Tokio · Sonderbezirk
Shibuya
渋谷区しぶやくShibuya-kuMode, Jugendkultur und ein Waldschrein mitten in Tokio
Shibuya ist der Sonderbezirk im Südwesten der Tokioter Innenstadt, bekannt für die Scramble-Kreuzung, die Jugendmode von Harajuku und den Boulevard Omotesando. Zu ihm gehören auch Meiji Jingu, Tokios großer Waldschrein, der Yoyogi-Park und die eleganten Viertel Ebisu und Daikanyama.
Überblick
Shibuya liegt in einem Tal – shibu-ya, möglicherweise „herbes Tal“ –, das der Shibuya-Fluss in die Musashino-Terrasse schnitt. Bis ins späte 19. Jahrhundert war es ländliches Gebiet mit Höfen und Daimyo-Landsitzen an der Straße nach Oyama; die 1885 eingetroffene Eisenbahn machte es zu einem der großen Knotenpunkte Tokios, wo Pendlerlinien aus den südwestlichen Vororten auf die Yamanote-Ringlinie treffen.
Ab den 1960er-Jahren wurde Shibuya Zentrum der Tokioter Jugendkultur. Kaufhäuser, Modehäuser und Musikläden machten das Bahnhofsviertel zum Trendsetter, während Harajukus Takeshita-dori und die Seitenstraßen von Ura-Harajuku weltweit bekannte Streetwear-Bewegungen hervorbrachten. Die Scramble-Kreuzung vor dem Bahnhof, an der Tausende gleichzeitig die Straße queren, ist zum Sinnbild Tokios geworden; ein großer Umbau des Bahnhofsareals hat Hochhäuser und die Aussichtsplattform Shibuya Sky hinzugefügt.
Eine andere Seite des Bezirks zeigt der 70 Hektar große Wald des Meiji Jingu, des Schreins für Kaiser Meiji und Kaiserin Shoken, mit dem angrenzenden Yoyogi-Park, 1964 olympisches Dorf. Weiter südlich sind Ebisu und Daikanyama für Restaurants, Boutiquen und eine entspanntere Wohnatmosphäre bekannt.
Sehenswürdigkeiten
Scramble-Kreuzung
渋谷スクランブル交差点Shibuya Sukuranburu KōsatenDie diagonal querbare Fußgängerkreuzung vor dem Hachiko-Ausgang, eine der belebtesten der Welt.
Hachiko-Statue
忠犬ハチ公像Chūken Hachikō-zōBronzestatue des treuen Akita-Hundes, Treffpunkt seit den 1930er-Jahren; die heutige Figur stammt von 1948.
Meiji Jingu
明治神宮Meiji JingūSchrein von 1920 für Kaiser Meiji und Kaiserin Shoken in einem gepflanzten Wald von rund 100.000 Bäumen, mit riesigem Holz-Torii und innerem Garten.
Yoyogi-Park
代々木公園Yoyogi KōenGroßer Park mit Rasenflächen und Wäldchen neben dem Meiji Jingu, belebt von Musikern, Picknickern und Wochenendveranstaltungen.
Nationalstadion Yoyogi
国立代々木競技場Kokuritsu Yoyogi KyōgijōKenzo Tanges Hallen mit Hängedach für Olympia 1964, ein Wahrzeichen der modernen japanischen Architektur.
Takeshita-dori
竹下通りTakeshita-dōriSchmale Fußgängerstraße in Harajuku mit Jugendmode, Crêpe-Ständen und Figurenartikeln.
Omotesando
表参道OmotesandōVon Zelkoven gesäumte Allee zum Meiji Jingu mit Flaggschiffläden führender japanischer und internationaler Architekten.
Shibuya Sky
渋谷スカイShibuya SukaiOffene Dachterrasse auf Shibuya Scramble Square mit Blick hinab auf die Kreuzung.
Stadtviertel
Bahnhofsviertel Shibuya
渋谷ShibuyaKaufhäuser, Modehäuser, Center-gai und der Hang Dogenzaka mit Clubs und Livemusik-Bühnen.
Harajuku
原宿HarajukuJugendmode rund um die Takeshita-dori und unabhängige Boutiquen in Ura-Harajuku.
Ebisu
恵比寿EbisuRestaurants, Bars und Ebisu Garden Place auf dem Gelände der früheren Yebisu-Brauerei.
Daikanyama
代官山Daikan'yamaNiedrig bebautes Viertel mit Boutiquen und Cafés um Fumihiko Makis Hillside Terrace.
Sendagaya und Yoyogi
千駄ヶ谷SendagayaWohngebiete am Südrand von Shinjuku Gyoen und um die nationalen Sportanlagen.
Geschichte
Der Name wird mit dem Shibuya-Klan verbunden, lokalen Kriegern des 12. Jahrhunderts, deren Schutzschrein der Konno Hachimangu gewesen sein soll. In der Edo-Zeit prägten Felder, Daimyo-Landsitze und Tempel die Gegend. 1885 wurde der Bahnhof Shibuya eröffnet, 1920 der Meiji Jingu auf dem Gelände eines früheren Daimyo-Anwesens geweiht.
Der treue Akita-Hund Hachiko wartete von 1925 bis 1935 täglich am Bahnhof Shibuya auf sein verstorbenes Herrchen und wurde zum nationalen Symbol der Treue. Nach dem Krieg lag in Yoyogi die US-Militärsiedlung Washington Heights, die 1964 zum olympischen Dorf und danach zum Yoyogi-Park wurde. 2015 stellte Shibuya als erste Gemeinde Japans Bescheinigungen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus.
12. Jahrhundert
Der Shibuya-Klan ist in der Gegend aktiv; der Name wird traditionell auf ihn zurückgeführt.
1885
Der Bahnhof Shibuya wird an der Shinagawa-Linie eröffnet.
1920
Der Meiji Jingu wird Kaiser Meiji und Kaiserin Shoken geweiht.
1925–1935
Der Hund Hachiko wartet täglich am Bahnhof Shibuya auf sein verstorbenes Herrchen.
1932
Der Bezirk Shibuya entsteht innerhalb der Stadt Tokio; bei der Neuordnung 1947 behält er seine Grenzen.
1964
In Yoyogi entstehen das olympische Dorf und Kenzo Tanges Nationalstadion Yoyogi.
1967
Auf dem Gelände des olympischen Dorfs öffnet der Yoyogi-Park.
2015
Shibuya führt als erste Gemeinde Japans Partnerschaftsbescheinigungen für gleichgeschlechtliche Paare ein.
2019
Über dem Bahnhof öffnet Shibuya Scramble Square mit der Aussichtsplattform Shibuya Sky.
Kultur
Shibuya ist Tokios Labor der Jugendkultur, vom „Shibuya-kei“-Pop der 1990er-Jahre bis zur Streetwear Harajukus. Livemusik-Clubs, Kinos, Theater und das Kulturzentrum Bunkamura machen es zu einem Zentrum der darstellenden Künste; die Vorreiterrolle bei der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und die jährliche Tokyo Rainbow Pride im Yoyogi-Park spiegeln sein progressives Image.
Feste
Neujahr am Meiji Jingu
初詣hatsumōdeIn den ersten Januartagen empfängt der Meiji Jingu mehr Neujahrsbesucher als jeder andere Schrein Japans.
Genki-Fest Harajuku Omotesando
原宿表参道元氣祭 スーパーよさこいHarajuku Omotesandō Genki Matsuri Sūpā YosakoiEnde August tanzen Yosakoi-Gruppen aus ganz Japan den Omotesando entlang.
Herbstfest des Meiji Jingu
明治神宮秋の大祭Meiji Jingū Aki no TaisaiUm den 3. November, den Geburtstag Kaiser Meijis, mit höfischer Musik, Tanz und berittenem Bogenschießen.
Tokyo Rainbow Pride
東京レインボープライドTōkyō Reinbō PuraidoFrühlingsfest und Parade im und um den Yoyogi-Park.
Essen
Crêpes aus Harajuku
クレープkurēpuGerollte süße Crêpes mit Sahne und Obst, seit den 1970er-Jahren ein Klassiker der Takeshita-dori.
Nonbei Yokocho
のんべい横丁Nonbei YokochōEine Gasse winziger Nachkriegsbars und Yakitori-Theken neben den Gleisen.
Yebisu-Bier
ヱビスビールEbisu bīruBiermarke, nach deren Brauerei und Bahnhof das Viertel Ebisu benannt ist.
Ramen und Izakaya
ラーメンrāmenDichte Ansammlungen von Ramen-Lokalen und Izakaya um Dogenzaka und Ebisu.
Unterwegs vor Ort
- Den Bahnhof Shibuya bedienen die JR-Linien Yamanote, Saikyo und Shonan-Shinjuku, die Tokyu-Linien Toyoko und Den-en-toshi, die Keio-Inokashira-Linie sowie die U-Bahn-Linien Ginza, Hanzomon und Fukutoshin.
- Die Bahnhöfe Harajuku (JR Yamanote) und Meiji-jingumae (Linien Chiyoda und Fukutoshin) erschließen Harajuku und Meiji Jingu; der Bahnhof Omotesando liegt an den Linien Ginza, Hanzomon und Chiyoda.
- Die Tokyu-Toyoko-Linie fährt ab Shibuya in rund 35 Minuten nach Yokohama und Minato Mirai.
- Shibuya, Harajuku und Omotesando liegen jeweils 15 bis 20 Gehminuten auseinander.
Ausflüge
Direkt mit der Tokyu-Toyoko-Linie nach Minato Mirai und Chinatown.
Etwa eine Stunde mit der JR Shonan-Shinjuku-Linie.
Zwei Stationen nördlich an der Yamanote-Linie.
Kunstmuseen und Designläden im benachbarten Minato.
Weitere Städte der Präfektur
Häufige Fragen
Wann ist an der Scramble-Kreuzung am meisten los?
Abends und an Wochenendnachmittagen; den besten Blick bieten die Gänge des Bahnhofs, umliegende Cafés und die Plattform Shibuya Sky.
Wer war Hachiko?
Ein Akita-Hund, der sein Herrchen, einen Universitätsprofessor, täglich am Bahnhof Shibuya abholte und nach dessen Tod 1925 fast zehn Jahre lang weiter dort wartete.
Gehört Harajuku zu Shibuya?
Ja. Harajuku, Omotesando, Ebisu und Daikanyama gehören alle zum Bezirk Shibuya.
Wie gelangt man zur Haupthalle des Meiji Jingu?
Von den Bahnhöfen Harajuku oder Meiji-jingumae führt ein Kiesweg durch den Wald und unter dem großen Torii hindurch in etwa zehn Gehminuten zur Haupthalle.
Weiterlesen
Quellen
- 1.渋谷区ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 渋谷区 (Shibuya City)
- 2.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局 (Statistics Bureau of Japan)
- 3.明治神宮 (öffnet in neuem Tab) — 明治神宮 (Meiji Jingu)
- 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO