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Japan

Essen & Trinken

Wagashi

和菓子わがしwagashi

Bohnenpaste, Reis und die Jahreszeiten im Kleinformat

Wagashi sind traditionelle japanische Süßigkeiten, vor allem aus süßer Bohnenpaste, Reismehl, Klebreis, Agar und Zucker. Nach den Jahreszeiten gestaltet und eng mit der Teezeremonie verbunden, reichen sie von alltäglichen Reisklößchen bis zu filigranen Kunstwerken.

Das Wort Wagashi entstand in der Meiji-Zeit, um japanische Süßwaren vom westlichen Yōgashi abzugrenzen. Die Tradition dahinter ist viel älter: Reiskuchen und Früchte waren die ersten „Süßigkeiten“, chinesisches Konfekt kam mit buddhistischen Mönchen, und Zucker, lange ein teures Importgut, wurde in der Edo-Zeit breiter verfügbar – damals entwickelten Konditoren in Kyoto und Edo die feinen Süßigkeiten, die man heute kennt.

Wagashi kommen fast ohne Milchprodukte und Fett aus. Ihre Süße stammt aus Bohnenpaste und Zucker, ihr Reiz aus Textur und Form: Eine einzige frische Süßigkeit für die Teezeremonie kann eine Kamelienknospe, Herbstlaub auf dem Wasser oder den ersten Schnee darstellen und trägt einen poetischen Namen.

Zutaten

Die meisten Wagashi beruhen auf Anko, einer Paste aus mit Zucker gekochten Azukibohnen. Glattes Koshian wird passiert, um die Schalen zu entfernen, stückiges Tsubuan enthält ganze Bohnen. Weiße Bohnenpaste (Shiroan) aus weißen Bohnen ist die Grundlage für gefärbte und modellierte Süßigkeiten. Klebreis und Reismehle ergeben zähe Mochi und Klößchen, Kanten (Agar aus Algen) lässt Gelees wie Yōkan fest werden.

  • Anko

    餡子anko

    Süße Azukibohnenpaste, glatt (Koshian) oder stückig (Tsubuan).

  • Mochi

    餅mochi

    Gedämpfter, zu einer weichen, elastischen Masse gestampfter Klebreis.

  • Kanten

    寒天kanten

    Agar aus Rotalgen, zum Gelieren.

  • Wasanbon

    和三盆wasanbon

    Feinkörniger traditioneller Zucker aus Kagawa und Tokushima, für gepresste Trockensüßigkeiten.

Frische, halbtrockene und trockene Süßigkeiten

Wagashi werden nach ihrem Wassergehalt eingeteilt. Namagashi, frische Süßigkeiten, sind am feuchtesten und müssen am Tag der Herstellung gegessen werden; die feinsten sind die saisonalen Jōnamagashi der Teezeremonie. Higashi, trockene Süßigkeiten, halten sich wochenlang und werden zum dünnen Tee gereicht. Han-namagashi liegen dazwischen.

  • Nerikiri

    練り切りnerikiri

    Weiße Bohnenpaste mit etwas Mochi, gefärbt und von Hand zu Blüten und Jahreszeitenmotiven geformt.

  • Daifuku

    大福daifuku

    Weiches Mochi mit Bohnenpastenfüllung; Ichigo-Daifuku enthält zusätzlich eine ganze Erdbeere.

  • Dango

    団子dango

    Reismehlklößchen am Spieß, mit süßer Sojaglasur (Mitarashi) oder Bohnenpaste.

  • Yokan

    羊羹yōkan

    Feste, mit Agar gelierte Bohnenpaste; die weiche Variante Mizu-Yōkan isst man im Sommer gekühlt.

  • Manju

    饅頭manjū

    Gedämpfte oder gebackene Teigtaschen mit Bohnenpaste, abgeleitet von chinesischen Dampfbrötchen.

  • Monaka

    最中monaka

    Knusprige Waffeln aus Mochi mit Bohnenpastenfüllung.

  • Higashi

    干菓子higashi

    Trockensüßigkeiten wie Rakugan, aus Zucker und Reismehl in Holzmodeln gepresst.

Jahreszeiten und Feste

Viele Wagashi gehören zu einer bestimmten Jahreszeit. Konditoreien wechseln ihre frischen Süßigkeiten alle paar Wochen, und Familien markieren den Kalender mit bestimmtem Gebäck.

  • Sakura-Mochi

    桜餅sakura-mochi

    Rosafarbener Reiskuchen in einem gesalzenen Kirschblatt, im Frühling gegessen; Kantō- und Kansai-Version unterscheiden sich im verwendeten Reis.

  • Hishi-Mochi

    菱餅hishi-mochi

    Rautenförmige Schichten aus rosa, weißem und grünem Reiskuchen zum Puppenfest am 3. März.

  • Kashiwa-Mochi

    柏餅kashiwa-mochi

    Mochi mit Bohnenpaste in einem Eichenblatt, zum Kindertag am 5. Mai.

  • Tsukimi-Dango

    月見団子tsukimi dango

    Weiße Klößchen, als Opfergabe zur herbstlichen Mondschau gestapelt.

  • Kagami-Mochi

    鏡餅kagami-mochi

    Zwei aufeinandergesetzte Reiskuchen als Neujahrsschmuck, im Januar zerbrochen und gegessen.

Regionale Konditorkunst

Kyoto, Kanazawa und Matsue gelten oft als die drei großen Konditorstädte Japans, jede geprägt von der Teekultur ihres Hofes oder ihrer Fürsten. Matsue verdankt seine Tradition Matsudaira Harusato, dem teebegeisterten Fürsten des Matsue-Lehens, bekannt unter seinem Teenamen Fumai. Viele Orte haben ein Meibutsu, eine örtliche Spezialität, die an Reisende verkauft wird.

  • Kyogashi

    京菓子kyōgashi

    Kyotoer Konfekt, ursprünglich für Kaiserhof, Tempel und Teeschulen gefertigt.

  • Yatsuhashi

    八ツ橋yatsuhashi

    Reismehlgebäck mit Zimt aus Kyoto, knusprig gebacken oder weich und um Bohnenpaste gefaltet.

  • Süßigkeiten aus Kanazawa

    加賀の和菓子Kaga no wagashi

    Teegebäck, gefördert von den Maeda-Fürsten von Kaga, darunter gepresste Trockensüßigkeiten und Blattgolddekor.

  • Castella

    カステラkasutera

    Biskuitkuchen, im 16. Jahrhundert von Portugiesen eingeführt und zur Spezialität Nagasakis geworden.

  • Momiji-Manju

    もみじ饅頭momiji manjū

    Ahornblattförmige Küchlein mit Bohnenpaste, das klassische Mitbringsel von Miyajima.

Wagashi und Tee

In der Teezeremonie isst man die Süßigkeit vor dem Tee, damit ihre Süße die Bitterkeit des Matcha ausgleicht. Zum dicken Tee (Koicha) gehört eine feuchte frische Süßigkeit, zum dünnen Tee (Usucha) Trockengebäck. Die Gäste nehmen die Süßigkeit auf ein gefaltetes Papier (Kaishi) und zerteilen sie mit einem kleinen Holzstäbchen (Kuromoji).

Außerhalb des Teeraums gehören Wagashi zum Alltag – als Geschenk, als Opfergabe am Hausaltar und als kleine Stärkung zu einer Tasse grünem Tee.

Häufige Fragen

Woraus besteht Anko?

Anko ist eine Paste aus Azukibohnen, mit Zucker gekocht – entweder glatt passiert (Koshian) oder mit ganzen Bohnen (Tsubuan). Weiße Bohnenpaste (Shiroan) wird aus weißen Bohnen hergestellt.

Sind Wagashi vegan?

Viele traditionelle Wagashi bestehen nur aus Bohnen, Reis, Zucker und Agar und sind rein pflanzlich. Manche, etwa Castella und Dorayaki-Pfannkuchen, enthalten Ei, einige moderne Sorten auch Milchprodukte.

Wie lange halten frische Wagashi?

Namagashi sind für den Verzehr am selben Tag gedacht, Mochi wird schnell hart. Trockengebäck und Yōkan halten deutlich länger.

Eignen sich Wagashi als Mitbringsel?

Ja, besonders haltbare Sorten wie Yōkan, Monaka oder Trockengebäck. Frische Namagashi überstehen längere Reisen nicht.

Quellen

  1. 1.全国和菓子協会 (öffnet in neuem Tab) — 全国和菓子協会 (Japan Wagashi Association)
  2. 2.和食文化の保護・継承 (öffnet in neuem Tab) — 農林水産省 (Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries)

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