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Japan

Reisen

Ryokan

旅館りょかんryokan

Tatami, Futon, Onsen und Kaiseki: Gastfreundschaft auf Japanisch

Ein Ryokan ist ein traditionelles japanisches Gasthaus mit Tatamizimmern, Futon, Yukata und meist einem mehrgängigen Abendessen und Frühstück im Preis. Viele liegen in Onsen-Orten und haben eigene Thermalbäder; der Aufenthalt folgt dem Rhythmus und der Etikette des Hauses.

Ryokan entstanden aus den Herbergen an den Fernstraßen der Edo-Zeit, in denen Reisende, Händler und Pilger übernachteten, und aus den Badehäusern der Kurorte. Heute reichen sie vom kleinen Familienbetrieb bis zum großen Resorthotel mit japanischen Zimmern, von der rustikalen Berghütte bis zu einer der feinsten Formen von Gastlichkeit weltweit.

Eine Nacht im Ryokan dreht sich weniger um das Zimmer als um das Gesamterlebnis: Ankunft am Nachmittag, Baden, Umkleiden in den Yukata, ein jahreszeitliches Abendessen aus vielen kleinen Gängen und Schlafen auf Futon über Tatami. Das Ideal des Service ist Omotenashi – eine aufmerksame Gastfreundschaft, die Wünsche vorwegnimmt.

Das Zimmer

Ein Ryokan-Zimmer ist mit Tatamimatten ausgelegt und mit niedrigem Tisch und Bodenstühlen (Zaisu) eingerichtet. In einer Nische (Tokonoma) hängen eine Bildrolle und ein der Jahreszeit entsprechendes Blumenarrangement; Papierschiebetüren (Shōji) öffnen sich oft zu einer Veranda oder einem Garten. Viele Zimmer haben am Fenster eine kleine Sitzecke mit westlichen Stühlen.

Während des Abendessens oder am Abend räumt das Personal den Tisch beiseite und legt Futon-Matratzen und Decken aus; morgens werden sie wieder verstaut. Manche modernen Ryokan haben Betten, gehobene Zimmer mitunter ein eigenes Freiluftbad.

  • Tatami

    畳tatami

    Gewebte Binsenmatten; weder Schuhe noch Hausschuhe werden darauf getragen.

  • Tokonoma

    床の間tokonoma

    Schmucknische; dort stellt man kein Gepäck ab und setzt sich nicht hinein.

  • Futon

    布団futon

    Matratze und Decke, für die Nacht auf den Tatami ausgelegt.

  • Nakai-san

    仲居さんnakai-san

    Zimmerbetreuerin, die in traditionellen Häusern Tee zur Ankunft und das Abendessen serviert und das Bettzeug auslegt.

Bäder und Yukata

Die meisten Ryokan haben große, nach Geschlechtern getrennte Gemeinschaftsbäder, die in Kurorten mit natürlichem Quellwasser gespeist werden; viele bieten zusätzlich ein Freiluftbad (Rotenburo) oder reservierbare Privatbäder. Es gilt die Onsen-Etikette: zuerst waschen, ohne Badekleidung baden, Handtücher aus dem Wasser halten.

Im Haus, zum Abendessen und in Onsen-Orten sogar auf der Straße tragen Gäste den bereitgelegten Baumwoll-Yukata, in kühleren Monaten mit einer Haori-Jacke darüber. Die linke Seite liegt dabei über der rechten; rechts über links ist Verstorbenen vorbehalten.

  • Onsen-Etikette

    Die Regeln des Gemeinschaftsbads und ihre Gründe.

  • Yukata

    浴衣yukata

    Leichter Baumwollkimono des Hauses, links über rechts getragen.

Abendessen und Frühstück

Das Abendessen ist der Mittelpunkt des Aufenthalts, meist eine Folge kleiner jahreszeitlicher Gerichte im Kaiseki-Stil mit regionalen Zutaten: Sashimi, gegrillter Fisch, geschmortes Gemüse, ein Eintopf, Reis, eingelegtes Gemüse und Misosuppe. Serviert wird im Zimmer oder im Speisesaal, zu einer bei Ankunft vereinbarten Zeit, oft innerhalb eines festen Zeitfensters am frühen Abend.

