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Japan

UNESCO · Kulturerbe · 2024

Goldminen auf der Insel Sado

佐渡島の金山さどのきんざんSado no Kinzan

Die Goldminen des Shoguns auf einer Insel im Japanischen Meer

Die Goldminen auf der Insel Sado in der Präfektur Niigata umfassen drei Bestandteile in zwei Bergbaugebieten – Nishimikawa und Aikawa-Tsurushi –, die den manuellen Abbau und die Verarbeitung von Gold und Silber unter dem Tokugawa-Shogunat zeigen, als Sado zu den großen Goldproduzenten der Welt gehörte. Mit der Eintragung 2024 verpflichtete sich Japan, die gesamte Geschichte der Minen darzustellen, einschließlich der Arbeit von Menschen von der Koreanischen Halbinsel im Krieg.

Eingetragen 2024Kriterien: ivNiigata

Überblick

Sado liegt rund 35 km vor der Küste Niigatas im Japanischen Meer. Gold wurde hier seit früher Zeit aus den Flüssen gewaschen, Silber in Tsurushi ab der Mitte des 16. Jahrhunderts abgebaut. Die große Zeit begann 1601 mit der Entdeckung reicher Adern in Aikawa, die das Tokugawa-Shogunat unter seine direkte Herrschaft stellte. Sado-Gold speiste die Münzprägung des Shogunats; eine Münzstätte auf der Insel schlug Koban-Goldmünzen.

In seiner Blütezeit im 17. Jahrhundert gehörte Sado zu den größten Goldproduzenten der Welt. Anders als zeitgleiche Bergwerke in Europa und Amerika setzte es auf Handarbeit: Die Adern wurden mit Hammer und Meißel verfolgt, Wasser aus den tiefen Stollen mit Handpumpen und Menschenketten gehoben, das Erz in Werkstätten der Stadt Aikawa zerkleinert, gewaschen und raffiniert – alles in einer fein gegliederten, vom Magistrat des Shogunats überwachten Arbeitsteilung.

Das Welterbe umfasst diese vormechanische Zeit: die Seifengoldgruben von Nishimikawa, wo Bäche umgeleitet wurden, um Gold aus dem Kies zu waschen, die Silbermine Tsurushi und in Aikawa den Doyu no Wareto, einen durch Tagebau gespaltenen Berg, mit Schächten, dem Gelände des Magistrats und der Bergbaustadt. Modernisierung ab 1869, die Mitsubishi-Zeit und die Schließung 1989 gehören zur Geschichte der Minen, liegen aber außerhalb des eingetragenen Zeitraums und Gebiets.

Warum Welterbe

Die UNESCO stützt die Eintragung allein auf Kriterium (iv). Die Goldminen von Sado sind im asiatischen Kontext ein außergewöhnliches Beispiel für den Fortbestand manueller Abbau- und Raffinationstechnik zu einer Zeit, als anderswo schrittweise die Mechanisierung einzog.

Das vom Tokugawa-Shogunat auf Sado entwickelte Verwaltungssystem und seine soziale und betriebliche Organisation ermöglichten es, im 17. Jahrhundert beträchtliche Mengen Gold von auch international hoher Qualität zu gewinnen. Die Landschaft aus Seifenkanälen, Tagebauen, Stollen und geplanter Bergbaustadt bewahrt diese Organisation vollständig.

Die Nominierung war umstritten. Südkorea kritisierte, dass sie den Zweiten Weltkrieg ausblende, als Arbeitskräfte von der Koreanischen Halbinsel in die Minen von Sado mobilisiert wurden. Das Beratergremium ICOMOS forderte Japan auf, die vollständige Geschichte der Stätte über alle Epochen darzustellen. Vor dem Welterbekomitee sagte Japan dies 2024 zu, woraufhin Südkorea der Eintragung im Konsens zustimmte.

Bestandteile

  • Doyu no Wareto

    道遊の割戸Dōyū no Wareto

    Ein Bergrücken in Aikawa, durch den Tagebau einer Goldader V-förmig gespalten, rund 30 m breit und 74 m tief – das Wahrzeichen der Minen von Sado.

  • Bergbaustadt Aikawa und Magistrat

    相川上町・佐渡奉行所跡Aikawa Kamimachi, Sado Bugyōsho-ato

    Die nach 1601 rasch gewachsene Planstadt mit dem Gelände des shogunalen Magistrats, in dem auch Erz raffiniert wurde, und Straßen der Handwerker und Bergleute.

  • Silbermine Tsurushi

    鶴子銀山Tsurushi Ginzan

    Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts betriebene Silbermine, Vorläuferin der Minen von Aikawa, mit Resten von Tagebauen und Stollen in den Hügeln südöstlich von Aikawa.

  • Seifengoldmine Nishimikawa

    西三川砂金山Nishimikawa Sakinzan

    Eine vom Seifenbergbau geformte Landschaft im Südwesten der Insel mit Kanälen und Speicherbecken, deren umgeleitetes Wasser goldhaltigen Kies auswusch.

  • Stollen und Wasserhaltung

    間歩Mabu

    Von Hand gegrabene Stollen und Entwässerungsgänge, teils kilometerlang, durch die Wasser aus den immer tieferen Gruben in Handarbeit gehoben und abgeleitet wurde.

Geschichte

  1. Mitte 16. Jh.

    Beginn des Silberbergbaus in Tsurushi.

  2. 1601

    Entdeckung reicher Gold- und Silberadern in Aikawa; die Tokugawa stellen Sado unter direkte Herrschaft.

  3. 17. Jh.

    Höhepunkt der Förderung; auf der Insel wird Sado-Gold zu Koban geprägt.

  4. 1778

    Das Shogunat beginnt, Obdachlose aus Edo zur Wasserhaltung in die Minen zu schicken.

  5. 1869

    Die Meiji-Regierung übernimmt die Minen und führt westliche Technik ein.

  6. 1896

    Verkauf der Minen an Mitsubishi.

  7. 1940er

    Im Zweiten Weltkrieg werden Arbeitskräfte von der Koreanischen Halbinsel in die Minen mobilisiert.

  8. 1989

    Ende des Bergbaus.

  9. 2024

    Aufnahme in die Welterbeliste mit Japans Zusage, die Geschichte aller Arbeiter darzustellen; in Aikawa eröffnet eine Ausstellung über die koreanischen Arbeitskräfte.

Besuch

  • Sado erreicht man mit Autofähre oder Tragflächenboot von Niigata nach Ryotsu; Aikawa liegt auf der anderen Inselseite und ist per Bus oder Auto erreichbar.
  • In Aikawa führt die Besuchereinrichtung Sado Kinzan durch Stollen aus Edo- und Meiji-Zeit mit lebensgroßen Bergmannsfiguren; den Doyu no Wareto sieht man von der Zufahrtsstraße aus.
  • Die Ausstellung über das Leben aller Bergleute, auch der im Krieg eingesetzten Arbeitskräfte von der Koreanischen Halbinsel, ist im Heimatmuseum Aikawa zu sehen.
  • Nishimikawa liegt an der Südwestküste; seine Seifenbaulandschaft erschließt sich am besten mit den Erläuterungen des örtlichen Goldparks.

Häufige Fragen

Warum war die Eintragung der Minen von Sado umstritten?

Südkorea kritisierte, dass die Nominierung auf die Edo-Zeit beschränkt sei und den Zweiten Weltkrieg ausspare, als Arbeitskräfte von der Koreanischen Halbinsel unter harten Bedingungen in die Minen mobilisiert wurden. Der Streit knüpfte an den um die Meiji-Industriestätten an.

Was hat Japan bei der Eintragung zugesagt?

Japan erklärte 2024 vor dem Welterbekomitee, in Aikawa eine Ausstellung über die Geschichte aller Bergleute einschließlich der koreanischen eröffnet zu haben, und sagte eine jährliche Gedenkfeier für alle Arbeiter zu.

Wie verlief die erste Gedenkfeier?

Sie fand im November 2024 auf Sado statt. Südkorea blieb ihr fern, weil es die Wahl des japanischen Regierungsvertreters kritisierte, und hielt eine eigene Zeremonie auf der Insel ab.

Warum endet das Welterbe vor der Moderne?

Der eingetragene Wert liegt im manuellen Bergbau unter dem Tokugawa-Shogunat. Spätere mechanisierte Anlagen wie die Flotationsanlage Kitazawa aus den 1930er-Jahren sind auf der Insel erhalten, gehören aber nicht zum Welterbe.

Wie lange wurde auf Sado Bergbau betrieben?

Fast vier Jahrhunderte: von der Mitte des 16. Jahrhunderts in Tsurushi bis zur Schließung der Mine Aikawa 1989.

Quellen

  1. 1.Sado Island Gold Mines (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  2. 2.Decision 46 COM 8B.18 Sado Island Gold Mines (Japan) (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Committee
  3. 3.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  4. 4.佐渡市 (öffnet in neuem Tab) — 佐渡市

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