Tokio · Sonderbezirk
Chuo
中央区ちゅうおうくChūō-kuEdos Kaufmannsherz, von Nihonbashi bis Ginza
Chuo ist der Sonderbezirk, der das alte Kaufmannsherz Edos östlich des Kaiserpalasts umfasst. Dazu gehören Nihonbashi, Ausgangspunkt der japanischen Fernstraßen und Sitz der ältesten Kaufhäuser, das Luxuseinkaufsviertel Ginza, das Kabuki-Theater Kabukiza, der Außenmarkt von Tsukiji sowie die Inselviertel Tsukishima und Harumi an der Bucht.
Überblick
Chuo, „Mitte“, liegt zwischen den Gräben des Kaiserpalasts und dem Sumida auf Land, das zu großen Teilen in der frühen Edo-Zeit der Bucht abgerungen wurde. Hier schlug das Handelsherz Edos: Kaufleute, Großhändler und Handwerker drängten sich an den Kanälen um Nihonbashi, die Brücke, von der aus die fünf großen Fernstraßen des Shogunats vermessen wurden und die bis heute Nullpunkt der japanischen Nationalstraßen ist.
Die großen Kaufmannshäuser Edos wuchsen hier zu modernen Konzernen. Aus Mitsuis Tuchhandlung Echigoya wurde das Kaufhaus Mitsukoshi, die Bank von Japan steht auf dem Gelände der Goldmünze des Shogunats, und die Tokioter Börse hat ihren Sitz in Nihonbashi Kabutocho. Ginza, benannt nach der Silbermünze von 1612, wurde nach einem Brand 1872 in Backstein neu errichtet und zu Japans Schaufenster westlicher Mode, Cafés und Kaufhäuser – eine Rolle, die es mit den Flaggschiffläden internationaler Marken bis heute spielt.
Zur Bucht hin lag bis 2018 der weltberühmte Fischgroßmarkt von Tsukiji; sein Außenmarkt mit Essensständen und Messerläden besteht fort. Jenseits des Sumida bewahrt Tsukudajima die Atmosphäre eines Fischerdorfs, während Tsukishima, Kachidoki und Harumi – seit den 1890er-Jahren auf Neuland entstanden – Monjayaki-Straßen mit Wohnhochhäusern verbinden und Chuo zu einem der am schnellsten wachsenden Wohnbezirke Tokios machen.
Sehenswürdigkeiten
Nihonbashi
日本橋NihonbashiGranitbrücke von 1911 mit bronzenen Kirin und Löwen, Kilometer null der Nationalstraßen; Wichtiges Kulturgut.
Ginza
銀座GinzaTokios vornehmste Einkaufsstraße, am Wochenende Fußgängerzone, mit Kaufhäusern, Flaggschiffläden und dem Uhrturm von Wako.
Kabukiza
歌舞伎座KabukizaTokios wichtigstes Kabuki-Theater; der heutige Bau (2013) zeigt die traditionelle Fassade vor einem Büroturm, Einzelakt-Karten erlauben kurze Besuche.
Außenmarkt Tsukiji
築地場外市場Tsukiji Jōgai ShijōHunderte Läden und Stände mit Meeresfrüchten, Messern, Trockenwaren und Sushi zum Frühstück.
Tsukiji Hongan-ji
築地本願寺Tsukiji Hongan-jiTempel der Jodo-Shinshu-Schule, 1934 von Ito Chuta im altindischen Stil neu erbaut, mit Pfeifenorgel in der Haupthalle.
Hama-rikyu-Garten
浜離宮恩賜庭園Hama-rikyū Onshi TeienEhemaliger Garten des Shoguns an der Bucht mit Gezeitenteich, Entenjagd-Verstecken und Teehaus auf einer Insel.
Bank von Japan
日本銀行本店Nippon Ginkō HontenNeobarocker Steinbau von Tatsuno Kingo (1896) auf dem Gelände der Edoer Goldmünze, mit Geldmuseum in der Nähe.
Stadtviertel
Nihonbashi
日本橋NihonbashiKaufhäuser, alte Läden für Messer, Lackwaren und Bonito-Flocken sowie Finanzinstitute.
Ginza
銀座GinzaLuxuseinkauf, Galerien, Bars und exklusive Restaurants.
Tsukiji
築地TsukijiAußenmarkt, Tsukiji Hongan-ji und das frühere Marktgelände.
Tsukishima und Tsukuda
月島TsukishimaMonjayaki-Straße, das alte Fischerviertel Tsukudajima und Wohnhochhäuser.
Ningyocho
人形町NingyōchōAltmodisches Viertel mit traditionellen Restaurants und Süßwarenläden nahe dem Suitengu-Schrein.
Geschichte
Tokugawa Ieyasu ließ die Hügel von Kanda abtragen, um die Sümpfe der Bucht aufzufüllen; auf diesem Land entstanden Nihonbashi und Kyobashi. Die erste Nihonbashi-Brücke wurde 1603 fertiggestellt. Fischer aus dem Dorf Tsukuda in Settsu siedelten auf einer Insel an der Sumida-Mündung und belieferten die Tafel des Shoguns; ihr eingekochter Fisch, Tsukudani, ist nach der Insel benannt.
Nach der Meiji-Restauration machten Ginzas Backsteinstadt, die Bank von Japan und die Börse das Viertel zum Zentrum des modernen Handels. Beim Erdbeben 1923 und erneut 1945 brannte es großteils nieder und wurde jeweils wieder aufgebaut. Der Bezirk Chuo entstand 1947 aus den Bezirken Nihonbashi und Kyobashi. 1964 wurde über der Nihonbashi-Brücke eine Hochstraße gebaut – ein viel kritisierter Eingriff in das historische Stadtbild.
1603
Die erste Nihonbashi-Brücke entsteht und wird Ausgangspunkt des Tokaido und anderer Fernstraßen.
1612
Die Silbermünze des Shogunats zieht in das Viertel, das fortan Ginza heißt.
1673
Die Familie Mitsui eröffnet die Tuchhandlung Echigoya, Vorläuferin von Mitsukoshi.
1872–1877
Nach einem Großbrand wird Ginza als Backsteinstadt westlicher Art neu errichtet.
1889
Das erste Kabukiza wird eröffnet.
1911
Die heutige steinerne Nihonbashi-Brücke ist vollendet.
1935
Der Zentrale Großmarkt Tokio öffnet in Tsukiji.
1947
Der Bezirk Chuo entsteht aus Nihonbashi und Kyobashi.
2018
Der Großmarkt zieht von Tsukiji nach Toyosu im Bezirk Koto.
Kultur
Chuo verkörpert die Handelskultur Edos und ihrer modernen Erben: jahrhundertealte Läden in Nihonbashi, das Kabukiza sowie Ginzas Galerien, Cafés und Kaufhäuser, wo in der Meiji-Zeit das Flanieren auf der Straße, „Gin-bura“, in Mode kam. Das Fest des Sumiyoshi-Schreins auf Tsukudajima und der Rettichmarkt am Takarada-Ebisu-Schrein halten ältere Nachbarschaftsbräuche lebendig.
Feste
Bettara-ichi
べったら市Bettara-ichiAm 19. und 20. Oktober rund um den Takarada-Ebisu-Schrein in Nihonbashi, ein Straßenmarkt, berühmt für süß eingelegten Rettich.
Sumiyoshi-Fest auf Tsukudajima
佃島住吉神社例大祭Tsukudajima Sumiyoshi Jinja ReitaisaiAnfang August; alle drei Jahre in großer Form, bei der ein tragbarer Schrein in den Sumida getragen wird.
Bon Odori am Tsukiji Hongan-ji
築地本願寺納涼盆踊り大会Tsukiji Hongan-ji Nōryō Bon Odori TaikaiSommerlicher Bon-Tanz im Tempelhof mit Essensständen der Markthändler.
Essen
Sushi
寿司sushiVon den Frühstückstheken des Tsukiji-Außenmarkts bis zu Ginzas exklusivsten Sushi-Bars.
Monjayaki
もんじゃ焼きmonjayakiIn der Monja-Straße von Tsukishima braten Gäste den flüssigen Teig in Dutzenden Lokalen selbst.
Tsukudani
佃煮tsukudaniIn Soja und Zucker eingekochte Fischchen und Algen, noch heute von alten Läden auf Tsukudajima hergestellt.
Anpan
あんパンanpanSüße Brötchen mit Bohnenmus, in den 1870er-Jahren in einer Bäckerei in Ginza erfunden.
Ningyo-yaki
人形焼ningyōyakiKleine Küchlein mit Bohnenmus aus figürlichen Formen, Spezialität von Ningyocho.
Unterwegs vor Ort
- Die Yaesu-Seite des Bahnhofs Tokio liegt im Bezirk Chuo; von den Shinkansen-Gleisen sind Nihonbashi und Kyobashi zu Fuß erreichbar.
- Die U-Bahn-Linien Ginza, Hibiya und Marunouchi bedienen Ginza, die Oedo-Linie Tsukiji-shijo und Tsukishima, Hanzomon- und Tozai-Linie Nihonbashi.
- Wasserbusse verbinden den Hama-rikyu-Garten über den Sumida mit Asakusa und Odaiba.
- Ginzas Hauptstraße ist an Wochenendnachmittagen für Autos gesperrt; der Bezirk lässt sich großteils bequem zu Fuß erkunden.
Ausflüge
Mit dem Wasserbus den Sumida hinauf ab Hama-rikyu.
Mit der Yurikamome über die Rainbow Bridge oder zum Tokyo Tower.
Ein kurzer Spaziergang westwärts durch Marunouchi.
Hafenstadt mit Chinatown und Minato Mirai, etwa 30 Minuten mit JR.
Weitere Städte der Präfektur
Häufige Fragen
Gibt es den Fischmarkt von Tsukiji noch?
Der Großmarkt zog 2018 nach Toyosu; der Außenmarkt von Tsukiji mit Essensständen, Restaurants und Fachgeschäften besteht aber weiter.
Warum ist Nihonbashi so bedeutend?
Seit 1603 ist die Brücke Ausgangspunkt der wichtigsten Fernstraßen Japans; Entfernungen auf Nationalstraßen werden bis heute von einer Markierung in ihrer Mitte gemessen.
Kann man Kabuki sehen, ohne ein ganzes Programm anzuschauen?
Ja. Das Kabukiza verkauft am Tag der Vorstellung Einzelakt-Karten (Hitomakumi) für einen Akt des Programms.
Wann ist die Hauptstraße von Ginza gesperrt?
Die Chuo-dori wird an Wochenend- und Feiertagsnachmittagen zur Fußgängerzone.
Weiterlesen
Quellen
- 1.中央区ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 中央区 (Chuo City)
- 2.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局 (Statistics Bureau of Japan)
- 3.東京都公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 東京都 (Tokyo Metropolitan Government)
- 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO