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Japan

UNESCO · Kulturerbe · 2015

Stätten der industriellen Revolution der Meiji-Zeit in Japan: Eisen und Stahl, Schiffbau und Kohlebergbau

明治日本の産業革命遺産 製鉄・製鋼、造船、石炭産業めいじにっぽんのさんぎょうかくめいいさん せいてつ・せいこう、ぞうせん、せきたんさんぎょうMeiji Nippon no Sangyō Kakumei Isan: Seitetsu, Seikō, Zōsen, Sekitan Sangyō

Öfen, Docks und Bergwerke der japanischen Industrialisierung

Die Stätten der industriellen Revolution der Meiji-Zeit sind 23 Bestandteile in acht Gebieten, vor allem auf Kyushu und in Yamaguchi, die Japans rasche Industrialisierung in Eisen- und Stahlerzeugung, Schiffbau und Kohlebergbau zwischen den 1850er-Jahren und 1910 nachzeichnen. Seit der Eintragung 2015 wird zudem darüber gestritten, wie die Zwangsarbeit im Krieg an einigen dieser Orte dargestellt wird.

Überblick

Das Welterbe erzählt, wie Japan binnen etwa eines halben Jahrhunderts vom feudalen Land, das mit westlicher Technik experimentierte, zur Industrienation wurde. In den letzten Jahren des Tokugawa-Shogunats versuchten Lehen wie Saga, Satsuma und Choshu, nach niederländischen Büchern Flammöfen, Kanonen und Schiffe zu bauen – mit wechselndem Erfolg. Nach der Meiji-Restauration 1868 holte man westliche Ingenieure und Maschinen ins Land, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bauten japanische Unternehmen selbst Stahlschiffe und betrieben moderne Bergwerke und Stahlwerke.

Die 23 Bestandteile verteilen sich auf acht Gebiete. Hagi in Yamaguchi bewahrt einen frühen Flammofen, eine Werft, eine Eisenhütte sowie Burgstadt und Schule, in denen Reformer der Meiji-Zeit ausgebildet wurden. Der Shuseikan in Kagoshima war der Industriekomplex des Satsuma-Lehens; Nirayama (Shizuoka) und Hashino bei Kamaishi (Iwate) bewahren einen Flammofen und frühe Hochöfen, Saga das Marinedock Mietsu. Nagasaki steuert die Mitsubishi-Werft mit Trockendock und Riesenkran bei, die Kohlebergwerke Takashima und Hashima sowie das Haus des schottischen Kaufmanns Thomas Glover. Bergwerke, Bahn und Häfen von Miike liegen in Fukuoka und Kumamoto, und das kaiserliche Stahlwerk Yawata in Kitakyushu markiert 1901 den Beginn der modernen Stahlindustrie Japans.

Mehrere Bestandteile, darunter die Werft in Nagasaki und Teile des Stahlwerks Yawata, sind noch in Betrieb. Das ist auf der Welterbeliste ungewöhnlich und erforderte ein eigenes Verwaltungsmodell unter Beteiligung der Eigentümerfirmen.

Warum Welterbe

Die UNESCO stützt die Eintragung auf zwei Kriterien. Das Gut veranschaulicht, wie das feudale Japan ab Mitte des 19. Jahrhunderts Technik aus Europa und Amerika übernahm und an eigene Bedürfnisse und Traditionen anpasste – der erste gelungene Transfer westlicher Industrialisierung in ein nichtwestliches Land (Kriterium ii).

Das technische Ensemble aus Eisen- und Stahlerzeugung, Schiffbau und Kohlebergbau bezeugt Japans Leistung als erstes nichtwestliches Land, das sich erfolgreich industrialisierte, und ist ein herausragendes Beispiel eines Industrieensembles, das die rasche Entwicklung einer Nation spiegelt (Kriterium iv). Der festgelegte Zeitraum des Welterbes endet 1910, vor der späteren Geschichte der Stätten.

Bestandteile

  • Kohlebergwerk Hashima

    端島炭坑Hashima Tankō

    Untermeerisches Kohlebergwerk auf einer kleinen Insel vor Nagasaki, ab 1890 von Mitsubishi mit Schutzmauern und später Betonwohnblöcken ausgebaut, die ihr den Beinamen Gunkanjima („Schlachtschiffinsel“) eintrugen. 1974 wurde die Mine geschlossen und die Insel verlassen.

  • Mitsubishi-Werft Nagasaki

    三菱長崎造船所Mitsubishi Nagasaki Zōsenjo

    Mit Trockendock Nr. 3 (1905), dem 1909 in Schottland gebauten Riesen-Auslegerkran, der früheren Modellbauwerkstatt, heute Museum, und dem Gästehaus Senshokaku; Dock und Kran sind noch in Betrieb.

  • Ehemaliges Haus und Büro Glover

    旧グラバー住宅Kyū Gurabā Jūtaku

    Wohnhaus von Thomas Blake Glover, dem schottischen Kaufmann, der westliche Technik, Schiffe und Kohlebergbau nach Japan brachte; 1863 erbaut, ist es der älteste erhaltene Holzbau westlichen Stils in Japan.

  • Kaiserliches Stahlwerk Yawata

    官営八幡製鐵所Kan'ei Yahata Seitetsusho

    1901 eröffnetes staatliches Stahlwerk im heutigen Kitakyushu; eingetragen sind das erste Verwaltungsgebäude, die Reparaturwerkstatt und die erste Maschinenhalle sowie das Pumpwerk am Fluss Onga, das es mit Wasser versorgte.

  • Kohlebergwerk und Hafen Miike

    三池炭鉱・三池港Miike Tankō, Miike-kō

    Schachtanlagen Miyanohara und Manda, die Kohlebahn und der Gezeitenhafen von 1908 in Omuta und Arao, dazu der Westhafen Misumi in Kumamoto; Miike war Japans größtes Kohlebergwerk.

  • Shuseikan

    旧集成館Kyū Shūseikan

    Industriekomplex des Satsuma-Lehens in Kagoshima, ab den 1850er-Jahren unter Shimazu Nariakira aufgebaut, mit einer Maschinenfabrik von 1865, dem ältesten erhaltenen Industriebau westlichen Stils in Japan.

  • Gebiet Hagi

    萩の産業化初期の遺産群Hagi no Sangyōka Shoki no Isan-gun

    Der Versuchsflammofen des Choshu-Lehens, die Werft Ebisugahana und die Tatara-Eisenhütte Oitayama, dazu die Burgstadt Hagi und Shoka Sonjuku, die Schule Yoshida Shoins.

  • Hashino und Nirayama

    橋野鉄鉱山・韮山反射炉Hashino Tekkōzan, Nirayama Hanshano

    In Hashino bei Kamaishi sind die ältesten erhaltenen Reste von Hochöfen westlicher Bauart in Japan zu sehen, errichtet ab 1858; der 1857 vollendete Flammofen von Nirayama in Izunokuni ist der einzige erhaltene seiner Zeit, der nachweislich in Betrieb war.

Geschichte

  1. 1850

    Das Saga-Lehen beginnt mit dem Bau von Japans erstem Flammofen zum Gießen eiserner Kanonen.

  2. 1857–1858

    Fertigstellung des Flammofens Nirayama; Oshima Takato erzeugt in Kamaishi Eisen im Hochofen westlicher Bauart.

  3. 1868

    Die Meiji-Restauration ebnet den Weg zur staatlich gelenkten Industrialisierung.

  4. 1869

    Glover und das Saga-Lehen teufen in Takashima den ersten dampfbetriebenen Kohleschacht ab.

  5. 1887

    Die staatliche Werft in Nagasaki geht an Mitsubishi über.

  6. 1901

    Das kaiserliche Stahlwerk Yawata nimmt die Produktion auf.

  7. 1910

    Ende des im Welterbe dargestellten Zeitraums.

  8. 1940er

    Im Zweiten Weltkrieg werden koreanische und chinesische Arbeitskräfte sowie alliierte Kriegsgefangene im Rahmen der Kriegsmobilisierung an einige Stätten gebracht, darunter Hashima und Miike.

  9. 2015

    Eintragung in die Welterbeliste, begleitet von Japans Erklärung zur Arbeit im Krieg und der Aufforderung des Komitees, die vollständige Geschichte jeder Stätte darzustellen.

  10. 2021

    Das Komitee bedauert ausdrücklich, dass seine Beschlüsse zur Darstellung noch nicht vollständig umgesetzt sind.

Besuch

  • Die Bestandteile liegen weit verstreut; am dichtesten ist die Gruppe in und um Nagasaki, wo sich Glover Garden, das Museum in der früheren Modellbauwerkstatt und Bootsfahrten nach Hashima verbinden lassen.
  • Auf Hashima kann man nur mit lizenzierten Bootstouren und bei geeigneter See an Land gehen, und nur auf einem festgelegten Weg; der größte Teil der Insel ist aus Sicherheitsgründen gesperrt.
  • Betriebsgelände wie die Werft in Nagasaki und Teile von Yawata sind nicht öffentlich zugänglich und nur von außen oder von ausgewiesenen Aussichtspunkten zu sehen.
  • Das im Auftrag der Regierung betriebene Industrial Heritage Information Centre in Tokio stellt das Welterbe und seine Deutung vor.

Häufige Fragen

Worum geht der Streit um die Meiji-Industriestätten?

Südkorea kritisierte, dass die Geschichte der im Zweiten Weltkrieg an Orte wie Hashima mobilisierten Koreaner außerhalb des Zeitraums 1850 bis 1910 liege und verschwiegen würde. Die Eintragung erfolgte, nachdem Japan zugesagt hatte, diese Geschichte verständlich zu machen.

Was sagte Japan 2015 zu?

Japan erklärte vor dem Komitee, Maßnahmen zu ergreifen, die verständlich machen, dass in den 1940er-Jahren an einigen Stätten eine große Zahl von Koreanern und anderen gegen ihren Willen hergebracht und unter harten Bedingungen zur Arbeit gezwungen wurde, und dies in seine Vermittlungsstrategie aufzunehmen.

Wie wurde die Zusage umgesetzt?

2020 eröffnete Japan das Industrial Heritage Information Centre in Tokio. 2021 würdigte das Komitee einzelne Schritte, bedauerte aber ausdrücklich die unvollständige Umsetzung und verfolgt die Frage weiter. Die japanische Regierung vertritt die Auffassung, die Formulierung bedeute keine Zwangsarbeit im rechtlichen Sinn; Südkorea widerspricht dem.

Kann man Hashima (Gunkanjima) besuchen?

Ja, mit lizenzierten Bootstouren ab Nagasaki, sofern das Wetter es erlaubt. Begehbar ist nur ein festgelegter Weg am Südende der Insel.

Warum gehören aktive Industrieanlagen zum Welterbe?

Einige der wichtigsten Bestandteile, etwa Trockendock Nr. 3 und der Auslegerkran in Nagasaki, gehören noch den Unternehmen, die sie gebaut haben, und sind in Betrieb; verwaltet wird das Welterbe in einer Partnerschaft von Staat und Betreibern.

Quellen

  1. 1.Sites of Japan's Meiji Industrial Revolution: Iron and Steel, Shipbuilding and Coal Mining (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  2. 2.Decision 39 COM 8B.14 (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Committee
  3. 3.Decision 44 COM 7B.30 (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Committee
  4. 4.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  5. 5.Sites of Japan's Meiji Industrial Revolution (öffnet in neuem Tab) — Consortium for the Sites of Japan's Meiji Industrial Revolution

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