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Japan

Hokkaido · Stadt

Otaru

小樽市おたるしOtaru-shi

Hering, Kohle und Banken: der Hafen, der Hokkaidos Wirtschaft aufbaute

Otaru ist eine Hafenstadt an der Ishikari-Bucht westlich von Sapporo, die zwischen den 1880er- und den 1920er-Jahren durch Heringsfang, Kohleverschiffung und Banken reich wurde. Kanal, Steinspeicher, alte Bankgebäude und Glasbläsereien bilden eines der besterhaltenen Stadtbilder Hokkaidos aus dieser Zeit.

Überblick

Otaru zieht sich als schmaler Streifen zwischen steilen Hügeln und der Ishikari-Bucht hin, etwa 35 km nordwestlich von Sapporo. In der Meiji- und Taishō-Zeit gehörte der Ort zu den geschäftigsten Häfen Nordjapans: Heringsboote landeten ihre Fänge an der Shakotan-Küste an, ab 1880 brachte die erste Eisenbahn Hokkaidos Kohle aus den Horonai-Gruben an die Kais, und Schifffahrtslinien nach Honshu und Sachalin machten Otaru zur Handelsmetropole der Insel. Banken, Handelshäuser und Reedereien errichteten Stein- und Backsteinbauten im Zentrum, das man bald die „Wall Street des Nordens“ nannte.

In den 1950er-Jahren blieb der Hering aus, der Kohleumschlag ging zurück, und der Handel wanderte nach Tomakomai und Sapporo ab. Das alte Hafenviertel blieb dadurch weitgehend erhalten. Eine Bürgerbewegung der 1970er- und 1980er-Jahre rettete einen Teil des Otaru-Kanals samt Speichern, die zu Restaurants, Museen und Läden umgebaut wurden. Das Zusammenspiel aus Stadtbild, Glas- und Spieluhrenwerkstätten und frischen Meeresfrüchten macht Otaru zu einem der meistbesuchten Orte Hokkaidos.

Auch literarisch hat die Stadt Gewicht: Kobayashi Takiji, Autor des proletarischen Romans „Kanikōsen“ (Das Krabbenfischerboot), wuchs hier auf, und der Schriftsteller und Kritiker Itō Sei stammt aus der näheren Umgebung.

Sehenswürdigkeiten

  • Otaru-Kanal

    小樽運河Otaru Unga

    Kanal von 1923, gesäumt von Steinspeichern; der erhaltene Abschnitt mit Gaslaternen und Fußweg ist das Wahrzeichen der Stadt.

  • Museum der Bank of Japan

    日本銀行旧小樽支店金融資料館Nippon Ginkō Kyū-Otaru Shiten Kin'yū Shiryōkan

    Filialgebäude von 1912 nach Plänen von Tatsuno Kingo, dem Architekten des Tokioter Hauptbahnhofs; heute Museum für Geld und Bankwesen.

  • Ehemalige Filiale der Nippon Yūsen

    旧日本郵船小樽支店Kyū-Nippon Yūsen Otaru Shiten

    Steinbau von 1906, in dem die Grenze zwischen japanischem und russischem Sachalin verhandelt wurde; Wichtiges Kulturgut.

  • Sakaimachi-Straße

    堺町通りSakaimachi-dōri

    Straße mit Kaufmannshäusern und Speichern, Glasstudios, Konditoreien und dem Spieluhrenmuseum in einem Steinbau von 1912.

  • Städtisches Museum Otaru

    小樽市総合博物館Otaru-shi Sōgō Hakubutsukan

    Eisenbahnmuseum am ehemaligen Endbahnhof Temiya mit der amerikanischen Lokomotive „Shizuka“ der Horonai-Bahn und historischen Wagen.

  • Otaru Kihinkan

    小樽貴賓館Otaru Kihinkan

    Villa der Heringsdynastie Aoyama in Shukutsu, erbaut 1917 bis 1923 – ein Zeugnis des Reichtums der Heringszeit.

  • Tengu-yama

    天狗山Tengu-yama

    532 m hoher Hausberg mit Seilbahn und Skigebiet, Blick über Stadt und Ishikari-Bucht.

Stadtviertel

  • Kanal- und Hafenviertel

    Historischer Kern zwischen Kanal und der Kreuzung Ironai mit Speichern, Banken und Kontorhäusern.

  • Sakaimachi und Märchen-Kreuzung

    Einkaufsstraße für Glas und Süßwaren, die an einem Platz mit Dampfuhr vor dem Spieluhrenmuseum endet.

  • Temiya

    手宮Temiya

    Nördliches Viertel am Endpunkt der ersten Bahnlinie; die alte Trasse ist heute ein Spazierweg.

  • Shukutsu

    祝津Shukutsu

    Fischerhafen auf der nördlichen Landzunge mit Heringsvillen und dem Aquarium Otaru.

Geschichte

Aus einem Handelsposten des Matsumae-Fürstentums an der Ainu-Küste wurde mit dem Heringsboom des 19. Jahrhunderts eine Hafenstadt. 1880 eröffnete die Horonai-Bahn zwischen Temiya in Otaru und Sapporo – die erste Eisenbahn Hokkaidos –, bald verlängert bis ins Kohlerevier von Horonai. Kohle und Heringsprodukte gingen über den Hafen, Banken und Kaufleute folgten.

In den 1920er-Jahren zählte Otaru zu den größten Städten Hokkaidos. Der Niedergang von Hering und Kohle nach dem Krieg ließ viele historische Gebäude leer stehen; der Streit um den Kanal ab den 1970er-Jahren wurde zu einem der bekanntesten Fälle von Stadtbildschutz in Japan.

  1. 1880

    Eröffnung der Horonai-Bahn zwischen Temiya (Otaru) und Sapporo, der ersten Eisenbahn Hokkaidos.

  2. 1906

    Fertigstellung der Otaru-Filiale der Reederei Nippon Yūsen; dort tagt die russisch-japanische Grenzkommission für Sachalin.

  3. 1912

    Die von Tatsuno Kingo entworfene Filiale der Bank of Japan wird vollendet.

  4. 1922

    Otaru erhält Stadtrecht.

  5. 1923

    Fertigstellung des Otaru-Kanals.

  6. 1950er

    Die Heringsschwärme vor der Westküste Hokkaidos bleiben aus.

  7. 1986

    Ein Teil des Kanals wird für eine Straße zugeschüttet, der Rest mit Uferpromenade erhalten.

Kultur

Glas ist das Markenzeichen Otarus: Aus den Glaskugeln, die ab Anfang des 20. Jahrhunderts als Schwimmer für die Heringsnetze gefertigt wurden, entstand ein großes Gewerbe für Geschirr und Zierglas, ergänzt durch Werkstätten, in denen Spieluhren zusammengesetzt werden. Das erhaltene Stadtbild mit Kanal und Schnee ist ein häufiger Schauplatz japanischer Filme und Fernsehserien. Gedenkstätten erinnern an Kobayashi Takiji, Itō Sei und Ishikawa Takuboku, der 1907 kurz für eine Zeitung in Otaru arbeitete.

Feste

  • Yuki Akari no Michi

    小樽雪あかりの路Otaru Yuki Akari no Michi

    Seit 1999 etwa zehn Tage im Februar: Kerzen in Schneelaternen entlang des Kanals und der alten Temiya-Bahntrasse, schwimmende Lichter auf dem Wasser.

  • Ushio-Fest

    おたる潮まつりOtaru Ushio Matsuri

    Das sommerliche Hafenfest Ende Juli mit dem Ushio-Tanzumzug und Feuerwerk über dem Hafen.

  • Fest des Sumiyoshi-Schreins

    Das wichtigste Schreinfest Mitte Juli, bei dem tragbare Schreine durch die alten Viertel ziehen.

Essen

  • Sushi

    寿司sushi

    Otaru hat eine außergewöhnliche Dichte an Sushi-Lokalen, viele an der Sushiya-dōri, mit Seeigel, Tintenfisch und Muscheln aus der Region.

  • Nishin-Soba

    にしんそばnishin soba

    Buchweizennudeln mit süß geschmortem getrocknetem Hering – eine Erinnerung an die Heringszeit.

  • Ankake-Yakisoba

    あんかけ焼そばankake yakisoba

    Knusprig gebratene Nudeln unter einer sämigen Soße mit Meeresfrüchten und Gemüse, ein Klassiker der örtlichen Imbisslokale.

  • Seeigel

    うにuni

    Im Sommer an der Shakotan-Küste angelandet und roh auf Reis serviert.

Unterwegs vor Ort

  • Züge der JR-Hakodate-Hauptlinie fahren von Sapporo entlang der Küste; der Bahnhof Otaru liegt am Kanalviertel, Minami-Otaru nahe Sakaimachi.
  • Einige Schnellzüge vom Flughafen New Chitose fahren über Sapporo bis Otaru durch.
  • Vom Hafen Otaru verkehren Fernfähren nach Niigata und Maizuru an der Japanmeerküste Honshus.
  • Das Zentrum ist kompakt und gut zu Fuß zu erkunden; Stadtbusse fahren zum Tengu-yama und nach Shukutsu.

Ausflüge

  • Sapporo

    Die Hauptstadt Hokkaidos, 30 bis 45 Minuten mit dem Zug.

  • Yoichi

    Kleinstadt westlich von Otaru mit Obstgärten und einer 1934 von Taketsuru Masataka gegründeten Whiskybrennerei.

  • Shakotan-Halbinsel

    Steilküste mit tiefblauem Wasser an den Kaps Kamui und Shakotan, bekannt für Seeigel.

  • Yōtei und Niseko

    Der „Ezo-Fuji“ genannte Vulkan und seine Skigebiete, etwa 90 Autominuten südwestlich.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Wie weit ist Otaru von Sapporo entfernt?

Rund 35 km. JR-Züge entlang der Küste brauchen etwa 30 bis 45 Minuten; einige Schnellzüge vom Flughafen New Chitose fahren durch bis Otaru.

Warum heißt Otaru „Wall Street des Nordens“?

Im frühen 20. Jahrhundert hatten mehr als zwanzig Banken, darunter eine Filiale der Bank of Japan, Niederlassungen im Hafen – sie finanzierten den Handel Hokkaidos mit Honshu und Sachalin.

Ist der Kanal historisch?

Er wurde 1923 für Leichter angelegt, die Schiffe auf Reede entluden. Nach langem Streit wurde in den 1980er-Jahren etwa die Hälfte für eine Straße zugeschüttet; der Rest mit Speichern und Gaslaternen blieb erhalten.

Was ist das Yuki Akari no Michi?

Ein Lichterfest im Februar, bei dem Kanal und alte Bahntrasse mit Kerzen in Schneelaternen und schwimmenden Glaskugeln beleuchtet werden.

Lohnt sich Otaru als Tagesausflug?

Ja, die Stadt ist von Sapporo aus bequem mit dem Zug erreichbar und kompakt genug, um Kanal, Sakaimachi und Hafen an einem Tag zu Fuß zu erkunden.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
  2. 2.小樽市ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 小樽市
  3. 3.北海道庁 (öffnet in neuem Tab) — 北海道
  4. 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO

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