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Japan

UNESCO · Kulturerbe · 2018

Stätten der verborgenen Christen in der Region Nagasaki

長崎と天草地方の潜伏キリシタン関連遺産ながさきとあまくさちほうのせんぷくきりしたんかんれんいさんNagasaki to Amakusa Chihō no Senpuku Kirishitan Kanren Isan

Dörfer, in denen ein verbotener Glaube im Geheimen überlebte

Die Stätten der verborgenen Christen in der Region Nagasaki sind zwölf Bestandteile in den Präfekturen Nagasaki und Kumamoto – zehn Dörfer, die Ruinen der Burg Hara und die Kathedrale Oura. Sie bezeugen japanische Christen, die während des Christentumsverbots vom 17. bis ins 19. Jahrhundert ihren Glauben im Verborgenen weitergaben; eingetragen wurden sie 2018.

Eingetragen 2018Kriterien: iiiNagasakiKumamoto

Überblick

Das Christentum erreichte Japan 1549 mit dem Jesuiten Franz Xaver und verbreitete sich rasch im Westen Kyushus, wo mehrere Fürsten konvertierten und Nagasaki zur christlichen Hafenstadt wurde. Aus Furcht vor ausländischem Einfluss verbot das Tokugawa-Shogunat die Religion 1614 landesweit, wies die Missionare aus und verfolgte die Gläubigen. Nach dem Aufstand von Shimabara und Amakusa 1637/38, einer Erhebung von Bauern, unter denen viele Christen waren, wurde das Verbot systematisch durchgesetzt: Jeder musste sich bei einem buddhistischen Tempel registrieren, Verdächtige mussten auf Heiligenbilder treten.

Ohne Priester hielten Gemeinden in abgelegenen Dörfern Nagasakis und Amakusas über zwei Jahrhunderte heimlich an ihrem Glauben fest. Nach außen lebten sie als Buddhisten oder Shinto-Anhänger, verehrten aber Gegenstände mit verborgener christlicher Bedeutung – Kannon-Statuen als Jungfrau Maria, Abaloneschalen, heilige Berge und Inseln – und gaben Gebete mündlich weiter. Viele siedelten auf entlegene Inseln wie die Goto-Inseln über, wo sie unbeobachtet leben konnten.

1865, kurz nach dem Bau der Kathedrale Oura für die Ausländer in Nagasaki, offenbarte eine Gruppe aus dem Dorf Urakami einem französischen Priester ihren Glauben – die sogenannte Entdeckung der verborgenen Christen. 1873 wurde das Verbot aufgehoben. Viele kehrten daraufhin in die katholische Kirche zurück und errichteten die Kirchen, die heute in ihren Dörfern stehen; andere führten ihre überlieferten Bräuche eigenständig weiter.

Warum Welterbe

Eingetragen wurde das Gut allein nach Kriterium (iii). Es ist ein einzigartiges Zeugnis einer kulturellen Tradition, die verborgene Christen in der Region Nagasaki während des Verbots vom 17. bis ins 19. Jahrhundert pflegten, indem sie ihren Glauben heimlich weitergaben.

Die Bestandteile erzählen die ganze Geschichte: Die Ruinen der Burg Hara markieren den Beginn der härtesten Verfolgung, die Dörfer zeigen die unterschiedlichen Wege der Anpassung – die Verehrung örtlicher heiliger Stätten, die Tarnung im Shinto und Buddhismus oder die Übersiedlung auf abgelegene Inseln –, und die Kathedrale Oura steht für das Ende des Verbergens. Die späteren Kirchen gehören zu den Dörfern, stehen aber für die Zeit nach dem Verbot, nicht für das Verbergen selbst.

Bestandteile

  • Ruinen der Burg Hara

    原城跡Hara-jō-ato

    Burgruine in Minamishimabara, in der sich Zehntausende Aufständische von Shimabara und Amakusa bis zu ihrer Niederlage 1638 verschanzten; danach verschärfte das Shogunat das Verbot.

  • Dörfer in Hirado

    平戸の聖地と集落Hirado no Seichi to Shūraku

    Zwei Bestandteile: das Dorf Kasuga mit dem heiligen Berg Yasumandake und die unbewohnte Insel Nakaenoshima, ein Ort des Martyriums, den verborgene Christen aus der Ferne verehrten.

  • Dorf Sakitsu in Amakusa

    天草の崎津集落Amakusa no Sakitsu Shūraku

    Fischerdorf, dessen Gläubige mit Gegenständen des Alltags wie Abaloneschalen beteten; am Hafen steht die Kirche von Sakitsu.

  • Dörfer in Sotome

    外海の出津集落・大野集落Sotome no Shitsu Shūraku, Ōno Shūraku

    Zwei Küstendörfer nordwestlich von Nagasaki, deren verborgene Christen ihren Glauben pflegten und zugleich an örtlichen Schreinen beteten; von hier zogen viele auf die Goto-Inseln.

  • Dörfer auf Kuroshima

    黒島の集落Kuroshima no Shūraku

    Insel vor Sasebo, von verborgenen Christen auf dem Gelände einer früheren Rinderweide des Lehens besiedelt, heute von der Backsteinkirche von 1902 überragt.

  • Dörfer auf den Goto-Inseln

    野崎島・頭ヶ島・久賀島・奈留島の集落Nozaki-jima, Kashiragashima, Hisaka-jima, Naru-shima no Shūraku

    Vier Bestandteile auf entlegenen Inseln, auf denen sich Zuwanderer aus Sotome niederließen: die verlassenen Dörfer auf Nozaki, Kashiragashima mit seiner Steinkirche, Hisaka und Egami auf Naru.

  • Kathedrale Oura

    大浦天主堂Ōura Tenshudō

    1864 im Ausländerviertel von Nagasaki vollendete Kirche und Nationalschatz; hier gaben sich 1865 verborgene Christen aus Urakami dem Priester Bernard Petitjean zu erkennen.

Geschichte

  1. 1549

    Franz Xaver landet in Kagoshima und beginnt die Mission in Japan.

  2. 1614

    Das Tokugawa-Shogunat verbietet das Christentum im ganzen Land.

  3. 1637–1638

    Der Aufstand von Shimabara und Amakusa endet in der Burg Hara; das Verbot wird verschärft.

  4. 1644

    Der letzte katholische Priester in Japan stirbt als Märtyrer; die Gemeinden bestehen ohne Klerus fort.

  5. spätes 18. Jh.

    Verborgene Christen aus Sotome ziehen auf die Goto-Inseln.

  6. 1865

    In der Kathedrale Oura geben sich verborgene Christen einem französischen Missionar zu erkennen.

  7. 1873

    Die öffentlichen Verbotstafeln gegen das Christentum werden entfernt.

  8. 2018

    Aufnahme in die Welterbeliste.

Besuch

  • Die Kathedrale Oura liegt im Zentrum Nagasakis beim Glover Garden; die Dörfer von Sotome sind etwa eine Autostunde nordwestlich entfernt, in Shitsu erinnert ein Museum an den Missionar Marc Marie de Rotz.
  • Die Inselbestandteile erreicht man per Fähre ab Nagasaki, Sasebo oder den Häfen der Goto-Inseln; manche, etwa Nozaki, werden nur selten angefahren.
  • Besuche der Kirchen in den Bestandteilen sollten vorab über das Informationszentrum für die Stätten der verborgenen Christen in Nagasaki angemeldet werden, da es sich um aktive Gotteshäuser handelt.
  • Messe und Gebet haben Vorrang vor der Besichtigung; Fotografieren und Lärm sind in den Kirchen eingeschränkt.

Häufige Fragen

Wer waren die verborgenen Christen?

Japanische Katholiken und ihre Nachkommen, die ihren Glauben vom 17. bis ins 19. Jahrhundert ohne Priester heimlich lebten und sich nach außen dem Buddhismus und Shinto anpassten.

Was unterscheidet Senpuku und Kakure Kirishitan?

Senpuku Kirishitan („verborgene Christen“) bezeichnet die Gläubigen während des Verbots. Kakure Kirishitan nennt man diejenigen, die nach 1873 die Bräuche ihrer Vorfahren beibehielten, statt in die katholische Kirche zurückzukehren.

Warum stehen nicht die Kirchen im Mittelpunkt?

Die meisten Kirchen entstanden erst nach Aufhebung des Verbots. Der Welterbewert liegt in den Dörfern und Landschaften, in denen der Glaube verborgen wurde; die Kirchen markieren das Ende dieser Zeit.

Was war die „Entdeckung der verborgenen Christen“?

Am 17. März 1865 kamen Bewohner aus Urakami in die neue Kathedrale Oura und vertrauten dem französischen Priester Bernard Petitjean an, dass sie seinen Glauben teilten – der Beweis, dass das Christentum über zwei Jahrhunderte überlebt hatte.

Wie gelangt man auf die Goto-Inseln?

Fähren und Schnellboote verkehren vom Hafen Nagasaki nach Fukue und zu anderen Häfen der Goto-Inseln; von dort erreicht man die Dörfer mit örtlichen Booten oder über Straßen.

Quellen

  1. 1.Hidden Christian Sites in the Nagasaki Region (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  2. 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  3. 3.長崎県 (öffnet in neuem Tab) — 長崎県

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