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Japan

Feste · März

Hinamatsuri (Puppenfest)

雛祭りひなまつりHinamatsuri

Hofpuppen, Pfirsichblüten und gute Wünsche für die Töchter

Hinamatsuri, das Puppenfest oder Mädchenfest, findet am 3. März statt. Familien mit Töchtern stellen gestufte Puppenpodeste im Stil des Heian-Kaiserhofs auf und feiern mit Pfirsichblüten und Frühlingsspeisen – verbunden mit dem Wunsch nach Gesundheit, Glück und einer guten Zukunft für die Mädchen.

In den Wochen vor dem 3. März steht in Wohnungen mit Töchtern ein mit rotem Stoff bespanntes Podest voller Puppen: oben Kaiser und Kaiserin in Hoftracht, darunter Hofdamen, Musikanten, Minister und Miniaturmöbel. Oft schenken die Großeltern das Ensemble zum ersten Hinamatsuri des Mädchens, danach wird es jedes Jahr wieder aufgebaut.

Das Fest gehört zu den Gosekku, den fünf Jahreszeitenfesten des alten Kalenders, die auf ungerade Tage ungerader Monate fielen. Sein älterer Name Momo no Sekku erinnert an die Pfirsichblüte, die nach dem Mondkalender in diese Zeit fiel und bis heute das Podest schmückt.

Von Reinigungspuppen zu Hofpodesten

Im Fest verbinden sich zwei ältere Stränge. Der eine ist der chinesische Brauch, sich am ersten „Schlangentag“ des dritten Mondmonats am Wasser zu reinigen; er erreichte Japan in der Nara-Zeit. In Japan kamen Hitogata hinzu, einfache Figuren aus Papier oder Stroh, auf die man durch Reiben oder Anhauchen Unreinheit und Krankheit übertrug, bevor man sie einem Fluss übergab.

Der andere Strang ist Hina Asobi, das Spiel adliger Mädchen am Heian-Hof mit kleinen Puppen und Puppenhäusern, das schon im Genji Monogatari vorkommt. In der Edo-Zeit verschmolzen beide: Das Shogunat erhob den 3. März zu einem offiziellen Jahreszeitenfest, und wohlhabende Stadthaushalte stellten kostbare Puppen auf Stufenpodesten aus. Aus Wegwerfträgern des Unglücks wurden wertvolle Erbstücke, die ihre Besitzerin beschützen.

Das Puppenpodest

Ein vollständiges Hinadan hat traditionell sieben Stufen; in vielen heutigen Wohnungen genügt eine Stufe mit dem Kaiserpaar. Aufgebaut wird etwa ab Risshun Anfang Februar, abgebaut möglichst bald nach dem 3. März – einem bekannten Volksglauben zufolge heiratet die Tochter sonst spät.

Die Anordnung des Kaiserpaars ist regional verschieden. Die traditionelle, in Kyoto bis heute übliche Aufstellung setzt den Kaiser vom Betrachter aus nach rechts, nach der alten Hofregel, dass links (aus Sicht der sitzenden Figur) der Ehrenplatz ist. Die heute verbreitetere, ab dem frühen 20. Jahrhundert von Tokio ausgehende Aufstellung setzt ihn nach links – nach dem westlich geprägten Protokoll, das der Kaiserhof übernommen hatte.

  • Dairibina

    内裏雛dairibina

    Kaiser- und Kaiserinpuppe (Obina und Mebina) auf der obersten Stufe vor einem Wandschirm.

  • Sannin Kanjo

    三人官女sannin kanjo

    Drei Hofdamen auf der zweiten Stufe, die Sake reichen.

  • Gonin Bayashi

    五人囃子gonin bayashi

    Fünf Knabenmusikanten mit Trommeln, Flöte und Gesang des Nō-Ensembles.

  • Zuishin

    随身zuishin

    Zwei Leibwächter, ein junger und ein alter Minister, mit Pfeil und Bogen.

  • Hina Dogu

    雛道具hina dōgu

    Lackmöbel, Ochsenkarren und Sänften im Kleinformat auf den unteren Stufen, nach dem Vorbild einer höfischen Brautausstattung.

Festspeisen

Das Essen zum Hinamatsuri ist bunt und frühlingshaft. Hishi-Mochi, rautenförmige Reiskuchen in rosa, weißen und grünen Schichten, werden meist als Pfirsichblüte, Schnee und junges Gras gedeutet. Hina-Arare sind gesüßte Reiscracker in Pastellfarben. Im Mittelpunkt des Festessens stehen Chirashizushi, Sushireis mit darüber verteilten Zutaten, und eine klare Suppe aus Hamaguri-Venusmuscheln: Deren Schalenhälften passen nur zu ihrem ursprünglichen Gegenstück und stehen so für eine harmonische Ehe. Erwachsene trinken Shirozake, einen süßen, milchig-trüben Reislikör; Kinder bekommen Amazake, das keinen oder kaum Alkohol enthält.

