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Japan

Nationalparks · Hyogo, Tottori, Kyoto

Nationalpark San'in Kaigan

山陰海岸国立公園さんいんかいがんこくりつこうえんSan'in Kaigan Kokuritsu Kōen

Dünen, Meereshöhlen und die Geburt des Japanischen Meeres

Der Nationalpark San'in Kaigan schützt einen rund 75 km langen Küstenstreifen am Japanischen Meer, von Kyōtango in der Präfektur Kyoto über das nördliche Hyogo bis zu den Sanddünen von Tottori. Er wurde 1963 ausgewiesen und ist zugleich UNESCO-Geopark, der die Entstehung des Japanischen Meeres dokumentiert.

Fläche: 90,06 km²Nationalpark · 1963Japanischer Geopark · 2008UNESCO Global Geopark · 2010

Überblick

Gemessen an der Landfläche gehört San'in Kaigan zu den kleinsten Nationalparks Japans, doch seine Küste ist eine der abwechslungsreichsten. Sie reicht von der Tango-Halbinsel in der Präfektur Kyoto über die Tajima-Küste im Norden Hyogos bis zur Stadt Tottori – eine Abfolge aus Kaps, Brandungspfeilern, Höhlen, kleinen Buchten und am Westende dem bekanntesten Küstendünenfeld Japans.

Die Küste ist ein lesbares Archiv dafür, wie sich der japanische Inselbogen vom asiatischen Festland löste und sich vor etwa 25 bis 15 Millionen Jahren das Japanische Meer öffnete. Vulkangestein, Granit und Meeressedimente aus dieser Zeit liegen durch die ständige Brandung offen. Deshalb gehörte das Gebiet 2008 zu den ersten japanischen Geoparks und wurde 2010 in das Globale Geopark-Netzwerk aufgenommen.

Am 15. Juli 1963 wurde der bisherige Quasi-Nationalpark zum Nationalpark erhoben. Häfen wie Kasumi, Shibayama und Hamasaka sind im Winter Zentren des Schneekrabbenfangs, und landeinwärts liegt der Onsen-Ort Kinosaki.

Landschaft und Entstehung

Der größte Teil des Parks ist Felsküste mit tief eingeschnittenen Buchten. Bei Uradome hat die Brandung Granit zu Inselchen, Toren und Höhlen geformt; an der Tajima-Küste bilden Andesit, Rhyolith und Tuff Kliffs und Brandungspfeiler wie jene von Tajima Mihonoura. In Genbudō am Maruyama-Fluss steht Säulenbasalt an, in dem der Geophysiker Matuyama Motonori 1929 umgekehrt magnetisiertes Gestein fand – ein früher Hinweis auf die Umpolung des Erdmagnetfelds.

Eine Ausnahme bilden die Sanddünen von Tottori: Aus dem Granit des Chūgoku-Gebirges erodierter Sand gelangte über den Sendai-Fluss ins Meer, wurde von den Wellen wieder angespült und vom winterlichen Nordwestmonsun aufgehäuft. Die Dünen ziehen sich rund 16 km an der Küste entlang, ihre Kämme erreichen etwa 40 m über dem Meer.

Höhepunkte

  • Sanddünen von Tottori

    鳥取砂丘Tottori Sakyū

    Von Wind und Meer geformte Küstendünen mit dem steilen Kamm Umanose und täglich neuen Rippelmustern.

  • Uradome-Küste

    浦富海岸Uradome Kaigan

    Granitklippen, Höhlen und kiefernbestandene Inselchen in klarem Wasser, auch „Matsushima des San'in“ genannt.

  • Tajima Mihonoura

    但馬御火浦Tajima Mihonoura

    Abgelegener Abschnitt vulkanischer Klippen, Felstore und Höhlen zwischen Hamasaka und Kasumi, am besten vom Wasser aus zu sehen.

  • Takeno-Küste

    竹野海岸Takeno Kaigan

    Sandbucht neben der Halbinsel Nekozaki mit Felsformationen und klarem Flachwasser.

  • Kotohiki-hama

    琴引浜Kotohiki-hama

    „Singender Sand“ bei Kyōtango: Die sauberen Quarzkörner quietschen unter den Füßen.

  • Tateiwa

    立岩Tateiwa

    Mächtige Säule aus Vulkangestein an der Mündung des Takeno-Flusses auf der Tango-Halbinsel.

Natur

Ökologie

Wintermonsun, Salzgischt und wandernder Sand prägen die Pflanzenwelt. An den Kliffs wachsen Schwarzkiefern und windgeschorenes Buschwerk, auf Dünen und Stränden spezialisierte Pflanzen, die den Sand festhalten. Das kalte Japanische Meer ist hier reich an Schneekrabben, Kalmaren und Plattfischen, die felsigen Flachwasserzonen an Algen und Muscheln.

Flora

  • Japanische Schwarzkiefer

    クロマツkuromatsu

    Krönt die Inselchen und Kaps von Uradome und Takeno.

  • Strand-Mönchspfeffer

    ハマゴウhamagō

    Kriechender, aromatischer Strauch, der auf den Dünen Sand bindet und im Sommer violett blüht.

  • Kōbōmugi-Segge

    コウボウムギkōbōmugi

    Dünen-Segge, deren lange Ausläufer lockeren Sand festigen.

  • Strandwinde

    ハマヒルガオhamahirugao

    Rosa Blüten auf Sandstränden im späten Frühjahr.

Fauna

  • Schneekrabbe

    ズワイガニzuwaigani

    Im Winter in Kasumi, Shibayama und Tottori angelandet und als Matsuba-gani vermarktet.

  • Schwarzschnabelstorch

    コウノトリkōnotori

    Nach seinem Aussterben in Japan im nahen Toyooka-Becken wieder ausgewildert; die Vögel zeigen sich auch an Küste und Flussmündungen.

  • Schwertspitzenkalmar

    ケンサキイカkensaki ika

    Wird im Sommer nachts vor der San'in-Küste gefangen, wenn die Lichter der Fangboote den Horizont säumen.

Kultur

Die Häfen der Küste waren Anlaufstellen der Kitamae-bune, jener Handelsschiffe, die in der Edo-Zeit über das Japanische Meer zwischen Osaka und Hokkaido segelten; Orte wie Moroyose und Shibayama bewahren ihre geschützten Ankerplätze und alte Speicher. Der Fischfang, vor allem auf Schneekrabben, prägt die Orte bis heute. Die Dünen von Tottori zogen Künstler und Schriftsteller an – der Fotograf Ueda Shōji machte sie zur Bühne seiner inszenierten, surreal wirkenden Bilder.

  • Kinosaki Onsen

    城崎温泉Kinosaki Onsen

    Von Weiden gesäumter Onsen-Ort am Ōtani-Fluss knapp landeinwärts, verewigt vom Schriftsteller Shiga Naoya.

  • Genbudō

    玄武洞Genbudō

    Alte Steinbrüche im Säulenbasalt am Maruyama-Fluss, Schlüsselort des Geoparks und der Erforschung der Magnetfeldumkehr.

  • Amarube-Viadukt

    余部橋梁Amarube Kyōryō

    Eisenbahnviadukt hoch über einem Küstendorf, ursprünglich eine Stahlgerüstbrücke von 1912; ein Teil davon ist als Aussichtspunkt erhalten.

  • Hafen Shibayama

    柴山港Shibayama-kō

    Kleiner Krabbenfischerhafen in einer geschützten Bucht, einst Zuflucht der Kitamae-Schiffe.

Geschichte

  1. vor ca. 25–15 Mio. Jahren

    Das Japanische Meer öffnet sich, der Inselbogen löst sich vom Kontinent; ein Großteil der Vulkangesteine des Parks stammt aus dieser Zeit.

  2. 1603–1868

    Kitamae-Handelsschiffe laufen die Häfen der Küsten von Tajima und Inaba an.

