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Japan

Essen & Trinken

Izakaya

居酒屋いざかやizakaya

Kleine Teller, kaltes Bier und der Abend nach der Arbeit

Ein Izakaya ist ein ungezwungenes japanisches Lokal, in dem getrunken wird und eine Vielzahl kleiner Gerichte zum Teilen auf den Tisch kommt. Irgendwo zwischen Kneipe und Restaurant treffen sich hier Kollegen und Freunde nach der Arbeit und bestellen den Abend über Speisen und Getränke in Runden.

Der Name Izakaya verbindet i (bleiben) mit sakaya (Sakeladen). In der Edo-Zeit ließen manche Sakehändler ihre Kunden im Laden trinken und reichten einfache Häppchen dazu; aus diesen Läden wurden eigene Trinklokale. Nach dem Zweiten Weltkrieg blühten günstige Trinkstände und Bars rund um die Bahnhöfe, und ab den 1970er-Jahren breiteten sich große Izakaya-Ketten im ganzen Land aus.

Das Izakaya ist ein Mittelpunkt des japanischen Soziallebens. Hier finden Betriebsfeiern, Klassentreffen und lockere Abende statt, und in der entspannten Atmosphäre lockern sich die Förmlichkeiten des Berufslebens. Das Essen ist ebenso wichtig wie die Getränke: Die Karten sind lang und vielfältig, die Gerichte kommen nach und nach und werden am Tisch geteilt.

Arten von Izakaya

Izakaya reichen vom winzigen Tresen eines einzelnen Wirts bis zu mehrstöckigen Kettenlokalen mit Separees und Tablet-Bestellung. Die rote Papierlaterne (Akachōchin) am Eingang ist zum Sinnbild der einfachen Nachbarschaftskneipe geworden.

  • Akachochin

    赤提灯akachōchin

    Rote Laterne, die ein einfaches, günstiges Trinklokal kennzeichnet; auch Bezeichnung für solche Lokale.

  • Tachinomi

    立ち飲みtachinomi

    Stehkneipe, oft in Bahnhofsnähe, für ein schnelles Getränk und ein paar kleine Gerichte.

  • Robatayaki

    炉端焼きrobatayaki

    Izakaya, in dem Fisch und Gemüse vor den Gästen über einer Feuerstelle gegrillt werden.

  • Yakitori-ya

    焼き鳥屋yakitori-ya

    Izakaya mit Schwerpunkt auf gegrillten Hühnerspießen.

  • Yokocho

    横丁yokochō

    Enge Gassen voller winziger Bars und Lokale, etwa die Nachkriegsgassen nahe den Bahnhöfen Shinjuku und Shibuya.

Ankommen und bestellen

Beim Eintreten werden Gäste mit einem lauten „Irasshaimase“ begrüßt und an einen Tisch, an den Tresen oder in einen Tatami-Raum geführt. Zum Händereinigen gibt es ein warmes oder kaltes feuchtes Tuch (Oshibori). Bald darauf kommt unaufgefordert eine kleine Vorspeise, die Otōshi (im Kansai Tsukidashi); sie wird pro Person berechnet, dient als eine Art Gedeckpreis und lässt sich meist nicht ablehnen.

Zuerst bestellt man in der Regel Getränke für alle, oft mit dem Satz „Toriaezu bīru“ – „erst mal ein Bier“. Getrunken wird erst, wenn alle Gläser da sind und die Runde gemeinsam „Kanpai“ gerufen hat. Essen bestellt man dann im Lauf des Abends nach und nach, nicht alles auf einmal. Viele Izakaya bieten Nomihōdai an, Trinken nach Belieben für eine festgelegte Zeit, vor allem bei Gruppenreservierungen.

  • Oshibori

    おしぼりoshibori

    Feuchtes Tuch für die Hände – nicht für Gesicht oder Tisch.

  • Otoshi

    お通しotōshi

    Kleine Vorspeise, automatisch serviert und als Gedeck berechnet.

  • Kanpai

    乾杯kanpai

    Das gemeinsame Anstoßen zu Beginn des Abends.

  • Nomihodai

    飲み放題nomihōdai

    Getränke nach Belieben für eine feste Zeit, oft kombiniert mit einem Menü.

  • Shime

    締めshime

    Das Abschlussgericht, etwa Reisbällchen, Ochazuke oder Nudeln.

Typische Gerichte

Izakaya-Karten mischen japanische Klassiker mit Gerichten westlicher und chinesischer Herkunft, alle als Begleitung zum Trinken gedacht. Viele Lokale schreiben zusätzlich täglich wechselnde Empfehlungen mit Fisch und Gemüse der Saison von Hand an.

  • Edamame

    枝豆edamame

    Gekochte, gesalzene junge Sojabohnen in der Schote.

  • Karaage

    唐揚げkaraage

    Marinierte, frittierte Hähnchenstücke.

  • Sashimi-Moriawase

    刺身盛り合わせsashimi moriawase

    Platte mit verschiedenem rohem Fisch.

  • Hiyayakko

    冷奴hiyayakko

    Kalter Tofu mit Ingwer, Frühlingszwiebel und Sojasauce.

  • Agedashi-Dofu

    揚げ出し豆腐agedashi dōfu

    Leicht frittierter Tofu in warmer Dashi-Brühe.

  • Tamagoyaki

    玉子焼きtamagoyaki

    Gerolltes Omelett, je nach Region süß oder herzhaft.

  • Ochazuke

    お茶漬けochazuke

    Reis, mit Tee oder Dashi übergossen – ein klassischer Abschluss.

Getränke

Fassbier ist das übliche erste Getränk. Whisky-Highballs und Chūhai (Shōchū mit Soda und Fruchtaroma, oft „Sour“ genannt) sind bei Jüngeren beliebt. Traditionelle Izakaya führen Listen mit Sake und Shōchū aus verschiedenen Regionen, dazu oft Umeshu (Pflaumenlikör). Softdrinks und Oolong-Tee gibt es für Nichttrinker immer.

  • Nama biru

    生ビールnama bīru

    Fassbier, im Krug (Jokki) serviert.

  • Chuhai

    酎ハイchūhai

    Shōchū mit Soda und Aroma wie Zitrone oder Grapefruit.

  • Shochu

    焼酎shōchū

    Brand aus Süßkartoffel, Gerste, Reis oder Rohrzucker, besonders mit Kyūshū verbunden; pur auf Eis, mit Wasser oder heißem Wasser getrunken.

  • Sake

    日本酒nihonshu

    Aus Reis gebrautes Getränk, kalt, zimmerwarm oder warm serviert.

Gepflogenheiten und Bezahlen

In der Gruppe schenkt man einander nach und achtet auf leere Gläser; traditionell gießen Jüngere den Älteren ein. Wer nichts mehr trinken möchte, lässt sein Glas einfach voll. Die Rauchregeln hängen vom Lokal und von örtlichen Vorschriften ab; ein Blick auf den Hinweis am Eingang klärt das.

Die Rechnung (Okaikei) wird am Ende bezahlt, meist an der Kasse; in Gruppen teilt man häufig gleichmäßig (Warikan). Trinkgeld ist nicht üblich. An vollen Abenden begrenzen viele Izakaya die Sitzzeit, besonders bei Trinkpauschalen.

Häufige Fragen

Was unterscheidet ein Izakaya von einer Bar?

Ein Izakaya bietet neben Getränken eine umfangreiche Speisekarte, das Essen gehört wesentlich dazu. Eine japanische Bar konzentriert sich auf Getränke und reicht allenfalls kleine Snacks.

Was ist die Otōshi auf der Rechnung?

Die Otōshi ist eine kleine Vorspeise, die in den meisten Izakaya automatisch serviert und pro Person berechnet wird – eine Art Gedeck. Sie ist ein normaler Brauch und keine Abzocke.

Kann man ins Izakaya gehen, ohne Alkohol zu trinken?

Ja. Izakaya haben Softdrinks, Oolong-Tee und zunehmend alkoholfreies Bier und Cocktails, und das Essen allein ergibt eine gute Mahlzeit.

Gibt man im Izakaya Trinkgeld?

Nein. Trinkgeld ist in Japan nicht üblich, und das Personal gibt es mitunter zurück. Manche Lokale berechnen für Separees oder Gruppenmenüs eine Servicegebühr.

Wie ruft man die Bedienung?

In den meisten Izakaya hebt man die Hand und ruft „Sumimasen“ (Entschuldigung). An manchen Tischen gibt es eine Rufklingel oder ein Bestell-Tablet.

Quellen

  1. 1.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO
  2. 2.日本酒造組合中央会 (öffnet in neuem Tab) — Japan Sake and Shochu Makers Association

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