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Japan

Nara · Kleinstadt

Yoshino

吉野町よしのちょうYoshino-chō

Dreißigtausend Kirschbäume auf einem heiligen Kamm

Yoshino ist ein Bergort im Zentrum Naras, dessen Kamm, der Yoshino-Berg, mit rund 30.000 als Opfergabe gepflanzten Kirschbäumen bedeckt ist; er ist das nördliche Tor zum Shugendō-Weg durch das Ōmine-Gebirge und Teil des Welterbes Kii-Gebirge.

Überblick

Der Yoshino-Berg ist kein einzelner Gipfel, sondern ein langer Kamm, der vom Yoshino-Fluss nach Süden zum Ōmine-Gebirge ansteigt. Seit dem 7. Jahrhundert ist er heiliger Berg des Shugendō: Der Legende nach schnitzte En no Gyōja die Gottheit Zaō Gongen aus Kirschholz, und Pilger pflanzten Kirschbäume als Opfergabe. Heute gliedern sich die Hänge in vier Zonen – Shimo-, Naka-, Kami- und Oku-senbon –, deren Blüten sich im April vom Tal zum Kamm hinauf nacheinander öffnen.

Auf dem Kamm verläuft eine einzige Straße mit Tempelherbergen, Läden und Gasthäusern zum Kinpusen-ji, dessen Zaō-dō zu den größten Holzbauten Japans zählt. Yoshino ist in der japanischen Geschichte auch ein Zufluchtsort: Der flüchtige Minamoto no Yoshitsune versteckte sich hier, und Kaiser Go-Daigo gründete 1336 in Yoshino den Südhof. Von hier beginnt der Ōmine Okugake-michi, der asketische Weg durch die Berge nach Kumano.

Sehenswürdigkeiten

  • Kinpusen-ji

    金峯山寺Kinpusen-ji

    Haupttempel des Kinpusen-Shugendō; die Zaō-dō birgt drei rund sieben Meter hohe, blaugesichtige Zaō-Gongen-Figuren, die zu bestimmten Zeiten öffentlich gezeigt werden.

  • Yoshimizu-Schrein

    吉水神社Yoshimizu Jinja

    Frühere Tempelherberge, in der sich Yoshitsune versteckte und Go-Daigo Hof hielt, mit dem berühmten Blick auf „tausend Bäume auf einen Blick“.

  • Yoshino-Mikumari-Schrein

    吉野水分神社Yoshino Mikumari Jinja

    Schrein der wasserverteilenden Gottheit in Kami-senbon mit Bauten der Momoyama-Zeit.

  • Kinpu-Schrein

    金峯神社Kinpu Jinja

    Schrein in Oku-senbon am Beginn des Ōmine-Weges.

  • Nyoirin-ji

    如意輪寺Nyoirin-ji

    Tempel mit dem Grab Kaiser Go-Daigos, dem einzigen nach Norden – Richtung Kyoto – ausgerichteten Kaisergrab.

  • Chikurin-in

    竹林院Chikurin-in

    Tempelherberge mit dem Garten Gunpō-en, teilweise Sen no Rikyū zugeschrieben.

  • Saigyō-an

    西行庵Saigyō-an

    Nachbau der Einsiedelei des Dichtermönchs Saigyō aus dem 12. Jahrhundert in Oku-senbon.

Stadtviertel

  • Shimo-senbon

    下千本Shimo-senbon

    Untere Hänge nahe der Seilbahn, die zuerst blühen.

  • Naka-senbon

    中千本Naka-senbon

    Mittlere Zone um Kinpusen-ji, Yoshimizu-Schrein und die Tempelherbergen.

  • Kami-senbon

    上千本Kami-senbon

    Obere Hänge mit den klassischen Ausblicken über den blühenden Kamm.

  • Oku-senbon

    奥千本Oku-senbon

    Die innerste Zone, die zuletzt blüht, mit Kinpu-Schrein und Saigyō-an.

  • Kamiichi

    上市Kamiichi

    Ortskern am Yoshino-Fluss, einst Holz- und Marktort.

Geschichte

Yoshino erscheint im Kojiki und im Man’yōshū, und der Yoshino-Palast war ein Rückzugsort der Kaiser Tenmu und Jitō im 7. Jahrhundert. Unter dem legendären En no Gyōja wurde der Berg ein Zentrum des Shugendō, und der Kinpusen-ji wuchs zu dessen Haupttempel. 1336 floh Go-Daigo aus Kyoto und richtete seinen Hof im Yoshimizu-Schrein ein; der Südhof blieb bis 1392 in den Yoshino-Bergen. 1594 veranstaltete Toyotomi Hideyoshi hier mit rund 5.000 Gefolgsleuten ein prunkvolles Kirschblütenfest. Bei der Meiji-zeitlichen Trennung von Shintō und Buddhismus wurde der Kinpusen-ji kurzzeitig geschlossen, doch wiederhergestellt; er ist bis heute Zentrum des Kinpusen Shugen Honshū.

  1. 656

    Der Yoshino-Palast wird als kaiserlicher Rückzugsort erwähnt.

  2. 7. Jh.

    En no Gyōja soll auf dem Kinpu-Berg Zaō Gongen verehrt haben.

  3. 1185

    Minamoto no Yoshitsune versteckt sich mit Shizuka Gozen in Yoshino.

