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Japan

Sitten & Etikette

Tischsitten

食事のマナーしょくじのまなーshokuji no manā

Dankbarkeit, Stäbchen und ein Auge auf den Tischnachbarn

Japanische Tischsitten drehen sich um Dankbarkeit für das Essen, den sorgfältigen Umgang mit Stäbchen und Rücksicht auf die Tischgenossen. Man beginnt mit „itadakimasu“ und endet mit „gochisōsama deshita“, hebt Schalen zum Mund, darf Nudeln schlürfen und schenkt den anderen ein statt sich selbst.

Vieles an der japanischen Tischetikette erschließt sich aus zwei Gedanken: Essen wird mit Dankbarkeit empfangen, und eine gemeinsame Mahlzeit ist ein soziales Ereignis, bei dem jeder auf jeden achtet. Die Regeln rund um die Stäbchen stammen teils aus buddhistischen Bestattungsriten – deshalb werden manche harmlos wirkende Handgriffe so sorgfältig vermieden.

Perfektion erwartet von Besuchern niemand, und Restaurants mit vielen ausländischen Gästen sind entspannt. Wer die wichtigsten Punkte kennt, fühlt sich aber bei einer Einladung in eine Familie, im Ryokan oder beim Geschäftsessen deutlich sicherer.

Vor und nach dem Essen

Vor dem Essen legt man die Hände zusammen oder hält kurz inne und sagt „itadakimasu“ – wörtlich „ich empfange demütig“. Der Dank gilt denen, die das Essen zubereitet haben, und den Pflanzen und Tieren, aus denen es besteht. Nach dem Essen dankt man mit „gochisōsama deshita“ dem Gastgeber oder Koch; auch beim Verlassen eines Restaurants sagt man es dem Personal.

Viele Restaurants reichen zu Beginn ein Oshibori, ein feuchtes Tuch. Es ist für die Hände gedacht, nicht fürs Gesicht (auch wenn das manche ältere Herren in einfachen Lokalen tun), und wird danach gefaltet beiseitegelegt.

  • Itadakimasu

    いただきますitadakimasu

    Vor dem Essen; Dank für das Essen und alle, die es möglich gemacht haben.

  • Gochisōsama deshita

    ごちそうさまでしたgochisōsama deshita

    Nach dem Essen, an Gastgeber oder Restaurantpersonal gerichtet.

  • Oshibori

    おしぼりoshibori

    Feuchtes Handtuch, im Winter warm, im Sommer kühl.

Der Umgang mit Stäbchen

Stäbchen legt man auf eine Stäbchenbank (hashioki) oder, falls keine da ist, auf die zu einer kleinen Bank gefaltete Papierhülle. Nie steckt man sie senkrecht in den Reis, und nie reicht man Essen von Stäbchen zu Stäbchen weiter: Beides erinnert an Bestattungsbräuche – Reis mit aufrecht steckenden Stäbchen wird Verstorbenen dargebracht, und nach der Einäscherung reichen Angehörige die Knochen mit Stäbchen weiter.

Nimmt man Speisen aus einer gemeinsamen Schüssel, drehen manche die Stäbchen um und benutzen die sauberen Enden, oder man greift zu eigens bereitgelegten Servierstäbchen.

  • Tatebashi

    立て箸tatebashi

    Stäbchen senkrecht in den Reis stecken; erinnert an Opfergaben für Verstorbene.

  • Hashiwatashi

    箸渡しhashiwatashi

    Essen von Stäbchen zu Stäbchen reichen; erinnert an das Weitergeben der Knochen nach der Einäscherung.

  • Sashibashi

    刺し箸sashibashi

    Speisen mit einem Stäbchen aufspießen, statt sie zu greifen.

  • Yosebashi

    寄せ箸yosebashi

    Schalen und Teller mit den Stäbchen zu sich heranziehen.

  • Mayoibashi

    迷い箸mayoibashi

    Unschlüssig mit den Stäbchen über den Gerichten kreisen.

