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Japan

Nationalparks · Mie

Nationalpark Ise-Shima

伊勢志摩国立公園いせしまこくりつこうえんIse-Shima Kokuritsu Kōen

Heiliger Wald, Perlenbuchten und eine Küste der Taucherinnen

Der Nationalpark Ise-Shima umfasst den größten Teil der Shima-Halbinsel in der Präfektur Mie und verbindet den heiligen Wald des Ise-Schreins mit der inselreichen Riasküste der Ago-Bucht. Er wurde 1946 als erster Nationalpark der Nachkriegszeit ausgewiesen.

Fläche: 555,44 km²Nationalpark · 1946

Überblick

Der Nationalpark Ise-Shima nimmt die Shima-Halbinsel an der Ostspitze der Kii-Halbinsel ein und reicht von den Städten Ise und Toba bis nach Shima und Minami-Ise. Anders als die meisten japanischen Nationalparks schützt er keine Wildnis, sondern eine bewohnte Landschaft: Fischerhäfen, Perlenflöße, Hänge mit Terrassen und im Zentrum den Wald des Ise-Schreins (Ise Jingū), des wichtigsten Heiligtums des Shintō.

Nahezu die gesamte Landfläche ist Privatbesitz oder gehört dem Schrein – ein höherer Anteil als in jedem anderen japanischen Nationalpark. Den Wert des Gebiets macht das Zusammenspiel von Religion, Meer und Broterwerb aus: Der Schreinwald wird seit über tausend Jahren gepflegt, um Zypressenholz für den Neubau der Heiligtümer zu liefern, und in den geschützten Buchten entstand die Zuchtperle.

Mit der Ausweisung am 20. November 1946 wurde Ise-Shima der erste Nationalpark im Japan der Nachkriegszeit. Wegen der Pilgerfahrt nach Ise zählt er bis heute zu den meistbesuchten Parks des Landes.

Landschaft und Entstehung

Die Shima-Halbinsel ist eine Riasküste wie aus dem Lehrbuch: ein zertaltes Bergland aus alten Sediment- und Metamorphitgesteinen, das gegenüber dem Meeresspiegel absank, sodass der Pazifik die Flusstäler flutete. Entstanden ist eine im Verhältnis zur Fläche außergewöhnlich lange Küstenlinie, deren Buchten – Ago, Matoya und Gokasho – wie Finger tief ins Land greifen. Allein in der Ago-Bucht liegen rund sechzig kleine Inseln.

Im Hinterland steigen bewaldete Hügel bis zum Asama-ga-take (555 m) an, der höchsten Erhebung der Region, während der Isuzu-Fluss durch den Schreinwald am Inneren Schrein vorbeifließt. Im Norden liegen vor Toba bewohnte Inseln wie Tōshi, Sugashima und Kamishima, die den Eingang der Ise-Bucht markieren.

Höhepunkte

  • Ago-Bucht

    英虞湾Ago-wan

    Ertrunkene Talbucht mit Dutzenden bewaldeter Inselchen und Perlenflößen; der Blick vom Aussichtspunkt Yokoyama ist das Sinnbild des Parks.

  • Ise-Schrein

    伊勢神宮Ise Jingū

    Innerer Schrein (Naikū) und Äußerer Schrein (Gekū) mit dem umgebenden Wald, der einen großen Teil der Parkfläche ausmacht.

  • Meoto Iwa in Futami

    夫婦岩Meoto Iwa

    Zwei „vermählte Felsen“ vor der Küste, verbunden durch ein heiliges Strohseil; um die Sommersonnenwende geht die Sonne zwischen ihnen auf.

  • Asama-ga-take

    朝熊ヶ岳Asama-ga-take

    555 m hoher Gipfel mit dem Tempel Kongōshō-ji und weitem Blick über die Ise-Bucht; traditionell Teil der Ise-Pilgerfahrt.

  • Kap Daiō

    大王埼Daiōzaki

    Landspitze mit weißem Leuchtturm über gefährlichen Riffen, beliebtes Motiv von Malern; darunter das Fischerdorf Nakiri.

  • Kamishima

    神島Kamishima

    Kleine Insel am Eingang der Ise-Bucht, Schauplatz von Mishima Yukios Roman „Die Brandung“ (1954).

Ökologie

Warme Meeresströmungen sorgen für ein mildes Küstenklima; die natürliche Vegetation ist immergrüner Laubwald. Im Wald des Ise-Schreins stehen alte Kampferbäume, Pasania und immergrüne Eichen neben Hinoki-Zypressen, die für den periodischen Neubau der Heiligtümer gepflanzt werden. Die Buchten sind reich an Muscheln und Algen – die Grundlage sowohl der Perlenzucht als auch der Ama-Tradition.

Flora

  • Ubame-Eiche

    ウバメガシubamegashi

    Salzverträgliche immergrüne Eiche, die an windgepeitschten Landspitzen dichtes Gebüsch bildet.

  • Hamabō-Hibiskus

    ハマボウhamabō

    Strauch des Brackwassers, der im Hochsommer an den inneren Ufern der Ago-Bucht gelb blüht.

  • Hinoki-Zypresse

    檜hinoki

    Im Schreinwald gepflanzt, um Bauholz für das Shikinen Sengū zu liefern, den Neubau der Schreine alle zwanzig Jahre.

Fauna

  • Akoya-Perlmuschel

    アコヤガイakoya-gai

    Die Muschel der japanischen Zuchtperle; ihre Flöße füllen die Ago-Bucht.

  • Japanische Languste

    伊勢海老ise-ebi

    Nach Ise benannt und an den Felsküsten von Shima gefangen.

  • Glattschweinswal

    スナメリsunameri

    Kleiner Schweinswal der flachen Gewässer in der Ise-Bucht und vor Toba.

Kultur

Ise-Shima ist ohne den Ise-Schrein nicht zu denken, das Heiligtum der Sonnengöttin Amaterasu und der Speisegottheit Toyouke. Seit der Edo-Zeit zog die Pilgerfahrt nach Ise (Ise-mairi) Millionen Menschen an; die Orte der Halbinsel lebten von der Versorgung der Pilger und lieferten dem Schrein Meeresgaben. Shima ist zugleich das Kerngebiet der Ama, Freitaucherinnen, die Abalonen, Turbanschnecken und Algen sammeln – in Toba und Shima arbeiten mehr von ihnen als irgendwo sonst in Japan. 1893 gelang Mikimoto Kōkichi vor Toba die erste halbrunde Zuchtperle; die daraus entstandene Industrie machte die Gegend weltbekannt.

  • Naikū (Innerer Schrein)

    内宮Naikū

    Heiligtum der Amaterasu, erreicht über die Uji-Brücke am Isuzu-Fluss.

  • Gekū (Äußerer Schrein)

    外宮Gekū

    Heiligtum der Toyouke; nach altem Brauch wird er vor dem Inneren Schrein besucht.

  • Kongōshō-ji

    金剛證寺Kongōshō-ji

    Zen-Tempel auf dem Asama-ga-take; ein altes Sprichwort mahnt Ise-Pilger, ihn nicht auszulassen.

  • Ama-Hütten

    海女小屋ama-goya

    Hütten am Ufer, in denen sich die Taucherinnen zwischen den Tauchgängen am Feuer aufwärmen.

  • Izawa-no-miya

    伊雑宮Izawa-no-miya

    Nebenschrein des Inneren Schreins in Shima, bekannt für sein Reispflanzritual im Juni.

Geschichte

  1. spätes 7. Jh.

    Erstes überliefertes Shikinen Sengū, der periodische Neubau des Ise-Schreins.

  2. 1603–1868

    Massenpilgerfahrten nach Ise (okage-mairi) führen Millionen einfacher Leute über die Halbinsel.

  3. 1893

    Mikimoto Kōkichi erzielt bei Toba die erste halbrunde Zuchtperle.

  4. 1946

    Ausweisung als Nationalpark am 20. November – der erste der Nachkriegszeit.

  5. 1954

    Mishima Yukios Roman „Die Brandung“ erscheint; er spielt auf Kamishima.

  6. 2016

    Der G7-Gipfel tagt in Kashikojima an der Ago-Bucht.

Im Lauf der Jahreszeiten

Frühling

Mild und grün; in den Schreinbezirken und am Isuzu-Fluss blühen die Kirschen, und die Tauchsaison der Ama beginnt.

Sommer

Warm und schwül, Badestrände an der Pazifikseite; Hochsaison der Ama. Gegen Ende des Sommers können Taifune schwere See bringen.

Herbst

Klare Luft über der Ago-Bucht und die Erntefeste des Schreins; das Kannamesai, das wichtigste Fest der ersten Früchte, findet im Oktober statt.

Winter

Für japanische Verhältnisse mild; Hauptsaison für Langusten und Austern, und der Jahreswechsel bringt die größten Pilgerscharen nach Ise.

Routen und Wege

  • Vom Gekū zum Naikū

    Die traditionelle Reihenfolge des Schreinbesuchs, vom Äußeren Schrein im Zentrum von Ise zum Inneren Schrein mit der Gasse Oharai-machi, zu Fuß oder per Bus.

  • Ise-Shima Skyline

    Panoramastraße über den Asama-ga-take zwischen Ise und Toba mit Blick über die Ise-Bucht.

  • Bootsfahrt auf der Ago-Bucht

    Ausflugsboote ab Kashikojima fahren zwischen Inselchen und Perlenflößen hindurch.

  • Küstenwege von Shima

    Wege verbinden die Leuchttürme von Anorizaki und Daiōzaki mit Fischerdörfern und Ama-Hütten.

Praktische Hinweise

  • Kintetsu-Züge verbinden Nagoya, Kyoto und Osaka mit Ise, Toba und Kashikojima; ab Nagoya dauert die Fahrt etwa anderthalb bis zwei Stunden.
  • Der Großteil des Parks ist Privat- oder Schreinland: Straßen und öffentliche Wege nicht verlassen, in den Schreinbezirken die Verhaltensregeln beachten.
  • Am Ise-Schrein ist es zum Jahreswechsel und an Wochenenden am vollsten; früh am Morgen ist es ruhiger.
  • Im Spätsommer und Herbst können Taifune den Bootsverkehr unterbrechen.

Häufige Fragen

Was unterscheidet Ise-Shima von anderen Nationalparks?

Er schützt eine Kulturlandschaft statt einer Wildnis, und fast die gesamte Fläche ist Privat- oder Schreinbesitz. Kern sind der Wald des Ise-Schreins und die Fischer- und Perlenbuchten der Shima-Halbinsel.

Seit wann ist Ise-Shima Nationalpark?

Seit dem 20. November 1946. Er war der erste Nationalpark, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan ausgewiesen wurde.

Wo wurde die Zuchtperle erfunden?

Mikimoto Kōkichi gelang 1893 in den Gewässern vor Toba, im heutigen Park, die erste halbrunde Zuchtperle.

Wer sind die Ama?

Ama sind traditionelle Freitaucherinnen, die ohne Atemgerät Abalonen, Muscheln und Algen sammeln. In Toba und Shima gibt es mehr aktive Ama als in jeder anderen Gegend Japans.

Wie erreicht man den Park von Kyoto oder Osaka aus?

Direkte Kintetsu-Expresszüge fahren von Kyoto, Osaka und Nagoya nach Ise, Toba und Kashikojima; vor Ort erschließen Busse Schreine und Küste.

Quellen

  1. 1.環境省_伊勢志摩国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  2. 2.環境省_国立公園_国立公園一覧 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  3. 3.National Parks of Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment, Government of Japan
  4. 4.伊勢神宮 (öffnet in neuem Tab) — 神宮司庁

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