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Japan

Seen · Shiga

Biwa-See

琵琶湖びわこBiwa-ko

Japans größter und ältester See, die „Mutter“ der Kansai-Region

Der Biwa-See (Biwa-ko) ist der größte Süßwassersee Japans und nimmt etwa ein Sechstel der Präfektur Shiga ein. Als Altsee, der seit mehreren hunderttausend Jahren in seinem heutigen Becken liegt, versorgt er weite Teile der Kansai-Region mit Trinkwasser.

Höhe: 85 mFläche: 669,26 km²Maximale Tiefe: 104 mQuasi-Nationalpark · 1950Ramsar-Feuchtgebiet · 1993

Überblick

Seinen Namen verdankt der See der Biwa, der japanischen Laute, an deren Umriss er erinnern soll. Er erstreckt sich über rund 63 Kilometer von Nord nach Süd und ist bei Katata eingeschnürt: Dort trennt die Biwako-Brücke das große, tiefe Nordbecken (Hokko) vom kleinen, flachen Südbecken (Nanko). Rund 120 Flüsse münden in den See, doch nur ein natürlicher Abfluss verlässt ihn – der Seta, der als Uji und später als Yodo in die Bucht von Osaka fließt.

Der See bildet das Herz der alten Provinz Omi am Verkehrsweg zwischen der Hauptstadt Kyoto und dem Osten des Landes. Entsprechend geschichtsträchtig sind seine Ufer: Otsu war im 7. Jahrhundert kurzzeitig Hauptstadt, Hikone ist eine Burgstadt, Omi-Hachiman und Nagahama sind alte Kaufmannsorte. Der 1890 fertiggestellte Biwa-See-Kanal leitet Seewasser nach Kyoto; bis heute ist der See die wichtigste Wasserquelle für mehr als zehn Millionen Menschen flussabwärts.

Biologisch zählt der Biwa-See zu den wenigen Altseen der Erde, vergleichbar mit Baikal- oder Tanganjikasee. Seine lange, ununterbrochene Geschichte hat Dutzende endemische Arten hervorgebracht, von der Biwa-Forelle bis zur Karausche Nigorobuna, aus der Funazushi zubereitet wird.

Landschaft und Entstehung

Der See liegt in einem tektonischen Becken zwischen dem Hira- und dem Hiei-Gebirge im Westen und dem Suzuka-Gebirge im Osten. Ein Vorläufersee entstand vor etwa vier Millionen Jahren weit südlich bei Iga; durch Absenkung wanderte das Becken allmählich nach Norden. Seit rund 400.000 Jahren liegt der See ungefähr an seiner heutigen Stelle.

Im Nordbecken erreicht er vor dem Ufer von Takashima eine Tiefe von etwa 104 Metern, das Südbecken ist im Mittel nur wenige Meter tief. Inseln gibt es kaum: Oki-shima – die einzige bewohnte Insel in einem japanischen Süßwassersee –, Chikubu-shima im Norden sowie die kleinen Eilande Take-shima und Okinoshiraishi.

Höhepunkte

  • Chikubu-shima

    竹生島Chikubu-shima

    Heilige Insel im Nordbecken mit dem Tempel Hōgon-ji und dem Tsukubusuma-Schrein, deren Bauten zum Teil Nationalschätze sind; Boote ab Nagahama, Hikone oder Imazu.

  • Oki-shima

    沖島Oki-shima

    Fischerinsel vor Omi-Hachiman mit einer kleinen ständigen Bevölkerung – eine Seltenheit für eine Binnenseeinsel.

  • Ukimidō

    浮御堂Ukimidō

    Auf Pfählen ins Wasser gebaute Halle des Mangetsu-ji in Katata; eine der Acht Ansichten von Omi.

  • Shirahige-Schrein

    白鬚神社Shirahige Jinja

    Schrein am Westufer bei Takashima, bekannt für sein zinnoberrotes Torii, das im See steht.

  • Kaizu-Ōsaki

    海津大崎Kaizu-Ōsaki

    Von Kirschbäumen gesäumte Uferstraße im äußersten Norden, eines der bekanntesten Frühlingsmotive am See.

  • Biwako-Brücke

    琵琶湖大橋Biwako Ōhashi

    Brücke über die Engstelle zwischen Katata und Moriyama, an der Nord- und Südbecken aufeinandertreffen.

Ökologie

Der Biwa-See beherbergt eine reiche Süßwasserfauna mit Dutzenden endemischen Fisch-, Schnecken- und Muschelarten; im Winter rasten hier Zehntausende Wasservögel. Die Schilfgürtel (Yoshi) am Ufer stehen als Laichgebiete und natürliche Wasserfilter unter Schutz. Überdüngung, eingeschleppte Arten wie Schwarzbarsch und Blauer Sonnenbarsch sowie der Rückgang heimischer Fische sind die drängendsten Naturschutzfragen.

Flora

  • Schilfgürtel

    ヨシ群落yoshi gunraku

    Per Präfekturverordnung geschützte Röhrichtzonen, in denen Fische laichen und Vögel brüten.

  • Unterwasserpflanzen

    Dichte Wasserpflanzenbestände im flachen Südbecken, deren Ausdehnung stark mit der Wasserqualität schwankt.

Fauna

  • Biwa-Forelle

    ビワマスbiwamasu

    Endemischer Lachsfisch, der im Herbst zum Laichen in die Zuflüsse aufsteigt.

  • Nigorobuna

    ニゴロブナnigorobuna

    Endemische Karausche und klassischer Fisch für Funazushi.

  • Isaza

    イサザisaza

    Kleine endemische Grundel des tiefen Nordbeckens, meist in Sojasoße gegart.

  • Biwa-Riesenwels

    ビワコオオナマズbiwako-ōnamazu

    Endemischer Wels, der über einen Meter lang werden kann.

  • Überwinternde Wasservögel

    Saatgänse, Schwäne und zahlreiche Entenarten überwintern im Norden, besonders um Kohoku.

Kultur

Seit über einem Jahrtausend prägt der See die Kultur der Provinz Omi. Die Acht Ansichten von Omi (Ōmi Hakkei), nach dem Vorbild der chinesischen Acht Ansichten von Xiao und Xiang, legten seine klassischen Motive fest; Utagawa Hiroshige hielt sie in berühmten Farbholzschnitten fest. Die Küche am Ufer beruht auf Süßwasserfisch, und die Omi-Kaufleute, die von den Seehäfen aus Handel trieben, wurden zu einem der großen Handelsnetzwerke Japans.

  • Acht Ansichten von Omi

    近江八景Ōmi Hakkei

    Acht klassische Szenen rund um das Südbecken, darunter die Abendglocke des Mii-dera und die landenden Wildgänse bei Katata.

  • Funazushi

    鮒寿司funazushi

    Monatelang in Reis fermentierter Fisch – eine Urform des Sushi und Shigas bekannteste Spezialität.

  • Burg Hikone

    彦根城Hikone-jō

    Burg vom Beginn des 17. Jahrhunderts am Ostufer; ihr original erhaltener Hauptturm ist Nationalschatz.

  • Enryaku-ji

    延暦寺Enryaku-ji

    Haupttempel des Tendai-Buddhismus auf dem Hiei, hoch über dem Westufer.

Geschichte

  1. 667

    Kaiser Tenji verlegt die Hauptstadt nach Ōtsu-no-miya am Südwestufer.

  2. 1603

    Baubeginn der Burg Hikone am Ostufer.

  3. 1890

    Der erste Biwa-See-Kanal wird eröffnet und leitet Seewasser nach Kyoto; 1891 folgt das Kraftwerk Keage.

  4. 1950

    Der See und seine Ufer werden zum Quasi-Nationalpark Biwako erklärt.

  5. 1964

    Die Biwako-Brücke über die Engstelle bei Katata wird eröffnet.

  6. 1977

    Eine großflächige Süßwasser-Algenblüte löst eine Bürgerbewegung gegen phosphathaltige Waschmittel aus.

  7. 1980

    Die Verordnung der Präfektur Shiga gegen die Eutrophierung des Sees tritt in Kraft.

  8. 1993

    Aufnahme in die Liste der international bedeutenden Feuchtgebiete nach der Ramsar-Konvention.

  9. 1996

    Eröffnung des Biwa-See-Museums in Kusatsu.

Im Lauf der Jahreszeiten

Frühling

Kirschblüte am Ufer von Kaizu-Ōsaki und rund um die Burg Hikone; die Fangsaison für junge Ayu beginnt.

Sommer

Badestrände an Nord- und Westufer, Rundfahrten auf dem See und große Feuerwerke über dem Wasser im August.

Herbst

Die Biwa-Forellen ziehen in die Flüsse; Herbstlaub in den Hügeln rund um den See und an Tempeln wie dem Mii-dera.

Winter

Zehntausende Wasservögel überwintern auf dem See; am Nordufer fällt regelmäßig viel Schnee, der Süden bleibt mild.

Routen und Wege

  • Radrundweg Biwaichi

    Ausgeschilderte Runde von rund 200 km um den ganzen See, meist in zwei bis drei Tagen gefahren; eine kürzere Schleife nutzt die Biwako-Brücke.

  • Bootsfahrt nach Chikubu-shima

    Linienboote verbinden Nagahama, Hikone und Imazu mit Tempel und Schrein der Insel.

  • Rundfahrt im Südbecken

    Ausflugsschiffe starten im Hafen von Otsu und fahren an den Schauplätzen der Acht Ansichten vorbei.

Praktische Hinweise

  • Otsu liegt mit der JR nur etwa zehn Minuten von Kyoto entfernt; die JR-Biwako-Linie folgt dem Ost-, die Kosei-Linie dem Westufer.
  • Die Entfernungen sind groß – der See ist über 60 km lang. Ohne Auto empfiehlt sich ein Ufer oder ein Gebiet pro Tag.
  • Baden ist nur an ausgewiesenen Stränden während der Sommersaison ratsam.
  • Im Nordbecken kann plötzlich starker Wind aufkommen; kleine Boote sollten sich an örtliche Hinweise halten.

Häufige Fragen

Wie groß ist der Biwa-See?

Rund 669 km², etwa ein Sechstel der Präfektur Shiga. Er ist rund 63 km lang und bis zu etwa 104 m tief – größer als der Bodensee mit seinen rund 536 km².

Wie alt ist der Biwa-See?

Ein Vorläufersee entstand vor etwa vier Millionen Jahren weiter südlich; im heutigen Becken liegt der See seit rund 400.000 Jahren. Damit zählt er zu den ältesten Seen der Welt.

Bezieht Kyoto sein Wasser aus dem Biwa-See?

Ja. Der 1890 eröffnete Biwa-See-Kanal führt bis heute Seewasser nach Kyoto, und das vom See gespeiste Yodo-Flusssystem versorgt Osaka und weite Teile der Kansai-Region.

Wie kommt man von Kyoto zum Biwa-See?

Mit der JR erreicht man Otsu am Südwestufer in etwa zehn Minuten; Biwako- und Kosei-Linie führen weiter am Ost- bzw. Westufer entlang.

Was ist Funazushi?

Karauschen aus dem See, die monatelang in Reis fermentiert werden – eine Urform des heutigen Sushi.

Quellen

  1. 1.全国都道府県市区町村別面積調(湖沼面積) (öffnet in neuem Tab) — 国土地理院
  2. 2.琵琶湖 (öffnet in neuem Tab) — 滋賀県
  3. 3.Lake Biwa — Ramsar Sites Information Service (öffnet in neuem Tab) — Ramsar Convention Secretariat
  4. 4.滋賀県立琵琶湖博物館 (öffnet in neuem Tab) — 滋賀県立琵琶湖博物館

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