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Japan

Künste

Kalligrafie

書道しょどうshodō

Pinsel, Tusche und ein einziger, unwiederholbarer Strich

Shodō, der „Weg des Schreibens“, ist die Kunst, chinesische Schriftzeichen und japanische Kana mit Pinsel und Tusche zu schreiben. Mit der Schrift aus China übernommen, entwickelte sie in der Heian-Zeit eigene japanische Stile und ist bis heute Schulfach und angesehene Kunst.

Die Schrift kam zusammen mit Buddhismus und konfuzianischer Gelehrsamkeit aus China nach Japan, und von Anfang an war ihre Ästhetik untrennbar mit dem Inhalt verbunden. Gebildete kopierten Sutren und chinesische Klassiker, und eine schöne Handschrift galt am Kaiserhof als Zeichen von Kultiviertheit. Der chinesische Meister Wang Xizhi aus dem 4. Jahrhundert blieb ein dauerhaftes Vorbild.

In der Heian-Zeit entwickelten japanische Kalligrafen einen eigenen, weicheren Stil (Wayō) und mit den Kana-Silbenschriften eine völlig neue Kunst fließender, verbundener Schrift für Gedichte. Später schufen Zen-Mönche eine spontane, kraftvolle Kalligrafie, die im Teeraum hochgeschätzt wird. Heute wird Shodō in der Schule gelehrt, von Millionen als Hobby betrieben und als zeitgenössische Kunst ausgestellt.

Schriftstile

Kalligrafen arbeiten mit fünf Hauptstilen chinesischer Schriftzeichen, die sich darin unterscheiden, wie stark Striche verkürzt und verbunden werden, sowie mit den japanischen Kana. Anfänger lernen zuerst die Normalschrift und arbeiten sich zu den Kursivformen vor.

  • Kaisho

    楷書kaisho

    Normal- oder Blockschrift, jeder Strich einzeln geschrieben; Grundlage der Druckzeichen.

  • Gyosho

    行書gyōsho

    Halbkursive „laufende“ Schrift mit teilweise verbundenen Strichen.

  • Sosho

    草書sōsho

    Kursive „Grasschrift“, stark verkürzt und fließend; ohne Übung kaum lesbar.

  • Reisho

    隷書reisho

    Kanzleischrift der chinesischen Han-Dynastie, breit und waagrecht betont.

  • Tensho

    篆書tensho

    Alte Siegelschrift, bis heute für Namensstempel (Inkan) verwendet.

  • Kana

    仮名kana

    Japanische Silbenschrift; Hiragana-Kalligrafie ist für ihre eleganten verbundenen Striche (Renmen) bekannt.

Meister

In der frühen Heian-Zeit wurden drei Kalligrafen im chinesischen Stil als Sanpitsu, die „drei Pinsel“, gefeiert: der Mönch Kūkai, Kaiser Saga und Tachibana no Hayanari. Im 10. und frühen 11. Jahrhundert begründeten die Sanseki, die „drei Spuren“, den japanischen Stil: Ono no Michikaze, Fujiwara no Sukemasa und Fujiwara no Yukinari, dessen Sesonji-Schule jahrhundertelang maßgeblich blieb.

Am Hof entstand auch die Kana-Kalligrafie auf verzierten Papieren für Gedichte in Anthologien wie dem Kokinshū. In der Kamakura- und Muromachi-Zeit brachten Zen-Mönche die kühne, unmittelbare Kalligrafie (Bokuseki) chinesischer Chan-Meister mit, und in der Edo-Zeit schufen Hon'ami Kōetsu und der Zen-Mönch Hakuin einige der eigenständigsten Werke der japanischen Kunst.

  • Kukai

    空海Kūkai

    Begründer des Shingon-Buddhismus (774–835) und legendärer Kalligraf, einer der Sanpitsu.

  • Ono no Michikaze

    小野道風Ono no Michikaze

    Begründer des japanischen Stils (Wayō) im 10. Jahrhundert, einer der Sanseki.

  • Fujiwara no Yukinari

    藤原行成Fujiwara no Yukinari

    Höfling (972–1028), dessen verfeinerte Hand eine lange Linie von Hofkalligrafen begründete.

  • Hakuin Ekaku

    白隠慧鶴Hakuin Ekaku

    Rinzai-Zen-Meister (1686–1769), dessen kraftvolle Kalligrafien und Tuschbilder Zen dem einfachen Volk nahebrachten.

Die vier Schätze

Die traditionelle Kalligrafie verwendet vier Werkzeuge, die „vier Schätze des Studierzimmers“ (Bunbō shihō). Die Tusche wird frisch angerieben, indem man einen Tuschestab mit Wasser auf einem Reibstein reibt – eine stille Vorbereitung, die zur Übung gehört. Für jedes Werkzeug gibt es in Japan berühmte Herstellungsorte.

  • Fude

    筆fude

    Pinsel aus Tierhaar; die Stadt Kumano in der Präfektur Hiroshima stellt die meisten japanischen Pinsel her.

  • Sumi

    墨sumi

    Tuschestab aus Ruß und tierischem Leim; Nara stellt seit dem Mittelalter den Großteil der traditionellen Stangentusche Japans her.

  • Suzuri

    硯suzuri

    Reibstein; Akama-Stein aus Shimonoseki ist eine bekannte japanische Sorte.

  • Washi

    和紙washi

    Handgeschöpftes japanisches Papier; drei regionale Washi-Traditionen wurden 2014 immaterielles UNESCO-Kulturerbe.

Kalligrafie heute

Japanische Kinder lernen Pinselschrift (Shūji oder Shosha) im Rahmen des Schulunterrichts. Am 2. Januar oder in den ersten Tagen des Jahres schreiben viele Menschen Kakizome, die erste Kalligrafie des Jahres, oft einen glückverheißenden Spruch; Schulen und Zeitungen veranstalten Wettbewerbe. Kalligrafievereine zeigen regelmäßig große Ausstellungen, und Performance-Kalligrafie mit riesigen Pinseln zu Musik ist bei Schul-AGs beliebt geworden.

Kalligrafie hängt als Rolle in der Bildnische traditioneller Räume und Teeräume, ziert Ladenschilder und Tempeltore und findet sich in den mit Zinnoberstempel versehenen Tempelsiegeln (Goshuin), die Besucher sammeln.

  • Kakizome

    書き初めkakizome

    Die erste Kalligrafie des neuen Jahres.

  • Enso

    円相ensō

    Ein in einem Zug gezogener Kreis, im Zen Sinnbild für Erleuchtung und Universum.

  • Goshuin

    御朱印goshuin

    Tempel- oder Schreinsiegel mit handgeschriebener Kalligrafie im Buch des Besuchers.

Zeitleiste

  1. 5.–7. Jh.

    Chinesische Schrift und buddhistische Sutren erreichen Japan über die koreanische Halbinsel.

  2. frühes 9. Jh.

    Kūkai, Kaiser Saga und Tachibana no Hayanari, die Sanpitsu, schreiben im chinesischen Stil.

  3. 10.–11. Jh.

    Die Sanseki begründen den japanischen Stil; am Hof blüht die Kana-Kalligrafie.

  4. 13.–14. Jh.

    Zen-Mönche bringen die Chan-Kalligrafie (Bokuseki) aus China mit.

  5. Edo-Zeit

    Kalligrafie wird in Tempelschulen (Terakoya) breit unterrichtet.

  6. 2014

    Traditionen des handgeschöpften Washi-Papiers werden immaterielles UNESCO-Kulturerbe.

Häufige Fragen

Was unterscheidet Shodō von Shūji?

Shūji ist das korrekte, saubere Schreiben von Zeichen mit dem Pinsel, wie es in der Schule gelehrt wird. Shodō ist Kalligrafie als Kunstform mit mehr Raum für persönlichen Ausdruck.

Muss man Japanisch können, um Kalligrafie zu lernen?

Nein. Die Pinseltechnik lässt sich durch Kopieren von Vorlagen lernen, auch wenn Kenntnis der Zeichen und ihrer Strichfolge sehr hilft.

Warum ist die Strichfolge wichtig?

Die Strichfolge bestimmt Rhythmus und Gleichgewicht eines Zeichens, und in den Kursivschriften hängen die Verbindungen zwischen den Strichen davon ab.

Wo kann man japanische Kalligrafie sehen?

Bedeutende Sammlungen besitzen das Nationalmuseum Tokio und das Nationalmuseum Kyoto; viele Zen-Tempel zeigen Kalligrafien in ihren Hallen und Teeräumen.

Quellen

  1. 1.文化庁 (öffnet in neuem Tab) — Agency for Cultural Affairs
  2. 2.東京国立博物館 (öffnet in neuem Tab) — Tokyo National Museum
  3. 3.Japan – Intangible Cultural Heritage elements (öffnet in neuem Tab) — UNESCO Intangible Cultural Heritage

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