Das Frühstück ist japanisch – gegrillter Fisch, Reis, Misosuppe, Ei, Eingelegtes und kleine Beilagen –, in manchen Häusern auch westlich. Besondere Ernährungswünsche sollte man bei der Buchung angeben, da die Menüs im Voraus vorbereitet werden.

  • Kaiseki

    Die mehrgängige jahreszeitliche Küche vieler Ryokan.

  • Ippaku nishoku

    一泊二食ippaku nishoku

    „Eine Nacht, zwei Mahlzeiten“ – die übliche Ryokan-Buchung.

  • Sudomari

    素泊まりsudomari

    Nur Übernachtung ohne Mahlzeiten; bieten manche Häuser an.

Hausregeln und Etikette

Die Schuhe zieht man am Eingang (Genkan) aus und schlüpft in Hausschuhe, die wiederum vor dem Zimmer bleiben, bevor man die Tatami betritt; eigene Toilettenpantoffeln trägt man nur in der Toilette. Eingecheckt wird meist am Nachmittag; wer deutlich später als vereinbart ankommt, bringt den Ablauf des Abendessens durcheinander und sollte sich ankündigen.

Große Koffer sind in traditionellen Häusern mit engen Gängen unpraktisch; viele Gäste schicken ihr Gepäck voraus und bringen nur eine Übernachtungstasche mit. Trinkgeld wird nicht erwartet. Der Preis gilt pro Person inklusive Steuern und Service; in Kurorten kommt eine kommunale Badesteuer (Nyūtō-zei) hinzu.

  • Genkan

    Eingangsbereich, in dem man die Schuhe auszieht.

  • Trinkgeld

    Nicht erwartet; für besonderen Service bedankt man sich mit Worten.

Klassische Ryokan-Orte

Ryokan gibt es in ganz Japan, am stimmungsvollsten sind aber die traditionellen Onsen-Orte, in denen Gasthäuser Flüsse und Gassen säumen und Gäste in Yukata und Geta zwischen den öffentlichen Bädern flanieren.

  • Kinosaki Onsen

    Kanalstädtchen mit Weiden in der Präfektur Hyogo und sieben öffentlichen Bädern, die man im Yukata besucht.

  • Kusatsu

    Eine der berühmtesten Quellen Japans mit dem dampfenden Yubatake im Ortszentrum.

  • Hakone

    Kurort in den Bergen nahe Tokio und dem Fuji.

  • Beppu

    Nach Zahl der Quellen und Wassermenge Japans größter Kurort.

  • Yufuin

    Ruhige Gasthäuser in ländlicher Umgebung am Fuß des Berges Yufu.

  • Dōgo Onsen

    Uralte Quelle in Matsuyama mit einem berühmten Badehaus aus der Meiji-Zeit.

  • Kaga Onsen

    Die Kurorte Yamanaka und Yamashiro in der Präfektur Ishikawa.

  • Ibusuki

    Bekannt für Sandbäder am Strand im Süden Kyushus.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Ryokan?

Für die meisten Besucher gehören ein, zwei Nächte zu den Höhepunkten der Reise, weil sie Baden, Küche und traditionelle Architektur verbinden. Da Abendessen und Frühstück inbegriffen sind, sollte man den Preis mit Hotel plus Restaurant vergleichen.

Schläft man im Ryokan auf dem Boden?

Ja, auf Futon-Matratzen über den Tatami – bequemer, als viele erwarten. Manche Ryokan bieten Zimmer mit Betten.

Darf man den Yukata draußen tragen?

In Onsen-Orten ja, dort geht man im Yukata zu den öffentlichen Bädern und durch den Ort. In Städten trägt man ihn nur im Hotel.

Kann man mit Tattoos im Ryokan übernachten?

Viele Ryokan beschränken Tattoos in den Gemeinschaftsbädern, doch Zimmer mit eigenem Bad oder reservierbare Privatbäder umgehen das Problem. Am besten bei der Buchung nachfragen.

Wie früh muss man im Ryokan ankommen?

Meist am Nachmittag bis zum frühen Abend, damit Bad und Abendessen in Ruhe möglich sind. Wer später ankommt, sollte das Haus vorab informieren.

Quellen

  1. 1.日本旅館協会 (Japan Ryokan & Hotel Association) (öffnet in neuem Tab) — Japan Ryokan & Hotel Association
  2. 2.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO
  3. 3.温泉の保護と利用 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)

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