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Japan

Nationalparks · Hokkaido

Nationalpark Rishiri-Rebun-Sarobetsu

利尻礼文サロベツ国立公園りしりれぶんさろべつこくりつこうえんRishiri-Rebun-Sarobetsu Kokuritsu Kōen

Alpenflora auf Meereshöhe am Nordrand Japans

Rishiri-Rebun-Sarobetsu ist der nördlichste Nationalpark Japans und verbindet zwei Inseln im Japanischen Meer vor Wakkanai mit dem Sarobetsu-Moor auf dem Festland Hokkaidos. Seit 1974 geschützt, ist er für den fast vollkommenen Vulkankegel Rishiris und für Alpenblumen bekannt, die auf Rebun beinahe auf Meereshöhe blühen.

Höhe: 1.721 mFläche: 245,12 km²Nationalpark · 1974Ramsar-Feuchtgebiet · 2005

Überblick

Der Park liegt an der Nordspitze Hokkaidos und besteht aus drei sehr unterschiedlichen Teilen. Rishiri ist eine runde Insel, die ganz aus einem 1.721 m hohen Schichtvulkan besteht. Das lang gestreckte, flache Rebun nordwestlich davon ist aus älterem Gestein aufgebaut und für Wiesen voller Alpenpflanzen bekannt, die fast auf Meereshöhe gedeihen. Auf dem Festland bilden das Sarobetsu-Moor und die Dünenküste von Wakkasakanai eines der größten Torfgebiete Japans.

Prägend ist die nördliche Lage. Kalte Winde vom Japanischen und vom Ochotskischen Meer halten die Sommer kurz und kühl, sodass Arten, die in Zentraljapan erst oberhalb von 2.500 m wachsen, hier auf grasigen Klippen blühen. Einige, etwa der Rebun-Frauenschuh und der Rishiri-Mohn, kommen nirgends sonst vor.

1965 zunächst als Quasi-Nationalpark Rishiri-Rebun geschützt, wurde das Gebiet 1974 unter Einbeziehung der Sarobetsu-Ebene zum Nationalpark erhoben. Die Fischerorte der Inseln mit ihren Trockengestellen für Seetang liegen am Rand der Schutzgebiete.

Landschaft und Entstehung

Der Rishiri-zan ist ein Schichtvulkan, dessen letzte Ausbrüche einige tausend Jahre zurückliegen. Die Erosion hat tiefe Rinnen in den Gipfelkegel gegraben und einen scharfen Grat hinterlassen; an den unteren Hängen liegen kleine Krater- und Maarseen wie Himenuma und Otatomari-numa, Lavaströme reichen rundum bis an die Küste.

Rebun ist nicht vulkanisch, sondern eine gehobene Scholle aus Gesteinen der Kreide und des Neogens – im Osten sanft, im Westen mit steilen Kliffs, an denen Wind und Wellen Kaps wie Sukoton und Gorota geformt haben. Das Sarobetsu-Moor entstand nach dem Rückgang des Meeresspiegels hinter einem Dünengürtel; über Jahrtausende hat sich mehrere Meter Torf angesammelt, zwischen den Dünenrücken von Wakkasakanai liegen kleine Seen aufgereiht.

Höhepunkte

  • Rishiri-zan

    利尻山Rishiri-zan

    Der 1.721 m hohe Vulkan, der die ganze Insel Rishiri bildet; einer der 100 berühmten Berge Japans.

  • Insel Rebun

    礼文島Rebun-tō

    Die „schwimmende Blumeninsel“ mit Wanderwegen entlang der Westkliffs durch alpine Wiesen.

  • Sarobetsu-Moor

    サロベツ原野Sarobetsu Gen'ya

    Küstennahes Torfmoor mit Holzstegen und Blick auf Rishiri jenseits des Meeres; seit 2005 Ramsar-Gebiet.

  • Himenuma und Otatomari-numa

    姫沼・オタトマリ沼Himenuma, Otatomari-numa

    Kleine Waldseen am Fuß des Rishiri-zan mit Rundwegen und Spiegelbild des Gipfels.

  • Kap Sukoton

    スコトン岬Sukoton-misaki

    Nordspitze Rebuns gegenüber der kleinen Insel Todo-jima.

  • Momoiwa

    桃岩Momoiwa

    Ein Dom aus vulkanischem Gestein an der Westküste Rebuns, umgeben von den blütenreichsten Wiesen der Insel.

Natur

Ökologie

Auf den Inseln treffen nördliche und japanische Flora zusammen. Wind, Nebel und der kurze Sommer erlauben alpinen und subarktischen Arten das Wachstum in tiefen Lagen; auf Rebun sind rund 300 Blütenpflanzen nachgewiesen, darunter Arten, die sonst auf Sachalin und den Kurilen vorkommen. An den oberen Hängen des Rishiri wachsen Ermans Birke und Kriechkiefer über Wäldern aus Sachalin-Tanne und Fichte.

Sarobetsu ist ein Moor im Übergang vom Seggenried zum Torfmoos-Hochmoor. Entwässerung für die Landwirtschaft ließ im 20. Jahrhundert Teile austrocknen; Renaturierungsmaßnahmen sollen den Grundwasserspiegel wieder anheben. Singschwäne und Gänse rasten im Frühjahr und Herbst auf den Seen.

Flora

  • Rebun-Frauenschuh

    レブンアツモリソウRebun-atsumorisō

    Cremefarbene Orchidee, die nur auf Rebun wächst und nach starker Wilderei streng geschützt ist; Blüte Ende Mai bis Juni.

  • Rebun-Edelweiß

    レブンウスユキソウRebun-usuyukisō

    Kleines Edelweiß der Grashänge Rebuns, Blüte im Hochsommer.

  • Rishiri-Mohn

    リシリヒナゲシRishiri-hinageshi

    Gelber Mohn, der nur im Schutt des oberen Rishiri-zan vorkommt – einer der seltensten einheimischen Mohne Japans.

  • Gelbe Taglilie

    エゾカンゾウEzo-kanzō

    Überzieht im Juni und Juli das Sarobetsu-Moor und die Hänge Rebuns mit orangegelben Blüten.

Fauna

  • Rishiri-Rötelmaus

    リシリムクゲネズミRishiri-mukuge-nezumi

    Eine nur auf Rishiri lebende Wühlmaus, isoliert von ihren Verwandten auf dem Festland.

  • Waldeidechse

    コモチカナヘビkomochi-kanahebi

    Die lebendgebärende Eidechse kommt in Japan nur im äußersten Norden Hokkaidos vor, unter anderem in Sarobetsu.

  • Schwäne und Gänse

    Singschwäne und Saatgänse rasten während des Zuges im Frühjahr und Herbst auf den Seen der Sarobetsu-Ebene.

  • Seevögel

    Japanmöwen und andere Seevögel brüten an den Kliffs Rebuns und auf der Insel vor dem Kap Sukoton.

Kultur

Beide Inseln wurden schon von den prähistorischen Kulturen der Jōmon-Zeit und der Ochotsk-Kultur genutzt; die Fundstätte Funadomari auf Rebun lieferte Gräber und Muschelschmuck aus der Jōmon-Zeit. Seit der Edo-Zeit waren die Inseln Heringsfanggründe; als der Hering Mitte des 20. Jahrhunderts ausblieb, verlegte man sich auf Seetang und Seeigel. Rishiri-Kombu gilt in ganz Japan als erstklassige Grundlage für Dashi, die japanische Brühe.

1848 landete der Amerikaner Ranald MacDonald bewusst auf Rishiri, obwohl Ausländern im abgeschlossenen Japan Haft drohte. Nach Nagasaki gebracht, unterrichtete er dort Dolmetscher im Englischen und gilt als erster englischer Muttersprachler, der in Japan lehrte; ein Denkmal auf der Insel erinnert an ihn.

  • Fundstätte Funadomari

    船泊遺跡Funadomari iseki

    Jōmon-zeitliche Siedlung im Norden Rebuns, bekannt für Muschelperlen und gut erhaltene Bestattungen.

  • Denkmal für Ranald MacDonald

    Gedenkstein auf Rishiri an der Stelle, an der MacDonald 1848 an Land ging.

  • Sarobetsu Mire Center

    サロベツ湿原センターSarobetsu Shitsugen Sentā

    Besucherzentrum in Toyotomi mit einem Rundsteg durch das Moor.

Geschichte

  1. Jōmon-Zeit

    Besiedlung Rebuns; die Fundstätte Funadomari belegt Fernhandel mit Muscheln und Stein.

  2. ca. 5.–12. Jh.

    Die auf Meeressäugerjagd spezialisierte Ochotsk-Kultur bewohnt die Küsten der Inseln.

  3. Edo-Zeit

    Das Fürstentum Matsumae organisiert Herings- und Kombufang rund um die Inseln.

  4. 1848

    Ranald MacDonald landet auf Rishiri und wird nach Nagasaki gebracht, wo er Englisch unterrichtet.

  5. 1965

    Rishiri und Rebun werden Quasi-Nationalpark.

  6. 1974

    Erhebung zum Nationalpark am 20. September unter Einschluss der Sarobetsu-Ebene.

  7. 2005

    Das Sarobetsu-Moor wird als Ramsar-Feuchtgebiet ausgewiesen.

Im Lauf der Jahreszeiten

Frühling

Auf dem Rishiri-zan liegt Schnee bis in den Juni; auf Rebun erscheinen ab Ende Mai die ersten Blumen und der Rebun-Frauenschuh.

Sommer

Hauptsaison von Juni bis August: Blumenwege auf Rebun, Bergsaison am Rishiri-zan, Taglilien in Sarobetsu. Seenebel ist häufig.

Herbst

Schwäne und Gänse ziehen durch Sarobetsu; auf den Inseln wird es ruhig, ab Oktober frischen die Winde auf.

Winter

Lang, schneereich und stürmisch mit kräftigen Nordwestwinden; Fähren verkehren seltener und fallen mitunter aus. Den Rishiri-zan besteigen dann nur erfahrene Winterbergsteiger.

Routen und Wege

  • Rishiri-zan über die Oshidomari-Route

    Hauptaufstieg vom Zeltplatz Hokumen durch Wald und Geröll zum Nordgipfel; 9 bis 11 Stunden hin und zurück.

  • Achtstundenweg auf Rebun

    Langer Küstenweg vom Kap Sukoton die Westküste hinab, mit steilen Abschnitten und Strandpassagen; nur bei gutem Wetter.

  • Momoiwa-Aussichtsweg

    Halbtägige Gratwanderung von Kafuka über den Momoiwa zum Kap Motochi durch dichte Blumenwiesen.

  • Holzsteg in Sarobetsu

    Ebener Rundweg ab dem Sarobetsu Mire Center, für alle geeignet.

  • Rundfahrt um Rishiri

    Eine rund 60 km lange Straße umrundet die Insel, im Norden und Westen begleitet von einem Radweg.

Praktische Hinweise

  • Ausgangspunkt ist Wakkanai, erreichbar per Flug aus Tokio und Sapporo oder mit dem JR-Expresszug ab Sapporo in etwa fünf Stunden.
  • Seegang kann Fähren zu jeder Jahreszeit ausfallen lassen; bei Anschlussflügen Pufferzeit einplanen.
  • Die seltenen Pflanzen stehen unter Schutz: auf den Wegen bleiben, nichts pflücken oder ausgraben.
  • Am Rishiri-zan genügend Wasser mitnehmen, oberhalb der unteren Hänge gibt es keine verlässliche Quelle; am Gipfel herrscht oft ganz anderes Wetter als an der Küste.

Häufige Fragen

Wie kommt man nach Rishiri und Rebun?

Fähren verbinden Wakkanai mit Oshidomari und Kutsugata auf Rishiri sowie Kafuka auf Rebun, Fahrzeit etwa anderthalb bis zwei Stunden; zwischen den Inseln verkehrt ebenfalls eine Fähre. Rishiri hat zudem einen kleinen Flughafen.

Wann blühen die Blumen auf Rebun?

Die Saison reicht von Ende Mai bis August mit Höhepunkt im Juni und Juli. Der Rebun-Frauenschuh blüht von Ende Mai bis in den Juni, das Rebun-Edelweiß im Hochsommer.

Wie anspruchsvoll ist der Rishiri-zan?

Die Normalroute ab Oshidomari überwindet rund 1.500 Höhenmeter und dauert hin und zurück 9 bis 11 Stunden. Der Gipfelgrat ist steil und brüchig, der eigentliche Hauptgipfel Minami-mine ist gesperrt.

Was ist das Sarobetsu-Moor?

Ein Torfmoor mit Hoch- und Niedermooren in der Küstenebene südlich von Wakkanai, seit 2005 Ramsar-Gebiet. Im Sommer blühen dort gelbe Taglilien, über dem Meer steht der Kegel des Rishiri.

Warum heißt Rishiri auch Rishiri-Fuji?

Vom Meer oder von Sarobetsu aus erscheint die Insel als ein einziger ebenmäßiger Vulkankegel, der direkt aus dem Wasser aufsteigt – ähnlich dem Fuji.

Quellen

  1. 1.利尻礼文サロベツ国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
  2. 2.国立公園の概要 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
  3. 3.Rishiri-Rebun-Sarobetsu National Park (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment, Japan
  4. 4.Ramsar Sites Information Service (öffnet in neuem Tab) — Ramsar Convention Secretariat

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