UNESCO · Kulturerbe · 2021
Prähistorische Jomon-Stätten in Nordjapan
北海道・北東北の縄文遺跡群ほっかいどう・きたとうほくのじょうもんいせきぐんHokkaidō, Kita-Tōhoku no Jōmon Iseki-gunZehntausend Jahre Sesshaftigkeit ohne Ackerbau
Die Prähistorischen Jomon-Stätten in Nordjapan sind 17 archäologische Stätten im Süden Hokkaidos und in den Präfekturen Aomori, Iwate und Akita. Sie dokumentieren über 10.000 Jahre der Jomon-Kultur, einer sesshaften Gesellschaft von Jägern, Fischern und Sammlern mit reichem geistigem Leben; eingetragen wurden sie 2021.
Überblick
Die Jomon-Zeit, benannt nach den Schnurmustern (jomon) auf ihrer Keramik, reichte von etwa 13.000 bis etwa 400 v. Chr. Ihre Menschen stellten einige der ältesten Tongefäße der Welt her und lebten Jahrtausende in dauerhaften Dörfern, ohne Ackerbau zu betreiben. Sie nutzten die reichen Wälder, Flüsse und Meere des Archipels: Kastanien und Walnüsse, Hirsche und Wildschweine, Lachs, Muscheln und Meeressäuger.
Nordjapan, wo sich der kalte Oyashio- und der warme Tsushima-Strom begegnen und die Tsugaru-Straße Hokkaido mit Honshu verbindet, bildete einen gemeinsamen, besonders dicht besiedelten Kulturraum. Die 17 Stätten wurden so gewählt, dass sie die ganze Entwicklung der Sesshaftigkeit zeigen – Beginn, Ausbau, Reife und Anpassung an ein sich wandelndes Klima – sowie das Wachsen des Rituals mit Gräberfeldern, Erdwällen und großen Steinkreisen.
Am bekanntesten ist Sannai Maruyama in Aomori, ein rund 1.700 Jahre lang bewohntes Dorf mit Grubenhäusern, Speichern, Gräberreihen und einem Bauwerk auf sechs mächtigen Kastanienpfosten. Zu den weiteren Stätten zählen die Steinkreise von Oyu in Akita, die Fundstelle Kamegaoka, aus der die berühmte „Brillenaugen“-Dogu-Figur stammt, und Kakinoshima in Hakodate mit einigen der ältesten bekannten Lackobjekte.
Warum Welterbe
Die UNESCO nennt zwei Kriterien. Die Stätten sind ein außergewöhnliches Zeugnis einer prähistorischen sesshaften Gesellschaft von Jägern, Fischern und Sammlern mit komplexer spiritueller Kultur, wie Tontafeln mit Fußabdrücken, die Brillenaugen-Dogu, Gräber, Opferdepots, Erdhügel und Steinkreise zeigen (Kriterium iii).
Sie sind ein herausragendes Beispiel sesshafter Siedlungs- und Landnutzungsweise von ihrer Entstehung bis zur Reife, bei der die Menschen über Jahrtausende als Jäger, Fischer und Sammler lebten und sich dem Klimawandel anpassten, ohne das Land wie Ackerbaugesellschaften umzugestalten (Kriterium v).
Bestandteile
- 三内丸山遺跡Sannai Maruyama Iseki
Große Siedlung in der Stadt Aomori, bewohnt etwa von 3900 bis 2200 v. Chr., mit Grubenhäusern, Langhaus, Vorratsgruben, Gräberreihen und einem rekonstruierten Bau auf sechs Kastanienpfosten von rund 1 m Durchmesser.
Fundstätte Odai Yamamoto
大平山元遺跡Ōdai Yamamoto IsekiFundplatz in Sotogahama, an dem auf etwa 13.000 v. Chr. datierte Keramikscherben gefunden wurden – mit die ältesten Ostasiens und Beginn der Jomon-Zeit.
Fundstätten Kakinoshima und Ofune
垣ノ島遺跡・大船遺跡Kakinoshima Iseki, Ōfune IsekiKüstensiedlungen in Hakodate: Kakinoshima mit einem großen U-förmigen Erdwall, lackierten Textilien und Tontafeln mit Kinderfußabdrücken; Ofune mit ungewöhnlich tiefen Grubenhäusern.
