Nationalparks · Nara, Wakayama, Mie
Nationalpark Yoshino-Kumano
吉野熊野国立公園よしのくまのこくりつこうえんYoshino-Kumano Kokuritsu KōenBerge der Asketen, Schreine von Kumano, warme Pazifikküste
Der Nationalpark Yoshino-Kumano erstreckt sich über die Kii-Halbinsel, von den Kirschhängen Yoshinos und dem Ōmine-Gebirge bis zur Pazifikküste bei Kumano und Kushimoto. Er wurde 1936 ausgewiesen und umfasst große Teile der Pilgerlandschaft des Welterbes Kii-Gebirge.
Überblick
Der Nationalpark Yoshino-Kumano umfasst das zerklüftete Innere und die Südküste der Kii-Halbinsel, der größten Halbinsel Japans. Sein Gebirgsteil folgt dem Ōmine-Kamm von Yoshino nach Süden und schließt Ōdaigahara ein, einen der regenreichsten Orte des Landes. Sein Flussteil folgt Kitayama und Kumano durch tiefe Schluchten, sein Küstenteil reicht von Kumano in der Präfektur Mie über Nachi und Katsuura bis zum Kap Shiono, dem südlichsten Punkt Honshus.
Kaum eine japanische Landschaft ist so religiös aufgeladen. Seit über tausend Jahren ist das Ōmine-Gebirge Übungsraum der Shugendō-Bergasketen, und die drei großen Schreine von Kumano zogen Kaiser, Hofadel und später einfaches Volk über die Pilgerwege des Kumano Kodō. Ein Großteil dieser heiligen Geografie wurde 2004 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Ausgewiesen am 1. Februar 1936 mit der zweiten Gruppe japanischer Nationalparks, vereint Yoshino-Kumano Bergwald, wilde Flüsse und eine fast subtropisch anmutende Küste mit Korallen vor Kushimoto.
Landschaft und Entstehung
Das Kii-Gebirge besteht aus Akkretionskomplexen – Schollen von Ozeanboden, die von der abtauchenden Philippinischen Platte an den Rand Japans geschoben wurden. Vor rund 15 Millionen Jahren drangen die sauren Magmen der Kumano-Gruppe ein und bedeckten Teile davon. Rasche Hebung und einige der höchsten Niederschläge Japans schnitten steile Kerbtäler ein.
Das vulkanische Gestein erklärt viele Wahrzeichen: die Felssäulen von Hashikui-iwa, die Klippen von Onigajō und die 133 m hohe Fallstufe des Nachi-Wasserfalls. Im Landesinneren hat der Kitayama die Schlucht Dorokyō gegraben, während Ōdaigahara ein gehobenes, sanft welliges Plateau mit Abbrüchen wie dem Daijagura ist. Vor der Küste lässt der warme Kuroshio riffbildende Korallen in ungewöhnlich hohen Breiten wachsen.
Höhepunkte
- 大峰山脈Ōmine Sanmyaku
Das Rückgrat des Parks mit dem Hakkyō-ga-take (1.915 m), dem höchsten Gipfel der Region Kansai, und dem heiligen Sanjō-ga-take.
Ōdaigahara
大台ヶ原ŌdaigaharaNebelverhangenes Plateau mit Fichten- und Buchenwald und der Felskanzel Daijagura, berühmt für extreme Jahresniederschläge.
- 吉野山Yoshinoyama
Ein über Jahrhunderte mit Zehntausenden Bergkirschen bepflanzter Bergrücken, der in Stufen von unten nach oben erblüht.
- 那智の滝Nachi no Taki
Mit 133 m freiem Fall der höchste Einzelfall Japans, vom Schrein Kumano Nachi Taisha als Gottheit verehrt.
Dorokyō
瀞峡DorokyōSchlucht des Kitayama an der Grenze dreier Präfekturen, mit ruhigen grünen Becken zwischen senkrechten Felswänden.
Hashikui-iwa
橋杭岩Hashikui-iwaReihe von rund vierzig Felspfeilern vor Kushimoto, herauserodiert aus einem vulkanischen Gang.
Onigajō
鬼ヶ城OnigajōMeereshöhlen und wabenartig verwitterte Tuffklippen bei Kumano in der Präfektur Mie.
Natur
Ökologie
Der Park reicht vom warmen Küstenwald bis zu subalpinen Nadelhölzern. Auf Ōdaigahara und den Ōmine-Graten wachsen Buchen, Japanische Hemlocktannen und Ajan-Fichten; starker Verbiss durch Sikahirsche hat Teile des Fichtenwalds jedoch in Grasland verwandelt, weshalb Zäune und Nachpflanzungen den Bestand schützen. An der Küste beherbergen die Gewässer von Kushimoto einige der nördlichsten großen Tischkorallen-Gemeinschaften der Welt; sie sind seit 2005 Ramsar-Gebiet.
Flora
Ajan-Fichte (Ōdaigahara)
トウヒtōhiDer Fichtenwald im Osten Ōdaigaharas, ein isolierter südlicher Außenposten dieses subalpinen Baums.
Japanische Buche
ブナbunaDer vorherrschende Laubbaum der oberen Ōmine-Hänge.
Bergkirsche
ヤマザクラyamazakuraDie Wildkirsche Yoshinos, als Opfergabe an die Gottheit Zaō Gongen gepflanzt.
Tischkoralle
テーブルサンゴtēburu sangoGroße Acropora-Kolonien vor Kushimoto, genährt vom warmen Kuroshio.
Fauna
Japanischer Serau
ニホンカモシカNihon kamoshikaZiegenartige Waldantilope und besonderes Naturdenkmal Japans, an steilen Waldhängen heimisch.
Kragenbär
ツキノワグマtsukinowagumaDie Population der Kii-Halbinsel ist klein, isoliert und gilt als bedroht.
Sikahirsch
ニホンジカNihon jikaAuf Ōdaigahara zahlreich; der Verbiss verändert dort den Wald.
Unechte Karettschildkröte
アカウミガメakaumigameLegt im Frühsommer an den langen Kies- und Sandstränden der Kumano-Küste ihre Eier ab.
Kultur
Das Kii-Gebirge galt lange als Reines Land auf Erden. Der Shugendō, der Überlieferung nach im späten 7. Jahrhundert von En no Gyōja begründet, verschmolz Bergverehrung mit esoterischem Buddhismus; seine Anhänger begehen bis heute den Okugake-Weg zwischen Yoshino und Kumano. Der Gipfel des Sanjō-ga-take mit dem Tempel Ōminesan-ji ist nach religiöser Tradition für Frauen gesperrt.
Die drei großen Schreine von Kumano – Hongū, Hayatama und Nachi – wurden zum Ziel der Kumano-Wallfahrt, die abgedankte Kaiser in der Heian- und Kamakura-Zeit Dutzende Male unternahmen. Später strömte das Volk in solchen Mengen herbei, dass man von einer „Ameisenprozession“ sprach. Yoshino wiederum bot im 14. Jahrhundert dem Südhof von Kaiser Go-Daigo Zuflucht und ist seit der klassischen Dichtung Japans berühmtester Kirschberg.
Kumano Hongū Taisha
熊野本宮大社Kumano Hongū TaishaHauptschrein von Kumano; den ursprünglichen Standort auf der Flussaue Ōyunohara markiert ein gewaltiges Torii.
Kumano Nachi Taisha und Seiganto-ji
熊野那智大社Kumano Nachi TaishaSchrein und Tempel Seite an Seite über dem Nachi-Wasserfall – ein lebendiges Bild der Verschmelzung von Shintō und Buddhismus.
Kinpusen-ji
金峯山寺Kinpusen-jiHaupttempel des Shugendō in Yoshino; die Zaō-dō zählt zu den größten Holzhallen Japans.
Ōminesan-ji
大峯山寺Ōminesan-jiTempel auf dem Gipfel des Sanjō-ga-take, in den Sommermonaten für Pilger geöffnet.
Tsuboyu
つぼ湯TsuboyuWinziges Flussbad im Onsen Yunomine, in dem sich Pilger reinigten; Teil des Welterbes.
Geschichte
spätes 7. Jh.
En no Gyōja soll das Ōmine-Gebirge als Ort asketischer Übung erschlossen haben.
1090
Der abgedankte Kaiser Shirakawa pilgert erstmals nach Kumano – Beginn der Ära kaiserlicher Wallfahrten.
1336
Kaiser Go-Daigo errichtet in Yoshino den Südhof.
1594
Toyotomi Hideyoshi gibt in Yoshino ein berühmtes Kirschblütenfest.
1889
Eine verheerende Flut am Totsukawa beschädigt Kumano Hongū Taisha; der Schrein wird später höher gelegen wiederaufgebaut.
1936
Ausweisung als Nationalpark am 1. Februar.
2004
Die Pilgerlandschaft des Kii-Gebirges wird Welterbe.
2005
Die Küstengewässer von Kushimoto werden wegen ihrer Korallen Ramsar-Gebiet.
Im Lauf der Jahreszeiten
Frühling
Ab Anfang April blühen die Kirschen Yoshinos über mehrere Wochen von den unteren zu den oberen Hängen; auf den Graten folgen die Azaleen.
Sommer
Pilgerzeit am Ōmine-Kamm; regnerisch und schwül, auf Ōdaigahara oft dichter Nebel. Das Feuerfest des Kumano Nachi Taisha findet am 14. Juli statt.
Herbst
Ab Mitte Oktober färben sich Buchen und Ahorne auf Ōdaigahara und in den Schluchten; Taifune können Straßen und Wege sperren.
Winter
Schnee und Eis auf den hohen Graten, deren Bergstraßen gesperrt werden; die Küste bleibt mild und eignet sich gut für den Kumano Kodō.
Routen und Wege
Kumano Kodō Nakahechi
Die kaiserliche Route über die Berge von Takijiri zum Kumano Hongū Taisha, meist in zwei bis vier Tagen mit Übernachtung in Bergdörfern begangen.
Ōmine Okugake-michi
Der Kammweg des Shugendō zwischen Yoshino und Kumano, eine anspruchsvolle mehrtägige Überschreitung mit kaum Infrastruktur.
Ostrunde auf Ōdaigahara
Rundweg vom Besucherzentrum über Hidegatake, Masaki-ga-hara und Daijagura durch Fichten- und Buchenwald, etwa vier Stunden.
Flussroute auf dem Kumano
Der Flussabschnitt zwischen Hongū und Hayatama, einst Pilgerweg, befahren mit traditionellen Flussbooten.
Dorokyō per Jetboot
Wasserstrahlboote fahren von Shingū und Kumanogawa den Kitayama hinauf in die Schlucht.
Praktische Hinweise
- Der Nahverkehr ist dünn: Kintetsu-Züge fahren von Osaka nach Yoshino, die JR-Kisei-Linie bedient die Küste, Busse verbinden die Kumano-Schreine.
- Ōdaigahara zählt zu den niederschlagsreichsten Orten Japans; Regenkleidung ist unverzichtbar, die Wege sind oft rutschig.
- Für das westliche Ōdaigahara (Nishi-Ōdaigahara) gelten Besucherbegrenzung und Voranmeldung; aktuelle Hinweise stehen auf den Parkseiten des Umweltministeriums.
- Der Gipfelbereich des Sanjō-ga-take ist nach religiöser Tradition für Frauen gesperrt; Ausweichrouten umgehen die Zone.
- In den Bergen leben Bären; Glöckchen mitführen und Lebensmittel sicher verstauen.
Häufige Fragen
Welche Welterbestätten liegen im Nationalpark Yoshino-Kumano?
Der größte Teil des Welterbes Kii-Gebirge: Yoshino und Ōmine, die drei großen Schreine von Kumano und weite Abschnitte des Kumano Kodō. Nur der Kōyasan liegt außerhalb.
Wie hoch ist der höchste Berg des Parks?
Der Hakkyō-ga-take im Ōmine-Gebirge misst 1.915 m und ist zugleich der höchste Gipfel der Region Kansai.
Wann blühen die Kirschen in Yoshino?
Meist von Anfang bis Ende April, beginnend im Bereich Shimo Senbon am Fuß des Bergrückens bis hinauf nach Oku Senbon.
Dürfen Frauen den Sanjō-ga-take besteigen?
Nein. Nach religiöser Tradition ist der Gipfel für Frauen gesperrt; das übrige Ōmine-Gebirge ist für alle zugänglich.
Wie weit ist es von Osaka zum Kumano Kodō?
Mit dem Expresszug der JR-Kisei-Linie erreicht man Kii-Tanabe in gut zwei Stunden; von dort fahren Busse zu den Einstiegen des Nakahechi-Wegs.
Weiterlesen
Quellen
- 1.環境省_吉野熊野国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
- 2.環境省_国立公園_国立公園一覧 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
- 3.Sacred Sites and Pilgrimage Routes in the Kii Mountain Range (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 4.National Parks of Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment, Government of Japan