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Japan

Sitten & Etikette

Schenken in Japan

贈答ぞうとうzōtō

Kleine Gaben, die Beziehungen im Gleichgewicht halten

Schenken ist in Japan eine geregelte soziale Praxis, die Beziehungen pflegt, und weniger eine spontane Geste. Reisemitbringsel (omiyage) für Kollegen, Saisongeschenke im Sommer und zum Jahresende sowie Gegengeschenke für empfangene Gefälligkeiten folgen weithin geteilten Konventionen.

Ein Geschenk soll in Japan weniger überraschen als eine Beziehung bestätigen. Man schenkt, um sich für Hilfe zu bedanken, den Lauf der Jahreszeiten zu würdigen, eine erste Begegnung zu erleichtern oder denen etwas mitzubringen, die während der Reise zu Hause geblieben sind. Entscheidend ist, dass Anlass und Beziehung zueinander passen – nicht zu wenig, aber auch nicht beschämend viel.

Dahinter steht der Gedanke der Gegenseitigkeit. Jede Gabe schafft eine kleine Verpflichtung, und viele Anlässe verlangen ein Gegengeschenk. Das erklärt, warum japanische Geschenke oft bescheiden, sorgfältig verpackt und zum Verbrauch bestimmt sind.

Omiyage – Mitbringsel für andere

Wer verreist, und sei es nur übers Wochenende, bringt Familie, Kollegen oder Mitschülern Omiyage mit. Meist sind das einzeln verpackte Süßigkeiten oder Snacks, die für den besuchten Ort typisch sind, damit im Büro jeder ein Stück bekommt. Bahnhöfe und Flughäfen verkaufen regionale Spezialitäten in Schachteln, die genau dafür gemacht sind.

Der Brauch geht auf die Pilgerreisen der Edo-Zeit zurück: Oft legte ein ganzes Dorf zusammen, damit einer zu einem großen Schrein wie Ise reisen konnte, und der Pilger brachte Amulette und örtliche Waren für alle mit. Der Gedanke, sich bei denen zu bedanken, die einen während der Abwesenheit vertreten haben, ist bis heute der Kern.

Geschenke im Jahreslauf

Zwei Geschenksaisons prägen das Jahr. Ochūgen werden im Früh- bis Hochsommer verschickt, Oseibo im Dezember – jeweils an Menschen, denen man sich verpflichtet fühlt: Geschäftspartner, Vorgesetzte, Lehrer, Verwandte. Kaufhäuser richten dafür eigene Verkaufstheken ein, und die Geschenke – Bier, Obst, Speiseöl, Kaffee, Handtücher, haltbare Lebensmittel – werden oft direkt zugestellt. Viele Unternehmen haben den Brauch eingeschränkt, in Familien und traditionellen Geschäftsbeziehungen ist er aber lebendig.

Weitere Anlässe sind Neujahr (Otoshidama, Geld für Kinder in besonderen Umschlägen), Hochzeiten, Geburten, Trauerfälle und der Einzug in eine neue Wohnung – jeweils mit eigenen Regeln und eigenen Umschlägen.

  • Ochūgen

    お中元ochūgen

    Sommergeschenk als Dank an Menschen, denen man verbunden ist; der Zeitpunkt unterscheidet sich leicht zwischen Ost- und Westjapan.

  • Oseibo

    お歳暮oseibo

    Geschenk zum Jahresende als Dank für das vergangene Jahr, verschickt im Dezember.

  • Okaeshi

    お返しokaeshi

    Gegengeschenk, etwa nach Hochzeits- oder Trauergaben; üblicherweise ein Bruchteil des Werts des Erhaltenen.

  • Temiyage

    手土産temiyage

    Kleines Mitbringsel, das man bei einem Besuch zu Hause oder im Büro persönlich überreicht, oft Süßes.

Verpackung und Präsentation

Die Aufmachung gehört zum Geschenk. Geschäfte verpacken auf Wunsch sorgfältig, und förmliche Gaben tragen eine Papierbanderole (Noshi-Papier) mit aufgedruckter Zierschnur (Mizuhiki) und einem Anlass wie 御礼 (Dank) oder 御中元. Auf den Knoten kommt es an: Eine lösbare Schleife steht für Ereignisse, die sich gern wiederholen dürfen, etwa Geburten; ein fest verknoteter Abschluss für Hochzeiten und Trauerfälle, die nur einmal geschehen sollen.

Die Papiertüte des Geschäfts dient nur dem Transport. Bei einer förmlichen Übergabe nimmt man das Geschenk heraus und überreicht es allein.

  • Noshi

    熨斗noshi

    Gefaltetes Papierornament, heute meist aufgedruckt; kennzeichnet ein festliches Geschenk und fehlt bei Trauergaben.

  • Mizuhiki

    水引mizuhiki

    Zierschnüre aus gehärtetem Papier; rot-weiß für freudige Anlässe, schwarz-weiß oder silbern für Trauer.

  • Furoshiki

    風呂敷furoshiki

    Quadratisches Einschlagtuch, in dem förmliche Geschenke getragen werden; vor der Übergabe wird es abgenommen.

Überreichen und Annehmen

Geschenke werden mit beiden Händen überreicht und angenommen, meist mit einer leichten Verbeugung. Traditionell spielt der Schenkende seine Gabe herunter – „tsumaranai mono desu ga“ („nur eine Kleinigkeit“) –, heute hört man häufiger das freundlichere „kimochi desu“ („nur ein Zeichen meiner Verbundenheit“).

Oft wird ein Geschenk nicht sofort vor den Augen des Gebers geöffnet. So entsteht keine Verlegenheit über den Wert, und es zeigt, dass die Geste mehr zählt als der Gegenstand. Fordert der Schenkende ausdrücklich zum Öffnen auf, darf man es tun. Beim nächsten Treffen noch einmal für das Geschenk zu danken, gilt als aufmerksam.

Was man besser meidet

Manche Geschenke wecken unerwünschte Assoziationen, meist durch Wortspiele oder Bezüge zu Beerdigungen. Besuchern verzeiht man solche Fehler leicht, doch wer sie kennt, erspart sich peinliche Momente.

  • Vierer- und Neunersets

    Vier (shi) klingt wie „Tod“, neun (ku) wie „Leid“; ungerade Zahlen außer der Neun gelten bei freudigen Anlässen als glückbringend.

  • Taschentücher und Messer zu Feiern

    Taschentücher stehen für Abschied und Tränen, Messer und Scheren für das Durchtrennen von Bindungen.

  • Weiße Chrysanthemen und Topfpflanzen für Kranke

    Weiße Chrysanthemen sind Trauerblumen; Topfpflanzen deuten an, im Krankenbett „Wurzeln zu schlagen“.

  • Kämme

    Das Wort kushi lässt sich als Verbindung der Silben für „Leid“ und „Tod“ lesen.

Hinweise für Besucher

Wer eine japanische Familie besucht oder Geschäftspartner trifft, liegt mit einem bescheidenen Mitbringsel aus der eigenen Heimat richtig – regionale Lebensmittel, Süßes oder ein gut gemachter kleiner Gegenstand. Verbrauchbares lässt sich leichter annehmen als Dekoratives, das man aufbewahren muss.

Geld wird nur zu bestimmten Anlässen geschenkt, stets in einem besonderen Umschlag und zu freudigen Anlässen in neuen Scheinen. Von Besuchern wird so etwas kaum je erwartet; Bargeld als Dankeschön in alltäglichen Situationen kann verlegen machen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Omiyage?

Omiyage sind Mitbringsel von einer Reise für Familie, Freunde oder Kollegen, meist einzeln verpackte regionale Süßigkeiten zum Verteilen.

Welches Gastgeschenk eignet sich für einen Besuch in Japan?

Etwas Typisches aus der eigenen Heimat, am besten Essbares wie Gebäck, Schokolade oder eine regionale Spezialität. Wichtiger als der Wert ist die sorgfältige Verpackung.

Warum packen Japaner Geschenke nicht sofort aus?

So entsteht keine Verlegenheit über den Wert, und die Geste steht im Vordergrund. Bittet der Schenkende darum, darf man das Geschenk öffnen.

Welche Zahlen sollte man bei Geschenken vermeiden?

Vier und neun, weil ihre Lesungen shi und ku an die Wörter für Tod und Leid erinnern.

Erwartet man in Japan Geschenke bei Geschäftsterminen?

Pflicht ist es nicht, doch beim ersten Besuch oder nach erfolgreicher Zusammenarbeit ist ein bescheidenes Geschenk üblich, besonders bei traditionellen Unternehmen.

Quellen

  1. 1.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO
  2. 2.Web Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of Foreign Affairs of Japan

Redaktion · Veröffentlicht: