Seen · Shiga
Biwa-See
琵琶湖びわこBiwa-koJapans größter und ältester See, die „Mutter“ der Kansai-Region
Der Biwa-See (Biwa-ko) ist der größte Süßwassersee Japans und nimmt etwa ein Sechstel der Präfektur Shiga ein. Als Altsee, der seit mehreren hunderttausend Jahren in seinem heutigen Becken liegt, versorgt er weite Teile der Kansai-Region mit Trinkwasser.
Überblick
Seinen Namen verdankt der See der Biwa, der japanischen Laute, an deren Umriss er erinnern soll. Er erstreckt sich über rund 63 Kilometer von Nord nach Süd und ist bei Katata eingeschnürt: Dort trennt die Biwako-Brücke das große, tiefe Nordbecken (Hokko) vom kleinen, flachen Südbecken (Nanko). Rund 120 Flüsse münden in den See, doch nur ein natürlicher Abfluss verlässt ihn – der Seta, der als Uji und später als Yodo in die Bucht von Osaka fließt.
Der See bildet das Herz der alten Provinz Omi am Verkehrsweg zwischen der Hauptstadt Kyoto und dem Osten des Landes. Entsprechend geschichtsträchtig sind seine Ufer: Otsu war im 7. Jahrhundert kurzzeitig Hauptstadt, Hikone ist eine Burgstadt, Omi-Hachiman und Nagahama sind alte Kaufmannsorte. Der 1890 fertiggestellte Biwa-See-Kanal leitet Seewasser nach Kyoto; bis heute ist der See die wichtigste Wasserquelle für mehr als zehn Millionen Menschen flussabwärts.
Biologisch zählt der Biwa-See zu den wenigen Altseen der Erde, vergleichbar mit Baikal- oder Tanganjikasee. Seine lange, ununterbrochene Geschichte hat Dutzende endemische Arten hervorgebracht, von der Biwa-Forelle bis zur Karausche Nigorobuna, aus der Funazushi zubereitet wird.
Landschaft und Entstehung
Der See liegt in einem tektonischen Becken zwischen dem Hira- und dem Hiei-Gebirge im Westen und dem Suzuka-Gebirge im Osten. Ein Vorläufersee entstand vor etwa vier Millionen Jahren weit südlich bei Iga; durch Absenkung wanderte das Becken allmählich nach Norden. Seit rund 400.000 Jahren liegt der See ungefähr an seiner heutigen Stelle.
Im Nordbecken erreicht er vor dem Ufer von Takashima eine Tiefe von etwa 104 Metern, das Südbecken ist im Mittel nur wenige Meter tief. Inseln gibt es kaum: Oki-shima – die einzige bewohnte Insel in einem japanischen Süßwassersee –, Chikubu-shima im Norden sowie die kleinen Eilande Take-shima und Okinoshiraishi.
Höhepunkte
Chikubu-shima
竹生島Chikubu-shimaHeilige Insel im Nordbecken mit dem Tempel Hōgon-ji und dem Tsukubusuma-Schrein, deren Bauten zum Teil Nationalschätze sind; Boote ab Nagahama, Hikone oder Imazu.
Oki-shima
沖島Oki-shimaFischerinsel vor Omi-Hachiman mit einer kleinen ständigen Bevölkerung – eine Seltenheit für eine Binnenseeinsel.
Ukimidō
浮御堂UkimidōAuf Pfählen ins Wasser gebaute Halle des Mangetsu-ji in Katata; eine der Acht Ansichten von Omi.
Shirahige-Schrein
白鬚神社Shirahige JinjaSchrein am Westufer bei Takashima, bekannt für sein zinnoberrotes Torii, das im See steht.
Kaizu-Ōsaki
海津大崎Kaizu-ŌsakiVon Kirschbäumen gesäumte Uferstraße im äußersten Norden, eines der bekanntesten Frühlingsmotive am See.
Biwako-Brücke
琵琶湖大橋Biwako ŌhashiBrücke über die Engstelle zwischen Katata und Moriyama, an der Nord- und Südbecken aufeinandertreffen.
Ökologie
Der Biwa-See beherbergt eine reiche Süßwasserfauna mit Dutzenden endemischen Fisch-, Schnecken- und Muschelarten; im Winter rasten hier Zehntausende Wasservögel. Die Schilfgürtel (Yoshi) am Ufer stehen als Laichgebiete und natürliche Wasserfilter unter Schutz. Überdüngung, eingeschleppte Arten wie Schwarzbarsch und Blauer Sonnenbarsch sowie der Rückgang heimischer Fische sind die drängendsten Naturschutzfragen.
Flora
Schilfgürtel
ヨシ群落yoshi gunrakuPer Präfekturverordnung geschützte Röhrichtzonen, in denen Fische laichen und Vögel brüten.
Unterwasserpflanzen
Dichte Wasserpflanzenbestände im flachen Südbecken, deren Ausdehnung stark mit der Wasserqualität schwankt.
Fauna
Biwa-Forelle
ビワマスbiwamasuEndemischer Lachsfisch, der im Herbst zum Laichen in die Zuflüsse aufsteigt.
Nigorobuna
ニゴロブナnigorobunaEndemische Karausche und klassischer Fisch für Funazushi.
Isaza
イサザisazaKleine endemische Grundel des tiefen Nordbeckens, meist in Sojasoße gegart.
Biwa-Riesenwels
ビワコオオナマズbiwako-ōnamazuEndemischer Wels, der über einen Meter lang werden kann.
Überwinternde Wasservögel
Saatgänse, Schwäne und zahlreiche Entenarten überwintern im Norden, besonders um Kohoku.
Kultur
Seit über einem Jahrtausend prägt der See die Kultur der Provinz Omi. Die Acht Ansichten von Omi (Ōmi Hakkei), nach dem Vorbild der chinesischen Acht Ansichten von Xiao und Xiang, legten seine klassischen Motive fest; Utagawa Hiroshige hielt sie in berühmten Farbholzschnitten fest. Die Küche am Ufer beruht auf Süßwasserfisch, und die Omi-Kaufleute, die von den Seehäfen aus Handel trieben, wurden zu einem der großen Handelsnetzwerke Japans.
Acht Ansichten von Omi
近江八景Ōmi HakkeiAcht klassische Szenen rund um das Südbecken, darunter die Abendglocke des Mii-dera und die landenden Wildgänse bei Katata.
Funazushi
鮒寿司funazushiMonatelang in Reis fermentierter Fisch – eine Urform des Sushi und Shigas bekannteste Spezialität.
- 彦根城Hikone-jō
Burg vom Beginn des 17. Jahrhunderts am Ostufer; ihr original erhaltener Hauptturm ist Nationalschatz.
- 延暦寺Enryaku-ji
Haupttempel des Tendai-Buddhismus auf dem Hiei, hoch über dem Westufer.
Geschichte
667
Kaiser Tenji verlegt die Hauptstadt nach Ōtsu-no-miya am Südwestufer.
1603
Baubeginn der Burg Hikone am Ostufer.
1890
Der erste Biwa-See-Kanal wird eröffnet und leitet Seewasser nach Kyoto; 1891 folgt das Kraftwerk Keage.
1950
Der See und seine Ufer werden zum Quasi-Nationalpark Biwako erklärt.
1964
Die Biwako-Brücke über die Engstelle bei Katata wird eröffnet.
1977
Eine großflächige Süßwasser-Algenblüte löst eine Bürgerbewegung gegen phosphathaltige Waschmittel aus.
1980
Die Verordnung der Präfektur Shiga gegen die Eutrophierung des Sees tritt in Kraft.
1993
Aufnahme in die Liste der international bedeutenden Feuchtgebiete nach der Ramsar-Konvention.
1996
Eröffnung des Biwa-See-Museums in Kusatsu.
Im Lauf der Jahreszeiten
Frühling
Kirschblüte am Ufer von Kaizu-Ōsaki und rund um die Burg Hikone; die Fangsaison für junge Ayu beginnt.
Sommer
Badestrände an Nord- und Westufer, Rundfahrten auf dem See und große Feuerwerke über dem Wasser im August.
Herbst
Die Biwa-Forellen ziehen in die Flüsse; Herbstlaub in den Hügeln rund um den See und an Tempeln wie dem Mii-dera.
Winter
Zehntausende Wasservögel überwintern auf dem See; am Nordufer fällt regelmäßig viel Schnee, der Süden bleibt mild.
Routen und Wege
Radrundweg Biwaichi
Ausgeschilderte Runde von rund 200 km um den ganzen See, meist in zwei bis drei Tagen gefahren; eine kürzere Schleife nutzt die Biwako-Brücke.
Bootsfahrt nach Chikubu-shima
Linienboote verbinden Nagahama, Hikone und Imazu mit Tempel und Schrein der Insel.
Rundfahrt im Südbecken
Ausflugsschiffe starten im Hafen von Otsu und fahren an den Schauplätzen der Acht Ansichten vorbei.
Praktische Hinweise
- Otsu liegt mit der JR nur etwa zehn Minuten von Kyoto entfernt; die JR-Biwako-Linie folgt dem Ost-, die Kosei-Linie dem Westufer.
- Die Entfernungen sind groß – der See ist über 60 km lang. Ohne Auto empfiehlt sich ein Ufer oder ein Gebiet pro Tag.
- Baden ist nur an ausgewiesenen Stränden während der Sommersaison ratsam.
- Im Nordbecken kann plötzlich starker Wind aufkommen; kleine Boote sollten sich an örtliche Hinweise halten.
Häufige Fragen
Wie groß ist der Biwa-See?
Rund 669 km², etwa ein Sechstel der Präfektur Shiga. Er ist rund 63 km lang und bis zu etwa 104 m tief – größer als der Bodensee mit seinen rund 536 km².
Wie alt ist der Biwa-See?
Ein Vorläufersee entstand vor etwa vier Millionen Jahren weiter südlich; im heutigen Becken liegt der See seit rund 400.000 Jahren. Damit zählt er zu den ältesten Seen der Welt.
Bezieht Kyoto sein Wasser aus dem Biwa-See?
Ja. Der 1890 eröffnete Biwa-See-Kanal führt bis heute Seewasser nach Kyoto, und das vom See gespeiste Yodo-Flusssystem versorgt Osaka und weite Teile der Kansai-Region.
Wie kommt man von Kyoto zum Biwa-See?
Mit der JR erreicht man Otsu am Südwestufer in etwa zehn Minuten; Biwako- und Kosei-Linie führen weiter am Ost- bzw. Westufer entlang.
Was ist Funazushi?
Karauschen aus dem See, die monatelang in Reis fermentiert werden – eine Urform des heutigen Sushi.
Weiterlesen
Quellen
- 1.全国都道府県市区町村別面積調(湖沼面積) (öffnet in neuem Tab) — 国土地理院
- 2.琵琶湖 (öffnet in neuem Tab) — 滋賀県
- 3.Lake Biwa — Ramsar Sites Information Service (öffnet in neuem Tab) — Ramsar Convention Secretariat
- 4.滋賀県立琵琶湖博物館 (öffnet in neuem Tab) — 滋賀県立琵琶湖博物館