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Japan

Sitten & Etikette

Trinkgeld

チップchippu

Service ist inbegriffen – und der Stolz darauf auch

In Japan ist Trinkgeld nicht üblich. Guter Service gilt als selbstverständlicher Teil der Arbeit und ist im Preis enthalten; Trinkgeld im Restaurant, Taxi oder Hotel wird deshalb meist höflich zurückgewiesen. Erwartet wird ein aufrichtiges Dankeschön.

Wer aus Ländern mit ausgeprägter Trinkgeldkultur anreist, fragt oft, wie viel man in Japan gibt. Die Antwort lautet: nichts. Der Preis im Restaurant, im Taxi, im Hotel oder im Laden ist der Endpreis, und das Personal erhält einen Lohn, der nicht von Zuwendungen abhängt.

Das ist weniger eine Vorschrift als Ausdruck eines Verständnisses von Dienstleistung: Aufmerksamer, sorgfältiger Service gilt als Frage der Berufsehre und als Teil dessen, was der Gast bereits bezahlt hat. Zusätzliches Geld kann andeuten, dass es anders sei.

Warum kein Trinkgeld gegeben wird

Oft wird Omotenashi als kultureller Hintergrund genannt – eine Gastfreundschaft von ganzem Herzen, die keine Gegenleistung erwartet. Ebenso wichtig ist, dass die Löhne nie auf Trinkgeld ausgerichtet waren: Das Personal ist nicht darauf angewiesen, und Arbeitgeber rechnen nicht damit.

Trinkgeld kann zudem unangenehm sein, weil es ein ungefragtes Geschäft einführt. Aufgedrängtes Geld wirkt leicht herablassend oder lässt den Empfänger ratlos zurück. Nicht selten läuft Restaurantpersonal Gästen hinterher, um vermeintlich vergessenes Geld zurückzugeben.

Aufschläge, die kein Trinkgeld sind

Manche Rechnungen enthalten Posten, die an Trinkgeld erinnern, aber vom Betrieb festgelegt und nicht freiwillig sind. Sie stehen auf der Karte oder der Rechnung.

  • Servicegebühr

    サービス料sābisu-ryō

    Prozentualer Aufschlag in vielen Hotels und gehobenen Restaurants, besonders in internationalen Hotels.

  • Otōshi

    お通しotōshi

    Kleine Vorspeise, die im Izakaya automatisch serviert wird und faktisch eine Tischgebühr ist; in Westjapan meist Tsukidashi genannt.

  • Platzgebühr

    席料sekiryō

    Gebühr pro Person in manchen Bars und traditionellen Restaurants.

  • Nachtzuschlag

    Taxis berechnen spätnachts einen höheren Tarif; manche Lokale erheben ab einer bestimmten Uhrzeit einen Aufschlag.

Die seltenen Ausnahmen

Eine traditionelle Form der Zuwendung gibt es: Kokorozuke, eine kleine Summe als Zeichen der Dankbarkeit. Man gibt sie mitunter der Zimmerbetreuerin (nakai) in einem gehobenen Ryokan, die sich während des ganzen Aufenthalts um die Gäste kümmert, oder jemandem, der weit mehr getan hat als erwartet. Nie wird sie als loses Bargeld überreicht, sondern in einem kleinen Umschlag (pochibukuro) oder in Papier eingeschlagen, diskret und meist zu Beginn des Aufenthalts. Sie ist völlig freiwillig, und viele japanische Gäste geben sie nie.

Private Reiseführer, die regelmäßig mit ausländischen Gästen arbeiten, nehmen mitunter Trinkgeld an, ebenso manche touristisch ausgerichtete Betriebe. Im Zweifel ist ein kleines Geschenk oder ein herzlicher Dank immer angemessen.

  • Kokorozuke

    心付けkokorozuke

    Diskrete Zuwendung als Dank, wörtlich etwa „vom Herzen beigefügt“.

  • Pochibukuro

    ぽち袋pochibukuro

    Kleiner verzierter Geldumschlag, auch für das Neujahrsgeld an Kinder.

Wie man stattdessen Dank zeigt

Ein deutliches „arigatō gozaimasu“ oder beim Verlassen des Restaurants „gochisōsama deshita“ ist der übliche Dank. Wer ein kleines Lokal wieder besucht, es weiterempfiehlt oder Gastgebern und Führern, die mehrere Tage geholfen haben, ein kleines Mitbringsel aus der Heimat schenkt, bereitet echte Freude.

Wo eine Trinkgelddose steht oder ein Schild ausdrücklich dazu einlädt – in Lokalen mit vielen Touristen zunehmend zu sehen –, kann man etwas geben. Anderswo wird es nie erwartet.

Häufige Fragen

Gibt man in Japan Trinkgeld?

Nein. In Restaurants, Taxis, Hotels und beim Friseur ist Trinkgeld nicht üblich; das Personal lehnt es oft höflich ab oder gibt es zurück.

Ist Trinkgeld in Japan eine Beleidigung?

Beleidigend ist es nicht, kann aber verlegen machen oder Verwirrung stiften. Ein aufrichtiges Dankeschön ist der erwartete Weg, Wertschätzung zu zeigen.

Was ist das Otōshi im Izakaya?

Eine kleine Vorspeise, die automatisch kommt und als Tischgebühr berechnet wird. Das ist gängige Praxis und kein Trinkgeld.

Gibt man im Ryokan Trinkgeld?

Nötig ist es nicht. Manche Gäste überreichen der Zimmerbetreuerin in gehobenen Häusern diskret Kokorozuke in einem Umschlag, viele aber nie.

Ist in japanischen Restaurants die Bedienung im Preis enthalten?

Ja. Der Preis auf der Karte ist der Endpreis, gegebenenfalls zuzüglich einer ausgewiesenen Service- oder Tischgebühr.

Quellen

  1. 1.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO
  2. 2.Web Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of Foreign Affairs of Japan

Redaktion · Veröffentlicht: