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Japan

Sitten & Etikette

Verhalten in der Öffentlichkeit

公共マナーこうきょうまなーkōkyō manā

Meiwaku – die Kunst, niemandem zur Last zu fallen

Das Verhalten in der japanischen Öffentlichkeit beruht darauf, anderen kein Meiwaku – keine Umstände oder Belästigung – zu bereiten. Praktisch heißt das: Ruhe im Zug, geordnete Warteschlangen, Müll wieder mitnehmen, nur in ausgewiesenen Bereichen rauchen und vor dem Fotografieren von Menschen fragen.

Japans Städte sind dicht besiedelt, und der Alltag funktioniert nur, weil Millionen Fremde sich Züge, Gehwege und Bahnhöfe reibungslos teilen. Die ungeschriebenen Regeln dahinter lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: Meiwaku, die Last, die man anderen bereitet. Die meisten Umgangsformen in der Öffentlichkeit dienen schlicht dazu, sie zu vermeiden.

Einheimische maßregeln Besucher kaum, und nur selten wird jemand einen Fehler ansprechen. Die Regeln sind aber leicht einzuhalten, sobald ihr Zweck klar ist – und wer es tut, dem wird es positiv angerechnet.

In Bahn und Bus

Züge sind ruhige Orte. Das Handy steht auf lautlos („manner mode“), Telefonate werden im Wagen nicht geführt, Gespräche leise gehalten. Durchsagen bitten darum, die Vorrangsitze (yūsenseki) für ältere, schwangere, behinderte und verletzte Fahrgäste sowie Menschen mit Kleinkindern freizugeben.

Am Bahnsteig stellt man sich an den markierten Stellen an, lässt erst aussteigen und nimmt im vollen Wagen den Rucksack ab, um ihn vor dem Körper zu tragen oder in die Ablage zu legen. Viele Linien führen im Berufsverkehr Frauenwagen, die am Bahnsteig gekennzeichnet sind. In Pendlerzügen isst man nicht, in Fernzügen wie dem Shinkansen ist es dagegen selbstverständlich.

  • Manner mode

    マナーモードmanā mōdo

    Japanische Bezeichnung für den Lautlos- oder Vibrationsmodus des Handys.

  • Yūsenseki

    優先席yūsenseki

    Vorrangsitze nahe den Türen für Fahrgäste, die sie brauchen.

  • Josei sen'yō sharyō

    女性専用車両josei sen'yō sharyō

    Frauenwagen auf vielen städtischen Linien zu Stoßzeiten.

Schlangestehen und Rolltreppen

Geordnetes Anstehen ist selbstverständlich – an Bushaltestellen, Bahnsteigen, Kassen und beliebten Restaurants. Vordrängeln gehört zu den wenigen Dingen, die sichtbar verärgern.

Auf Rolltreppen stand man traditionell auf einer Seite und ließ die andere für Eilige frei: in Tokio und weiten Teilen Ostjapans links, in Osaka und großen Teilen der Kansai-Region rechts. Bahngesellschaften und einige Präfekturen bitten inzwischen aus Sicherheitsgründen ausdrücklich darum, auf beiden Seiten stehen zu bleiben und nicht zu gehen; Saitama und Nagoya haben dazu eigene Verordnungen erlassen.

Müll und Mülltrennung

Öffentliche Mülleimer sind selten – eine Folge von Sicherheitsbedenken und der Erwartung, dass man seinen Müll mit nach Hause nimmt. Konbini und Bahnhöfe haben Behälter für die eigene Kundschaft, neben Getränkeautomaten stehen meist Sammelbehälter für Flaschen und Dosen.

Wo es Mülleimer gibt, wird getrennt: brennbarer Abfall, PET-Flaschen, Dosen und Glas, manchmal noch mehr Kategorien. Regeln und Abholtage legen die Gemeinden fest, und Haushalte trennen peinlich genau. Am einfachsten ist es, tagsüber eine kleine Tüte für den eigenen Müll dabeizuhaben.

Rauchen

Viele Städte, darunter große Teile der Innenstadtbezirke Tokios und die historischen Viertel Kyotos, verbieten das Rauchen im Gehen auf öffentlichen Straßen; Verstöße können Bußgelder nach sich ziehen. Geraucht wird in ausgewiesenen Raucherbereichen, oft mit Schildern und Aschenbechern nahe Bahnhöfen. Nach dem geänderten Gesundheitsförderungsgesetz, seit 2020 vollständig in Kraft, ist das Rauchen in den meisten Restaurants, Büros und öffentlichen Gebäuden verboten, mit Ausnahmen für eigene Raucherräume und kleine bestehende Bars.

Fotografieren und Privatsphäre

Fremde, besonders aus der Nähe, ungefragt zu fotografieren, gilt als aufdringlich. Das betrifft vor allem Kinder, Maiko und Geiko in Kyotos Viertel Gion – wo in einigen Privatgassen inzwischen Fotoverbot herrscht – sowie Schreine und Tempel, deren Innenräume oft nicht fotografiert werden dürfen. Ein durchgestrichenes Kamerasymbol ist ernst gemeint.

In Japan verkaufte Handys geben beim Fotografieren ein nicht abschaltbares Auslösegeräusch von sich, eine Maßnahme gegen heimliches Fotografieren. Drohnen unterliegen über bewohnten Gebieten und in vielen Parks Beschränkungen durch das Luftfahrtgesetz und örtliche Regeln.

Alltägliche Rücksicht

Einige weitere Gewohnheiten erleichtern das Miteinander. Lautes Naseputzen in der Öffentlichkeit vermeidet man, und wer erkältet ist, trägt oft aus Rücksicht eine Maske. Essen im Gehen gilt traditionell als unschicklich. Fundsachen gibt man im Kōban (Polizeihäuschen) oder beim Bahnpersonal ab – ein bemerkenswert hoher Anteil findet zu den Besitzern zurück.

Öffentliche Wutausbrüche oder laute Auseinandersetzungen sind selten; Probleme werden höflich und leise angesprochen, oft eingeleitet mit „sumimasen“ („Entschuldigung“).

  • Kōban

    交番kōban

    Polizeihäuschen im Viertel; die Beamten helfen bei der Wegsuche und nehmen Fundsachen entgegen.

  • Sumimasen

    すみませんsumimasen

    Allzweckwort für „Entschuldigung“, „Verzeihung“ und „danke für die Mühe“.

Häufige Fragen

Darf man in japanischen Zügen telefonieren?

Im Wagen nicht; das Handy steht auf lautlos. Bei dringenden Anrufen geht man in den Übergangsbereich zwischen den Wagen oder wartet bis zur nächsten Station.

Warum gibt es in Japan so wenige Mülleimer?

Viele wurden aus Sicherheitsgründen entfernt, und man nimmt seinen Müll mit nach Hause. Konbini und Bahnhöfe haben Behälter, meist nach Müllart getrennt.

Auf welcher Seite der Rolltreppe steht man in Japan?

Traditionell in Tokio links und in Osaka rechts. Bahngesellschaften bitten inzwischen aber, aus Sicherheitsgründen auf beiden Seiten still zu stehen.

Darf man in Japan auf der Straße rauchen?

In vielen Städten ist Rauchen im Gehen auf öffentlichen Straßen verboten. Geraucht wird in ausgeschilderten Raucherbereichen, vor allem nahe Bahnhöfen.

Warum tragen so viele Menschen in Japan Masken?

Vor allem aus Rücksicht: Wer erkältet ist, schützt andere. Viele tragen Masken auch zur Pollensaison oder im Winter zum eigenen Schutz.

Quellen

  1. 1.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO
  2. 2.環境省 – ごみの分別・リサイクル (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  3. 3.Web Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of Foreign Affairs of Japan

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