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Japan

UNESCO · Kulturerbe · 1993

Burg Himeji

姫路城ひめじじょうHimeji-jō

Der „Weiße Reiher“ – Japans vollkommenste Burg der Feudalzeit

Die Burg Himeji (Himeji-jo) in der Präfektur Hyogo ist die am besten erhaltene japanische Burg des frühen 17. Jahrhunderts – ein 1609 vollendetes Ensemble aus hölzernen Türmen, Toren und Wällen mit weißem Kalkputz. Sie wurde 1993 als eine der ersten Stätten Japans in die Welterbeliste aufgenommen.

Eingetragen 1993Kriterien: i, ivHyogo

Überblick

Die Burg Himeji erhebt sich auf dem Himeyama, einem flachen Hügel mitten in der Stadt Himeji in der Harima-Ebene, rund 50 km westlich von Kobe. Der Hauptturm – außen fünfgeschossig, innen sechs Etagen und ein Kellergeschoss – ist über überdachte Gänge mit drei kleineren Türmen verbunden. Das geschlossene Ensemble prägt das Stadtbild; wegen der strahlend weiß verputzten Mauern und Giebel heißt die Burg im Volksmund Shirasagi-jo, „Burg des Weißen Reihers“.

Befestigt war der Hügel schon im 14. Jahrhundert, und Toyotomi Hideyoshi ließ hier in den 1580er-Jahren einen dreistöckigen Turm errichten. Die heutige Anlage schuf zwischen 1601 und 1609 Ikeda Terumasa, Schwiegersohn Tokugawa Ieyasus, der nach der Schlacht von Sekigahara das Lehen Harima erhielt. Den Westbezirk (Nishi-no-maru) fügte um 1618 die Familie Honda hinzu.

Während die meisten japanischen Burgen nach 1873 abgerissen oder im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, blieb Himeji unversehrt. Turm, Tore, Wachtürme und Mauern sind originale Bauten der Edo-Zeit, instand gehalten durch die Showa-Restaurierung von 1956 bis 1964 und eine weitere Sanierung von Dächern und Putz des Hauptturms zwischen 2009 und 2015.

Warum Welterbe

Die UNESCO würdigt Himeji-jo als schönstes erhaltenes Beispiel des japanischen Burgenbaus im frühen 17. Jahrhundert. Weiße Wände, gestaffelte Dächer und Giebel machen sie zu einem Meisterwerk der Holzbaukunst, das militärische Funktion und hohe Ästhetik vereint (Kriterium i).

Erhalten ist das gesamte Verteidigungssystem einer Burg ihrer Zeit: ein spiralförmiger Zugang durch ein Labyrinth von Toren, Schießscharten für Gewehre und Bögen, Steinwurföffnungen, Gräben und Steinwälle. Damit steht die Anlage für den Höhepunkt des japanischen Burgenbaus, bevor der lange Tokugawa-Frieden Befestigungen überflüssig machte (Kriterium iv).

Bestandteile

  • Hauptturm

    大天守Daitenshu

    1609 vollendet, rund 31 m hoch auf einem etwa 15 m hohen Steinsockel. Zwei mächtige Mittelpfeiler tragen das Innere; der Turm ist Nationalschatz.

  • Verbundene Turmgruppe

    連立式天守Renritsu-shiki Tenshu

    Hauptturm sowie West-, Nordwest- und Ostturm, durch Gangtürme verbunden, umschließen einen Innenhof; zusammen bilden sie die acht Nationalschätze der Burg.

  • Westbezirk

    西の丸Nishi-no-maru

    Um 1618 von Honda Tadamasa angelegt. Der lange Gangturm wird mit Prinzessin Sen verbunden, einer Enkelin Tokugawa Ieyasus, die hier nach ihrer Heirat mit Honda Tadatoki lebte.

  • Tore und Zugangsweg

    菱の門Hishi-no-mon

    Das Hishi-Tor ist das größte erhaltene Tor; dahinter führt ein verwinkelter Weg mit engen Durchlässen und Sackgassen, der Angreifer in die Irre leiten sollte.

  • Steinwälle und Gräben

    石垣Ishigaki

    Geschwungene Wälle aus mehreren Bauphasen seit der Hideyoshi-Zeit, teils mit wiederverwendeten Mühlsteinen und Steinsärgen, dazu ein spiralförmiges Grabensystem.

Geschichte

  1. 1346

    Überliefertes Datum der ersten Befestigung auf dem Himeyama durch Akamatsu Sadanori.

  2. 1580er

    Toyotomi Hideyoshi baut die Burg mit einem dreistöckigen Turm als Stützpunkt für Feldzüge im Westen aus.

  3. 1601–1609

    Ikeda Terumasa errichtet nach der Schlacht von Sekigahara die heutige Burg samt Hauptturm.

  4. um 1618

    Honda Tadamasa fügt den Westbezirk hinzu.

  5. 1873

    Die Burg entgeht der Aufhebung zahlreicher Burgen durch die Meiji-Regierung.

  6. 1945

    Die Burg übersteht die Luftangriffe, die große Teile Himejis zerstören.

  7. 1956–1964

    Showa-Restaurierung: Der Hauptturm wird zerlegt und wieder aufgebaut.

  8. 1993

    Aufnahme in die Welterbeliste gemeinsam mit dem Horyu-ji-Gebiet als erste Kulturstätten Japans.

  9. 2009–2015

    Heisei-Restaurierung von Dachziegeln und Kalkputz des Hauptturms.

Besuch

  • Die Burg liegt etwa 1 km nördlich des Bahnhofs Himeji an der Sanyo-Shinkansen-Strecke; der Fußweg über die Otemae-dori dauert 15 bis 20 Minuten, mit der Burg stets im Blick.
  • Im Hauptturm führen steile Holztreppen bis ins oberste Geschoss; Schuhe werden am Eingang ausgezogen, für gehbehinderte Menschen ist der Aufstieg beschwerlich.
  • Zur Kirschblüte im Frühjahr ist der Andrang am größten; an Wochenenden und Feiertagen lohnt ein früher Besuch.
  • Der 1992 auf dem Gelände früherer Samurai-Residenzen angelegte Garten Koko-en grenzt westlich an die Burg, gehört aber nicht zum Welterbe.

Häufige Fragen

Warum heißt die Burg Himeji „Weißer Reiher“?

Mauern und Giebel sind mit weißem Kalkputz überzogen, und die gestaffelte Silhouette der Türme erinnert an einen auffliegenden Reiher.

Ist die Burg Himeji ein Original?

Ja. Hauptturm, Tore, Wachtürme und Mauern stammen im Wesentlichen aus dem frühen 17. Jahrhundert. Sie wurden restauriert, aber nie neu gebaut – anders als die Betonrekonstruktionen in Osaka oder Nagoya.

Wer hat die Burg Himeji gebaut?

Ikeda Terumasa ließ die heutige Burg zwischen 1601 und 1609 an der Stelle älterer Befestigungen errichten, darunter einer von Toyotomi Hideyoshi ausgebauten Anlage.

Wurde die Burg Himeji je belagert?

Nein. Die heutige Anlage musste sich nie im Kampf bewähren; sie entging dem Abriss in der Meiji-Zeit und überstand die Luftangriffe auf Himeji 1945 weitgehend unbeschadet.

Wie gelangt man von Osaka oder Kyoto zur Burg Himeji?

Mit dem Sanyo-Shinkansen bis Himeji, von Shin-Osaka in weniger als 30 Minuten, dann zu Fuß. Alternativ fahren JR-Nahverkehrszüge über Kobe.

Quellen

  1. 1.Himeji-jo (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  2. 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  3. 3.世界遺産・国宝 姫路城 (öffnet in neuem Tab) — 姫路市

Redaktion · Veröffentlicht: