Saitama · Kernstadt
Kawagoe
川越市かわごえしKawagoe-shiKlein-Edo vor den Toren Tokios
Kawagoe ist eine frühere Burgstadt im Süden der Präfektur Saitama, rund 30 Minuten von Ikebukuro in Tokio, mit dem Beinamen Koedo, „Klein-Edo“. Straßen lehmverputzter Kaufmannsspeicher, der Glockenturm Toki no Kane und der Tempel Kitain bewahren das Bild einer Handelsstadt der Edo-Zeit.
Überblick
Kawagoe entstand am Nordrand der Musashino-Terrasse, wo der Shingashi einen Wasserweg nach Edo bot. Als Burgstadt, die den nördlichen Zugang zur Hauptstadt des Shoguns sicherte, wurde es verlässlichen Tokugawa-Vasallen anvertraut; seine Kaufleute wurden reich, indem sie Reis, Holz und Waren flussabwärts nach Edo verschifften. Die enge Verbindung brachte ihm den Namen Koedo, „Klein-Edo“, ein.
Das charakteristische Straßenbild stammt aus der Zeit nach einem Großbrand 1893. Die Kaufleute bauten ihre Läden als Kurazukuri wieder auf – schwere, feuerfeste Bauten mit dicken Lehmwänden, schwarzem Putz und mächtigen Ziegeldächern nach dem Vorbild der Speicherarchitektur Edos, die in Tokio selbst fast vollständig verschwunden ist. Die Straße Ichibangai mit ihren Seitengassen ist als Wichtiges Schutzgebiet für traditionelle Baugruppen ausgewiesen.
Heute ist Kawagoe eine große Pendlerstadt, doch der historische Kern, der Tempel Kitain mit Gebäuden aus der Burg Edo, der Palast der Burg Kawagoe und das herbstliche Festwagenfest machen es zu einem der beliebtesten Tagesausflüge ab Tokio.
Sehenswürdigkeiten
Kurazukuri-Straße
蔵造りの町並みKurazukuri no machinamiDie Hauptstraße Ichibangai mit schwarzwandigen Speicherläden aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Toki no Kane
時の鐘Toki no KaneHölzerner Glockenturm, erstmals im 17. Jahrhundert errichtet und nach 1893 erneuert; er schlägt noch viermal täglich die Stunde.
Kitain
喜多院KitainTendai-Tempel mit Hallen aus der Burg Edo – darunter das Geburtszimmer Iemitsus – und den Gohyaku Rakan, über 500 steinernen Buddha-Jüngern.
Honmaru Goten der Burg Kawagoe
川越城本丸御殿Kawagoe-jō Honmaru GotenTeil des Fürstenpalasts von 1848, einer von nur zwei erhaltenen Honmaru-Palästen Japans.
Hikawa-Schrein Kawagoe
川越氷川神社Kawagoe Hikawa JinjaAlter Schrein, beliebt für Gebete um eine gute Partnerschaft, mit großem Holz-Torii und sommerlicher Windspiel-Installation.
Kashiya Yokocho
菓子屋横丁Kashiya YokochōGasse altmodischer Süßwarenläden mit Dagashi, Bonbons und Süßkartoffel-Snacks.
Festmuseum Kawagoe
川越まつり会館Kawagoe Matsuri KaikanHalle mit zwei der turmhohen Festwagen und Filmen vom Kawagoe-Fest im Oktober.
Stadtviertel
Ichibangai
一番街IchibangaiDie Speicherstraße mit ihren Seitengassen, das Herz des historischen Kawagoe.
Taisho Roman Yume-dori
大正浪漫夢通りTaishō Rōman Yume-dōriEinkaufsstraße mit westlich inspirierten Fassaden des frühen 20. Jahrhunderts südlich des Speicherviertels.
Burg und Kitain
Der ruhigere Osten der Altstadt mit Burgpalast, Kitain und dem Schrein Senba Toshogu.
Bahnhofsviertel
Moderne Einkaufsstraßen um die Bahnhöfe Kawagoe und Hon-Kawagoe; die lange Crea Mall führt nach Norden zur Altstadt.
Geschichte
Die Burg Kawagoe errichteten 1457 Ota Dosei und sein Sohn Ota Dokan, die Erbauer der ersten Burg Edo, für die Ogigayatsu-Uesugi. 1546 gewannen die Hojo von Odawara mit einem berühmten Nachtangriff die Schlacht von Kawagoe und sicherten sich damit Musashi. Unter den Tokugawa hielten ranghohe Gefolgsleute wie Matsudaira Nobutsuna die Burg; er legte die Stadt neu an und verbesserte den Flusstransport nach Edo.
Der Abt Tenkai, Berater dreier Shogune, erneuerte den Tempel Kitain; nach einem Brand 1638 ließ Tokugawa Iemitsu Hallen der Burg Edo abbauen und dort wieder aufrichten. In der Meiji-Zeit blieb Kawagoe Handelszentrum. Nachdem der Brand von 1893 ein Drittel der Stadt zerstört hatte, entstanden die Kurazukuri-Straßen. 1922 wurde Kawagoe die erste Stadt der Präfektur Saitama.
1457
Ota Dosei und Ota Dokan erbauen die Burg Kawagoe.
1546
Die Hojo gewinnen die Schlacht von Kawagoe mit einem Nachtangriff auf die belagernden Uesugi.
1599
Der Mönch Tenkai wird Abt des Kitain.
1638
Nach einem Großbrand werden Gebäude der Burg Edo zum Kitain versetzt.
1639
Matsudaira Nobutsuna wird Fürst von Kawagoe und ordnet die Stadt neu.
1848
Der heutige Palast Honmaru Goten der Burg Kawagoe entsteht.
1893
Ein Großbrand zerstört weite Teile der Stadt; die Kaufleute bauen feuerfest im Kurazukuri-Stil neu.
1922
Kawagoe wird erste Stadt der Präfektur Saitama.
1999
Das Speicherviertel wird Wichtiges Schutzgebiet für traditionelle Baugruppen.
Kultur
Die Kaufmannskultur Kawagoes lebt in seinem Fest fort: Die Stadtviertel unterhalten turmhohe, prunkvoll geschmückte Festwagen, gekrönt von Puppen legendärer Helden. Treffen sich Wagen an Kreuzungen, liefern sich Musiker und Tänzer beim Hikkawase einen Wettstreit mit Trommeln und Flöten. Das Fest gehört zum UNESCO-Eintrag der Yama-, Hoko- und Yatai-Feste.
Feste
Kawagoe-Fest
川越まつりKawagoe MatsuriAm dritten Samstag und Sonntag im Oktober ziehen rund dreißig Festwagen durch die Altstadt, abends mit Hikkawase-Wettstreit.
Daruma-Markt am Kitain
喜多院だるま市Kitain Daruma-ichiAm 3. Januar verkaufen Stände rund um den Kitain Daruma für das neue Jahr.
Windspiel-Fest
縁むすび風鈴Enmusubi FūrinIm Sommer hängt der Hikawa-Schrein Tausende gläserne Windspiele entlang seiner Wege auf.
Essen
Süßkartoffeln
川越いもKawagoe imoKawagoes berühmtestes Erzeugnis – gebacken, als Chips, im Softeis und in traditionellen Süßigkeiten.
Aal
うなぎunagiGegrillter Aal auf Reis in alten Restaurants, die ihre Aale einst aus den Flüssen der Umgebung bezogen.
Dagashi
駄菓子dagashiBillige traditionelle Süßigkeiten und Knabbereien aus dem Kashiya Yokocho.
Craft-Bier
小江戸ビールKoedo bīruKawagoe ist für eine Craft-Brauerei bekannt, zu deren Sortiment ein Bier mit örtlicher Süßkartoffel gehört.
Unterwegs vor Ort
- Züge der Tobu-Tojo-Linie fahren von Ikebukuro in etwa 30 Minuten zu den Bahnhöfen Kawagoe und Kawagoeshi.
- Die Seibu-Shinjuku-Linie verbindet Seibu-Shinjuku in rund 45 Minuten mit Hon-Kawagoe, dem Bahnhof nächst der Altstadt.
- Die JR Kawagoe-Linie mit durchgehenden Zügen der Saikyo-Linie verbindet Kawagoe mit Omiya, Shinjuku und Shibuya.
- Die Altstadt liegt etwa 1,5 km nördlich der Bahnhöfe; man erreicht sie mit Rundbussen, Leihrädern oder zu Fuß.
Ausflüge
Hikawa-Schrein, Bonsai-Dorf und Eisenbahnmuseum in Omiya.
Schreine, Berge und die Schlucht von Nagatoro, erreichbar über die Seibu-Linien.
Zurück ins Zentrum Tokios direkt mit der Seibu-Shinjuku-Linie.
Weitere Städte der Präfektur
Häufige Fragen
Warum heißt Kawagoe „Klein-Edo“?
Wegen seiner engen wirtschaftlichen und politischen Bindung an Edo in der Tokugawa-Zeit und weil seine Speicherstraßen das Bild des alten Edo bewahren, das in Tokio fast verschwunden ist.
Wie lange fährt man von Tokio nach Kawagoe?
Etwa 30 Minuten ab Ikebukuro mit der Tobu-Tojo-Linie oder rund 45 Minuten ab Seibu-Shinjuku mit der Seibu-Shinjuku-Linie.
Wann läutet die Glocke Toki no Kane?
Viermal täglich, um 6, 12, 15 und 18 Uhr; ihr Klang zählt zu Japans „100 Klanglandschaften“.
Ist Kawagoe überlaufen?
An Wochenenden und während des Kawagoe-Fests im Oktober ist die Speicherstraße sehr voll; ruhiger ist es an Wochentagen am Vormittag.
Weiterlesen
Quellen
- 1.川越市ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 川越市 (Kawagoe City)
- 2.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局 (Statistics Bureau of Japan)
- 3.文化遺産オンライン (öffnet in neuem Tab) — 文化庁 (Agency for Cultural Affairs)
- 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO