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Japan

Religion

Zen-Buddhismus

禅ぜんZen

Sitzen, Einsicht und eine prägende Kraft für Japans Künste

Zen ist die Schule des japanischen Buddhismus, die Sitzmeditation (zazen) und unmittelbare Einsicht über Schriftstudium und Ritual stellt. Im späten 12. und 13. Jahrhundert aus dem China der Song-Zeit übernommen, lebt er in drei Schulen fort – Rinzai, Sōtō und Ōbaku – und hat Gartenkunst, Teeweg, Tuschmalerei und Nō nachhaltig geprägt.

Das Wort Zen geht über das chinesische Chan auf das Sanskritwort dhyāna, Meditation, zurück. Die Schule beruft sich auf Bodhidharma (japanisch Daruma), einen indischen Mönch, der eine „besondere Überlieferung außerhalb der Schriften“ nach China gebracht haben soll – weitergegeben vom Meister an den Schüler, nicht aus Büchern gelernt. Nach Japan kam Zen als vollständige Klosterkultur: mit Ordensregeln, Baukunst, Kalligrafie, Tee und der chinesischen Gelehrsamkeit der Song-Dynastie.

Weil die Kriegerregierung in Kamakura und später die Ashikaga-Shōgune den Zen förderten, wurden seine Klöster zu Zentren von Diplomatie, Wissenschaft und Kunst. Im 20. Jahrhundert stellten Autoren wie D. T. Suzuki den Zen im Westen als Kern der japanischen Kultur dar. Das überschätzt seine Stellung innerhalb des japanischen Buddhismus – die Schulen des Reinen Landes sind größer –, trifft aber seinen tatsächlichen Einfluss auf die Künste.

Ankunft aus China

Meditation wurde in Japan schon seit der Nara-Zeit geübt, doch als eigenständige Schule kam Zen erst mit Eisai (auch Yōsai gelesen, 1141–1215). Der Tendai-Mönch reiste zweimal nach China und kehrte 1191 mit einer Rinzai-Überlieferung zurück. Er gründete in Hakata den Shōfuku-ji, der als erster Zen-Tempel Japans gilt, sowie den Kennin-ji in Kyoto und verfasste eine Schrift über die gesundheitliche Wirkung des Tees. Wegen des Widerstands vom Berg Hiei stellte er Zen als vereinbar mit Tendai und esoterischem Buddhismus dar.

Dōgen (1200–1253) lehnte solche Kompromisse nach vier Jahren in China ab. Für ihn war die Sitzmeditation nicht Mittel zur Erleuchtung, sondern deren Ausdruck selbst. Er zog sich in die Berge der Provinz Echizen zurück und gründete 1244 den Eihei-ji; seine im Shōbōgenzō gesammelten Schriften zählen zu den anspruchsvollsten Werken japanischer Philosophie. Chinesische Meister, die die Hōjō-Regenten nach Kamakura einluden – etwa Lanxi Daolong am Kenchō-ji und Wuxue Zuyuan am Engaku-ji –, vollendeten die Verpflanzung des Song-zeitlichen Chan.

Die drei Schulen

Der japanische Zen besteht heute aus drei Schulen, die Klosterregeln und Meditation teilen, sich aber in Methode und Geschichte unterscheiden. Jede gliedert sich in selbstständige Zweige (ha) mit je einem Haupttempel.

  • Rinzai

    臨済宗Rinzai-shū

    Setzt auf die Arbeit mit Kōan unter Anleitung eines Meisters, um ein plötzliches Erwachen (kenshō) herbeizuführen. Im 18. Jahrhundert von Hakuin Ekaku (1686–1769) erneuert, dessen Kōan-System alle Rinzai-Linien übernommen haben. Vierzehn Zweige, darunter Myōshin-ji, Nanzen-ji, Tenryū-ji, Daitoku-ji, Kenchō-ji und Engaku-ji.

  • Sōtō

    曹洞宗Sōtō-shū

    Folgt Dōgens „bloßem Sitzen“ (shikantaza) und verbreitete sich durch Keizan Jōkin (1268–1325) weit in ländlichen Gemeinden. Nach Zahl der Tempel eine der größten buddhistischen Schulen Japans, mit zwei Haupttempeln: Eihei-ji und Sōji-ji.

  • Ōbaku

    黄檗宗Ōbaku-shū

    Gegründet vom chinesischen Mönch Ingen Ryūki (Yinyuan Longqi), der 1654 in Nagasaki eintraf. Der Haupttempel Manpuku-ji in Uji bewahrt Architektur, Rezitationsweise und vegetarische Küche (fucha ryōri) der Ming-Zeit.

Praxis: Zazen, Kōan und Arbeit

Im Mittelpunkt steht Zazen, die Sitzmeditation, meist im vollen oder halben Lotossitz auf einem runden Kissen (zafu), die Augen halb geöffnet, die Aufmerksamkeit bei Haltung und Atem. Im Sōtō sitzt man mit dem Gesicht zur Wand, im Rinzai zur Mitte der Halle. Sitzperioden wechseln mit langsamem Gehen in Meditation (kinhin).

Der Rinzai ergänzt dies um das Kōan, einen paradoxen Fall aus dem Leben der chinesischen Meister. Am bekanntesten ist Zhaozhous Antwort „Mu“ („nein“) auf die Frage, ob ein Hund Buddha-Natur habe. Die Antwort trägt der Schüler dem Meister im Einzelgespräch (sanzen) vor; mit bloßem Nachdenken ist ein Kōan nicht zu lösen. In beiden Schulen gelten körperliche Arbeit (samu), das Essen in ritueller Stille und der genaue Tagesablauf des Klosters selbst als Übung.

  • Zazen

    座禅zazen

    Sitzmeditation, die bestimmende Praxis aller Zen-Schulen.

  • Kōan

    公案kōan

    Dialog oder Frage aus der Zen-Überlieferung, die begriffliches Denken durchbrechen soll.

  • Sesshin

    接心sesshin

    Mehrtägige Intensivzeit, fast ausschließlich der Meditation gewidmet.

  • Samu

    作務samu

    Körperliche Arbeit – Putzen, Gartenarbeit, Kochen – als Meditation verstanden.

  • Shōjin ryōri

    精進料理shōjin ryōri

    Vegetarische Tempelküche ohne Fleisch, Fisch und scharfe Laucharten; Dōgens Anweisungen für den Klosterkoch sind ein Klassiker.

Die Fünf Berge und die Zen-Kultur des Mittelalters

Unter dem Ashikaga-Shogunat wurden die führenden Rinzai-Klöster nach chinesischem Vorbild im System der Fünf Berge (gozan) geordnet – mit eigenen Rangfolgen für Kyoto und Kamakura und dem Nanzen-ji an der Spitze aller. Gozan-Mönche dienten dem Shogunat als Diplomaten und Sekretäre, dichteten auf Chinesisch und druckten Bücher; ihre Klöster waren der wichtigste Kanal für chinesische Kultur.

Außerhalb dieses offiziellen Systems pflegten die sogenannten Rinka-Tempel – vor allem Daitoku-ji und Myōshin-ji – eine strengere Praxis und fanden Förderer unter Kaufleuten und später den Kriegsherren. Der exzentrische Mönch Ikkyū Sōjun (1394–1481) vom Daitoku-ji wurde durch seine Dichtung und seine Verachtung der Konventionen zur Legende. Musō Soseki (1275–1351), Berater des ersten Ashikaga-Shōguns, gestaltete die Gärten von Tenryū-ji und Saihō-ji und begründete eine Tradition gartenbauender Mönche.

  • Nanzen-ji

    南禅寺Nanzen-ji

    1291 aus einer kaiserlichen Villa hervorgegangen und über die Fünf Berge von Kyoto und Kamakura gestellt.

  • Tenryū-ji

    天龍寺Tenryū-ji

    1339 von Ashikaga Takauji in Arashiyama gegründet, erster Abt war Musō Soseki; der Teichgarten gehört zum Welterbe Kyoto.

  • Daitoku-ji

    大徳寺Daitoku-ji

    Große Rinzai-Anlage im Norden Kyotos mit zahlreichen Untertempeln und enger Verbindung zu den Teemeistern, darunter Sen no Rikyū.

  • Kenchō-ji und Engaku-ji

    建長寺・円覚寺Kenchō-ji, Engaku-ji

    Die führenden Zen-Klöster Kamakuras, 1253 und 1282 unter den Hōjō-Regenten gegründet.

  • Eihei-ji

    永平寺Eihei-ji

    Dōgens Bergkloster in der Präfektur Fukui, bis heute eines der wichtigsten Ausbildungsklöster Japans.

Zen und die Künste

Viele Künste, die als typisch japanisch gelten, entstanden zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert in Zen-Klöstern oder in ihrem Umfeld. Trockenlandschaftsgärten (karesansui) aus geharktem Kies und Steinen wie die von Ryōan-ji und Daisen-in dienten der Betrachtung. Die Tuschmalerei erreichte mit dem Mönchsmaler Sesshū Tōyō (1420–1506) ihren Höhepunkt, und die Kalligrafie der Zen-Meister (bokuseki) wurde ihrer Unmittelbarkeit wegen hoch geschätzt. Der Teeweg, von Murata Jukō geprägt und von Sen no Rikyū vollendet, übernahm seine Ideale der Schlichtheit aus dem Zen; in der Bildnische des Teeraums hängt eine Zen-Schriftrolle.

Die mit Zen verbundene Ästhetik der Zurückhaltung, Asymmetrie und Unvollkommenheit – oft mit Begriffen wie wabi und yūgen umschrieben – wirkte auch auf Nō-Theater, Haiku und Architektur. Die heutige Forschung warnt davor, jede japanische Kunst als „Zen“ zu etikettieren; die Klöster waren aber der Hauptweg, auf dem die chinesische Kultur kam, aus der diese Künste erwuchsen.

  • Karesansui

    枯山水karesansui

    Trockenlandschaftsgarten, in dem Sand und Kies das Wasser darstellen.

  • Ensō

    円相ensō

    Mit einem einzigen Pinselzug gezogener Kreis, beliebtes Motiv der Zen-Kalligrafie.

  • Sadō

    茶道sadō / chadō

    Der Teeweg, dessen Meister in Zen-Tempeln übten; die Formel „Tee und Zen haben einen Geschmack“ (cha zen ichimi) bringt die Verbindung auf den Punkt.

Moderner Zen und sein Bild im Ausland

Wie alle buddhistischen Schulen verlor der Zen mit den Meiji-Reformen den staatlichen Schutz und übernahm die Priesterehe. Seit dem späten 19. Jahrhundert stellten japanische Denker den Zen der Welt vor: D. T. Suzuki (1870–1966) veröffentlichte zahlreiche Bücher auf Englisch, der Philosoph Nishida Kitarō baute eine Philosophie auf der Zen-Erfahrung auf. Nach 1945 gründeten japanische Lehrer Zen-Zentren in Nordamerika und Europa, und „Zen“ wurde zum Schlagwort für Gelassenheit und Minimalismus.

Historiker haben inzwischen auch die unbequeme Seite dieser Geschichte untersucht, darunter die Unterstützung, die viele Zen-Institutionen und Lehrer dem Kriegsnationalismus gewährten; mehrere Zweige haben sich dafür später öffentlich entschuldigt. In Japan selbst betreuen die meisten Zen-Tempel ihre Gemeinden wie andere Schulen mit Bestattungen und Gedenkfeiern, während wenige Ausbildungsklöster (sōdō) den Priesternachwuchs schulen und viele Tempel öffentliche Zazen-Stunden anbieten.

Zeitleiste

  1. 1191

    Eisai kehrt mit einer Rinzai-Überlieferung aus China zurück und gründet bald darauf den Shōfuku-ji in Hakata.

  2. 1202

    Gründung des Kennin-ji in Kyoto mit Eisai als erstem Abt.

  3. 1227

    Dōgen kehrt mit der Caodong-Lehre (Sōtō) aus China zurück.

  4. 1244

    Dōgen gründet den Eihei-ji in den Bergen von Echizen.

  5. 1253

    Gründung des Kenchō-ji in Kamakura unter dem Regenten Hōjō Tokiyori.

  6. 14. Jh.

    Das System der Fünf Berge ordnet die führenden Rinzai-Klöster unter dem Schutz des Shogunats.

  7. 1654

    Ingen trifft in Nagasaki ein; es folgt die Ōbaku-Schule mit dem Manpuku-ji in Uji.

  8. 18. Jh.

    Hakuin Ekaku ordnet die Kōan-Schulung neu und belebt den Rinzai-Zen.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich Rinzai und Sōtō?

Beide üben Zazen. Der Rinzai arbeitet mit Kōan unter einem Meister, um plötzliche Einsicht auszulösen; der Sōtō betont das zweckfreie „bloße Sitzen“. Sōtō hat weit mehr Tempel, Rinzai ist historisch mit der Elite von Kyoto und Kamakura und den Künsten verbunden.

Kann man als Reisender in Japan Zazen ausprobieren?

Ja. Viele Zen-Tempel bieten öffentliche Meditationsstunden an, manche auf Englisch, einige auch Übernachtungen; vorher erklärt ein Priester Haltung und Verhaltensregeln. Die Termine sind beim jeweiligen Tempel zu erfragen.

Hat der Zen etwas mit dem japanischen Bogenschießen zu tun?

Die Verbindung wurde vor allem durch Eugen Herrigels Buch „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ (1948) populär. Die Forschung sieht darin eher eine Deutung des Autors und seines Lehrers als eine alte Tradition des Kyūdō.

Wer war Dōgen?

Ein Mönch des 13. Jahrhunderts, der die Sōtō-Lehre aus China brachte, den Eihei-ji gründete und das Shōbōgenzō verfasste. Er gilt als einer der originellsten religiösen Denker Japans.

Warum bestehen Zen-Gärten aus Steinen und Kies?

Trockenlandschaftsgärten deuten Berge, Inseln und Wasser abstrakt an und sind für die Betrachtung von einem festen Standpunkt aus angelegt. Sie entstanden ab dem 15. Jahrhundert in den Untertempeln der Kyotoer Zen-Klöster.

Quellen

  1. 1.曹洞宗公式サイト (öffnet in neuem Tab) — 曹洞宗宗務庁
  2. 2.臨済・黄檗 禅の公式サイト (öffnet in neuem Tab) — 臨黄合議所
  3. 3.Historic Monuments of Ancient Kyoto (Kyoto, Uji and Otsu Cities) (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre

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