Reisen
Unterwegs in Japan
Eines der dichtesten und pünktlichsten Verkehrsnetze der Welt
Japan bereist man am besten mit der Bahn: Der Shinkansen verbindet die großen Städte, JR und Privatbahnen erschließen die meisten Orte, dichte U-Bahn-Netze bedienen die Metropolen. Inlandsflüge, Fähren und Fernbusse schließen Lücken, ein Mietwagen lohnt sich in ländlichen Gegenden wie Hokkaido, Kyushu oder Okinawa.
Der öffentliche Verkehr in Japan ist schnell, dicht getaktet und pünktlich; in den Großstädten ist er für fast alle das selbstverständliche Verkehrsmittel. Die Bahn trägt einen weit größeren Anteil am Personenverkehr als in Europa oder Nordamerika, und Bahnhöfe sind Knotenpunkte des Alltags mit Geschäften, Restaurants und Kaufhäusern im oder über dem Bahnhof.
Für Besucher besteht die Hauptaufgabe darin, zu verstehen, wer welche Linie betreibt. Japans Bahnen sind kein einheitliches System, sondern ein Geflecht aus JR-Gesellschaften, Dutzenden Privatbahnen und städtischen U-Bahnen mit jeweils eigenen Fahrkarten – auch wenn IC-Karten inzwischen fast überall gelten.
JR und Privatbahnen
Die staatliche Japanische Staatsbahn (JNR) wurde 1987 privatisiert und in sechs regionale Personenverkehrsgesellschaften aufgeteilt – JR Hokkaido, JR East, JR Central, JR West, JR Shikoku und JR Kyushu – sowie eine landesweite Güterverkehrsgesellschaft. Gemeinsam betreiben sie den Shinkansen und ein großes Netz aus Express-, Eil- und Nahverkehrszügen; sie bilden die Grundlage des Japan Rail Pass.
Neben JR sind Privatbahnen (Shitetsu) bedeutende Betreiber, besonders um Tokio, Osaka und Nagoya. Viele entstanden, um Innenstädte mit Vororten, Ausflugs- und Wallfahrtsorten zu verbinden, und bieten oft die beste Verbindung nach Nikko, Hakone, Nara, Kōyasan oder Ise.
Odakyu
Tokio (Shinjuku) nach Hakone und Enoshima; Romancecar-Expresszüge.
Tobu
Tokio (Asakusa) nach Nikko und Kinugawa.
Kintetsu
Japans größte Privatbahn, verbindet Osaka, Kyoto, Nara, Nagoya und Ise-Shima.
Osaka zum Flughafen Kansai und nach Kōyasan.
Keisei
Tokio zum Flughafen Narita, u. a. mit dem Skyliner.
Meitetsu
Region Nagoya, einschließlich Flughafen Chubu Centrair und Inuyama.
In den Städten: U-Bahn, Straßenbahn, Bus
Tokio, Osaka, Nagoya, Yokohama, Kyoto, Kobe, Sapporo, Sendai und Fukuoka haben U-Bahnen; allein in Tokio gibt es mit Tokyo Metro und Toei zwei Betreiber. Linien sind farbig gekennzeichnet, Stationen nummeriert (etwa G-09), Schilder und Ansagen auch englisch.
Mehrere Städte, darunter Hiroshima, Nagasaki, Kumamoto, Kagoshima, Hakodate und Okayama, betreiben noch Straßenbahnen. In Kyoto sind Busse für die Tempel oft praktischer als die U-Bahn. In vielen Stadtbussen gilt ein Einheitstarif oder man zahlt per IC-Karte; andernorts zieht man beim Einsteigen einen nummerierten Zettel und zahlt beim Aussteigen nach Entfernung.
Fahrkarten und IC-Karten
Einzelfahrkarten kauft man am Automaten nach dem Fahrpreis zum Ziel; Tariftafeln über den Automaten nennen den Betrag, Nachzahlautomaten am Ausgang gleichen Differenzen aus. Für Express- und Shinkansen-Fahrten braucht man zusätzlich eine Expresskarte und für reservierte Plätze eine Platzkarte – erhältlich am Schalter, am Automaten und über Online-Buchungsdienste.
Aufladbare IC-Karten wie Suica, PASMO und ICOCA ersparen den Fahrkartenkauf für jede Fahrt und gelten in den meisten Stadtbahnen, U-Bahnen und Bussen sowie in Convenience Stores.
Guthabenkarten und ihre Smartphone-Varianten, in den Hauptregionen gegenseitig anerkannt.
Unbegrenzte Fahrten mit JR für Besucher über eine feste Zahl von Tagen.