  3. 1929

    Matuyama Motonori beschreibt umgekehrt magnetisierten Basalt aus Genbudō.

  4. 1955

    Die Sanddünen von Tottori werden nationales Naturdenkmal.

  5. 1963

    Ausweisung als Nationalpark am 15. Juli.

  6. 2008

    Anerkennung als einer der ersten japanischen Geoparks.

  7. 2010

    Aufnahme ins Globale Geopark-Netzwerk, später UNESCO-Geopark.

Im Lauf der Jahreszeiten

Frühling

Das Meer beruhigt sich, die Küste wird grün; ab Mai blühen die Strandpflanzen auf den Dünen.

Sommer

Die beste Zeit fürs Wasser: klare, ruhige See zum Baden, Kajakfahren und für Bootstouren in die Höhlen; nachts die Lichter der Kalmarboote.

Herbst

Beständiges Wetter für Küstenwanderungen; im November beginnt die Saison der Schneekrabbe.

Winter

Grauer Himmel, Schnee und schwere Dünung unter dem Nordwestmonsun – die dramatische Jahreszeit an den Klippen und Hochsaison für Krabben in den Hafenorten.

Routen und Wege

  • Bootstour an der Uradome-Küste

    Ausflugsboote ab Iwami fahren zwischen den Inselchen und Höhlen der Granitküste hindurch.

  • Küstenweg Uradome

    Klippenpfad mit Blick auf die Inselchen, der Strände und Aussichtspunkte verbindet.

  • Durch die Dünen von Tottori

    Vom Besucherzentrum über die Dünen auf den Kamm Umanose und hinunter ans Meer.

  • Seekajak an der Tajima-Küste

    Geführte Touren ab Takeno und Kasumi in Höhlen und Felstore, die vom Land aus unerreichbar sind.

Praktische Hinweise

  • Die JR-San'in-Hauptlinie folgt der Küste zwischen Kinosaki, Kasumi, Hamasaka und Tottori; viele Buchten sind nur mit Auto oder Boot erreichbar.
  • Tottori hat einen Flughafen und ist per Expresszug von Osaka und Okayama aus erreichbar.
  • Im Winter ist das Japanische Meer rau, Bootstouren ruhen in der Regel; Auskunft geben die örtlichen Anbieter.
  • Die Dünen werden im Sommer sehr heiß und sind im Winter sehr windig; Wasser und Schutz für die Augen gegen Flugsand mitnehmen.
  • In Teilen der Dünen ist es verboten, Schriftzüge in den Sand zu schreiben; Hinweisschilder beachten.

Häufige Fragen

Gehören die Sanddünen von Tottori zu einem Nationalpark?

Ja. Sie bilden das Westende des Nationalparks San'in Kaigan und sind außerdem nationales Naturdenkmal.

Warum ist San'in Kaigan ein Geopark?

Die Gesteine der Küste dokumentieren die Öffnung des Japanischen Meeres und die Abtrennung Japans vom Festland; die Brandung hat sie auf ganzer Länge freigelegt. Seit 2010 gehört das Gebiet zum Globalen Geopark-Netzwerk.

Gibt es in Japan wirklich Wüstendünen?

Die Dünen von Tottori sind keine Wüste, sondern Küstendünen aus Flusssand, den Wellen und Wintermonsun aufgehäuft haben. Sie sind wegen des feuchten Klimas teilweise bewachsen und werden aktiv freigehalten.

Wann lohnt sich ein Besuch?

Im Sommer für Bootstouren und Baden in ruhigem, klarem Wasser; im Winter für Schneekrabben und sturmumtoste Klippen.

Quellen

  1. 1.環境省_山陰海岸国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  2. 2.環境省_国立公園_国立公園一覧 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  3. 3.日本ジオパークネットワーク (öffnet in neuem Tab) — 日本ジオパークネットワーク (Japanese Geoparks Network)
  4. 4.National Parks of Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment, Government of Japan

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