Steinkreise von Oyu
大湯環状列石Ōyu Kanjō RessekiZwei große Steinkreise in Kazuno (Akita), Manza und Nonakado, jeweils mit einer sonnenuhrartigen Steinsetzung und auf den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende ausgerichtet.
Steinkreise Komakino und Omori Katsuyama
小牧野遺跡・大森勝山遺跡Komakino Iseki, Ōmori Katsuyama IsekiKultische Steinkreise in der Stadt Aomori und in Hirosaki; Omori Katsuyama ist zur Wintersonnenwende auf den Berg Iwaki ausgerichtet.
Grabstätte Kamegaoka
亀ヶ岡石器時代遺跡Kamegaoka Sekki Jidai IsekiGrabstätte in Tsugaru, Fundort der Brillenaugen-Dogu (Shakoki Dogu), der bekanntesten Jomon-Figur; nach ihr ist die kunstvolle spätjomonzeitliche Kamegaoka-Kultur benannt.
- 是川遺跡Korekawa Iseki
Spätjomonzeitliche Siedlung in Hachinohe, deren Feuchtbodenschichten rote Lackwaren, hölzerne Bögen und Körbe bewahrten.
Fundstätte Goshono
御所野遺跡Goshono IsekiDorf auf einer Anhöhe in Ichinohe (Iwate); Grabungen zeigten, dass die Grubenhäuser erdbedeckte Dächer hatten, einige wurden danach rekonstruiert.
Geschichte
um 13.000 v. Chr.
Älteste Keramik in Odai Yamamoto; Beginn der Jomon-Zeit.
um 7000 v. Chr.
Dauerhafte Siedlungen mit Gräberfeldern entstehen, etwa in Kakinoshima.
um 3900–2200 v. Chr.
Blüte von Sannai Maruyama als eines der größten Jomon-Dörfer.
um 2000 v. Chr.
Steinkreise wie Oyu und Komakino entstehen als Kultzentren.
um 1000–400 v. Chr.
Die Kamegaoka-Kultur bringt feine Lackwaren und Dogu-Figuren hervor.
1992
Grabungen für ein Baseballstadion legen das ganze Ausmaß von Sannai Maruyama frei; die Stätte wird daraufhin erhalten.
2021
Aufnahme in die Welterbeliste.
Besuch
- Sannai Maruyama liegt am Stadtrand von Aomori und ist per Bus von den Bahnhöfen Aomori oder Shin-Aomori erreichbar; das Museum zeigt Tausende Funde, auf dem Gelände stehen rekonstruierte Häuser.
- Die Stätten verteilen sich auf vier Präfekturen und liegen oft ländlich; um mehrere zu verbinden, ist ein Auto am praktischsten.
- Die meisten Stätten haben Besucherzentren oder örtliche Museen; die Funde von Korekawa zeigt das Korekawa-Jomon-Museum in Hachinohe, die von Kakinoshima das Jomon-Kulturzentrum in Hakodate.
- Die Winter im Norden Japans sind schneereich; manche Freigelände und Einrichtungen sind in der kalten Jahreszeit nur eingeschränkt zugänglich.
Häufige Fragen
Was bedeutet Jomon?
„Schnurmuster“ – gemeint sind die Abdrücke gedrehter Schnüre, die in die Oberfläche der Keramik jener Zeit gedrückt wurden.
Was ist das Besondere an der Jomon-Kultur?
Ihre Menschen lebten über 10.000 Jahre in dauerhaften Dörfern und töpferten, ohne Ackerbau zu betreiben – anderswo auf der Welt ging Sesshaftigkeit meist mit Landwirtschaft einher.
Wo ist die Brillenaugen-Dogu zu sehen?
Die Figur aus Kamegaoka befindet sich im Nationalmuseum Tokio; Nachbildungen und weitere Dogu zeigen örtliche Museen in Tsugaru.
Welche Jomon-Stätte lohnt sich am meisten?
Sannai Maruyama in Aomori vermittelt den vollständigsten Eindruck, mit rekonstruierten Bauten, überdachten Grabungsflächen und einem großen Museum.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Jomon Prehistoric Sites in Northern Japan (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
- 3.北海道・北東北の縄文遺跡群 (öffnet in neuem Tab) — 縄文遺跡群世界遺産保存活用協議会