Schalen, Nudeln und Sojasauce

Kleine Schalen mit Reis oder Misosuppe werden angehoben und nah an den Mund gehalten; die Suppe trinkt man direkt aus der Schale und fischt die Einlage mit den Stäbchen. Große Teller und schwere Gefäße bleiben stehen. Deckel von Lackschalen legt man umgedreht neben das Tablett und setzt sie am Ende wieder auf.

Nudeln wie Soba oder Ramen zu schlürfen ist normal und keineswegs unhöflich – es kühlt die Nudeln und bringt das Aroma zur Geltung. Sojasauce gießt man sparsam in ein Schälchen, nicht über den Reis. Bei Nigiri-Sushi tunkt man die Fischseite leicht ein, nicht den Reis; Sushi darf man auch mit den Fingern essen.

Getränke und Anstoßen

Bei gemeinsamen Essen schenkt man sich nicht selbst ein. Man füllt die Gläser der Tischnachbarn, und jemand erwidert die Geste; das eigene Glas beim Einschenken leicht anzuheben, ist höflich. Wer nichts mehr möchte, lässt das Glas einfach voll.

Getrunken wird erst, wenn alle gemeinsam mit „kanpai“ („leert den Becher“) angestoßen haben. Im Geschäftsleben spricht oft der Ranghöchste den Trinkspruch, und Jüngere halten ihr Glas beim Anstoßen etwas tiefer.

Bezahlen und Gehen

Bezahlt wird meist an der Kasse beim Ausgang, nicht am Tisch; die Rechnung liegt oft in einer Mappe oder umgedreht auf dem Tisch und wird zur Kasse mitgenommen. In vielen Lokalen, etwa Ramen-Restaurants und einfachen Speisehäusern (shokudō), bestellt und bezahlt man vorab an einem Ticketautomaten am Eingang.

Trinkgeld ist nicht üblich; auf dem Tisch liegen gelassenes Geld bringt das Personal womöglich hinterher. Unter Freunden wird die Rechnung oft gleichmäßig geteilt (warikan), beim Geschäftsessen zahlt in der Regel der Gastgeber.

Essen in der Öffentlichkeit

Im Gehen zu essen galt traditionell als unschicklich; Straßenessen verzehrt man vielerorts im Stehen beim Stand, an dem man es gekauft hat. In Nahverkehrszügen und U-Bahnen wird kaum gegessen, im Shinkansen und in Expresszügen gehört das Bentō dagegen ganz selbstverständlich dazu. Die Nase putzt man nicht am Tisch, sondern geht kurz hinaus.

Häufige Fragen

Darf man in Japan Nudeln schlürfen?

Ja. Schlürfen bei Soba, Udon oder Ramen ist normal und zeigt sogar, dass es schmeckt; außerdem kühlt es die Nudeln.

Was ist beim Essen mit Stäbchen tabu?

Stäbchen nicht senkrecht in den Reis stecken und kein Essen von Stäbchen zu Stäbchen reichen – beides erinnert an Bestattungsriten. Auch Aufspießen und Zeigen mit Stäbchen vermeidet man.

Warum schenkt man sich nicht selbst ein?

Das gegenseitige Einschenken ist eine Geste der Aufmerksamkeit. Wer nichts mehr trinken möchte, lässt sein Glas voll.

Gibt man in japanischen Restaurants Trinkgeld?

Nein. Trinkgeld ist nicht üblich und kann Verwirrung stiften; ein ehrliches „gochisōsama deshita“ beim Gehen ist der passende Dank.

Darf man Sushi mit den Fingern essen?

Ja, Nigiri-Sushi darf man mit den Fingern oder mit Stäbchen essen. In Sojasauce tunkt man die Fischseite, nicht den Reis.

Quellen

  1. 1.Washoku, traditional dietary cultures of the Japanese (öffnet in neuem Tab) — UNESCO Intangible Cultural Heritage
  2. 2.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO
  3. 3.農林水産省 – 和食 (öffnet in neuem Tab) — 農林水産省 (Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries)

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