UNESCO · Kulturerbe · 2019
Kofun-Gruppe Mozu-Furuichi: Hügelgräber des alten Japan
百舌鳥・古市古墳群―古代日本の墳墓群―もず・ふるいちこふんぐん―こだいにほんのふんぼぐん―Mozu, Furuichi Kofun-gun – Kodai Nihon no Funbo-gunDie Schlüssellochgräber der frühen Herrscher Japans
Die Kofun-Gruppe Mozu-Furuichi umfasst 49 Hügelgräber des späten 4. bis späten 5. Jahrhunderts in zwei Gruppen in der Osaka-Ebene, in den Städten Sakai, Habikino und Fujiidera. Von kleinen Rundhügeln bis zu fast 500 m langen Schlüssellochgräbern wurden sie für die herrschende Elite der Kofun-Zeit errichtet; 2019 wurden sie eingetragen.
Überblick
Zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert wurden die Herrscher des japanischen Archipels in Kofun bestattet: Erdhügeln mit Wassergräben, Steinverkleidung und Reihen tönerner Figuren, den Haniwa. Die Epoche ist nach ihnen benannt. Die größten und markantesten Gräber haben Schlüssellochform – ein runder Grabhügel mit rechteckigem Vorbau, eine Form, die es nur in Japan gibt.
Das Welterbe vereint 49 Kofun aus der Blütezeit dieser Tradition, dem späten 4. bis späten 5. Jahrhundert, in zwei etwa 10 km voneinander entfernten Gruppen: die Mozu-Gruppe in Sakai nahe der einstigen Küste der Bucht von Osaka und die Furuichi-Gruppe in Habikino und Fujiidera an der Route ins Nara-Becken. Ihre Lage über dem Meer und am Zugang zum Machtzentrum sollte allen, die vom Festland her über See ankamen, Macht vor Augen führen.
Form und Größe der Gräber – Schlüsselloch, Muschelform, Rund- und Quadratgrab – spiegeln eine Rangordnung. An der Spitze stehen das Daisen-Kofun in Sakai, dessen Hügel etwa 486 m lang ist und das der Fläche nach zu den größten Grabmälern der Welt zählt, und das Kondagobyoyama-Kofun in Habikino, das größte nach Volumen. Viele Gräber, auch diese beiden, verwaltet das Kaiserliche Hofamt als Mausoleen von Kaisern und Angehörigen des Kaiserhauses.
Warum Welterbe
Die UNESCO nennt zwei Kriterien. Die Gruppe ist ein außergewöhnliches Zeugnis der Kultur der Kofun-Zeit, in der politische Ordnung und soziale Hierarchie des Archipels Gestalt annahmen und die Gräber Macht und Rang sichtbar machten (Kriterium iii).
Die Gräber sind ein herausragendes Beispiel eines nur in Japan vorkommenden Grabmaltyps, dessen standardisierte Formen und abgestufte Größen die gesellschaftliche Struktur der Zeit abbilden; Erdarbeiten, Steinverkleidung und Haniwa zeugen von hoch entwickelter Technik und Handwerkskunst (Kriterium iv).
Die Zuschreibung der größten Gräber an bestimmte Kaiser wie Nintoku und Ojin folgt der vom Hofamt übernommenen Überlieferung. Historiker und Archäologen stellen diese Zuordnungen in Frage. Die Namen der Bestandteile in der Welterbeliste folgen den überlieferten Bezeichnungen, während die Archäologie oft neutrale Ortsnamen wie Daisen-Kofun bevorzugt.
Bestandteile
Daisen-Kofun (Nintoku-tenno-ryo-Kofun)
仁徳天皇陵古墳(大仙古墳)Nintoku-tennō-ryō Kofun (Daisen Kofun)Schlüssellochgrab in Sakai, rund 486 m lang und von drei Wassergräben umgeben, nach der Überlieferung das Grab Kaiser Nintokus. Als kaiserliches Mausoleum darf es nicht betreten werden.
Kondagobyoyama-Kofun (Ojin-tenno-ryo-Kofun)
応神天皇陵古墳(誉田御廟山古墳)Ōjin-tennō-ryō Kofun (Konda Gobyōyama Kofun)Mittelpunkt der Furuichi-Gruppe in Habikino, rund 425 m lang und nach Erdvolumen das größte Kofun; überliefertes Grab Kaiser Ojins.
Kamiishizu-Misanzai-Kofun
履中天皇陵古墳(上石津ミサンザイ古墳)Richū-tennō-ryō Kofun (Kamiishizu Misanzai Kofun)Das drittgrößte Schlüssellochgrab Japans nahe der alten Küste in Sakai, nach der Überlieferung das Grab Kaiser Richus.
Schlüssellochgrab
前方後円墳Zenpō-kōen-funDie charakteristische Form aus rundem Hinterhügel und eckigem Vorbau, in Terrassen angelegt, mit Steinen verkleidet und von Haniwa gesäumt; die Bestattung lag im runden Teil.
Haniwa
埴輪HaniwaUnglasierte Tonzylinder und -figuren – Häuser, Krieger, Tiere, Boote –, die in Reihen auf den Terrassen standen und die heilige Grenze des Grabes markierten.
Nebengräber
陪塚BaichōRunde und quadratische Hügel rund um die großen Gräber, vermutlich für Angehörige, Gefolgsleute oder Grabbeigaben; einige sind ausgegraben, restauriert und öffentlich zugänglich.
Geschichte
spätes 4. Jh.
Bau der ersten großen Gräber der Furuichi- und Mozu-Gruppe.
5. Jh.
Höhepunkt der Bautätigkeit; Kondagobyoyama- und Daisen-Kofun entstehen.
6. Jh.
Der Bau riesiger Schlüssellochgräber in der Osaka-Ebene endet.
1870er
Die Meiji-Regierung erklärt Gräber zu kaiserlichen Mausoleen unter Verwaltung des Hofministeriums.
1950er
Die Nachkriegsbebauung zerstört viele kleinere Kofun; der Kampf um das Itasuke-Kofun wird zum Auftakt der Denkmalschutzbewegung.
2019
Aufnahme in die Welterbeliste, die erste Stätte in der Präfektur Osaka.
Besuch
- Das Daisen-Kofun liegt nahe dem Bahnhof Mozu an der JR Hanwa-Linie; ein rund 3 km langer Weg folgt dem äußeren Graben, der Hügel selbst erscheint vom Boden aus nur als bewaldete Anhöhe.
- Die Größe der Gräber erschließt sich am besten von oben: Die öffentlich zugängliche Aussichtsetage im obersten Stock des Rathauses von Sakai überblickt die Mozu-Gruppe.
- Die Furuichi-Gruppe erreicht man über die Bahnhöfe Furuichi oder Domyoji an der Kintetsu Minami-Osaka-Linie; das Stadtmuseum Sakai und örtliche Informationszentren erläutern die Funde.
- Kaiserliche Mausoleen sind nur bis zu den Andachtsplätzen vor dem Grab zugänglich; die Hügel selbst dürfen nicht betreten werden.
Häufige Fragen
Ist das Daisen-Kofun wirklich das Grab Kaiser Nintokus?
So bestimmt es das Kaiserliche Hofamt nach der Überlieferung. Viele Archäologen halten die Zuordnung für unsicher, da das Grab nie ausgegraben wurde und die Datierung der frühen Kaiser umstritten ist.
Kann man die Kofun betreten?
Die kaiserlichen Mausoleen nicht – sie sind außer bei besonderen Genehmigungen auch für Forscher gesperrt. Einige kleinere, von den Städten verwaltete Kofun sind begehbar.
Wie groß ist das Daisen-Kofun?
Der Hügel ist etwa 486 m lang und rund 35 m hoch, umgeben von drei Gräben; mit den Gräben bedeckt die Anlage eine größere Fläche als die Cheops-Pyramide.
Was bedeutet Kofun?
Kofun heißt „alter Hügel“ und bezeichnet die zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert für die Elite errichteten Grabhügel, nach denen die Kofun-Zeit benannt ist.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Mozu-Furuichi Kofun Group: Mounded Tombs of Ancient Japan (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
- 3.百舌鳥・古市古墳群 (öffnet in neuem Tab) — 百舌鳥・古市古墳群世界文化遺産保存活用会議
- 4.堺市 (öffnet in neuem Tab) — 堺市