  • Hishi-Mochi

    菱餅hishi mochi

    Geschichtete rautenförmige Reiskuchen in Rosa, Weiß und Grün.

  • Chirashizushi

    散らし寿司chirashizushi

    „Gestreutes“ Sushi, das übliche Hauptgericht des Festessens.

  • Hamaguri-Suppe

    蛤の潮汁hamaguri no ushiojiru

    Klare Muschelsuppe; die zusammenpassenden Schalen symbolisieren eine treue Partnerschaft.

  • Shirozake

    白酒shirozake

    Süßer, trüber Reislikör, traditionell zum Fest getrunken.

Flusspuppen und regionale Bräuche

Die älteste Form des Festes lebt in Nagashibina fort, den „fließenden Puppen“. In Mochigase in der Präfektur Tottori setzt man am 3. März des alten Kalenders (heute am 3. April) Papierpuppen auf kleinen Strohflößen mit Reiskuchen als Gabe auf den Fluss Sendai; sie tragen das Unglück der Kinder fort. Der Brauch ist als Volkskulturgut der Präfektur Tottori geschützt. Auch der Shimogamo-Schrein in Kyoto hält Anfang März eine Nagashibina-Zeremonie ab.

Mehrere Orte sind für Tsurushibina bekannt, Hängeschmuck aus kleinen, aus Kimonoresten genähten Figuren: Inatori auf der Izu-Halbinsel, Yanagawa in der Präfektur Fukuoka (dort Sagemon genannt) und Sakata in Yamagata. Andere, etwa Katsuura in der Präfektur Chiba, bauen auf öffentlichen Treppen riesige Stufenpodeste aus Tausenden gespendeter Puppen auf. Ein Feiertag ist Hinamatsuri nicht, doch viele Einkaufsstraßen, alte Kaufmannshäuser und Museen zeigen im Februar und März historische Puppensammlungen.

  • Nagashibina

    流し雛nagashibina

    Papierpuppen, die auf Flüssen ausgesetzt werden und das Unglück mitnehmen – die ursprüngliche Reinigungsform des Festes.

  • Tsurushibina

    吊るし雛tsurushibina

    Ketten kleiner genähter Figuren neben dem Puppenpodest, eine Tradition in Izu, Yanagawa und Sakata.

Hinamatsuri heute

Hinamatsuri ist vor allem ein Fest der Familie und der Kindergärten. Vollständige siebenstufige Podeste sind in kleiner gewordenen Wohnungen seltener; verbreitet sind kompakte Ensembles in Glasvitrinen oder einstufige Sets. Das Gegenstück ist Kodomo no Hi am 5. Mai, hervorgegangen aus dem Knabenfest Tango no Sekku, heute offiziell allen Kindern gewidmet. Puppen, die eine Familie nicht mehr behalten will, bringt man häufig zu Schreinen und Tempeln, die Ningyo Kuyo abhalten, Gedenkzeremonien für Puppen – wegwerfen gilt als respektlos.

  • Ningyo Kuyo

    人形供養ningyō kuyō

    Gedenkriten, bei denen ausgediente Puppen mit Gebeten verabschiedet und verbrannt oder entsorgt werden.

Häufige Fragen

Wann ist Hinamatsuri?

Am 3. März. Einige Regionen feiern einen Monat später am 3. April, um der Jahreszeit des alten Mondkalenders zu entsprechen.

Ist das Puppenfest ein Feiertag?

Nein. Es wird zu Hause, in Kindergärten und in manchen Schreinen und Tempeln gefeiert, ist aber ein normaler Arbeitstag.

Warum müssen die Puppen schnell weggeräumt werden?

Nach dem Volksglauben heiratet die Tochter sonst spät. Dahinter steht vor allem der Wert der Ordnung und die Sorge um die kostbaren Puppen.

Wo kann man Hina-Puppen sehen?

Im Februar und März zeigen Kaufhäuser, Museen, alte Kaufmannshäuser und viele Einkaufsstraßen Puppenpodeste; Orte wie Inatori, Yanagawa und Katsuura veranstalten eigene Ausstellungen.

Gibt es ein Fest für Jungen?

Ja, Tango no Sekku am 5. Mai, heute der Feiertag Kodomo no Hi (Kindertag) mit Karpfenfahnen und Samurai-Helmen.

Quellen

  1. 1.日本の暦 (öffnet in neuem Tab) — 国立国会図書館
  2. 2.文化庁 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  3. 3.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO

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