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Japan

Mie · Stadt

Ise

伊勢市いせしIse-shi

Die Pilgerstadt der Sonnengöttin

Ise ist die Schreinstadt der Präfektur Mie, gewachsen um Ise Jingū – den Inneren Schrein der Sonnengöttin Amaterasu und den Äußeren Schrein der Toyouke –, das heiligste Heiligtum des Shintō und seit über tausend Jahren Wallfahrtsziel.

Überblick

Ise existiert wegen seiner Schreine. Ise Jingū – amtlich schlicht Jingū – umfasst 125 Schreine mit zwei Zentren: dem Naikū (Innerer Schrein) der Amaterasu-Ōmikami, Ahnengottheit des Kaiserhauses, und dem Gekū (Äußerer Schrein) der Toyouke-Ōmikami, Göttin der Nahrung und Ernte. Die Haupthallen im schlichten, unbemalten Zypressenstil Shinmei-zukuri werden alle zwanzig Jahre auf dem Nachbargrundstück neu errichtet.

Die Stadt ging aus zwei Schreinorten hervor, Uji am Inneren und Yamada am Äußeren Schrein, die als Uji-Yamada vereinigt und 1955 in Ise umbenannt wurden. In der Edo-Zeit machten die Oshi – Schreinagenten, die Pilger führten und beherbergten – den Ort zu einem der meistbesuchten Ziele Japans. Heute lassen die Zugangsstraßen Oharai-machi und Okage-yokochō diese Atmosphäre wieder aufleben, während das Küstenviertel Futami die Vermählten Felsen und alte Badebräuche beisteuert.

Sehenswürdigkeiten

  • Naikū (Innerer Schrein)

    内宮(皇大神宮)Naikū (Kōtai Jingū)

    Heiligtum der Amaterasu im Zedernwald am Isuzu-Fluss, betreten über die Uji-Brücke; die Haupthalle ist nur durch Zäune hindurch zu sehen.

  • Gekū (Äußerer Schrein)

    外宮(豊受大神宮)Gekū (Toyouke Daijingū)

    Heiligtum der Nahrungsgöttin Toyouke nahe dem Bahnhof Ise-shi; traditionell besucht man ihn vor dem Inneren Schrein.

  • Uji-Brücke

    宇治橋Uji-bashi

    Holzbrücke über den Isuzu, Grenze zwischen Alltagswelt und heiligem Bezirk.

  • Meoto-iwa

    夫婦岩Meoto-iwa

    Die „Vermählten Felsen“ vor dem Futami-Okitama-Schrein, verbunden durch ein heiliges Strohseil; um die Sommersonnenwende geht die Sonne zwischen ihnen auf.

  • Sengūkan

    せんぐう館Sengūkan

    Museum am Äußeren Schrein zum Neubauritual, mit einem originalgroßen Teilnachbau der Haupthalle.

  • Kaufmannsviertel Kawasaki

    河崎Kawasaki

    Früheres Großhändlerviertel am Seta-Fluss mit schwarzwandigen Speicherhäusern, die einst das Pilgergewerbe belieferten.

  • Asama-yama und Kongōshō-ji

    金剛證寺Kongōshō-ji

    Bergtempel auf dem Asama-yama oberhalb der Stadt, traditionell nach den Schreinen besucht; die Ise-Shima-Skyline führt vorbei.

Stadtviertel

  • Oharai-machi

    おはらい町Oharai-machi

    Rund 800 Meter langer, gepflasterter Zugang zum Inneren Schrein, gesäumt von giebelständigen Holzläden.

  • Okage-yokochō

    おかげ横丁Okage-yokochō

    Nachgebaute Gassen im Stil der Edo- und Meiji-Zeit inmitten von Oharai-machi.

  • Gekū-sandō

    外宮参道Gekū sandō

    Straße zwischen Bahnhof Ise-shi und Äußerem Schrein mit Gasthäusern und Lokalen.

  • Futami

    二見Futami

    Küstenviertel mit den Vermählten Felsen, alten Strandgasthöfen und dem Gästehaus Hinjitsukan.

Geschichte

Laut Nihon Shoki wurde Amaterasu von Prinzessin Yamatohime nach langer Suche nach einem würdigen Ort in Ise verehrt. Der Äußere Schrein folgte der Überlieferung nach im 5. Jahrhundert. Seit dem späten 7. Jahrhundert werden die Schreine alle zwanzig Jahre erneuert; unterbrochen wurde dies nur in den Bürgerkriegen des 15. und 16. Jahrhunderts. Private Wallfahrten waren ursprünglich untersagt, doch ab dem Mittelalter verbreiteten die Oshi die Ise-Verehrung im ganzen Land, und in der Edo-Zeit wurde die Reise nach Ise für einfache Leute zur Reise ihres Lebens.

  1. Frühzeit (Überlieferung)

    Amaterasu wird am Isuzu-Fluss verehrt – Gründung des Inneren Schreins.

  2. um 690

    Erste Shikinen Sengū, der Neubau der Heiligtümer alle zwanzig Jahre.

  3. 1462–1585

    In den Bürgerkriegen bricht der Neubauzyklus ab und wird später wieder aufgenommen.

  4. 1705 und 1830

    Okage-mairi: Binnen weniger Monate strömen Millionen Pilger nach Ise.

  5. 1906

    Uji-Yamada, 1889 aus den Schreinorten Uji und Yamada gebildet, erhält das Stadtrecht.

  6. 1955

    Uji-Yamada wird in Ise umbenannt.

  7. 2005

    Zusammenschluss mit Futami, Obata und Misono zur heutigen Stadt.

  8. 2016

    Der G7-Gipfel im nahen Kashikojima führt die Staats- und Regierungschefs zum Inneren Schrein.

Kultur

Das Leben in Ise folgt dem Takt der Schreine, die jährlich rund 1.500 Riten begehen – vom Erntedankopfer Kannamesai im Oktober bis zu den täglichen Speiseopfern an die Gottheiten. Vor jeder Shikinen Sengū beteiligen sich die Bewohner an den Vorbereitungen, ziehen Bauholz (Okihiki) und weiße Kiesel (Shiraishi-mochi) in die Schreinbezirke. Viele Gasthäuser und Lokale führen ihre Geschichte auf das Pilgergewerbe der Edo-Zeit zurück.

Feste

  • Kannamesai

    神嘗祭Kannamesai

    Wichtigstes Jahresritual von Ise Jingū Mitte Oktober: Amaterasu wird der erste Reis der Ernte dargebracht.

  • Feuerwerkswettbewerb für den Ise-Schrein

    伊勢神宮奉納全国花火大会Ise Jingū Hōnō Zenkoku Hanabi Taikai

    Feuerwerker aus ganz Japan messen sich im Sommer am Miya-Fluss, als Weihegabe an den Schrein.

  • Sonnenwendfest in Futami

    夏至祭Geshisai

    Reinigung im Meer bei Sonnenaufgang am Futami-Okitama-Schrein am Tag der Sommersonnenwende.

  • Okihiki

    お木曳Okihiki

    Holzziehfest in den Jahren vor jeder Sengū, bei dem Bürger Zypressenstämme per Wagen und Fluss zu den Schreinen ziehen.

Essen

  • Ise-Udon

    伊勢うどんIse udon

    Dicke, sehr weiche Nudeln in dunkler, süßlicher Tamari-Soße – schnelles Essen für hungrige Pilger.

  • Akafuku

    赤福Akafuku

    Reiskuchen unter rotem Bohnenmus, seit dem frühen 18. Jahrhundert am Zugang zum Inneren Schrein hergestellt.

  • Tekone-zushi

    てこね寿司tekone-zushi

    Marinierter Bonito auf Sushireis, von der Fischerküste Shimas.

  • Languste und Abalone

    伊勢海老・鮑Ise-ebi, awabi

    Languste und Seeohr von der Küste Ise-Shimas, seit alters Opfergaben an den Schrein.

Unterwegs vor Ort

  • Kintetsu-Züge fahren von Nagoya (etwa 1 Stunde 20 Minuten) sowie von Osaka und Kyoto (etwa 2 Stunden) nach Ise-shi und Ujiyamada; JR verbindet Ise-shi mit Nagoya.
  • Der Äußere Schrein liegt wenige Gehminuten vom Bahnhof Ise-shi entfernt; Busse pendeln zum Inneren Schrein (etwa 15 Minuten) und weiter nach Futami.
  • Leihfahrräder bieten sich auf der ebenen Strecke zwischen den Schreinen und dem Viertel Kawasaki an.
  • Kintetsu fährt weiter nach Toba und Kashikojima in den Nationalpark Ise-Shima.

Ausflüge

  • Toba

    Mikimoto-Perleninsel, Aquarium von Toba und Hütten der Ama-Taucherinnen.

  • Kashikojima und Ago-Bucht

    Inselreiche Perlenbucht, am schönsten vom Aussichtspunkt Yokoyama.

  • Tsu

    Präfekturhauptstadt mit dem Tempel Senju-ji, etwa 40 Minuten nördlich.

  • Kumano Kodō Iseji

    Pilgerweg von Ise nach Kumano mit gepflasterten Pässen bei Owase.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Welchen Schrein besucht man zuerst?

Nach alter Sitte zuerst den Äußeren Schrein (Gekū), dann den Inneren (Naikū). Für beide sollte man je mindestens eine Stunde einplanen; der Bus dazwischen braucht etwa 15 Minuten.

Kann man das Hauptheiligtum von Ise sehen?

Nur von außen. Gebetet wird am äußeren Tor; die Haupthallen stehen hinter mehreren Zäunen und sind nur teilweise sichtbar. Vor den Hauptheiligtümern ist Fotografieren nicht erlaubt.

Was bedeutet der Ise-Schrein für Japan?

Er ist das höchste Heiligtum des Shintō und mit dem Kaiserhaus verbunden, dessen Ahnengottheit Amaterasu hier verehrt wird. Der Kaiser und die Regierung besuchen ihn zu wichtigen Anlässen, etwa zu Jahresbeginn.

Reicht ein Tag für Ise?

Ein Tag genügt für beide Schreine und Oharai-machi. Mit einer Übernachtung lässt sich der Innere Schrein frühmorgens besuchen und ein Abstecher nach Futami oder Toba anschließen.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
  2. 2.伊勢神宮 (öffnet in neuem Tab) — 神宮司庁
  3. 3.伊勢市公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 伊勢市
  4. 4.伊勢志摩国立公園 (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment

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