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Japan

Hokkaido · Kernstadt

Hakodate

函館市はこだてしHakodate-shi

Vertragshafen zwischen zwei Buchten am Fuß des Hakodate-Bergs

Hakodate ist die historische Hafenstadt im Süden Hokkaidos: 1859 für den Außenhandel geöffnet und 1869 Schauplatz der letzten Schlacht des Boshin-Kriegs an der Sternfestung Goryōkaku. Das Hangviertel Motomachi, der Morgenmarkt und der Blick vom Hakodate-Berg machen sie zur meistbesuchten historischen Stadt der Insel.

Überblick

Hakodate liegt auf einer Nehrung, die den vulkanischen Hakodate-Berg mit dem Festland der Oshima-Halbinsel verbindet – auf der einen Seite die Bucht von Hakodate, auf der anderen die Tsugaru-Straße. Diese Lage machte den Ort zum natürlichen Hafen und zum Tor zwischen Honshu und Hokkaido, lange bevor es Sapporo gab. Japanische Händler und das Fürstentum Matsumae nutzten ihn seit dem Spätmittelalter, und bis zur Eröffnung des Seikan-Tunnels 1988 kamen die meisten Reisenden mit der Fähre aus Aomori hier an.

Mit dem Vertrag von Kanagawa 1854 gehörte Hakodate zu den ersten Häfen Japans, die ausländische Schiffe anlaufen durften; ab 1859 wurde hier wie in Yokohama und Nagasaki mit dem Westen gehandelt. An den Hängen von Motomachi entstanden Konsulate, Kirchen und Kaufmannshäuser. Russisch-orthodoxe, katholische, anglikanische und buddhistische Bauten stehen dort bis heute nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt. Zugleich erlebte die Stadt das Ende des Boshin-Kriegs, als sich die Truppen Enomoto Takeakis 1869 in Goryōkaku ergaben.

Wirtschaftlich prägen Fischerei – vor allem Tintenfisch –, Schiffbau und Tourismus die Stadt. Zum Stadtgebiet gehören der Thermalbadeort Yunokawa und seit den Eingemeindungen von 2004 auch die Küste bis Esan mit den Jōmon-Stätten von Minamikayabe.

Sehenswürdigkeiten

  • Goryōkaku

    五稜郭Goryōkaku

    Von Takeda Ayasaburō entworfene Sternfestung aus Erdwällen, 1864 vollendet; Besondere Historische Stätte mit Gräben, Kirschbäumen und dem rekonstruierten Magistratsgebäude. Vom benachbarten Turm aus ist die Sternform zu erkennen.

  • Hakodate-Berg

    函館山Hakodate-yama

    334 m hoher Vulkanberg an der Spitze der Landenge, früher militärisches Sperrgebiet; der nächtliche Blick auf die Stadt zwischen zwei Buchten ist das bekannteste Bild Hakodates.

  • Orthodoxe Kirche Hakodate

    函館ハリストス正教会Hakodate Harisutosu Seikyōkai

    Erste russisch-orthodoxe Kirche Japans, hervorgegangen aus der Kapelle des russischen Konsulats von 1859; der weiße Bau mit grünen Kuppeln stammt von 1916 und ist Wichtiges Kulturgut.

  • Alte Bürgerhalle des Bezirks Hakodate

    旧函館区公会堂Kyū-Hakodate-ku Kōkaidō

    Blau-gelber Holzbau im westlichen Stil von 1910 hoch über dem Hafen; Wichtiges Kulturgut.

  • Kanemori-Backsteinspeicher

    金森赤レンガ倉庫Kanemori Aka-renga Sōko

    Lagerhäuser der Meiji-Zeit am Hafen, heute mit Geschäften und Restaurants.

  • Morgenmarkt

    函館朝市Hakodate Asaichi

    Markt am Bahnhof mit Hunderten Ständen für Krabben, Tintenfisch, Seeigel und Lachsrogen; entstanden in der Nachkriegszeit.

  • Trappistinnenkloster

    トラピスチヌ修道院Torapisuchinu Shūdōin

    Erstes Frauenkloster Japans, 1898 von französischen Trappistinnen am östlichen Stadtrand gegründet; der Garten ist zugänglich.

Stadtviertel

  • Motomachi

    元町Motomachi

    Hangviertel unter dem Hakodate-Berg mit Kirchen, ehemaligen Konsulaten und steilen Straßen wie dem Hachiman-zaka, die geradewegs zum Hafen hinunterführen.

  • Hafenviertel (Bay Area)

    Uferzone um die Backsteinspeicher und den alten Fähranleger, wo die Seikan-Fähre Mashū-maru als Museum liegt.

  • Goryōkaku-Viertel

    Geschäftszentrum der modernen Stadt rund um die Festung.

  • Yunokawa Onsen

    湯の川温泉Yunokawa Onsen

    Thermalbadeort am Meer nahe dem Flughafen, mit der Straßenbahn erreichbar; Ryokan (traditionelle Gasthäuser) blicken auf die Tsugaru-Straße.

Geschichte

Der Name geht auf einen befestigten Herrensitz zurück, den der Fürst Kōno Masamichi im 15. Jahrhundert an der Bucht errichtete und der wie eine Kiste (hako) ausgesehen haben soll; bis 1869 schrieb man den Ort 箱館. Unter dem Tokugawa-Shōgunat diente der Hafen dem Fürstentum Matsumae und dem Handel mit Hering und Seetang. Anfang des 19. Jahrhunderts baute der Kaufmann Takadaya Kahei ihn zum Stützpunkt für die Schifffahrt nach Ezochi und zu den Kurilen aus.

Nach der Öffnung 1854 wurde Hakodate zu einem weltoffenen Hafen. Brände zerstörten die hölzerne Stadt immer wieder, am verheerendsten 1934; beim Wiederaufbau entstanden breite Brandschneisen. Das Ende der Seikan-Fähren 1988 und der Rückgang der Fischerei im Norden trafen die Wirtschaft, während die historischen Viertel die Stadt zu einem der wichtigsten Reiseziele Hokkaidos machten.

  1. 15. Jh.

    Kōno Masamichi errichtet an der Bucht einen befestigten Sitz; der Ort wird als Hakodate (箱館) bekannt.

  2. 1854

    Der Vertrag von Kanagawa öffnet Hakodate für amerikanische Schiffe.

  3. 1859

    Öffnung für den Außenhandel, zusammen mit Yokohama und Nagasaki.

  4. 1864

    Fertigstellung der Sternfestung Goryōkaku mit dem Amtssitz des Magistrats.

  5. 1869

    Schlacht von Hakodate: Kapitulation der Republik Ezo; die Schreibung des Namens wird zu 函館 geändert.

  6. 1908

    Beginn des Seikan-Fährverkehrs zwischen Aomori und Hakodate.

  7. 1922

    Hakodate erhält Stadtrecht.

  8. 1934

    Der Große Brand von Hakodate zerstört weite Teile der Stadt und fordert über 2.000 Tote.

  9. 1988

    Eröffnung des Seikan-Tunnels; die Fähren über die Meerenge werden eingestellt.

  10. 2016

    Der Hokkaido-Shinkansen erreicht Shin-Hakodate-Hokuto in der Nachbarstadt Hokuto.

Kultur

Hakodate trägt bis heute die Züge eines frühen Vertragshafens: Holzhäuser im sogenannten Hakodate-Stil – unten japanisch, oben westlich –, Kirchen verschiedener Konfessionen und Friedhöfe ausländischer Einwohner an den Hängen von Motomachi. Der Boshin-Krieg ist im örtlichen Gedächtnis fest verankert; Hijikata Toshizō von der Shinsengumi, der hier 1869 fiel, ist eine populäre Figur. Der Dichter Ishikawa Takuboku lebte 1907 in Hakodate und ist am Kap Tachimachi begraben.

Feste

  • Hafenfest Hakodate

    函館港まつりHakodate Minato Matsuri

    Seit 1935 Anfang August, mit Feuerwerk und Umzügen, bei denen Tausende den komischen Tintenfischtanz (Ika-odori) tanzen.

  • Goryōkaku-Fest

    箱館五稜郭祭Hakodate Goryōkaku-sai

    Im Mai stellt ein historischer Umzug die Schlacht von Hakodate nach und erinnert an die Gefallenen beider Seiten.

  • Hakodate Christmas Fantasy

    Im Dezember steht ein großer beleuchteter Baum im Hafenbecken vor den Backsteinspeichern – ein Brauch, der auf die Partnerstadt Halifax in Kanada zurückgeht.

Essen

  • Tintenfisch

    いかika

    Der Pazifische Kalmar ist das Wahrzeichen der Stadt – roh in nudelartigen Streifen als Ika-sōmen oder mit Reis gefüllt als Ikameshi.

  • Hakodate-Shio-Ramen

    塩ラーメンshio rāmen

    Klare, mit Salz gewürzte Brühe aus Schwein und Huhn mit glatten Nudeln – das Gegenstück zu Sapporos Miso- und Asahikawas Sojasaucen-Ramen.

  • Kaisendon

    海鮮丼kaisendon

    Reisschüssel mit Seeigel, Lachsrogen, Krabbe und Tintenfisch, traditionell zum Frühstück auf dem Morgenmarkt.

  • Makonbu

    真昆布ma-konbu

    Die Küste östlich der Stadt liefert hochwertigen Seetang, der seit jeher nach Osaka und Kyoto für Dashi-Brühe verschifft wird.

Unterwegs vor Ort

  • Der Flughafen Hakodate liegt rund 20 Busminuten östlich des Zentrums, mit Flügen nach Tokio, Osaka, Sapporo und in weitere Städte.
  • Der Hokkaido-Shinkansen hält in Shin-Hakodate-Hokuto, etwa 18 km nördlich; der Hakodate Liner pendelt zum Bahnhof Hakodate. Limited-Express-Züge fahren in rund vier Stunden nach Sapporo.
  • Die städtische Straßenbahn fährt seit 1913 und verbindet Bahnhof, Motomachi, Goryōkaku und Yunokawa Onsen.
  • Autofähren überqueren die Tsugaru-Straße nach Aomori und nach Ōma an der Spitze der Shimokita-Halbinsel.

Ausflüge

  • Ōnuma

    Quasi-Nationalpark mit inselreichen Seen unter dem Vulkan Komaga-take, etwa eine halbe Stunde nördlich mit dem Zug.

  • Matsumae

    Einzige Burgstadt Hokkaidos aus der Edo-Zeit, Sitz des Matsumae-Fürstentums, bekannt für die Kirschblüte.

  • Jōmon-Stätten Ōfune und Kakinoshima

    Siedlungs- und Grabstätten der Jōmon-Zeit an der Pazifikküste der Stadt, Teil einer Welterbestätte.

  • Aomori

    Jenseits der Tsugaru-Straße, per Fähre oder mit dem Shinkansen durch den Seikan-Tunnel.

  • Esan

    Aktiver Vulkan an der Ostspitze des Stadtgebiets mit Fumarolen und Azaleenhängen.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Was ist Goryōkaku?

Eine fünfzackige Sternfestung nach europäischem Vorbild, erbaut 1857 bis 1864. 1869 war sie die letzte Bastion der Shōgunats-Anhänger der kurzlebigen Republik Ezo.

Wie reist man von Tokio nach Hakodate?

Mit dem Tohoku- und Hokkaido-Shinkansen in etwa vier Stunden bis Shin-Hakodate-Hokuto, dann mit dem Pendelzug Hakodate Liner in die Stadt; alternativ per Flug zum Flughafen Hakodate.

Von wo sieht man den berühmten Nachtblick?

Vom Gipfel des 334 m hohen Hakodate-Bergs, erreichbar mit Seilbahn, Bus oder Auto. Die Lichter der Stadt füllen die schmale Landenge zwischen zwei Buchten.

Was isst man in Hakodate?

Vor allem Tintenfisch, etwa roh in feinen Streifen als Ika-sōmen, dazu Meeresfrüchteschüsseln auf dem Morgenmarkt und die klare, salzige Shio-Ramen.

Gibt es in Hakodate Welterbe?

Ja. Die Jōmon-Fundstätten Ōfune und Kakinoshima im Ortsteil Minamikayabe gehören seit 2021 zum Welterbe „Prähistorische Jōmon-Stätten in Nordjapan“.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
  2. 2.函館市公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 函館市
  3. 3.Jomon Prehistoric Sites in Northern Japan (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  4. 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO

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