  4. 1336

    Kaiser Go-Daigo gründet in Yoshino den Südhof.

  5. 1592

    Die heutige Zaō-dō des Kinpusen-ji wird vollendet.

  6. 1594

    Toyotomi Hideyoshis großes Kirschblütenfest.

  7. 1936

    Yoshino wird Teil des Nationalparks Yoshino-Kumano.

  8. 2004

    Yoshino-Berg und Ōmine-Weg werden Teil des Welterbes Kii-Gebirge.

Kultur

Seit der Heian-Zeit ist Yoshino in der japanischen Dichtung Sinnbild der Kirschblüte; der Dichtermönch Saigyō widmete ihm viele Verse und lebte hier in einer Einsiedelei. Das Shugendō ist lebendige Tradition: Yamabushi in ihren charakteristischen Gewändern brechen vom Kinpusen-ji zu Bergübungen auf, und zu den Riten des Tempels gehören Feuerzeremonien. Der Ort liefert zudem Yoshino-Zedernholz, berühmt für seine gerade Maserung und für Sakefässer verwendet, und handgeschöpftes Yoshino-Washi.

Feste

  • Hanakue-shiki

    花供会式Hanakue-shiki

    Ritus des Kinpusen-ji im April, bei dem Zaō Gongen Kirschblüten dargebracht werden, mit einer Prozession von Yamabushi.

  • Rengee-shiki (Froschsprung)

    蓮華会・蛙飛び行事Rengee, Kaeru-tobi gyōji

    Am 7. Juli wird ein Mann im riesigen Froschkostüm durch die Gebete der Priester in Menschengestalt zurückverwandelt.

  • Setsubun-e

    節分会Setsubun-e

    Anfang Februar heißt der Kinpusen-ji die Dämonen willkommen, die bekehrt statt vertrieben werden.

Essen

  • Yoshino-Kuzu

    吉野葛Yoshino kuzu

    Reine Kuzu-Stärke, verarbeitet zu Kuzumochi und Kuzukiri-Nudeln mit Rohrzuckersirup.

  • Kakinoha-zushi

    柿の葉寿司kakinoha-zushi

    Makrelen-Sushi in Kakiblättern, eine Spezialität des Yoshino-Tals.

  • Kirschblüten-Süßigkeiten

    桜菓子sakura-gashi

    Konfekt mit Kirschblättern und -blüten, verkauft an der Kammstraße.

  • Goma-dōfu

    胡麻豆腐goma-dōfu

    Sesam-Tofu, mit Kuzu gebunden, ein Tempelgericht der Bergherbergen.

Unterwegs vor Ort

  • Die Kintetsu-Yoshino-Linie fährt von Osaka-Abenobashi in etwa 1 Stunde 20 Minuten mit dem Express zum Bahnhof Yoshino; von Kyoto besteht Anschluss über Kashihara-jingū-mae.
  • Vom Bahnhof Yoshino führen die Yoshino-Seilbahn (Japans älteste Luftseilbahn) oder ein Fußweg auf den Kamm; saisonal fahren Busse nach Naka-senbon und Kami-senbon.
  • Die Kammstraße ist zu Fuß gut zu begehen; von Naka-senbon nach Oku-senbon steigt man etwa anderthalb Stunden stetig bergauf.

Ausflüge

  • Ōmine und Dorogawa

    Shugendō-Berg und sein Pilgerherbergsdorf, per Bus über Shimoichi.

  • Asuka

    Altes Hauptstadtgebiet an der Kintetsu-Strecke Richtung Kashihara.

  • Nara

    Tōdai-ji und Nara-Park, etwa anderthalb Stunden mit Kintetsu.

  • Kōya-san

    Jenseits der Berge in Wakayama, erreichbar über Hashimoto.

  • Nationalpark Yoshino-Kumano

    Ōdaigahara-Plateau und die Doro-kyō-Schluchten weiter im Süden.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Wann blühen die Kirschbäume in Yoshino?

Meist von Anfang bis Ende April, beginnend in Shimo-senbon und ein bis zwei Wochen später in Oku-senbon. Der genaue Zeitpunkt schwankt von Jahr zu Jahr; aktuelle Blütenberichte vor Ort geben Auskunft.

Welche Kirschbäume wachsen am Yoshino?

Überwiegend Yamazakura, die wilde Bergkirsche, deren Blüten zusammen mit rötlichem jungem Laub erscheinen – anders als die in Städten verbreitete Sorte Somei Yoshino.

Kann man in Yoshino übernachten?

Ja. Tempelherbergen (Shukubō) und Gasthäuser säumen den Kamm; mit einer Übernachtung lassen sich in der Kirschblütenzeit frühmorgendliche Spaziergänge vor dem Tagesandrang unternehmen.

Wo beginnt der Ōmine-Pilgerweg?

Der Ōmine Okugake-michi beginnt in Yoshino und folgt den Kämmen des Ōmine-Gebirges nach Süden bis Kumano Hongū – eine anspruchsvolle, mehrtägige Bergroute für erfahrene Wanderer.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
  2. 2.Sacred Sites and Pilgrimage Routes in the Kii Mountain Range (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  3. 3.吉野町ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 吉野町
  4. 4.金峯山寺 (öffnet in neuem Tab) — 金峯山寺

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