Seen · Hokkaido
Shikotsu-See
支笏湖しこつこShikotsu-koEin tiefer, klarer Calderasee, der nie zufriert
Der Shikotsu-See (Shikotsu-ko) ist ein Calderasee auf dem Gebiet der Stadt Chitose, etwa eine Stunde von Sapporo entfernt, und mit 360 Metern der zweittiefste See Japans. Seine gewaltige Wassermenge verhindert das Zufrieren – er ist der nördlichste eisfreie See des Landes.
Überblick
Der Shikotsu-See liegt südwestlich von Sapporo und westlich des Flughafens Neu-Chitose, in der Caldera eines Vulkans, der vor rund 40.000 Jahren einstürzte. Nach dem Kussharo-See ist er der zweitgrößte Calderasee Japans und mit etwa 360 Metern nach dem Tazawa-See der zweittiefste. Die mittlere Tiefe von über 250 Metern verleiht ihm ein enormes Wasservolumen, das genug Wärme speichert, um ihn außer in Ausnahmewintern eisfrei zu halten.
Auf dem Calderarand stehen drei Vulkane: der Eniwa-dake im Norden, der Fuppushi-dake und der aktive Tarumae-zan im Süden. Bei den Wasserqualitätsmessungen des Umweltministeriums zählt der See regelmäßig zu den klarsten Japans; sein Blau wird vor Ort „Shikotsu-Blau“ genannt.
Hauptstützpunkt ist die kleine Siedlung Shikotsuko Onsen am Ostufer, wo der Chitose-Fluss den See verlässt; weitere Thermalhotels liegen in Marukoma und Okotan direkt am Ufer.
Landschaft und Entstehung
Die Shikotsu-Caldera entstand bei einem gewaltigen Ausbruch vor etwa 40.000 Jahren, dessen pyroklastische Ströme große Teile der Ishikari-Ebene bedeckten – auch den Boden, auf dem heute Sapporo und Chitose stehen. Auf dem Rand wuchsen jüngere Vulkane: Eniwa-dake (1.320 m), Fuppushi-dake (1.102 m) und Tarumae-zan (1.041 m), dessen Lavadom 1909 entstand und der zu den aktiven Vulkanen Hokkaidos zählt.
Höhepunkte
Tarumae-zan
樽前山Tarumae-zanAktiver Vulkan mit markantem Lavadom, beliebte Halbtageswanderung ab der siebten Station.
Eniwa-dake
恵庭岳Eniwa-dakeSteiler Vulkan am Nordufer, Schauplatz der Abfahrtsläufe der Olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo.
Koke no Dōmon
苔の洞門Koke no DōmonEnge, moosbewachsene Schlucht nahe dem Südufer; nach Felsstürzen ist der Zugang eingeschränkt.
Yamasen-Eisenbahnbrücke
山線鉄橋Yamasen TekkyōAlte stählerne Eisenbahnbrücke am Seeabfluss in Shikotsuko Onsen, heute Fußgängerbrücke.
Marukoma Onsen
丸駒温泉Marukoma OnsenThermalquelle am Nordwestufer mit Naturbecken auf Höhe des Seespiegels.
Ökologie
Im kalten, nährstoffarmen Wasser leben eingesetzte Kokanee-Lachse, hier Chippu genannt. Der umgebende Wald ist subarktischer Mischwald; große Teile wurden 1954 von einem Taifun niedergeworfen und sind seither nachgewachsen.
Flora
Mischwald
Sachalin-Tanne, Ajan-Fichte, Birke und Ahorn an den Calderawänden.
Fauna
Kokanee-Lachs
チップchippuÖrtlicher Name für den Kokanee (Himemasu), 1894 aus dem Akan-See eingesetzt; Angelsaison ist im Frühsommer.
Ezo-Braunbär
Kommt in den Wäldern des Nationalparks vor.
Kultur
Der Name stammt vom Ainu-Wort shikot, „große Senke“, ursprünglich der Name des heutigen Chitose-Flusses. Der See ist Naherholungsgebiet der Region Sapporo; sein Eisfest mit Skulpturen aus aufgesprühtem Seewasser gehört zu den bekanntesten Veranstaltungen des Winters auf Hokkaido.
Eisfest Chitose-Shikotsu-See
千歳・支笏湖氷濤まつりChitose-Shikotsuko Hyōtō MatsuriWinterfest von Ende Januar bis in den Februar mit Eisbauten, die das Seewasser bläulich färbt.
Geschichte
vor ca. 40.000 Jahren
Ein gewaltiger Ausbruch lässt die Shikotsu-Caldera entstehen.
1894
Kokanee-Lachse werden aus dem Akan-See eingesetzt.
1909
Bei einem Ausbruch bildet sich der Lavadom des Tarumae-zan.
1949
Ausweisung des Nationalparks Shikotsu-Toya.
1972
Auf dem Eniwa-dake finden die Abfahrtsläufe der Olympischen Winterspiele von Sapporo statt.
Im Lauf der Jahreszeiten
Frühling
Auf den Vulkanen liegt Schnee bis in den Mai; im Frühsommer beginnt die Angelsaison auf Kokanee.
Sommer
Kanufahren, Tauchen und Glasbodenboote auf dem klaren Wasser; Wanderungen auf den Tarumae-zan.
Herbst
Herbstlaub im Oktober am Calderarand und entlang des Chitose-Flusses.
Winter
Der See bleibt eisfrei; ab Ende Januar lockt das Eisfest.
Routen und Wege
Tarumae-zan ab der siebten Station
Rund dreistündige Tour zum äußeren Kraterrand mit Blick auf See und Pazifik.
Eniwa-dake
Steiler Aufstieg vom Nordufer; der letzte Abschnitt führt über loses Vulkangestein.
Bootsfahrt
Boote mit Unterwasserfenstern ab Shikotsuko Onsen zeigen die überfluteten Calderawände.
Praktische Hinweise
- Busse fahren vom Flughafen Neu-Chitose und vom Bahnhof Chitose in weniger als einer Stunde nach Shikotsuko Onsen.
- Vor Wanderungen die Vulkanwarnstufe des Tarumae-zan prüfen.
- Das Wasser ist ganzjährig kalt und schon nahe am Ufer tief.
Häufige Fragen
Friert der Shikotsu-See zu?
Fast nie. Das große Volumen an Tiefenwasser speichert genug Wärme; er ist der nördlichste nicht zufrierende See Japans.
Wie weit ist der Shikotsu-See von Sapporo entfernt?
Etwa eine Stunde mit dem Auto; vom Flughafen Neu-Chitose sind es rund 40 Minuten.
Wie tief ist der Shikotsu-See?
Rund 360 Meter – in Japan nur vom Tazawa-See übertroffen.
Was ist Chippu?
Der örtliche Name für den Kokanee-Lachs des Shikotsu-Sees, der im Frühsommer als Sashimi oder gegrillt gegessen wird.
Weiterlesen
Quellen
- 1.統計FAQ 日本の湖沼の面積 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局
- 2.支笏洞爺国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
- 3.千歳市 (öffnet in neuem Tab) — 千歳市