UNESCO · Kulturerbe · 2007
Silbermine Iwami Ginzan und ihre Kulturlandschaft
石見銀山遺跡とその文化的景観いわみぎんざんいせきとそのぶんかてきけいかんIwami Ginzan Iseki to sono Bunkateki KeikanDie Silbermine, die Japan in den Welthandel brachte
Die Silbermine Iwami Ginzan und ihre Kulturlandschaft in Oda (Präfektur Shimane) bewahrt Abbaugebiet, Siedlungen, Wege und Häfen einer Mine, die im 16. und 17. Jahrhundert einen bedeutenden Teil des weltweiten Silbers lieferte und Japan in den Handel mit China und Europa einband. Sie wurde 2007 eingetragen.
Überblick
Iwami Ginzan liegt im Hügelland der mittleren Präfektur Shimane, wenige Kilometer von der Küste des Japanischen Meers entfernt. Der Überlieferung nach entdeckte der Kaufmann Kamiya Jutei aus Hakata 1526 die reichen Silbererze neu; 1533 führte er das Haifuki-ho ein, ein von der Koreanischen Halbinsel übernommenes Kupellationsverfahren, das Silber direkt vor Ort vom Blei trennte. Die Förderung stieg rasant, und die Fürstenhäuser Ouchi, Amago und Mori kämpften um die Mine, bis die Tokugawa sie 1600 unter ihre unmittelbare Kontrolle stellten.
Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert erzeugte Japan einen großen Teil des Weltsilbers, und Iwami war seine wichtigste Quelle. Ein Großteil floss nach China, wo Silber für Steuern und Handel gebraucht wurde, und ging an portugiesische und niederländische Händler; europäische Karten jener Zeit verzeichnen die Mine namentlich. Ab dem späten 17. Jahrhundert ging die Förderung zurück, 1923 endete der Bergbau.
Das Welterbe umfasst weit mehr als die Mine: das Abbaugebiet Ginzan Sakunouchi mit Hunderten Stollen, die Bergbau- und Verwaltungsstadt Omori, die Festungen über dem Tal, die Wege, auf denen das Silber zur Küste getragen wurde, und die Häfen Tomogaura, Okidomari und den Thermalort Yunotsu. Weil der Bergbau auf Handarbeit beruhte und die Wälder für Brennholz bewirtschaftet wurden, sind die Hügel wieder zugewachsen; die Spuren der Industrie liegen heute unter dichtem Wald.
Warum Welterbe
Die UNESCO nennt drei Kriterien. Die enorme Silberproduktion Iwami Ginzans im 16. und 17. Jahrhundert trug zum wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Japan, Ostasien und Europa bei (Kriterium ii). Die archäologischen Reste von Abbau, Verhüttung und Siedlung sind ein außergewöhnliches Zeugnis der ostasiatischen Silbergewinnung mit kleinteiligen, manuellen Methoden (Kriterium iii).
Die Bergbaulandschaft mit Orten, Wegen und Häfen inmitten eines bewirtschafteten statt zerstörten Waldes ist ein herausragendes Beispiel für eine Landnutzung, die das Verhältnis zwischen Industrie und Umwelt veranschaulicht (Kriterium v). Auch die Wiederbewaldung nach Ende des Bergbaus gehört zu diesem Wert.
Bestandteile
Abbaugebiet Ginzan Sakunouchi
銀山柵内Ginzan SakunouchiDas eingefriedete Bergbaugebiet im Tal unter dem Sennoyama mit über 600 Stollen (Mabu), Schmelzplätzen und Resten von Bergmannssiedlungen.
Ryugenji Mabu
龍源寺間歩Ryūgenji MabuVom Shogunat betriebener Stollen aus dem frühen 18. Jahrhundert mit noch sichtbaren Meißelspuren; ein Teil ist für Besucher zugänglich.
Omori Ginzan
大森銀山Ōmori GinzanOrt der Bergbauverwaltung und der Kaufleute mit Samurai- und Kaufmannshäusern wie dem Haus Kumagai, Tempeln und dem Gelände des Magistrats, als historisches Ortsbild erhalten.
Rakan-ji Gohyaku Rakan
羅漢寺五百羅漢Rakan-ji Gohyaku RakanFünfhundert steinerne Heiligenfiguren in Felshöhlen, im 18. Jahrhundert zum Gedenken an die in der Mine Verstorbenen geschaffen.
Iwami Ginzan Kaido
石見銀山街道Iwami Ginzan KaidōZwei Transportwege, der Tomogaura-michi und der Yunotsu-Okidomari-michi, auf denen Erz und Silber zu den Häfen gebracht wurden.
Yunotsu, Okidomari und Tomogaura
温泉津・沖泊・鞆ケ浦Yunotsu, Okidomari, TomogauraHäfen am Japanischen Meer für die Verschiffung des Silbers: Yunotsu, ein Thermalort mit historischem Ortsbild, sowie die kleinen Buchten Okidomari und Tomogaura mit in den Fels gehauenen Festmachersteinen.
Geschichte
1526
Kamiya Jutei beginnt mit dem Abbau im großen Stil.
1533
Mit dem Haifuki-ho lässt sich Silber erstmals vor Ort raffinieren.
1562
Nach jahrzehntelangen Kämpfen mit Ouchi und Amago übernehmen die Mori die Mine.
1600
Die Tokugawa unterstellen die Mine direkt dem Shogunat, mit einem Magistrat in Omori.
frühes 17. Jh.
Höhepunkt der Förderung; Silber aus Iwami gelangt in den Handel mit China, Portugal und den Niederlanden.
1923
Ende des Bergbaus.
2007
Aufnahme in die Welterbeliste.
Besuch
- Iwami Ginzan ist per Bus vom Bahnhof Odashi an der JR San'in-Linie erreichbar, rund eine Stunde von Izumo; das Iwami Ginzan World Heritage Center erläutert Stätte und Geschichte.
- Der Bereich um Omori ist auf Fußgänger und Radfahrer ausgerichtet, Autos bleiben am World Heritage Center; von Omori durch das Tal bis zum Ryugenji Mabu sind es rund 2,5 km.
- Einige Stollen wie der Okubo Mabu sind nur bei örtlich organisierten Führungen zugänglich; ansonsten ist das Abbaugebiet eine geschützte archäologische Stätte.
- Auf dem alten Silberweg lässt sich von Omori bis zur Küste nach Yunotsu wandern, wo ein Thermalbad wartet.
Häufige Fragen
Welche Rolle spielte Iwami Ginzan in der Weltgeschichte?
Im frühen 17. Jahrhundert gehörte Japan zu den größten Silberproduzenten der Welt, und Iwami Ginzan war seine wichtigste Mine. Ihr Silber finanzierte den Handel mit China und gelangte zu europäischen Kaufleuten.
Was ist ein Mabu?
Die örtliche Bezeichnung für einen Stollen. In Iwami Ginzan wurden über 600 gefunden, meist schmale, von Hand gegrabene Gänge.
Warum spricht man von einer Kulturlandschaft?
Zum Welterbe gehören nicht nur die Mine, sondern auch Orte, Wege, Häfen und Wälder, die sie versorgten; der bewirtschaftete Wald und seine Wiederbewaldung machen die Stätte besonders.
Wie lässt sich Iwami Ginzan mit Izumo verbinden?
Izumo mit dem Izumo-Taisha liegt rund eine Bahnstunde entfernt; beide lassen sich an zwei Tagen gut kombinieren, etwa mit Übernachtung im Thermalort Yunotsu.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Iwami Ginzan Silver Mine and its Cultural Landscape (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
- 3.大田市 (öffnet in neuem Tab) — 大田市