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Japan

Essen & Trinken

Sushi

寿司すしsushi

Vom haltbar gemachten Fisch zum Imbissstand in Edo

Sushi ist mit Essig gewürzter Reis, kombiniert mit Fisch, Meeresfrüchten oder Gemüse. Es entstand als Methode, Fisch in gärendem Reis haltbar zu machen, und erhielt seine bekannteste Form, das handgeformte Nigiri, im frühen 19. Jahrhundert in Edo, dem heutigen Tokio.

Das Wort Sushi bezeichnete ursprünglich einen sauren Geschmack, und das entscheidende Element ist nicht roher Fisch, sondern mit Essig gewürzter Reis. Vorläufer ist das Narezushi: Fisch, in Salz und gekochten Reis eingelegt und monatelang fermentiert – eine Technik, die vom asiatischen Festland nach Japan kam. Über die Jahrhunderte wurde die Gärzeit immer kürzer, bis Essig sie ganz ersetzte.

Nigiri, eine Scheibe Fisch auf einem kleinen Reisbällchen, war im frühen 19. Jahrhundert das Fast Food von Edo und wurde an Straßenständen verkauft. Kühltechnik, die Sushi-Bars der Nachkriegszeit und später das Laufband-Restaurant machten Sushi zum weltweit bekanntesten japanischen Gericht.

Von der Gärung zum Essig

Beim Narezushi diente der Reis nur der Fermentation und wurde weggeworfen. Ab der Muromachi-Zeit aß man Fisch und Reis nach kürzerer Gärung gemeinsam (Namanare). In der Edo-Zeit gab man Essig hinzu, um den sauren Geschmack ohne Wartezeit zu erzielen; gepresstes Sushi und Sushi in Holzkästen verbreiteten sich, vor allem im Kansai.

In Edo begannen Köche, frischen Fisch von Hand auf Essigreis zu drücken und sofort zu servieren. Die Überlieferung schreibt dies Hanaya Yohei in den 1820er-Jahren zu. Weil es keine Kühlung gab, wurde der Fisch aus der Bucht von Edo mariniert, gesalzen oder gegart – deshalb nutzt Edomae-Sushi bis heute Techniken wie in Essig gebeizte Makrele oder in Sojasauce eingelegten Thunfisch.

Die wichtigsten Arten

Sushi gibt es in vielen Formen, vom präzisen Nigiri am Spezialitätentresen bis zu Rollen und gestreutem Sushi aus der Hausküche. Die Qualität des Reises, seine Temperatur und das Verhältnis von Essig, Salz und Zucker gelten Köchen als ebenso wichtig wie der Fisch.

  • Nigiri

    握り寿司nigiri-zushi

    Handgeformter länglicher Reisballen mit Fisch oder Meeresfrüchten – die klassische Edomae-Form.

  • Maki

    巻き寿司maki-zushi

    Reis und Füllung, mit einer Bambusmatte in Nori-Seetang gerollt und in Stücke geschnitten; dünn als Hosomaki, dick als Futomaki.

  • Gunkan

    軍艦巻きgunkan-maki

    „Schlachtschiff“-Sushi: Reis mit einem Nori-Band umwickelt, darauf lose Zutaten wie Seeigel oder Lachsrogen.

  • Temaki

    手巻き寿司temaki-zushi

    Tütenförmige Handrolle, beliebt bei Feiern zu Hause, bei denen jeder selbst rollt.

  • Chirashi

    ちらし寿司chirashi-zushi

    Belag über einer Schale Sushireis verteilt; festliches Hausgericht, etwa zum Mädchenfest Hinamatsuri.

  • Oshizushi

    押し寿司oshi-zushi

    Reis und Fisch in einer Holzform gepresst und in Scheiben geschnitten; typisch für Osaka.

  • Inari

    稲荷寿司inari-zushi

    Sushireis in süß geschmorten Taschen aus frittiertem Tofu.

Regionales Sushi

Ältere Sushi-Formen haben sich in ganz Japan erhalten. Funazushi vom Biwa-See in der Präfektur Shiga, Karausche, die ein Jahr oder länger in Reis fermentiert, steht dem alten Narezushi besonders nahe. Viele Regionen kennen gepresstes oder in Blätter gewickeltes Sushi, mit dem Fisch einst ins Landesinnere gelangte.

  • Funazushi

    鮒寿司funazushi

    Fermentierte Karausche vom Biwa-See, kräftig im Geschmack, an reifen Käse erinnernd.

  • Masuzushi

    鱒寿司masu-zushi

    Forelle auf Reis in einem runden, mit Bambusblättern ausgelegten Behälter; Spezialität aus Toyama.

  • Kakinoha-zushi

    柿の葉寿司kakinoha-zushi

    Makrele oder Lachs auf Reis, in Kakiblätter gewickelt, aus dem Binnenland von Nara und Wakayama.

  • Battera

    バッテラbattera

    Gepresstes Sushi aus Osaka mit gebeizter Makrele unter einer dünnen Kombu-Schicht.

  • Saba-zushi

    鯖寿司saba-zushi

    Gebeizte Makrele auf einem Reisriegel, verbunden mit Kyoto und der alten Makrelenstraße von der Wakasa-Bucht.

Am Sushi-Tresen

Am Tresen bereitet der Koch (Itamae) jedes Stück zu und legt es direkt vor den Gast, der es am besten sofort isst. Omakase – „dem Koch überlassen“ – bedeutet, eine vom Koch gewählte Folge anzunehmen, oft von leichtem weißem Fisch zu reichhaltigeren Stücken. Der Tresen hat ein eigenes Vokabular, großenteils überlieferter Fachjargon.

Das Laufband-Sushi (Kaitenzushi), 1958 erstmals in der Präfektur Osaka eröffnet, machte Sushi zum Alltagsessen. Teller fahren an den Plätzen vorbei, bestellt wird auch per Touchscreen; Grüntee-Pulver und heißes Wasser stehen meist am Platz bereit.

  • Shari

    舎利shari

    Sushireis, gewürzt mit Essig, Salz und teils Zucker.

  • Neta

    ネタneta

    Der Belag: Fisch, Muscheln, Ei oder Gemüse.

  • Gari

    ガリgari

    Eingelegter, in Scheiben geschnittener Ingwer zum Neutralisieren zwischen den Stücken.

  • Sabi-nuki

    さび抜きsabi-nuki

    Ohne Wasabi; der Koch gibt Wasabi sonst meist zwischen Reis und Fisch.

  • Agari

    あがりagari

    Tresenjargon für grünen Tee, heiß und kräftig serviert.

  • Murasaki

    むらさきmurasaki

    „Violett“: Tresenjargon für Sojasauce.

Wie man Sushi isst

Nigiri darf mit Stäbchen oder mit den Fingern gegessen werden; beides ist korrekt. Man dreht das Stück leicht, sodass der Fisch und nicht der Reis die Sojasauce berührt, denn der Reis saugt sie auf und zerfällt. Nach Möglichkeit isst man jedes Stück mit einem Bissen. Stücke, die der Koch bereits mit Glasur (Nitsume) oder Salz versehen hat, kommen nicht mehr in die Sojasauce.

Wasabi in die Sojasauce zu rühren ist in einfachen Lokalen verbreitet, an traditionellen Tresen aber verpönt, weil der Koch die passende Menge schon verwendet hat. Ingwer dient der Neutralisierung, nicht als Belag.

Zeitleiste

  1. 8. Jh.

    In Reis fermentierter Fisch (Narezushi) ist in Japan belegt, unter anderem als Steuerabgabe.

  2. Muromachi-Zeit

    Namanare: Durch kürzere Gärung werden Fisch und Reis gemeinsam gegessen.

  3. 17.–18. Jh.

    Essig ersetzt die Gärung; gepresstes und Kasten-Sushi verbreiten sich, besonders im Kansai.

  4. 1820er

    Handgeformtes Nigiri erscheint an Imbissständen in Edo.

  5. 1958

    In der Präfektur Osaka eröffnet das erste Laufband-Sushi-Restaurant.

Häufige Fragen

Ist Sushi immer roher Fisch?

Nein. Sushi bedeutet Essigreis; der Belag kann gegart, gebeizt, eingelegt oder vegetarisch sein, etwa Omelett, Aal, Gurke oder eingelegter Rettich. Roher Fisch ohne Reis heißt Sashimi.

Darf man Sushi mit den Fingern essen?

Ja. Nigiri wird traditionell mit den Fingern ebenso wie mit Stäbchen gegessen. Sashimi dagegen isst man immer mit Stäbchen.

Tunkt man die Reisseite in die Sojasauce?

Nein. Man dreht das Stück und tunkt die Fischseite leicht ein; der Reis würde zu viel Sauce aufsaugen und zerfallen.

Was ist Edomae-Sushi?

Edomae bedeutet „vor Edo“ und bezeichnet den Tokioter Nigiri-Stil, ursprünglich mit Fisch aus der Bucht von Edo, der gebeizt, mariniert oder gegart wurde.

Ist Sushi mit Lachs traditionell?

Roher Lachs als Sushi-Belag wurde in Japan erst ab den 1980er-Jahren verbreitet, gefördert durch Importe aus Norwegen. Heute gehört er zu den beliebtesten Belägen, zählt aber nicht zum klassischen Edomae-Repertoire.

Quellen

  1. 1.和食文化の保護・継承 (öffnet in neuem Tab) — 農林水産省 (Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries)
  2. 2.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO

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