Midori no madoguchi
みどりの窓口midori no madoguchiJR-Fahrkartenschalter für Reservierungen und den Pass-Umtausch; manche sind durch Automaten mit Videoberatung ersetzt.
Fernverkehr ohne Shinkansen
Inlandsflüge sind der schnellste Weg nach Hokkaido, Okinawa und zu abgelegenen Inseln und konkurrieren auf langen Strecken wie Tokio–Fukuoka mit dem Shinkansen. Japan Airlines und All Nippon Airways bedienen das Hauptnetz, daneben Billigflieger; in Tokio wickelt der Flughafen Haneda den Großteil der Inlandsflüge ab.
Fernbusse (Kōsoku-Basu) verbinden fast alle Städte, auch über Nacht, und sind die günstigste Art, weite Strecken zu reisen. Fähren kreuzen die Seto-Inlandsee und verbinden Honshu mit Hokkaido, Shikoku, Kyushu und den südlichen Inseln, teils mit Kabinen für Nachtfahrten.
Kōsoku-Basu
高速バスkōsoku basuFernbusse, auch Nachtbusse; Plätze werden im Voraus reserviert.
Lokale Schiffe zu Inseln wie Naoshima, Shōdoshima und Miyajima.
Autofahren
Es herrscht Linksverkehr, Wegweiser an Hauptstrecken sind zweisprachig, Schnellstraßen mautpflichtig; das elektronische Mautsystem ETC lässt sich zum Mietwagen dazubuchen. Ein Auto lohnt sich auf Hokkaido, im ländlichen Kyushu und Shikoku, auf Okinawa und in Bergregionen, kaum dagegen in Großstädten mit knappen Parkplätzen.
Japan erkennt Internationale Führerscheine nach dem Genfer Abkommen von 1949 an – dazu gehören etwa die in Österreich ausgestellten. Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Belgien, Monaco und Taiwan stellen dieses Format nicht aus; Inhaber ihrer Führerscheine brauchen eine amtliche japanische Übersetzung, erhältlich beim japanischen Automobilclub JAF oder bei der jeweiligen Botschaft. Beide Dokumente gelten bis zu ein Jahr ab Einreise, der nationale Führerschein ist stets mitzuführen. Am Steuer gilt null Promille.
Praktische Hinweise
Stadtbahnen sind in den morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten extrem voll; auf manchen Linien gibt es zu Spitzenzeiten Frauenwagen. Große Koffer sind in vollen Zügen hinderlich – das Vorausschicken des Gepäcks zwischen Hotels ist deshalb verbreitet.
In Zügen ist Ruhe die Norm: Telefonate vermeidet man; Essen ist in Fernzügen üblich, in Pendlerzügen nicht. Auf dem Bahnsteig stellt man sich an den markierten Türpositionen an.
Koffer per Kurier (Takkyūbin) zum nächsten Hotel oder Flughafen vorausschicken.
Ruhe im Zug, Anstellen und Vorrangsitze.
Häufige Fragen
Kommt man in Japan ohne Japanischkenntnisse zurecht?
Ja. Stationsnamen, Schilder und die meisten Ansagen auf Hauptlinien sind auch englisch, Linien und Stationen farbig markiert und nummeriert, und Routenplaner-Apps funktionieren auf Englisch.
Reicht in Japan der Internationale Führerschein aus Deutschland?
Nein. Der in Deutschland ausgestellte Internationale Führerschein folgt dem Wiener Abkommen und wird in Japan nicht anerkannt. Nötig ist eine amtliche japanische Übersetzung des deutschen Führerscheins, etwa von der JAF; dasselbe gilt für die Schweiz.
Und mit einem österreichischen Führerschein?
Österreich stellt Internationale Führerscheine nach dem Genfer Abkommen von 1949 aus, die in Japan zusammen mit dem nationalen Führerschein gelten.
Was unterscheidet JR von Privatbahnen?
JR ist die privatisierte frühere Staatsbahn, aufgeteilt in Regionalgesellschaften; Privatbahnen sind eigenständige Unternehmen mit eigenen Strecken und Fahrkarten. Der Japan Rail Pass gilt nur bei JR.
Gibt es Nachtzüge in Japan?
Kaum noch; der Schlafwagenzug Sunrise Izumo/Sunrise Seto ab Tokio ist die wichtigste regelmäßige Verbindung. Nachtbusse und Fähren sind häufiger.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO
- 2.Driving in Japan with a foreign driver's license (öffnet in neuem Tab) — Japan Automobile Federation (JAF)
- 3.Valid International Driving Permit in Japan (öffnet in neuem Tab) — Tokyo Metropolitan Police Department
- 4.JR-EAST Travel Information (öffnet in neuem Tab) — East Japan Railway Company