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Japan

Künste

Teezeremonie

茶道さどうsadō

Eine Schale Tee als umfassende Kunst der Gastfreundschaft

Die japanische Teezeremonie, Chanoyu oder Sadō, ist das ritualisierte Zubereiten und Servieren von pulverisiertem grünem Tee (Matcha) für Gäste. Im 16. Jahrhundert von Sen no Rikyū nach der Ästhetik des Wabi geprägt, verbindet sie Gastfreundschaft mit Architektur, Keramik, Kalligrafie, Blumen und Speisen.

Pulvertee kam mit Zen-Mönchen aus dem China der Song-Zeit nach Japan und wurde in Klöstern getrunken, um bei der Meditation wach zu bleiben. In der Kriegerelite des 14. und 15. Jahrhunderts stand er im Mittelpunkt prunkvoller Zusammenkünfte mit Rateturnieren und kostbaren chinesischen Geräten. Ab dem späten 15. Jahrhundert schlugen Teemeister den entgegengesetzten Weg ein: kleine Räume, schlichte japanische Gefäße und stille Aufmerksamkeit.

Diesen „Tee des Wabi“ (Wabi-cha) vollendete Sen no Rikyū, Teemeister der Kriegsherren Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi. Seine Nachkommen gründeten die drei Senke-Schulen, die mit vielen anderen den Teeweg bis heute lehren. Eine Teezusammenkunft ist ein kleines, sorgfältig komponiertes Ereignis, bei dem Gastgeber und Gäste einen Augenblick teilen, der nicht wiederkehrt.

Schritt für Schritt

  1. 1Die Süßigkeit annehmenWird Süßes gereicht, verneigt man sich, nimmt ein Stück auf das eigene Papier (Kaishi) und isst es, bevor der Tee kommt.
  2. 2Die anderen Gäste grüßenSteht die Schale vor einem, verneigt man sich zum Gastgeber, stellt sie dann zwischen sich und den nächsten Gast und entschuldigt sich, zuerst zu trinken.
  3. 3Die Schale drehenDie Schale auf die linke Handfläche setzen, mit der rechten Hand halten und zweimal im Uhrzeigersinn drehen, sodass ihre Schauseite von einem weg zeigt.
  4. 4TrinkenDen Tee in wenigen Schlucken trinken und mit einem leisen Schlürfen zeigen, dass die Schale leer ist.
  5. 5Abwischen und zurückgebenDen Rand, an dem man getrunken hat, mit den Fingern abwischen, die Schale zurückdrehen, kurz betrachten und dem Gastgeber mit der Schauseite zu ihm zurückgeben.

Ursprünge und Sen no Rikyū

Murata Jukō (1423–1502) gilt als derjenige, der den Tee mit Zen-Idealen verband und raue japanische und koreanische Schalen makellosen chinesischen Stücken vorzog. Takeno Jōō (1502–1555), ein Kaufmann aus Sakai, vertiefte die Wabi-Ästhetik; sein Schüler Sen no Rikyū (1522–1591), ebenfalls aus Sakai, vollendete sie. Rikyū entwarf winzige Teeräume mit niedrigem Kriecheingang (Nijiriguchi), durch den sich jeder Gast verneigen musste, ließ schlichte schwarze und rote Raku-Schalen fertigen und nutzte Alltagsgegenstände als Geräte.

Hideyoshi setzte den Tee politisch ein: 1587 veranstaltete er die für alle offene Große Teezusammenkunft von Kitano und ließ sich einen tragbaren goldenen Teeraum bauen. 1591 befahl er Rikyū den rituellen Selbstmord – die Gründe sind bis heute umstritten. Rikyūs Enkel Sōtan gab die Tradition an seine Söhne weiter, die in Kyoto die drei Senke-Häuser gründeten.

Schulen

Tee wird in erblichen Schulen (Ryūha) gelehrt, an deren Spitze jeweils ein Großmeister (Iemoto) steht, der die Tradition bewahrt und Lehrlizenzen vergibt. Die Unterschiede liegen in Details der Bewegung, der Handhabung der Geräte und im Aufschlagen des Tees. Neben den drei Senke-Schulen gibt es Schulen im Kriegerstil, die auf Teemeister im Dienst von Feudalfürsten zurückgehen.

  • Omotesenke

    表千家Omotesenke

    Die Hauptlinie der Familie Sen mit Sitz im Fushin'an in Kyoto.

  • Urasenke

    裏千家Urasenke

    Die größte Schule mit Sitz im Konnichian in Kyoto und Zweigstellen weltweit.

  • Mushakojisenke

    武者小路千家Mushakōjisenke

    Das dritte Senke-Haus, benannt nach seiner Straße in Kyoto.

  • Enshu-ryu

    遠州流Enshū-ryū

    Schule des Krieger-Teemeisters und Gartengestalters Kobori Enshū (1579–1647), bekannt für „elegantes Wabi“.

  • Yabunouchi-ryu

    藪内流Yabunouchi-ryū

    Kyotoer Schule, gegründet von einem Mitschüler Rikyūs bei Takeno Jōō.

Teeraum und Geräte

Der klassische Teeraum (Chashitsu) ist klein, oft viereinhalb Tatami-Matten groß, mit einer Bildnische (Tokonoma) für eine Hängerolle und ein schlichtes Blumenarrangement (Chabana). Die Gäste erreichen ihn durch einen Teegarten (Roji) mit Trittsteinen und einem Steinbecken zum Reinigen von Händen und Mund. Viele Geräte werden für jede Zusammenkunft passend zu Jahreszeit und Thema ausgewählt und von den Gästen als Teil der Zeremonie betrachtet.

  • Chawan

    茶碗chawan

    Teeschale; traditionell besonders geschätzt sind Raku-, Hagi- und Karatsu-Ware.

  • Chasen

    茶筅chasen

    Aus einem einzigen Stück Bambus geschnitzter Teebesen; Hauptherstellungsort ist Takayama in der Präfektur Nara.

  • Chashaku

    茶杓chashaku

    Schlanker Bambuslöffel für das Teepulver.

  • Natsume

    棗natsume

    Lackdose für dünnen Tee; dicker Tee wird in einem Keramikgefäß (Chaire) aufbewahrt.

  • Kama

    釜kama

    Eisenkessel über Holzkohle, im Winter in einer eingelassenen Feuerstelle, im Sommer auf einem Kohlebecken.

  • Kakemono

    掛物kakemono

    Hängerolle, oft Zen-Kalligrafie; gilt als wichtigster Gegenstand im Raum.

Dicker Tee, dünner Tee und die vollständige Zusammenkunft

Zwei Arten von Tee werden zubereitet. Für Koicha, dicken Tee, wird viel Matcha mit wenig Wasser zu einer glänzenden, zähflüssigen Masse verrührt und von mehreren Gästen aus einer Schale geteilt. Usucha, dünner Tee, wird leicht schaumig geschlagen und in Einzelschalen serviert. Vor beidem gibt es eine Süßigkeit.

Eine vollständige formelle Zusammenkunft (Chaji) dauert etwa vier Stunden: Vor den Augen der Gäste wird Holzkohle aufgelegt, dann folgen ein Kaiseki-Mahl, dicker und schließlich dünner Tee. Häufiger sind kürzere Teezusammenkünfte (Chakai) mit Süßigkeit und dünnem Tee; viele Tempel, Gärten und Kulturzentren bieten sie Besuchern an.

Ideale

Rikyūs Lehre wird oft in vier Wörtern zusammengefasst: Wa (Harmonie), Kei (Respekt), Sei (Reinheit) und Jaku (Stille). Der Ausdruck Ichigo ichie, „ein Mal, eine Begegnung“, besagt, dass jede Zusammenkunft einmalig ist und mit voller Aufrichtigkeit begangen werden soll; populär machte ihn im 19. Jahrhundert der Teemeister und Staatsmann Ii Naosuke.

Die Teezeremonie prägte den japanischen Geschmack weit über den Teeraum hinaus: Ihre Ästhetik beeinflusste Architektur (den Sukiya-Stil), Gartengestaltung, Keramik, Lackkunst, Küche und die Wertschätzung des Unvollkommenen und Gealterten.

  • Wabi

    侘wabi

    Schönheit im Schlichten, Kargen und Bescheidenen.

  • Ichigo ichie

    一期一会ichigo ichie

    „Ein Mal, eine Begegnung“: Jede Begegnung ist unwiederholbar.

  • Sukiya

    数寄屋sukiya

    Aus dem Teehaus abgeleiteter Baustil mit natürlichen Materialien und Zurückhaltung.

Zeitleiste

  1. 1191

    Eisai bringt Tee und Zen-Praktiken aus dem China der Song-Zeit mit.

  2. 14. Jh.

    Teeturniere (Tōcha) und die Zurschaustellung chinesischer Kostbarkeiten sind in der Kriegerelite beliebt.

  3. spätes 15. Jh.

    Murata Jukō entwickelt einen schlichteren, vom Zen inspirierten Teestil.

  4. 1587

    Toyotomi Hideyoshi veranstaltet die Große Teezusammenkunft von Kitano in Kyoto.

  5. 1591

    Sen no Rikyū wird zum Selbstmord gezwungen.

  6. 17. Jh.

    Rikyūs Urenkel begründen die Häuser Omotesenke, Urasenke und Mushakōjisenke.

  7. ab der Meiji-Zeit

    Tee wird Teil der Bildung, besonders für Frauen, und die Schulen verbreiten sich international.

Häufige Fragen

Was bedeuten Chanoyu, Sadō und Chadō?

Chanoyu („heißes Wasser für Tee“) ist der ältere Begriff für die Praxis. Sadō und Chadō sind zwei Lesungen von 茶道, „Weg des Tees“, und betonen den Charakter als Übungsweg.

Wo kann man als Besucher an einer Teezeremonie teilnehmen?

Viele Tempel, Gärten, Museen und Kulturzentren in Kyoto, Tokio, Kanazawa und anderswo bieten kurze Teeerlebnisse mit Süßigkeit und dünnem Tee an, manche mit englischer Erklärung.

Muss man bei der Teezeremonie knien?

Traditionell sitzen die Gäste im Seiza, kniend auf Tatami. Bei vielen Angeboten für Besucher darf man im Schneidersitz oder auf Stühlen sitzen; manche nutzen eine Tischform (Ryūrei).

Warum dreht man die Teeschale?

Der Gastgeber reicht die Schale mit ihrer verzierten Schauseite zum Gast. Durch das Drehen vermeidet man, von der Schauseite zu trinken – eine Geste der Bescheidenheit und des Respekts vor der Schale.

Kann man die Teezeremonie auch außerhalb Japans lernen?

Ja. Urasenke und andere Schulen haben Zweigstellen und Lehrende in vielen Ländern; Teehäuser in japanischen Gärten und Museen veranstalten zudem Vorführungen.

Quellen

  1. 1.裏千家今日庵 (öffnet in neuem Tab) — Urasenke Konnichian
  2. 2.表千家不審菴 (öffnet in neuem Tab) — Omotesenke Fushin'an
  3. 3.文化庁 (öffnet in neuem Tab) — Agency for Cultural Affairs

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