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Japan

Japanisch lernen

Kanji

漢字かんじkanji

Bedeutung, Laut und Aufbau in einem Zeichen

Kanji sind die aus China stammenden Schriftzeichen des Japanischen; jedes trägt eine Bedeutung und meist mehrere Lesungen. Die amtliche Jōyō-Liste von 2010 umfasst 2.136 Zeichen für den allgemeinen Gebrauch, die man schrittweise zusammen mit dem Wortschatz lernt.

Kanji machen das geschriebene Japanisch anspruchsvoll – und lohnend. Jedes Zeichen verbindet eine Form, eine oder mehrere Bedeutungen und meist mehr als eine Aussprache. Einen großen Teil teilt das Japanische mit dem Chinesischen, viele Zeichen haben aber vereinfachte japanische Formen und andere Lesungen.

Eine Abkürzung gibt es nicht, wohl aber ein System. Die meisten Zeichen bestehen aus einer überschaubaren Zahl von Bausteinen. Sind diese vertraut, wirken neue Kanji nicht mehr wie ein Gewirr aus Strichen, sondern wie Kombinationen bekannter Teile.

Wie Zeichen aufgebaut sind

Nur wenige Kanji sind Piktogramme, also vereinfachte Bilder: 山 (Berg), 川 (Fluss), 木 (Baum), 日 (Sonne). Andere verbinden Begriffe: Zwei Bäume 林 ergeben einen Hain, drei 森 einen Wald. Die weitaus größte Gruppe sind jedoch Laut-Bedeutungs-Zeichen, bei denen ein Teil auf die Bedeutung und ein anderer auf die chinesische Aussprache hinweist.

Die Bestandteile, nach denen Wörterbücher Zeichen ordnen, heißen Radikale (Bushu). Das Wasserradikal 氵 steckt in 海 (Meer), 池 (Teich) und 泳 (schwimmen), das Menschenradikal 亻 in 休 (ausruhen) und 体 (Körper). Die häufigen Radikale zu lernen, ist der wirksamste erste Schritt.

  • Radikal

    部首bushu

    Der Bestandteil, unter dem ein Zeichen im Wörterbuch steht; traditionell unterscheidet man 214.

  • Strichfolge

    筆順hitsujun

    Die festgelegte Reihenfolge der Striche; sie hält die Handschrift einheitlich und ist für die Handschrifteingabe nötig.

  • Kokuji

    国字kokuji

    In Japan geschaffene Zeichen wie 働 (arbeiten), 峠 (Pass) und 畑 (Feld).

On- und Kun-Lesung

Die meisten Kanji haben mindestens zwei Arten von Lesungen. Die On-Lesung ist eine Anpassung der chinesischen Aussprache zur Zeit der Übernahme; manche Zeichen haben sogar mehrere On-Lesungen aus verschiedenen Epochen. Die Kun-Lesung ist ein einheimisch-japanisches Wort, das dem Zeichen zugeordnet wurde.

Als Faustregel gilt: Zusammensetzungen aus mehreren Kanji nutzen die On-Lesung, einzelne Kanji mit Okurigana die Kun-Lesung. 食 liest man in 食事 (shokuji, Mahlzeit) shoku, in 食べる (taberu, essen) aber ta. Ausnahmen gibt es viele; am besten lernt man die Lesung mit dem jeweiligen Wort.

KanjiBedeutungOn-LesungKun-LesungBeispiele
山Bergsanyama富士山 Fuji-san · 山 yama
水Wassersuimizu水曜日 suiyōbi · 水 mizu
生Leben, Geburtsei, shōi(kiru), u(mareru)先生 sensei · 生きる ikiru
行gehenkō, gyōi(ku), okona(u)銀行 ginkō · 行く iku

Wie viele Kanji es gibt – und wie viele man braucht

Große Wörterbücher verzeichnen Zehntausende Zeichen, die meisten davon selten. Maßstab für die Alltagsschriftlichkeit ist die Jōyō-Kanji-Liste, 2010 per Kabinettsbekanntmachung mit 2.136 Zeichen festgelegt. Die Grundschule deckt 1.026 davon ab, den Rest die Pflichtschulzeit.

Für Lernende bietet der Japanese-Language Proficiency Test (JLPT) eine grobe Orientierung, auch wenn seit der Reform von 2010 keine amtlichen Kanji-Listen mehr erscheinen. Häufig genannte Schätzungen auf Grundlage der alten Listen vor 2010 veranschlagen für N5 etwa 100 Zeichen und für N1 etwa 2.000.

Lernstrategien

Wer mit Kanji Erfolg hat, verbindet meist dreierlei: Kenntnis der Bausteine, um neue Zeichen zu zerlegen; Wortschatz, damit jedes Zeichen in echten Wörtern verankert ist; und verteilte Wiederholung, damit man kurz vor dem Vergessen wiederholt. Handschriftliches Schreiben hilft vielen beim Einprägen der Formen, auch wenn später fast alles am Gerät getippt wird.

Lektüren mit Furigana und später normale Texte mit Wörterbuch-App verbinden Zeichen mit Zusammenhang. Einzelne Zeichen mit sämtlichen Lesungen auswendig zu lernen, gilt dagegen als wenig effizient.

  • Verteilte Wiederholung

    Karteikartensysteme, die Wiederholungen in wachsenden Abständen planen; bei Kanji und Vokabeln weit verbreitet.

  • Lektüren für Lernende

    多読tadoku

    Leichte Lesetexte in mehreren Stufen für extensives Lesen.

  • Kalligrafie

    書道shodō

    Die Kunst des Pinselschreibens; für das Lesen nicht nötig, aber ein Weg, Strichfolge und Proportion zu verstehen.

Kanji in Japan und China

Japan vereinfachte nach 1946 viele Zeichen, unabhängig von der Schriftreform der Volksrepublik China ab den 1950er-Jahren. Japanische Formen weichen daher oft sowohl vom vereinfachten als auch vom traditionellen Chinesisch ab: 学 und 国 entsprechen dem vereinfachten Chinesisch, 売 und 気 sind dagegen japanische Formen. Wer chinesische Zeichen kennt, hat bei der Bedeutung einen Vorsprung, muss die japanischen Lesungen aber trotzdem lernen.

Häufige Fragen

Wie viele Kanji muss man können?

Maßstab für die Alltagsschriftlichkeit sind die 2.136 Jōyō-Kanji. Für einfache Texte genügen einige hundert; die vollständige Liste erarbeiten sich Lernende meist über mehrere Jahre.

Sollte man alle Lesungen eines Kanji auf einmal lernen?

Nein. Die meisten Lehrkräfte empfehlen, Lesungen über Wörter zu lernen. Jedes neue Wort verankert die passende Lesung im Zusammenhang; seltene Lesungen folgen später.

Gibt es eine offizielle Kanji-Liste für den JLPT?

Seit der Reform von 2010 nicht mehr. Die Angaben je Stufe in Lehrbüchern und Apps sind Schätzungen auf Grundlage der älteren Listen.

Muss man Kanji von Hand schreiben können?

Für Lesen und Tippen zählt vor allem das Wiedererkennen. Handschriftliches Üben hilft aber beim Einprägen und wird für Formulare und manche Prüfungen gebraucht.

Quellen

  1. 1.常用漢字表(平成22年内閣告示第2号) (öffnet in neuem Tab) — 文化庁 (Agency for Cultural Affairs)
  2. 2.学習指導要領(学年別漢字配当表) (öffnet in neuem Tab) — 文部科学省 (MEXT)
  3. 3.JLPT – Japanese-Language Proficiency Test: FAQ (öffnet in neuem Tab) — The Japan Foundation / JEES

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