Feste · Mai
Kodomo no Hi (Kindertag)
こどもの日こどものひKodomo no HiKarpfenfahnen im Maiwind
Kodomo no Hi, der Kindertag, ist ein gesetzlicher Feiertag am 5. Mai und bildet den Abschluss der Golden Week. Er wurzelt im alten Knabenfest Tango no Sekku: Über Häusern und Flüssen wehen Karpfenfahnen (Koinobori), drinnen werden Samurai-Rüstungen aufgestellt, man badet mit Kalmusblättern und isst in Eichenblätter gewickelte Reiskuchen.
Ende April tauchen in Gärten und auf Balkonen überall in Japan Masten auf, an denen riesige Stoffkarpfen im Wind flattern – einer für jedes Familienmitglied. In manchen Flusstälern spannen sich ganze Schwärme von Hunderten über das Wasser. Die Karpfen sind das sichtbarste Zeichen von Kodomo no Hi, dem Kindertag und letzten Feiertag der Golden Week.
Der Tag ist die moderne Form von Tango no Sekku, einem der fünf Jahreszeitenfeste des alten Kalenders und jahrhundertelang das Gegenstück der Jungen zum Mädchenfest Hinamatsuri am 3. März. Als er 1948 gesetzlicher Feiertag wurde, widmete man ihn allen Kindern: Laut Gesetz soll er die Persönlichkeit der Kinder achten, ihr Glück fördern und den Müttern Dank ausdrücken.
Von Tango no Sekku zum Kindertag
Tango bezeichnete ursprünglich den ersten „Pferdetag“ eines Monats; weil go (fünf) gleich klang, legte man ihn auf den fünften Tag des fünften Monats fest. In China galt dieser Tag in der heißen, ungesunden Jahreszeit als unheilvoll und wurde mit duftenden Heilpflanzen wie Kalmus (Shobu) und Beifuß abgewehrt. Am Heian-Hof hängte man Kalmus unter die Dachtraufe und trug ihn als Amulett.
In der Zeit der Samurai erhielt der Tag einen kriegerischen Zug: Shobu, „Kalmus“, klingt wie shōbu, „kriegerischer Geist“, und shōbu, „Wettkampf“, und die schwertförmigen Blätter passten zum Ethos der Krieger. In der Edo-Zeit erhob das Shogunat Tango zu einem der fünf offiziellen Feste; Samurai-Familien stellten für ihre Söhne Rüstungen, Banner und Waffen aus, und Kaufmannsfamilien ahmten sie mit Papierkarpfen und Puppen nach. 1948 benannte das Feiertagsgesetz den Tag in Kodomo no Hi um und bezog Mädchen ausdrücklich mit ein.
Koinobori – die Karpfenfahnen
Die Karpfenfahnen stammen aus der Edo-Zeit: Bürger, denen die Banner der Samurai-Familien verwehrt waren, hängten stattdessen Karpfen auf. Das Bild geht auf eine chinesische Legende zurück, nach der ein Karpfen, der den Wasserfall des Drachentors am Gelben Fluss hinaufschwimmt, zum Drachen wird – ein Sinnbild für Ausdauer und Erfolg im Leben, das im Ausdruck tōryūmon, „Tor zum Erfolg“, fortlebt.
Ein typisches Set hat oben einen fünffarbigen Wimpel, den Fukinagashi, darunter einen großen schwarzen Karpfen (Magoi), einen roten (Higoi) und kleinere blaue und bunte Karpfen für die Kinder. Ein bekanntes Kinderlied setzt den schwarzen Karpfen mit dem Vater gleich; der rote wurde später der Mutter zugeordnet. Große Karpfenschwärme über Flüssen, etwa in Tatebayashi in der Präfektur Gunma oder am Shimanto-Fluss in Kochi, sind zu Frühlingsattraktionen geworden.
Koinobori
鯉のぼりkoinoboriWindsäcke in Karpfenform, von Ende April bis zum 5. Mai für Gesundheit und Erfolg der Kinder gehisst.
Fukinagashi
吹き流しfukinagashiDer fünffarbige Wimpel an der Mastspitze; die Farben der fünf Elemente chinesischer Lehre sollen Unheil abwehren.
Der große, weitgehend unverbaute Fluss der Präfektur Kochi, über den im Frühjahr Hunderte Karpfenfahnen gespannt werden.
Helme, Rüstungen und Kriegerpuppen
Drinnen stellen Familien mit Söhnen Gogatsu Ningyo auf, „Maipuppen“: Samurai-Rüstungen im Kleinformat, Helme (Kabuto) oder Figuren legendärer Helden. Der Helm schützt den Kopf und steht damit für den Schutz des Kindes. Beliebt sind Kintaro, ein in den Bergen aufgewachsener Junge von gewaltiger Kraft, und Shoki, der chinesische Dämonenbezwinger. Wie die Hina-Puppen im März schenken meist die Großeltern das Ensemble zum ersten Tango-Fest des Kindes, dem Hatsuzekku.
- 兜kabuto
Ein Samurai-Helm im Kleinformat, in kleineren Wohnungen die häufigste Maidekoration.
Gogatsu Ningyo
五月人形gogatsu ningyōKriegerpuppen und Rüstungen, die vor dem 5. Mai für Jungen aufgestellt werden.
Kintaro
金太郎KintarōVolksheld von großer Stärke, der mit Bären ringt – Vorbild eines gesunden, kräftigen Kindes.
Kalmusbad und Festgebäck
Am Abend des 5. Mai legen viele Familien und öffentliche Bäder Bündel von Kalmusblättern ins Badewasser, ein Brauch namens Shobu-yu. Der kräftige Duft sollte Böses und Krankheit vertreiben; manche binden sich die Blätter zur Gesundheit um den Kopf. Die im Englischen übliche Bezeichnung „Irisbad“ ist irreführend: Gemeint ist der Kalmus (Acorus calamus), nicht die Zierschwertlilie Hanashobu.
Zwei Süßigkeiten gehören zum Tag. Kashiwa-Mochi, mit Bohnenpaste gefüllte Reiskuchen in einem Eichenblatt, sind eher in Ostjapan verbreitet; da die Eiche ihr altes Laub erst abwirft, wenn neues gewachsen ist, steht sie für den ununterbrochenen Fortbestand der Familie. Chimaki, in Bambus- oder andere lange Blätter gewickelte Reisklöße, kamen aus China und sind in Kansai häufiger.
Shobu-yu
菖蒲湯shōbuyuEin Bad mit Kalmusblättern für Gesundheit und Schutz vor Unheil.
- 柏餅kashiwa mochi
Reiskuchen mit Bohnenpaste im Eichenblatt, Symbol für den Fortbestand der Familie.
Chimaki
粽chimakiIn lange Blätter gewickelte, gedämpfte Reisklöße chinesischen Ursprungs, traditionell in Westjapan.
Golden Week und Reisen
Der Kindertag ist der letzte einer Reihe von Frühlingsfeiertagen: Showa-Tag am 29. April, Verfassungsgedenktag am 3. Mai, Tag des Grüns am 4. Mai und Kindertag am 5. Mai. Zusammen mit den Wochenenden bilden sie die Golden Week, neben Neujahr und Obon eine der drei großen Reisezeiten Japans. Züge, Flüge und Unterkünfte sind stark ausgebucht, bekannte Sehenswürdigkeiten überfüllt, viele Büros geschlossen.
Häufige Fragen
Wann ist Kindertag in Japan?
Jedes Jahr am 5. Mai. Seit 1948 ist der Tag gesetzlicher Feiertag und letzter Tag der Golden Week; fällt er auf einen Sonntag, ist der folgende Montag frei.
Ist Kodomo no Hi nur ein Jungenfest?
Offiziell gilt der Tag allen Kindern. Seine Bräuche – Karpfenfahnen, Helme und Kriegerpuppen – stammen jedoch aus dem Knabenfest Tango no Sekku, und viele Familien sehen ihn weiterhin als Gegenstück zum Mädchenfest Hinamatsuri.
Was bedeuten die Karpfenfahnen?
Sie gehen auf eine chinesische Legende zurück, nach der ein Karpfen einen Wasserfall hinaufschwimmt und zum Drachen wird – ein Bild für Ausdauer und Erfolg. Familien hissen sie für Gesundheit und Zukunft ihrer Kinder.
Ist die Golden Week eine gute Reisezeit?
Das Wetter ist meist angenehm, doch die Golden Week gehört zu den verkehrsreichsten Zeiten des Jahres. Verkehrsmittel und Unterkünfte sollten früh gebucht werden, bekannte Sehenswürdigkeiten sind voll.
Weiterlesen
Quellen
- 1.国民の祝日について (öffnet in neuem Tab) — 内閣府
- 2.日本の暦 (öffnet in neuem Tab) — 国立国会図書館
- 3.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO