UNESCO · Kulturerbe · 2004
Heilige Stätten und Pilgerwege im Kii-Gebirge
紀伊山地の霊場と参詣道きいさんちのれいじょうとさんけいみちKii-sanchi no Reijō to SankeimichiHeilige Berge und die Pilgerwege dazwischen
Die Heiligen Stätten und Pilgerwege im Kii-Gebirge verbinden drei heilige Orte der Kii-Halbinsel – Yoshino und Omine, die drei großen Schreine von Kumano und das Klosterzentrum Koyasan – durch jahrhundertealte Pilgerwege wie den Kumano Kodo in den Präfekturen Wakayama, Nara und Mie. Seit 2004 ist diese von der Verschmelzung von Shinto und Buddhismus geprägte Kulturlandschaft Welterbe.
Überblick
Die Kii-Halbinsel südlich von Nara und Osaka ist ein Massiv steiler, dicht bewaldeter Berge, die zum Pazifik abfallen. Seit alters galten sie als Wohnsitz der Götter und nach Ankunft des Buddhismus als irdisches Reines Land. Drei heilige Stätten entstanden: Yoshino und Omine im Norden, Zentrum der asketischen Bergreligion Shugendo; Kumano Sanzan im Süden, die drei großen Schreine von Kumano; und Koyasan, das von Kukai gegründete Bergkloster des Shingon-Buddhismus.
Pilgerwege verbanden diese Orte mit den alten Hauptstädten Nara und Kyoto und untereinander. Ab dem 10. Jahrhundert unternahmen abgedankte Kaiser und Adlige die beschwerliche Reise nach Kumano; später folgten Krieger und einfache Leute in solcher Zahl, dass man den Zug mit einer Ameisenstraße verglich. Zu den Wegen zählen der Omine Okugakemichi, ein Shugendo-Pfad über den Gebirgskamm zwischen Yoshino und Kumano, das als Kumano Kodo bekannte Wegenetz Kumano Sankeimichi und der Koyasan Choishi-michi mit Steinpfosten alle 109 m.
Eingetragen ist eine Kulturlandschaft, in der Wälder, Flüsse, Wasserfälle und Felsen selbst verehrt werden. Schreine und Tempel sind lebendige Kultorte, die Wege werden von Pilgern wie Wanderern begangen; eine Grenzänderung 2016 fügte weitere Wegabschnitte hinzu.
Warum Welterbe
Die UNESCO nennt vier Kriterien. Die Stätten bilden eine einzigartige Verschmelzung von Shinto und Buddhismus, die Austausch und Entwicklung religiöser Kulturen in Ostasien veranschaulicht (Kriterium ii). Schreine und Tempel mit ihren Ritualen sind ein außergewöhnliches Zeugnis der japanischen Religionsgeschichte über mehr als tausend Jahre (Kriterium iii).
An diesen Orten entstanden eigene Formen der Schrein- und Tempelarchitektur, die im ganzen Land nachwirkten (Kriterium iv). Zusammen mit den bewaldeten Bergen und den Wegen bilden sie eine Kulturlandschaft, die eine seit über 1.200 Jahren lebendige Tradition heiliger Berge widerspiegelt (Kriterium vi).
Bestandteile
- 吉野・大峯Yoshino, Ōmine
Zentrum des Shugendo mit dem Kinpusen-ji und seiner Zao-do-Halle von 1592 in Yoshino sowie dem Ominesan-ji auf dem Gipfel des Sanjogatake; Yoshino ist zudem für seine zehntausenden Kirschbäume bekannt.
- 熊野本宮大社Kumano Hongū Taisha
Der wichtigste der drei Kumano-Schreine, in Tanabe. Bis zu einer Flut 1889 stand er auf der Sandbank Oyunohara und wurde danach auf höheres Gelände verlegt; der alte Standort mit einem riesigen Torii gehört zum Welterbe.
Kumano Hayatama Taisha
熊野速玉大社Kumano Hayatama TaishaGroßschrein an der Mündung des Kumano in Shingu; der heilige Fels Gotobiki-iwa auf dem Kamikura gilt als Ort, an dem die Kumano-Gottheiten zuerst herabstiegen.
Kumano Nachi Taisha, Seiganto-ji und Nachi-Wasserfall
熊野那智大社・青岸渡寺・那智大滝Kumano Nachi Taisha, Seiganto-ji, Nachi no ŌtakiSchrein und Tempel Seite an Seite über dem 133 m hohen Nachi-Wasserfall, der selbst als Gottheit verehrt wird, samt dem Urwald des Nachi-Bergs – ein Sinnbild der shintoistisch-buddhistischen Verschmelzung.
- 高野山Kōyasan
816 von Kukai gegründete Klosterstadt in einem Hochtal mit Kongobu-ji, dem Tempelbezirk Danjo Garan und dem Friedhof Okunoin, wo Kukai nach dem Glauben der Gläubigen in ewiger Meditation weilt.
- 大峯奥駈道Ōmine Okugakemichi
Asketischer Shugendo-Pfad über die Grate des Omine-Gebirges von Yoshino nach Kumano, über Gipfel von fast 1.900 m; bis heute von Yamabushi zur Übung begangen.
Kumano Sankeimichi (Kumano Kodo)
熊野参詣道Kumano SankeimichiPilgerwege nach Kumano: der Nakahechi von Tanabe durch die Berge, der Kohechi vom Koyasan, der Küstenweg Ohechi und der Iseji von Ise entlang der Ostküste.
Koyasan Choishi-michi
高野山町石道Kōyasan Chōishi-michiRund 24 km langer Pilgerweg vom Jison-in am Fuß des Bergs zum Koyasan, markiert durch 180 Steinpfosten im Abstand von einem Cho (etwa 109 m).
Geschichte
816
Kukai erhält vom Hof die Erlaubnis, auf dem Koyasan ein Kloster zu gründen.
9.–10. Jh.
Um Yoshino und Omine entwickelt sich der Shugendo; die drei Kumano-Schreine werden als Einheit verehrt.
907
Der abgedankte Kaiser Uda unternimmt die erste überlieferte kaiserliche Pilgerfahrt nach Kumano.
11.–13. Jh.
Abgedankte Kaiser wie Shirakawa, Go-Shirakawa und Go-Toba pilgern Dutzende Male nach Kumano.
1592
Vollendung der heutigen Zao-do-Halle des Kinpusen-ji in Yoshino.
1889
Eine Flut zerstört Bauten des Kumano Hongu Taisha in Oyunohara; der Schrein wird höher gelegen neu errichtet.
2004
Aufnahme in die Welterbeliste.
2016
Eine geringfügige Grenzänderung fügt weitere Abschnitte der Pilgerwege hinzu.
Besuch
- Koyasan erreicht man von Osaka mit der Nankai-Bahn und einer Standseilbahn, Yoshino mit der Kintetsu-Bahn ab Osaka oder Kyoto, das Kumano-Gebiet mit JR entlang der Küste bis Kii-Tanabe oder Kii-Katsuura und weiter per Bus.
- Der Nakahechi, der meistbegangene Abschnitt des Kumano Kodo, führt in mehreren Tagen von Takijiri zum Kumano Hongu Taisha; Unterkünfte in den Dörfern bieten Gepäcktransport an.
- Der Omine Okugakemichi ist eine anspruchsvolle Bergroute für Erfahrene. Der Gipfel des Sanjogatake (Omine) ist nach religiöser Tradition für Frauen gesperrt – eine Praxis, über die weiterhin diskutiert wird.
- Die Tempel auf dem Koyasan bieten Shukubo an: Übernachtungen mit vegetarischer Tempelküche und Morgenandacht.
- Im Kii-Gebirge regnet es häufig und stark; Taifune können Wege beschädigen, daher sollte man sich vor einer Wanderung bei den örtlichen Tourismusbüros über den Zustand der Routen informieren.
Häufige Fragen
Was ist der Kumano Kodo?
Das Netz alter Pilgerwege zu den drei großen Schreinen von Kumano. Es bildet den Bestandteil Kumano Sankeimichi des Welterbes.
Was verbindet den Kumano Kodo mit dem Jakobsweg?
Beide sind als Pilgerwege in die Welterbeliste eingetragen. Seit 1998 arbeiten Tanabe und Santiago de Compostela als Partnerwege zusammen; wer beide geht, kann eine gemeinsame Pilgerurkunde erhalten.
Dürfen Frauen auf den Omine?
Der größte Teil des Welterbes steht allen offen, doch der Gipfelbereich des Sanjogatake mit dem Ominesan-ji bleibt nach Shugendo-Tradition Frauen verschlossen.
Wie lange dauert eine Wanderung auf dem Kumano Kodo?
Die klassische Nakahechi-Strecke von Takijiri zum Kumano Hongu Taisha dauert meist zwei bis drei Tage; die Fortsetzung nach Nachi und Hayatama braucht weitere Tage.
Was ist Shugendo?
Eine japanische Glaubenstradition aus Bergverehrung, esoterischem Buddhismus und Shinto. Ihre Anhänger, die Yamabushi, suchen durch asketische Übungen in den Bergen spirituelle Kraft.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Sacred Sites and Pilgrimage Routes in the Kii Mountain Range (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
- 3.高野山真言宗 総本山金剛峯寺 (öffnet in neuem Tab) — 金剛峯寺
- 4.Tanabe City Kumano Tourism Bureau (öffnet in neuem Tab) — 田辺市熊野ツーリズムビューロー