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Japan

Seen · Hokkaido

Toya-See

洞爺湖とうやこTōya-ko

Ein runder Calderasee neben einem lebendigen Vulkan

Der Toya-See (Tōya-ko) ist ein nahezu kreisrunder Calderasee im Südwesten Hokkaidos mit einer Gruppe bewaldeter Inseln in der Mitte. An seinem Südufer erheben sich der aktive Vulkan Usu-zan und der Shōwa-shinzan, ein in den 1940er-Jahren entstandener Berg; das Gebiet ist UNESCO-Global-Geopark.

Höhe: 84 mFläche: 70,7 km²Maximale Tiefe: 180 mNationalpark · 1949UNESCO Global Geopark · 2009

Überblick

Der Toya-See ist ein fast runder See von etwa zehn Kilometern Durchmesser, der eine vor rund 110.000 Jahren entstandene Caldera füllt. Er liegt auf dem Gebiet der Gemeinden Tōyako und Sōbetsu in der Unterpräfektur Iburi und friert wie der Shikotsu-See im Winter nicht zu. In seiner Mitte liegen die Inseln von Nakajima.

Seine Bekanntheit verdankt der See ebenso seinem südlichen Nachbarn. Der Usu-zan, ein junger Vulkan am Calderarand, ist seit 1910 viermal ausgebrochen, zuletzt im Jahr 2000; dabei entstanden neue Berge, Krater und Thermalquellen. Der Kurort Tōyako Onsen am Südufer geht auf Quellen zurück, die nach dem Ausbruch von 1910 hervortraten.

2008 tagte der G8-Gipfel in einem Hotel auf dem Kraterrand über dem See. Das Gebiet bildet den UNESCO-Global-Geopark Toya-Caldera und Vulkan Usu, in dem zerstörte Gebäude und Straßen als Mahnmale der Ausbrüche erhalten sind.

Landschaft und Entstehung

Ein gewaltiger Ausbruch vor etwa 110.000 Jahren entleerte eine Magmakammer und ließ die Caldera entstehen. Nakajima bildete sich später als Gruppe von Lavadomen in ihrer Mitte. Vor rund 20.000 Jahren begann am Südrand der Usu zu wachsen; er stürzte seither ein und baute sich neu auf, mit Ausbrüchen 1663, 1769, 1822, 1853, 1910, 1943–45, 1977–78 und 2000.

Der Shōwa-shinzan (398 m) wuchs beim Ausbruch von 1943–45 aus Ackerland empor; der örtliche Postmeister Mimatsu Masao dokumentierte sein Wachstum im berühmten „Mimatsu-Diagramm“.

Höhepunkte

  • Nakajima

    中島Nakajima

    Vier Inseln in der Seemitte; auf der größten gibt es Waldwege und Hirsche. Erreichbar per Ausflugsschiff.

  • Usu-zan

    有珠山Usu-zan

    Aktiver Vulkan am Südufer; eine Seilbahn führt zu Aussichtspunkten über Krater und See.

  • Shōwa-shinzan

    昭和新山Shōwa-shinzan

    Lavadom, der 1943–45 aus Weizenfeldern emporwuchs und bis heute dampft; Besonderes Naturdenkmal.

  • Lehrpfad am Konpira-Krater

    金比羅火口災害遺構散策路Konpira Kakō Saigai Ikō Sansakuro

    Weg vorbei an Gebäuden und einer Straße, die der Ausbruch von 2000 zerstörte, oberhalb von Tōyako Onsen.

  • Aussichtspunkt Sairo

    サイロ展望台Sairo Tenbōdai

    Aussichtspunkt am Nordrand mit Blick über den See auf Usu und Shōwa-shinzan.

Ökologie

Den Wald von Nakajima prägt eine Mitte des 20. Jahrhunderts eingeführte Sikahirsch-Herde. Die wiederholten Ausbrüche des Usu machen das Gebiet zu einem Freilandlabor dafür, wie Pflanzen frischen Vulkanboden zurückerobern.

Flora

  • Pioniervegetation

    Erstbesiedler wie Staudenknöterich und Weiden auf den Kratern von 1977 und 2000.

Fauna

  • Sikahirsche auf Nakajima

    Eine Herde, die auf wenige in den 1950er- und 60er-Jahren auf die Insel gebrachte Tiere zurückgeht.

  • Kokanee und Forellen

    Eingesetzte Arten, die im See befischt werden.

Kultur

Der Name geht auf das Ainu-Wort to-ya, „Seeufer“, zurück. Das Leben mit dem Vulkan prägt die örtliche Kultur: Der Ausbruch von 2000 wurde rechtzeitig vorhergesagt, sodass eine Evakuierung ohne Todesopfer gelang – ein weltweit beachtetes Beispiel. An Sommerabenden wird über eine lange Saison hinweg Feuerwerk von Booten auf dem See gezündet.

  • Mimatsu-Masao-Gedenkmuseum

    三松正夫記念館Mimatsu Masao Kinenkan

    Museum am Fuß des Shōwa-shinzan über den Postmeister, der den neuen Berg dokumentierte und später kaufte.

Geschichte

  1. vor ca. 110.000 Jahren

    Ein katastrophaler Ausbruch lässt die Toya-Caldera entstehen.

  2. 1910

    Ein Usu-Ausbruch bildet den Meiji-shinzan; am Seeufer treten heiße Quellen aus – Beginn von Tōyako Onsen.

  3. 1943–1945

    Der Shōwa-shinzan wächst bei einer Ausbruchsserie aus Ackerland empor.

  4. 1949

    Ausweisung des Nationalparks Shikotsu-Toya.

  5. 1977–1978

    Ausbruch des Usu; Tōyako Onsen wird beschädigt, neue Krater entstehen.

  6. 2000

    Erneuter Usu-Ausbruch aus neuen Schloten westlich des Orts; rund 16.000 Menschen waren zuvor evakuiert worden.

  7. 2008

    Der G8-Gipfel tagt am Toya-See.

  8. 2009

    Toya-Caldera und Vulkan Usu wird einer der ersten UNESCO-Global-Geoparks Japans.

Im Lauf der Jahreszeiten

Frühling

Kirschblüte am Südufer Anfang Mai.

Sommer

Schiffsausflüge nach Nakajima und allabendliche Feuerwerke während der Saison.

Herbst

Herbstfarben am Kraterrand und rund um den Usu im Oktober.

Winter

Der See friert nicht zu; Schnee und dampfende Schlote bieten eindrucksvolle Blicke auf den Usu.

Routen und Wege

  • Usu-Seilbahn und Kraterrand

    Seilbahn vom Shōwa-shinzan zu Aussichtspunkten über dem Gipfelkrater; ein Wanderweg führt am Rand weiter.

  • Lehrpfad Nishiyama-Krater

    Weg durch die Krater und zerstörten Straßen des Ausbruchs von 2000.

  • Seerundfahrt

    Rund 40 km lange Straße um den See, beliebt bei Radfahrern.

Praktische Hinweise

  • Der Bahnhof Tōya an der JR-Muroran-Linie (Expresszüge ab Sapporo und Hakodate) liegt eine kurze Busfahrt von Tōyako Onsen entfernt.
  • Der Usu ist ein aktiver Vulkan; bei erhöhter Aktivität werden Wege gesperrt – Warnstufe der Japanischen Wetterbehörde beachten.
  • Der See lässt sich gut mit Noboribetsu Onsen und dem Shikotsu-Gebiet verbinden.

Häufige Fragen

Ist der Usu noch aktiv?

Ja. Im vergangenen Jahrhundert brach er etwa alle 20 bis 30 Jahre aus, zuletzt im Jahr 2000, und wird von der Japanischen Wetterbehörde genau überwacht.

Was ist der Shōwa-shinzan?

Ein 398 m hoher Lavadom, der zwischen 1943 und 1945 neben dem Toya-See aus Ackerland emporwuchs.

Friert der Toya-See im Winter zu?

Nein, er bleibt wie der Shikotsu-See eisfrei.

Wie kommt man von Sapporo zum Toya-See?

Mit dem Expresszug der JR-Muroran-Linie bis Tōya und weiter mit dem Bus, insgesamt etwa zweieinhalb Stunden; mit dem Auto rund zwei Stunden.

Quellen

  1. 1.統計FAQ 日本の湖沼の面積 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局
  2. 2.日本ジオパークネットワーク (öffnet in neuem Tab) — 日本ジオパークネットワーク
  3. 3.支笏洞爺国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
  4. 4.気象庁 火山 (öffnet in neuem Tab) — 気象庁

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