steilklippen von Ōsezaki am Ostchinesischen Meer, von weißen Sandstränden bis zu grasbewachsenen Vulkankegeln auf Fukue.

Diese Inseln waren auch Japans Tor nach Westen. Von Gotō aus segelten die Gesandtschaften ins China der Tang, nach Hirado kamen portugiesische und niederländische Händler, und in den Jahrhunderten des Christentumsverbots zogen sich viele Gläubige in abgelegene Buchten von Gotō und Hirado zurück. Mehrere ihrer Dörfer und Kirchen im Park gehören zum 2018 eingetragenen Welterbe der Stätten der verborgenen Christen in der Region Nagasaki.

Landschaft und Entstehung

Kujūkushima ist eine ertrunkene Landschaft: Eine hügelige Küste aus Sedimentgestein sank ab, und die Kuppen blieben als rund 200 Inseln stehen, gedrängt auf einen etwa 25 km langen Meeresabschnitt – eine der dichtesten Inselansammlungen Japans. Hirado und Ikitsuki bestehen aus Sedimenten mit aufgelagerten Basaltdecken und fallen im Westen steil ab.

Die Gotō-Inseln sind aus älteren Sandsteinen und Graniten aufgebaut, überlagert von jungen Vulkanen. Auf Fukue erheben sich kleine Schlackenkegel wie der Onidake aus Lavaebenen, und die Westklippen von Ōsezaki stürzen hundert Meter und mehr ins Meer. Zwischen den Inseln machen starke Strömungen und der warme Tsushima-Strom das Wasser reich an Fischen.

Höhepunkte

  • Kujūkushima

    九十九島Kujūkushima

    Gruppe von rund 200 Inselchen vor Sasebo, am schönsten von den Aussichtspunkten Tenkaihō und Ishidake oder vom Boot aus.

  • Hirado

    平戸島Hiradoshima

    Insel der ersten europäischen Handelsniederlassung in Japan, mit Reisterrassen und christlichem Erbe an der Westküste.

  • Ōsezaki

    大瀬崎Ōsezaki

    Gewaltige Klippen und ein Leuchtturm an der Westspitze Fukues, zum Ostchinesischen Meer hin.

  • Strand Takahama

    高浜海水浴場Takahama Kaisuiyokujō

    Weißer Sandstrand mit türkisem Wasser auf Fukue, oft zu den schönsten Japans gezählt.

  • Onidake

    鬼岳Onidake

    Grasbewachsener Vulkankegel über Fukue, beliebt zum Drachensteigen und für den Blick über die Inseln.

  • Nozakijima

    野崎島Nozakijima

    Nahezu verlassene Insel vor Ojika mit der ehemaligen Kirche von Nokubi und einer großen Herde Sikahirsche.

Ökologie

Das Klima ist mild und maritim. Auf den Inseln wächst immergrüner Laubwald, auf den Inselchen Kiefernwald, auf dem vulkanischen Fukue weites Grasland. Kamelien sind auf Gotō so häufig, dass Kamelienöl ein traditionelles Erzeugnis ist. Zudem liegt der Park auf einer wichtigen Zugroute: Im Herbst überqueren große Mengen Greifvögel Gotō auf dem Weg zum Festland.

Flora

  • Japanische Kamelie

    ヤブツバキyabutsubaki

    Auf Gotō allgegenwärtig; aus ihren Samen wird Kamelienöl gepresst.

  • Japanische Schwarzkiefer

    クロマツkuromatsu

    Krönt die Inselchen von Kujūkushima.

  • Ubame-Eiche

    ウバメガシubamegashi

    Bildet windgeformtes Buschwerk an exponierten Küsten.

Fauna

  • Froschsperber

    アカハラダカakaharadaka

    Zieht im September in großen Schwärmen über Ōsezaki nach Südostasien.

  • Sikahirsch

    ニホンジカNihon jika

    Streift frei über Nozakijima, das die Menschen fast vollständig verlassen haben.

  • Pazifische Auster

    マガキmagaki

    Wird in den ruhigen Gewässern von Kujūkushima gezüchtet.

Kultur

Gotō war der letzte japanische Halt der Gesandtschaften ins Tang-China; der Mönch Kūkai brach 804 von hier auf. Ab 1550 liefen portugiesische Schiffe Hirado an, später unterhielten Engländer und Niederländer dort Handelsposten, bis der Außenhandel 1641 auf Dejima in Nagasaki konzentriert wurde.

Als das Christentum verboten war, siedelten sich im späten 18. Jahrhundert Gläubige aus der Gegend von Sotome bei Nagasaki an abgelegenen Küsten Gotōs an und praktizierten ihren Glauben getarnt als Buddhismus und Shintō. Nach Aufhebung des Verbots 1873 bauten sie kleine Kirchen aus Holz, Ziegeln und Stein, viele nach Plänen des Baumeisters Tetsukawa Yosuke. Hirado und Ikitsuki waren in der Edo-Zeit zudem Zentren des Walfangs.

  • Kirche Egami

    江上天主堂Egami Tenshudō

    Holzkirche von 1918 auf der Insel Naru, gegen die Feuchtigkeit auf Stelzen gebaut; Teil des Welterbes.

  • Kirche Kashiragashima

    頭ヶ島天主堂Kashiragashima Tenshudō

    Von den Inselbewohnern selbst errichtete Steinkirche, vollendet 1919.

  • Dorf Kasuga auf Hirado

    春日集落Kasuga Shūraku

    Reisterrassen, in denen verborgene Christen den heiligen Berg Yasumandake verehrten.

  • Niederländische Handelsstation Hirado

    平戸オランダ商館Hirado Oranda Shōkan

    Rekonstruktion des Lagerhauses der Niederländischen Ostindien-Kompanie von 1639 am Hafen von Hirado.

  • Kirche Dōzaki

    堂崎天主堂Dōzaki Tenshudō

    Backsteinkirche von 1908 auf Fukue, heute Museum zur christlichen Geschichte Gotōs.

Geschichte

  1. 804

    Kūkai bricht mit einer Gesandtschaft ins Tang-China von den Gotō-Inseln auf.

  2. 1550

    Ein portugiesisches Schiff läuft Hirado an – Beginn seiner Zeit als internationaler Hafen.

  3. 1609

    Die Niederländische Ostindien-Kompanie eröffnet in Hirado eine Handelsstation.

  4. 1641

    Die Niederländer werden nach Dejima in Nagasaki verlegt; Hirados Außenhandel endet.

  5. spätes 18. Jh.

    Christen aus Sotome siedeln sich auf den Gotō-Inseln an.

  6. 1873

    Das Christentumsverbot wird aufgehoben; auf den Inseln entstehen Kirchen.

  7. 1955

    Ausweisung als Nationalpark am 16. März.

  8. 2018

    Die Stätten der verborgenen Christen in der Region Nagasaki werden Welterbe.

Im Lauf der Jahreszeiten

Frühling

Die Kamelienblüte endet, die Inseln ergrünen; ruhige See für Bootsausflüge.

Sommer

Badesaison auf Gotō mit warmem, klarem Wasser; ab dem Spätsommer sind Taifune möglich.

Herbst

Greifvogelzug über Ōsezaki im September; beständiges Wetter zum Inselhüpfen.

Winter

Auf Gotō blühen die Kamelien; Nordwestwinde können die Überfahrten stürmisch machen.

Routen und Wege

  • Bootsfahrt durch Kujūkushima

    Ausflugsboote ab dem Pearl-Sea-Resort in Sasebo fahren zwischen den Inselchen hindurch.

  • Aussichtspunkte von Kujūkushima

    Mit Auto oder zu Fuß zwischen Ishidake, Tenkaihō und weiteren Aussichtspunkten auf den Hügeln über den Inseln.

  • Kirchenrundfahrt auf Gotō

    Mit Auto und kleinem Boot über Fukue, Hisaka, Naru und Nakadōri zu Kirchen und christlichen Dörfern.

  • Zum Leuchtturm von Ōsezaki

    Klippenweg vom Aussichtspunkt hinunter zum Leuchtturm an der Westspitze Fukues.

Praktische Hinweise

  • Sasebo ist von Fukuoka oder Nagasaki mit dem Zug in etwa anderthalb bis zwei Stunden erreichbar; Kujūkushima liegt direkt vor der Stadt.
  • Fähren und Tragflügelboote verbinden Nagasaki und Sasebo mit den Gotō-Inseln; Fukue hat zudem einen Flughafen.
  • Einige Kirchen werden für Gottesdienste genutzt und bitten um vorherige Anmeldung; Auskunft gibt das Informationszentrum für die Kirchen in Nagasaki.
  • Überfahrten zwischen den Inseln können bei schwerer See ausfallen, besonders im Winter.

Häufige Fragen

Wie viele Inseln hat Kujūkushima?

Der Name bedeutet „99 Inseln“, tatsächlich sind es rund 200, dicht gedrängt vor Sasebo.

Welche Welterbestätten liegen im Nationalpark Saikai?

Mehrere Bestandteile der Stätten der verborgenen Christen in der Region Nagasaki, darunter Dörfer und Kirchen auf Hirado und den Gotō-Inseln.

Wer waren die verborgenen Christen?

Gläubige, die nach dem Verbot des Christentums im frühen 17. Jahrhundert ihren Glauben über rund 250 Jahre heimlich weitergaben, oft getarnt als buddhistische oder shintōistische Praxis.

Wie kommt man auf die Gotō-Inseln?

Mit Fähre oder Tragflügelboot ab Nagasaki oder Sasebo oder per Flugzeug nach Fukue.

Quellen

  1. 1.環境省_西海国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  2. 2.環境省_国立公園_国立公園一覧 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  3. 3.Hidden Christian Sites in the Nagasaki Region (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  4. 4.National Parks of Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment, Government of Japan

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