Meiji-Schrein
明治神宮めいじじんぐうMeiji JingūEin gepflanzter Wald und der Schrein Kaiser Meijis
Der Meiji-Schrein (Meiji Jingū) ist der Shintō-Schrein für Kaiser Meiji und Kaiserin Shōken, 1920 neben Harajuku im Tokioter Bezirk Shibuya gegründet. Seine Hauptgebäude stehen in einem rund 70 Hektar großen Wald, den Freiwillige aus ganz Japan pflanzten, und zu Neujahr kommen mehr Gläubige als an jeden anderen Schrein des Landes.
Überblick
Der Meiji-Schrein ehrt Kaiser Meiji, unter dessen Herrschaft (1868–1912) Japan sich zum modernen Staat wandelte, und seine Gemahlin Kaiserin Shōken. Nach dem Tod des Kaisers 1912 forderte eine landesweite Bewegung einen Schrein in Tokio; gewählt wurde ein kaiserliches Anwesen in Yoyogi, das das Paar gekannt hatte. Am 1. November 1920 wurde der Schrein geweiht.
Berühmt ist er vor allem für seinen Wald. Auf weitgehend offenem Gelände planten Forstwissenschaftler einen sich selbst erhaltenden Wald aus immergrünen Laubbäumen und pflanzten rund 100.000 Bäume, die aus ganz Japan und dem Ausland gespendet worden waren – ein Großteil der Arbeit leisteten junge Freiwillige. Ein Jahrhundert später ist daraus ein dichter, naturnaher Wald mitten in der Stadt geworden, durchzogen von breiten Kieswegen, die man durch hohe hölzerne Torii betritt.
Die Hauptgebäude im Nagare-zukuri-Stil mit Kupferdächern verbrannten bei den Luftangriffen 1945 und wurden 1958 mit Spenden aus dem ganzen Land wiederaufgebaut. 2020 wurden sie als herausragende Beispiele moderner Schreinarchitektur zum Wichtigen Kulturgut erklärt. Jenseits des inneren Bezirks liegt der Äußere Garten (Gaien) in den Bezirken Minato und Shinjuku mit Sportstätten und der Gedenkbildergalerie.
Höhepunkte
Otorii
大鳥居ŌtoriiDas große Torii am Zugang von Harajuku, eines der größten hölzernen Torii vom Myōjin-Typ in Japan.
Hauptheiligtum und Gebetshallen
御社殿GoshadenZypressenbauten mit grünen Kupferdächern um einen weiten Kieshof; die beiden Kampferbäume davor gelten als „Ehepaar“.
Sake- und Weinfässer
奉献酒樽hōken sakadaruWände aus bemalten, von Brauereien gestifteten Sakefässern gegenüber einer Reihe Burgunder-Weinfässer – ein Verweis auf die Offenheit des Kaisers für westliche Sitten.
Innerer Garten
御苑GyoenGarten des früheren Anwesens mit Teich, der Quelle „Kiyomasas Brunnen“ und einem Irisfeld, das im Juni blüht.
Meiji-Jingu-Museum
明治神宮ミュージアムMeiji Jingū MyūjiamuMuseum von 2019 nach Entwurf des Architekten Kuma Kengo mit der kaiserlichen Kutsche und persönlichen Gegenständen des Paares.
Der Schreinwald
鎮守の杜chinju no moriGepflanzter Wald aus Kampferbäumen, Eichen und anderen Immergrünen, angelegt, um sich ohne menschliches Zutun zu verjüngen.
Geschichte
Die Idee eines Gedenkschreins entstand unmittelbar nach dem Tod Kaiser Meijis 1912 und seiner Beisetzung in Kyoto; Kaiserin Shōken starb 1914. 1915 beschloss die Regierung, den Schrein in Yoyogi und den Äußeren Garten in Aoyama anzulegen. Bau und Aufforstung dauerten fünf Jahre, getragen von Jugendgruppen aus dem ganzen Land.
Die ursprünglichen Gebäude wurden im April 1945 durch Brandbomben zerstört, der Wald blieb weitgehend erhalten. Der 1958 abgeschlossene Wiederaufbau folgte eng dem ursprünglichen Entwurf. Das große Torii am Südzugang wurde 1975 aus taiwanischer Zypresse erneuert, und 2019 eröffnete vor dem hundertjährigen Jubiläum ein Museum nach Entwurf von Kuma Kengo.
1912
Tod Kaiser Meijis; eine Bewegung für einen Gedenkschrein in Tokio entsteht.
1915
Baubeginn und Beginn der Aufforstung in Yoyogi.
1920
Weihe des Schreins am 1. November.
1926
Fertigstellung des Äußeren Gartens mit der Gedenkbildergalerie.
1945
Luftangriffe zerstören die Hauptgebäude.
1958
Das wiederaufgebaute Hauptheiligtum wird fertiggestellt.
1975
Erneuerung des großen hölzernen Torii (Ōtorii).
2019
Eröffnung des Meiji-Jingū-Museums.
2020
Hundertjahrfeier; die Schreingebäude werden Wichtiges Kulturgut.
Kultur
Als Schrein eines Kaisers, der für die Modernisierung steht, ist der Meiji-Schrein eng mit staatlichem Zeremoniell verbunden. Beim Hatsumōde, dem ersten Schreinbesuch des neuen Jahres, ist er der meistbesuchte Schrein Japans; die Menschen stehen dann stundenlang auf den Zugangswegen an. Zu den Frühjahrs- und Herbstfesten gehören traditionelle darstellende Künste, und der wichtigste Ritus fällt auf den 3. November, den Geburtstag des Kaisers und heutigen Kulturtag.
Der Schrein ist zudem ein beliebter Ort für Shintō-Hochzeiten; an Wochenenden ziehen oft Brautpaare unter einem roten Schirm über den Hof. Familien bringen Kinder im November zum Shichi-go-san und Neugeborene zum ersten Schreinbesuch. Der Wald selbst ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung – als Beispiel eines Stadtwaldes, der von Anfang an auf Selbsterhaltung angelegt war.
Besuch
- Der Haupteingang liegt direkt am JR-Bahnhof Harajuku und an der U-Bahn-Station Meiji-jingumae; weitere Zugänge beginnen im Norden nahe dem Bahnhof Yoyogi und im Westen bei Sangubashi.
- Vom Torii bis zur Haupthalle sind es etwa zehn Gehminuten durch den Wald; der Schrein öffnet bei Sonnenaufgang und schließt je nach Jahreszeit bei Sonnenuntergang.
- Zu Neujahr, besonders an den ersten drei Januartagen, ist der Andrang gewaltig; werktags am Morgen ist es ruhig.
- Es gilt die Schreinetikette: Verbeugung am Torii, Hände und Mund am Wasserbecken reinigen, beten mit zwei Verbeugungen, zweimal Klatschen und einer Verbeugung.
- Innerer Garten und Museum sind vom frei zugänglichen Gelände getrennt.
In der Nähe
Die Jugendmode der Takeshita-dōri und der baumgesäumte Boulevard Omotesandō beginnen direkt vor den Toren.
Yoyogi-Park
代々木公園Yoyogi KōenGroßer Stadtpark auf dem Gelände des Olympischen Dorfes von 1964, angrenzend an den Schreinwald.
Meiji Jingu Gaien
明治神宮外苑Meiji Jingū GaienDer Äußere Garten mit seiner Ginkgo-Allee, berühmt für das goldene Laub Ende November.
Tokios großes Geschäfts- und Vergnügungsviertel liegt eine Station nördlich an der Yamanote-Linie.
Häufige Fragen
Wer wird im Meiji-Schrein verehrt?
Kaiser Meiji, der von 1867 bis 1912 regierte, und seine Gemahlin Kaiserin Shōken. Beigesetzt ist der Kaiser in Kyoto, nicht am Schrein.
Ist der Wald am Meiji-Schrein natürlich?
Nein. Er wurde zwischen 1915 und 1920 mit rund 100.000 gespendeten Bäumen gepflanzt und von Forstleuten so geplant, dass er sich zu einem sich selbst erhaltenden immergrünen Wald entwickelt.
Ist der Meiji-Schrein alt?
Er stammt von 1920, die heutigen Gebäude wurden nach der Kriegszerstörung 1958 wiederaufgebaut. Trotz seines jungen Alters zählt er zu den wichtigsten Schreinen Japans.
Wie voll ist es zu Neujahr?
Sehr voll: Der Meiji-Schrein verzeichnet in den ersten Januartagen in der Regel die meisten Hatsumōde-Besucher Japans.
Kann man dort eine Hochzeit sehen?
Hochzeitsprozessionen ziehen vor allem an Wochenenden oft über den Hof; man kann sie mit respektvollem Abstand beobachten.
Weiterlesen
Quellen
- 1.明治神宮 (öffnet in neuem Tab) — 明治神宮
- 2.文化遺産オンライン (öffnet in neuem Tab) — 文化庁